Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1935)
- Date
- 1935-03-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 12 Der Israelit 21. März 1935 tigung in jüdischem Sinne. Der sephardische Oberrabbiner Chacnam U s i e 1 führt in kurzer Rede ebenfalls aus, daß hier keine Demonstrationsversammlung vor sich gehe, sondern eine Willenskundgebung für das Heiligste in und um uns. „Wir begnügen uns nicht allein mit nrrna. Sabbatruhe, wir verlangen die ncnp< Sabbatheiligung. Ein Jude, der sich zu einer Sabbatentweihung entschließt, reißt sich los vom jüdischen Volke und vom jüdischen Lande." Es sprach noch Herr N e r i j a h vom Jugendverein „Bne Akiba". Nach Verlesung mehrerer Resolutionen, die einstimmig angenommen wurden, wurde die imposante Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Personalien. Professor Jacob Obermeyer 90 Jahre alt. Würzburg, 18. März. Der Senior der deutsch-jüdischen .Gelehrten, der größte Mesopotamienforscher unserer Zeit, Herr Professor Jacob Obermeyer, begeht am 21. März in voller geistiger Frische seinen 9 0. Geburtstag. Ein Autsatz aus berufener Feder, in dem der ungewöhnlich interessante Lebensgang wie die wertvolle Lebensarbeit dieses Gelehrten geschildert wird, erscheint in nächster Nummer. Zum Geburtstage wünschen wir dem Jubilar weitere vom Glücke der Forschung besonnte Jahre. nw D'-iPsn n«n is Köln, 15. März. Hermann Kahn, der würdige und edle Sproß der Familie Samuel Kahn hat seine irdische Laufbahn beendet. Güte, Bescheidenheit, wahrhaftige G'ttesfurcht, Treue und Ehrlichkeit in Gesinnung und im Handeln — das waren seine herrlichsten fugenden. Tiefwurzelnd bis zum letzten Atemzuge in dem beglückenden Glauben unserer heiligen G tteslehre, war sein Leben eine Fortsetzung des Werkes des von ihm so heißgeliebten Vaters. Dem Schabbosgedanken galt die ganze Kraft seiner Arbeit. Begeisterungsfreudigkeit an dem Bau seines „Mischkon", Freigebigkeit und Schaffensfrohsinn bei allen heiligen Institutionen unserer Stadt und des heiligen Landes zeichneten ihn aus. Kein unlauterer Gedanke lebte in ihm, kein unschönes Wort kam über seine Lippen. Wie strahlte sein seelenvolles Auge von innerem Glück, welch prachtvoller Reichtum seines Herzens zeigte sich, wenn es ihm durch seine liebevolle, gütige Art gelang, Frieden zwischen Menschen zu stiften, sie der Tauroh oder der Schabbosheiligung zuzuführen. Jahre gab es, in denen er allein die umfangreichen Arbeiten seiner geschäftlichen Unternehmungen leitete und seinen Brüdern gestattete, Mizwos zu üben und sich völlig Dingen zu widmen, die nur das Wohl von Anderen förderten, in menschlichen und jüdischen Hilfeleistungen. Und so bescheiden wie im Leben, so still verließ er den Schauplatz seines segensreichen irdischen Wirkens. Der 'a n« n*i an dem er seine reine Seele aushauchte, gestattete nicht, daß an seiner Bahre Worte der Klage gesprochen wurden. Im Trauerhause spiegelte sich so recht die Liebe und Verehrung wieder, die der Heimgegangene in allen Kreisen genoß. Ergreifende Worte des Gedenkens und des Dankes widmeten hier die Herren Rabb. Dr. Carlebach, Dr, Rosenthal und Dr. Wolf, auch die Herren Leo Münk und Willy Wolf dem Heimgegangenen. n-axon Giebelstadt, 10. März. Von einem schweren Schicksalsschlag wurde die Familie unseres Kultusvorstandes, Max Pfeuffer, heimgesucht. Innerhalb weniger Tage wurde deren jüngster hoffnungsvoller Sohn hingerafft. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der beliebten Familie zu und aus Nah und Fern gaben Freunde und Bekannte dem Kinde das letzte Geleite. Am Grabe fand Herr Lehrer Kahn, Gaukönigshofen Worte des Trostes, indem er schilderte, wie dieses Kind bereits weit über sein Alter hinaus die ernste Lebensauffassung eines guten Jehudi zu erkennen gab. Möge n-apn den Eltern und Geschwistern seinen Trost senden. S. H. Wüstensachsen, 20. März. Lehrer Berthold K a t z, früher Burghaun, ist von der Regierung an die hiesige jüdische Volksschule versetzt worden. Basel, 17.März. Hief starb am 15. März Emanuel Goldschmied» der aus Bayern stammte, und seit mehreren Jahrzehnten in Basel wohnte. Emanuel Goldschmied, der ein Alter von 85 Jahren erreichte, hat den Krieg von 1870.71 bereits als deutscher Offizier mitgemacht und ist im Jahre 1914 freiwillig zum Heeresdienst eingerückt, obwohl er damals annähernd 65 Jahre alt war. Er war über zwei Jahre als Hauptmann unter den Fahnen und wurde ehrenvoll entlassen. Der Verstorbene hat der jüdischen Tradition treu gelebt, hatte er doch in seiner Jugend noch Gelegenheit, das alte unverfälschte Judentum kennen zu lernen. Seit 25 Jahren war er eifriges, tätiges Mitglied der Chewrah Kadischah in Basel, und es fand wohl keine Taharoh und keine Lewajoh statt, bei der er nicht persönlich mitwirkte. Noch zwei Wochen vor seinem erfolgten Ableben hat er den heiligen Liebesdienst ausgeübt. Er war auch, aktives Mitglied des Erez Jisroel-Komitees für die Schweiz. Sein Andenken wird in Basel stets fortdauern, n-asan Tel Awiw, 17. März. Am 27. Adar II begeht Herr Menachem E. Lewinsky seinen 6 0. Geburtstag. Der bekannten Breslauer Rabbinerfamilie Falk entstammend, übersiedelte er schon in früheren Jahren nach der Großstadt Berlin, wo er sein Haus begründete. Im jüdischen Leben Berlins spielte Herr Lewinsky bald eine bedeutsame Rolle. Besonders der „Chewrah Kadischa" und dem „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" wandte er sein Interesse zu und stellte sich selbstlos zur Verfügung. Schon vor einer Reihe von Jahren, noch bevor äußere Umstände einschneidende Veränderungen im deutschen Judentum hervorriefen, ging Herr Lewinsky mit seiner Familie nach Erez Israel. Den Lesern des „Israelit" ist der Jubilar durch seine öfteren Aufsätze über den wirtschaftlichen und religiösen Aufbau bekannt. Mögen dem Jubilar zusammen mit seiner ihm gleichgesinnten Gattin im Kreise seiner. Kinder und Enkel noch viele Jahrzehnte thoratreuer Aufbauarbeit beschieden sein. vrsviy Vermischtes. Berlin, 17. März. Auch in diesem Jahre wurde der siebente Adar am 12. März in einer überaus würdigen und eindrucksvollen Feier durch die Chewrah Kadischa begangen. Schon in den frühen Morgenstunden machten die tätigen Mitglieder der Chewra, unter Führung der Herren Hermann Schwarz und Dr. Erwin G a - 1 e w s k i, den traditionellen Rundgang auf dem Friedhof in Weißensee, woselbst an verschiedenen Gräbern Bußgebete gesprochen wurden. Rabbiner Dr. Link hielt die auf den Tag bezughabende Rede, in der er auf die Seelengröße, und Geisteshoheit des großen Führers Israels hinwies, der im schönsten Strahlenglanze den echten Diener G'ttes verkörpert. Diese Rede hatte eine eigene bestimmende Note und ging diesmal weit über den engen Rahmen einer Gedenkrede hinaus, indem Dr. Link, in Anlehnung an das Prophetenwort '13? nwn mw vor mit aller Deutlichkeit mahnend und warnend darauf hinwies, daß wir in dem harten Schicksal, das die gesamte Judenheit betroffen und in dem schweren seelischen Druck, der uns fast vernichtet, die starke Hand der g'ttlichen Vorsehung zu erblicken haben. Wir haben leider nü* allzuoft, in selbstgefälliger Ueberhebung, den Sinn unserer eigentlichen Lebensbestimmung verloren, gingen ohne Thora, ja oft gegen die T h o r a , den Irrweg des Lebens, der schließlich zum tiefen Abgrund führen mußte, vor dem wir nun, ohne Halt und ohne Stütze, fast hoffnungslos dastehen. In seinen weiteren Ausführungen sprach Redner auch über die Bedeutung des Rundganges und des Besuches der Gräber des Friedhofes, schmerzlich betonend, daß es durch die Geschehnisse der Zeit Vielen nicht mehr möglich sein wird, die Gräber ihrer Liebe zu besuchen und es daher eine besondere Pietätspflicht der Chewra sein wird, diese altehrwürdige Sitte aufrecht zu erhalten. Die fastenden Mitglieder der Chewra versammelten sich zum Mincha-G'ttesdienst in der Alten Synagoge, Heidereuterjiasse, woselbst eine Seelengedächtnisfeier für die verstorbenen Mitglieder der Chewra abgehalten wurde. R. G. Berlin, 19. März. Viele Mitglieder der altehrwür-. digen Lippmann -Tauß-Synagoge in Berlin haben jetzt ebenfalls ihren Wohnsitz in Palästina. Von Haifa kam die Bitte; einem dortigen „deutschen Minjan" aus dem reichen Schatz dieser alten! Synagoge eine Sefer Thora zu spenden. Der Vorstand der Synagoge bewilligte darauf ein so kostbares Ge<-, schnk für den besonders geheiligten Zweck. Am . Schabbos Sochaur nahm Herr Rabbiner Dr. Singermann in feierlicher Weise von dem im Silberschmuck prangenden Sefer Abschied. Es solle im heiligen Lande dafür zeugen, sagte er, daß wir die Thora gepflegt und geliebt haben, wo immer als Juden wir hingestellt waren. Er beglückwünschte Vorstand und Synagoge zu der Alijah ihrer Sefer Thora. Den ganzen G'ttesdienst über blieb das. Sefer ausgehoben. Alle verabschiedeten sich nach der Andacht bewegt und erfreut von dein Sefer Thora. Berlin-Charlottenburg, 10. März. Die Schulabteilung der Reichsvertretung der deutschen Juden, Charlottenburg 2, Kantstr. 158, hat in den letzten Wochen sämtlichen ihr als unbeschäftigt gemeldeten .Lehrkräften einen Fragebogen zugeschickt. Eine Anzahl der Bogen kam als unbestellbar zurück. Die Schulabteilung bittet daher alle unbeschäftigten bezw. nur in geringem Umfang beschäftigten Lehrkräfte, die von der Umfrage nicht erreicht wurden, tun möglichst umgehende Mitteilung, ihrer Adresse. Berlin, 14. März. Die „Frankfurter Zeitung"" meldet aus Braunschweig; Der 47jährige Otto Reupke in Langelsheim hatte einem nichtarischen Kaufmann erlaubt, auf der Bodenkammer seiner Dienstwohnung Waren aufzustellen. Dem Kaufmann war es wirtschaftlich so schlecht gegangen, daß er Wohlfahrtsunterstützung bezogen hatte. Später hatte er eine Stellung bei einer arischen Firma bekommen, für die er Waren verkaufte. Damit er nun nicht immer den schweren Koffer mit sich zu tragen brauchte, wenn er die Waren in Langelsheim verkaufen wollte, hatte Reupke ihm aus Gefälligkeit gestattet, den Koffer und die Waren auf der Bodenkammer unterzubringen. Eine Entschädigung ha,tte Reupke dafür nicht genommen, sie. war ihm auch nicht angeboten worden. Er hatte es aus Gefälligkeit getan und weil er wußte, daß der Kaufmann Kriegsfreiwilliger gewesen war. Als die Angelegenheit in Langelsheim bekannt wurde, kam es dort zu einer großen Erregung, so daß drei Abgesandte der Partei bei Reupke erschienen und ihn wegen seines Verhaltens zur Rede stellten. Reupke hatte sich jetzt vor der Dienststrafkammer für nichtrichterliche Beamte zu verantworten. Die Dienststrafkammer verurteilte den Angeklagten wegen Nichteinholung der Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde zu dem von dem Generalstaatsanwalte beantragten Verweis. Altona, 11. März. In Vertretung des Oberrabbiners Dr. Carlebach hielt Rabbiner Ed. D u c k e s z die Predigt bei der Gedenkfeier für _die Gefallenen des Weltkrieges. Anknüpfend an das Psalmwort Kap. 20, Vers 4, ni>o n:wv -\rbw inruc ^3 -of> besprach Redner die „Ganzopfer", die die jüdischen Soldaten auf dem Altar der Vaterlandstreue gebracht haben. Er gedachte sowohl derjenigen, die auf fremdem Boden ungenannt dahingesunken sind, als auch derjenigen, die in der Heimat ihre letzte Ruhe gefunden haben. Auch aus Altona haben 40 jüdische Helden mit ihrem Tode auf den Schlachtfeldern ein überzeugendes Bekenntnis zum deutschen Vaterland abgelegt. Halberstadt, 19. März. Im Rahmen der Agudas Jisroel und des Vereins „Tifereth Jeschuruh" hielt Herr Rabbiner Dr. F r a n k 1 einen Vortrag über „Leben und Werk des Maimonides". Der Redner zeichnete in der Einleitung das äußere Leben dieser gewaltigen Persönlichkeit. Daran schloß er eine tiefgreifende Analyse der zeit- und geistesgeschichtlichen Verhältnisse zur Lebenszeit des Rambam. Die universale geistige Gestalt dieses Großen wurde deutlich. Referent erörterte besonders die Auseinandersetzung zwischen' der wissenschaftfreundlichen Haltung des Rambam und ihrer Ablehnung durch seine Gegner, die in der Beschäftigung mit der Wissenschaft eine Gefahr für die Erhaltung der Tradition erblickten. In außerordentlich feinsinniger Weise gab der geistvolle Redner dem aufmerksam lauschenden Auditorium einen Einblick in das umfassende Werk des Rambam und seine methodischen Grundsätze. Der Vortrag gipfelte in der Aufforderung, durch eifriges Studium das Andenken dieses Großen, der in seinem Leben jede Ehrung ablehnte, lebendig zu erhalten. Darmstadt, 15. März. Die neue jüdische Schule zu Darmstadt trat mit einer bemerkenswerten Veranstaltung an die Oeffentlichkeit. Vor überfülltem Saale brachte sie die Kinderoper „Die Reise um die Erde" zur Aufführung. Ein entzückendes Kindertheater, in dem jede einzelne Szene besondere Reize aufweist. — In einführenden Worten sprach Herr Lehrer B i c k vom Entstehen und Inhalt des Spieles. Das Publikum ist gebannt von dem Spiele der etwa hundert mitwirkenden Kinder. Ein von 30—40 Kindern gebildeter Chor umrahmt das Spiel mit reizenden Gesängen, die prächtigen Tanzgruppen finden besonderen Beifall. Ein gut aufeinander eingespieltes Orchester erhöht die Wirkung des Gebotenen. Den Höhepunkt erreicht der Abend in der Palästinaszene. :Die Pause vor der Schlußszene benutzt Herr Rabb. Dr.. M er zb a c h , um ein paar Worte über; das segensreiche Wirken der. jüdischen Schule zu sprechen^ um allen Mitarbeitern Dank, zu sagen. Sein, besonderer Dank gilt Herrn Bick, den er Kopf und' Seele des Ganzen nannte, und in dessen Hand Stabführung und Spielleitung lagen. Stürmischer Beifall lohnt Kinder jund Lehrer; Der Abend wurde als besonderes Erlebnis empfunden. So war die Schule gezwungen, die Darbietung der Kinderoper zweimal zu wiederholen. Bocholt, 15. März. Am 24. März, 16 Uhr, tagt die- Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer vom Niederrhein in Mülheim (Ruhr). 1. Lernen aus Mischneh- Thora snan idd 2. Vortrag über Sprachformen des Talmud. . (Fortsetzung.) Wie seit Jahren stellt die Eng e.l- Apoth eke- Frankfurt a. M. Große Friedbergerstr. 44/46, Medikamente aller Art in einer Form, her, die. auch an Pessach gebraucht werden kann. Dazu gehören die gebräuchlichsten Schlaf-, Beruhigungs- und Abführmittel usw., ferner Kosmetica wie Zahnpaste und fl. Seife. Die. Präparate .werden unter Aufsicht'der Israelitischen Religionsgesellsch'aft hergestellt und auf Bestellung auch nach auswärts versandt. Näheres darüber sit aus" den Inseraten zu ersehen.