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Der Israelit · 1935-03-21 · Heft 12 (21.3.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 12 (21.3.1935)
Date
1935-03-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 12 Der Israelit 21. März 1935 Der Minister antwortete, daß die „Order in Council" und eine Reihe anderer Verordnungen, die gleichzeitig in Kraft treten, den Anspruch britischer Untertanen, von einem englischen Richter abgeurteilt zu werden, nicht aufheben, jedoch die Gleichberechti» gung aller Personen in Palästina in Bezug auf die Behandlung ihrer Rechtsfälle herstellen. Der zweite Teil der Frage sei zu verneinen. Pesachpakete an Verwandte in Rußland. London, 17. März. Die Londoner „Federation of Jewish Relief Organisations" hat eine begrenzte Quantität Mehl zur Mazzosherstellung, Tee, Zucker und Oel erworben, die in Standardpaketen an Einzelpersonen auf Bestellung von Verwandten an deklassierte Juden in Rßuland geliefert werden können. Wer Verwandte in Rußland hat und von dieser Gelegenheit Gebrauch machen will, wende sich an die Federation, London W. 1, 33 Soho Square. Die dritte Sammelkampagne des Central British Fund. London, 15. März. Ein u. a. auch von Lionel de Rothschild und Chief-Rabbi Dr. J. H. Hertz unterschriebener Aufruf wendet sich an die englische Judenheit, die dritte Sammelkampagne des Central British Fund zugunsten deutscher Juden tatkräftig zu unterstützen. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß angesichts der derzeitigen Lage größere Mittel als im vorigen Jahre für die Unterstützung der Ausgewanderten auf englischem Boden, für das Hilfswerk in Deutschland und für die Aktion zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina erforderlich sind. Der Central British Fund hat seinen ersten Bericht über den Verlauf der neuen Sammelkampagne veröffentlicht. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Sammlungen bisher einen Betrag von 54.234 Pfund erbracht haben. Palästina. Anlage von 11 öffentlichen Gärten in Jerusalem. Jerusalem, 10. März. Die Stadtverwaltung von Jerusalem hat beschlossen, eine Reihe von Maßnahmen zur Verschönerung der Stadt zu treffen. So sollen elf öffentliche Gärten, davon drei bereits in allernächster Zeit, angelegt werden. Einer der neuen Gärten wird 180 Dunam groß sein. Für der Verschönerungsarbeiten ist ein Betrag von 70.000 Pfund vorgesehen. Auch von den syrischen Hule-Böden geht ein Teil in jüdische Hände über. Jerusalem, 8. März. Die arabische Presse teilt mit, daß Juden mit den Besitzern der syrischen Teile der Hule-Böd e n Verhandlungen wegen Erwerbs eines Teils dieser Böden führen. Die Zeitungen teilen weiter mit, daß der Großmufü von Jerusalem, Haj Aman el Husseini eine Gesellschaft mit einem Kapital von 60.000 Pfund geschaffen hat, deren Ziel es ist, zu verhindern, daß arabischer Boden in jüdische Hände übergeht. Die arabische Presse deutet an, daß Verhandlungen der Besitzer der syrischen Böden mit dem Mufti wegen Erwerbs dieser Böden durch Araber geführt werden. Die Bevölkerungszunahme in Palästina im Jahre 1934. Jerusalem, 10. März. Laut den im „Commercial Bulletin" veröffentlichten Zahlen hatte Palästina in den ersten 11 Monaten des Jahres 1934 infolge des Zustroms von Einwanderern und Besuchern einen Bevölkerungszuwachs von durchschnittlich 4000 Menschen pro Monat zu verzeichnen. In diesem Zeitraum sind 164.248 Personen nach Palästina gekommen und 121.387 Personen haben das Land verlassen. Die im Lande Verbliebenen waren bis auf 4511 Personen Juden. 43.410 Palästina-Einwohner verließen Palästina — zum großen Teil nur vorübergehend —, 42.042 kehrten zurück. In beiden Fällen handelt es sich in der großen Mehrheit um Nichtjuden. Die Zahl der einreisenden Touristen, Pilger und Durchreisenden betrug 61.878; wieder ausgereist sind von dieser Kategorie 57.327 Personen; ein Drittel von ihnen waren Juden. Hungerstreik „illegaler Einwanderinnen" im Frauengefängnis von Bethlehem. J e r u s a 1 e m , 11. März. Vor einigen Tagen wurde es bekannt, daß zwei „illegale Einwanderinnen" im Gefängnis von Bethlehem sich bereits seit einer Woche im Hungerstreik befinden, daß aber die Polizei diese Tatsache bisher geheim gehalten habe. Der Polizeikommandant Hauptmann Rice, weigerte sich zunächst, eine Abordnung der Rechtsschutzkommission des Waad Leumi, die mit ihm über die Freilassung der Gefangenen gegen Kaution verhandeln wollte, zu empfangen. Nunmehr hat der High Commissioner ihre Freilassung gegen eine Kaution von je 100 Pfund verfügt. Palästinaregierung und Jerusalemer Stadtverwaltung. Jerusalem, 10. März. Die Palästinaregierung hat die Mitglieder des Stadtrats von Jerusalem zu einem Frühstück geladen, bei dem der Bürgermeister Dr. C h a 1 i d i erklärte, es gäbe keine Meinungsverschiedenheiten zwischen den jüdischen und n i c h t j ü d i s c h e n Stadtverordneten in Bezug auf die städtische Politik. Alle seien bereit, für das Wohl der Stadt zu arbeiten. Der High Commissioner gab seiner Befriedigung über diese einmütige Zusammenarbeit und seiner Bereitschaft Ausdruck, die Tätigkeit der Stadtverwaltung zu unterstützen. Aus dem agudistischen Leben Erez Jisroels. Jerusalem, 8. März. (Verspätet eingetroffen.) Am 28. Adar kamen die letzten Mitglieder der Agudo-Delegation, die Herren Rabbiner J. M. Biedermann, Warschau, Rabbiner Sorotschkin, Luck, das Mitglied des G. A. der Agudas Jisroel- Weltorganisation, J. M. Lew in, Warschau, sowie Herr A. S. Friedmann, Warschau in Jaffa an. Sie wurden von einer Abordnung der palästinensischen Agudo begrüßt, alsdann von einer solchen der Agudo-Gruppe Tel Awiw. Nach einigen Stunden Aufenthalt reisten sie nach Jerusalem weiter, wo gleichfalls ein Empfang stattfand. Die Delegation hat bereits eine Reihe von Sitzungen mit den einheimischen Instanzen abgehalten und einen allgemeinen Arbeitsplan für ihre Tätigkeit aufgestellt. Gestern fand auch eine Aussprache über das System der Zertifikatverteilung statt. Wie man aus sicherer Quelle hört, bestehen Hoffnungen, daß dieses System eine Aenderung zu Gunsten der agudistischen Interessen erfahren wird. Die Ankunft der Delgation hat im Jischuw starkes Interesse erregt, was sowohl in der Presse, als auch in der allgemeinen Stimmung der Oeffentlichkeit zum Audruck kommt. Schon seit langer Zeit schwebten zwischen den Leitern der Agudo in Jerusalem und der Histadruth hoowdim Verhandlungen über die Eventualität einer endlichen Einführung koscherer Verköstigung in der Jerusalemer großen Arbeir terküche. Sämtliche Küchen der Histadruth in allen Städten des Landes führen nur Trefofleisch. Letzte Woche ist nun seitens der Histadruth endlich der Beschluß gefaßt worden, den Bezug von Trefofleisch in Jerusalem einzustellen und fortan ausschließlich Fleisch,von der Schechita des Waad hair Aschkenasi zu beziehen. Die Gemeinde hat nach Beratung mit Oberrbabiner Duschinski beschlossen, auf die Schechita-Gebühr für das Fleisch zu Gunsten der Speiseküche der Histadruth ganz zu verzichten. Die Sabbatentweihungen, die sich Woche für' Woche in Tel Awiw ereignen, stellen die Geduld der dortigen gesetzestreuen Bevölkerung auf eine harte Probe. Schon seit einigen Wochen herrscht starke Aufregung unter den thoratreuen Kreisen Tel Awiws und man will diesem Chillul haschem endlich' ein Ende machen. Am letzten Sabbat fand in einer der größten Säle Tel Awiws eine Riesenversammlung der. religiösen Jugend Tel Awiws statt. Der Saal war überfüllt, Jugendliche aus allen Kreisen der Bevölkerung waren versammelt. Besonders waren die Poale Agudas Jisroel und Zeire Agudas Jisroel im Vordergrund. In feurigen Reden wurde das Publikum aufgefordert, sich den Sabbatentweihungen entgegen zu stllen. Als nach der Versammlung die Teilnehmer auf die Straßen kamen, riefen einige den ihnen ^entgegenkommenden Automobilen Protestrufe entgegen. Allmählich entwickelten sich Schlägereien. Die orthodoxen jungen Leute, die der „Mashire Haschabbos"- Vereinigung angehörten, wollten die Autos nicht weiterfahren lassen, insbesondere nicht in den Straßen, die an den Synagogen vorbeiführten. Aber das Ergebnis war nur, daß sich die Zahl der Automobile und der Motorradfahrer, die ihren Weg fortsetzen wollten, noch vermehrten. Sofort trat eine Gruppe Polizisten auf den Plan, einige Mitglieder der Mashire Schabbos wurden verhaftet, es trat allmählich wieder Beruhigung ein und die Sabbatentweihung konnte ihren ungestörten Verlauf nehmen. Ernste Erregung verursachte .es, daß die Polizei die Verhafteten auch gegen Kaution nicht freigeben wollte. Die Haltung der ganz und gar jüdischen Polizei ist dem Publikum unverständlich. „Nescher" erhält Konkurrenz. Jerusalem, 11. März. Zeitungen melden über eine neue Handelsgesellschaft ausländischer Juden, die auf den Bergen Judäas 3000 Dunam Boden angekauft hat zur Errichtung einer Zementfabrik. Der Fabrik, die sich in der Nähe einer jüdischen Kolonie befinden wird, werden mehrere Hundert Arbeiterhäuser angegliedert. Es ist verständlich, daß diese Nachricht in allen Kreisen große Freude ausgelöst hat. Zugleich aber entsteht die Sorge um den Sabbat. Ob nicht in der neuen Fabrik nach dem Beispiel im „Nescher" ebenso der Sabbat öffentlich und vielhundertfach entweiht werden wird? Im „Nescher" setzte man sich schon seit langem über den Sabbat so hinweg, als gäbe es ein solches Gesetz gar nicht, und das Erstaunliche dabei ist, daß dies nicht einmal einen Protest hervorruft. Auch die gesetzestreuen Blätter scheinen sich ins Unvermeidliche zu fügen und sagen nichts. Manche behaupten, ein Stillstand der Arbeit am Sabbat würde den Betrieb und damit die Existenz der Arbeiter gefährden, was aber Sachverständige mit aller Gewißheit dementieren. Doppelt skandalös wird die Sache noch dadurch, daß die Arbeiter am Sabbat mehr als den doppelten Lohn erhalten. (900 statt 400 Mill.) Also ein Anreiz zur Sabbatentweihung aus eigennützigen Gründen, und viele erliegen ihm. Im „Haarez" beschäftigt sich ein Fachmann mit den Geschäftspraktiken des „Nescher" überhaupt. Bis jetzt die einzige leistungsfähige Fabrik, nutzte „Nescher" die Konjunktur bis zum Aeußersten zu seinem Vorteile aus, da die Einfuhr vom Auslande durch die hohen Zölle unterbunden ist. Die hohen Preise lassen sich mit den Arbeiterlöhnen nicht rechtfertigen. Sie verteuern die Bauarbeiten in Palästina gewaltig und üben eine verhängnisvolle Rückwirkung auch auf die Mieten aus. Man sieht, daß die entstehende Konkurrenz von größtem Segen sein könnte. Würde sich aber die neue Gesellschaft zur Sabbathaltung entschließen, so wäre es ein Leichtes, auch „Nescher" durch den Druck der öffentlichen Meinung zur Sabbathaltung zu zwingen. Es muß nicht gerade gleich Boykott sein. Aber die gesamte Presse, •— der Vorschlag kommt vom dem Zionismus nahestehenden „Hajessod" — müßte der Kundschaft klar machen, daß sie ihren Bedarf an Baumaterial bei einer Firma decken soll, die sich über die heiligsten Gefühle der Bevölkerung nicht auf solche unerhörte Art hinwegsetzt. Man sieht dem Entstehen des neuen Industrieunternehmens mit Furcht und Hoffnung entgegen. Der High Commissioner von Palästina erkennt . den Grundsatz jüdischer Arbeit in jüdischen Betrieben als berechtigt an. Jerusalem, 11. März. High Commissioner Sir Arthur Wauchope empfing eine von Herrn Ostrowsky geführte Abordnung des Verbandes nationaler jüdischer Landwirte, die ihm die Wünsche und Beschwerden der jüdischen Bauern-

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