Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1935)
- Date
- 1935-03-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 12 Der Israelit 21. März 1935 16 bis 18 Jahren so weiterzubilden, daß sie, zu selbständiger Wertung jüdischen und allgemeinen Geistesgutes befähigt, als geschlossene jüdischer Persönlichkeiten ins Leben treten können. Insbesondere soll auch Wert darauf gelegt werden, Führernachwuchs für die aguddstische Jugendarbeit heranzubilden, damit die Weiterentwicklung unsrer Jugend im Geiste der Tradition der deutschen Orthodoxie gewährleistet bleibt. Festigung und Vertiefung jüdischer Weltanschauung, Verständnis für Aufgabe und Wirkungsmöglichkeit der agudistischen Organisation soll durch den persönlichen Konnex und wissensmäßige Förderung erzielt werden. Das „Beth Hachinnuch" wird von zwei aus der agudistischen Jugend hervorgegangenen Dozenten geleitet. Darüber hinaus wird der Rektor des Berliner Rabbinerseminars, Herr Rabbiner Dr. Weinberg der Förderung und Ausgestaltung des Talmud-Unterrichtes sein besonderes Interesse zuwenden. Es soll vornehmlich Talmud gelernt werden; weiterhin ist vorgesehen ein gründlicher Unterricht in Chumisch, Tenach und jüdischer Geschichte. Dann soll auch ein Unterricht erteilt werden, der die wichtigsten Gebiete des Deutsch-Unterrichts der Oberstufe vermittelt. Weitere Fächer sind: Englisch, allgemeine Geschichte und philosophische Propädeutik. Die Dauer der Kurse ist zunächst auf ein Jahr gedacht. Anschlußkurse sind für späterhin ins Auge gefaßt. Interessenten werden gebeten, sich schnellstens mit Herrn Abraham Wolf, Berlin N. 24, Kraunickstr. 17 in Verbindung zu setzen unter kurzer Beschreibung ihres bisherigen Bildungsganges. Arier und Nichtarier in der Aerzteschaft. Berlin, 14. März. Die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe teilt mit: In mehrere jüdische Zeitungen ist aus der deutschen Presse eine Statistik übernommen worden, die die Zahl der A e r z t e im Aerztekammerbezirk der Stadt Berlin am 31. 7. 1934 angibt. Zur Beurteilung des tatsächlichen Verhältnisses bedürfen diese Zahlen einer Ergänzung. Nach" einer Mitteilung im Aerzteblatt für Berlin vom 10. März 1934 betrug Mitte 1933 die Zahl der Aerzte 6558, davon 3423 — 52,2 Proz. Nichtarier. Am 31. 7. 1934 betrug die Zahl 6118, davon 2549 — 41,2 Proz. Nichtarier. Die Zahl der Nichtarier hat sich also innerhalb eines Jahres um 874 vermindert. Dieser Gesamtabgang der Nichtarier setzt sich zusammen aus einem Verlust von 951 und einem Zugang von 77 nichtarischen Aerzten. Der Vergleich zwischen Juli 1933 und Juli 1934 läßt die Einwirkung der neueren Gesetzgebung auf die rassische Zusammensetzung der Berliner Aerzteschaft deutlicher erkennen als der Vergleich der Zahlen vom 14. 2. 1934. Interessieren dürfte noch, daß nach dem Stande des Frühjahrs 1934 in Berlin von 3157 Kassenärzten insgesamt 1358 — 43 Proz. nichtarische Aerzte waren und daß in ganz Deutschland nach dem Stande im Frühjahr 1934 von ca. 32.000 Kassenärzten insgesamt 3641 — 11,4 Proz. Nichtarier waren Folgen einer Kulturbund-Veranstaltung. Berlin, 15. März. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, hat der Kreisleiter vom Wuppertal eine sofortige Veranstaltungssperre für die Stadthalle Wuppertal-Elberfeld angeordnet. Die Nationalsozialistische Partei und ihre Gliederungen sollen Veranstaltungen in der Stadthalle künftig nicht mehr abhalten. Grund für diese Maßnahme soll das Verhalten des Pächters der Stadthalle gewesen sein, der am gleichen Abend, wo eine Veranstaltung des Winterhilfswerkes stattfand, einen der kleineren Stadthallen- Säle für eine Veranstaltung des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr zur Verfügung gestellt hatte. Der Kreisleiter erklärte u. a., daß das Erscheinen von Juden in der Stadthalle während einer Veranstaltung des Winterhilfswerks bezw. der NS-Volkswohlfahrt „eine Geschmacklosigkeit und eine Unverschämtheit" darstelle. Wenn der Pächter von städtischem Grundbesitz Juden in den Betrieb hineinlasse, besonders Die Woche. Berlin. Das spanische Zentralkomitee für die Feier des 800jährigen Maimonides-Jubiläums in Cordova hat an die Berliner Jüdische Gemeinde eine Einladung zur Teilnahme an den Feiern gerichtet. Die Gemeinde hat beschlossen, diese Einladung anzunehmen und ihr Folge zu leisten. — Eine neue „Zeitschrift für Rassenkunde und ihre Nachbargebiete" ist erschienen. Herausgeber ist Professor Dr. Freiherr von Eckstedt, Direktor des Anthropologi- und ethnologischen Instituts in Breslau. An der Herausgabe wirken weiter 37 Forscher des In- und Auslandes mit. — Die Berliner Tageszeitungen melden, daß der Lodzer Stadtrat mit Hilfe der Nationaldemokraten beschlossen hat, Preise für Wissenschaft, Literatur und Kunst künftig nur an Polen arischer Herkunft zu verleihen. — Im „Deutschen Reichsanzeiger" wird eine Liste von 139 meist nichtarischen Personen veröffentlicht, deren Einbürgerung widerrufen worden ist. Die aufgeführten Personen hatten die preußische Staatsangehörigkeit in der Zeit zwischen dem 9. November 1918 und dem 30. Januar 1933 erworben. Sie haben durch den Widerruf der Einbürgerung die deutsche Reichsangehörigkeit verloren. Köln. Wie der „Westdeutsche Beobachter" mitteilt, ist das in Köln erscheinende „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden im Rheinland und Westfalen" auf drei Wochen verboten worden. Der verantwortliche Redakteur, Fritz Neuländer, wurde von der Geheimen Staatspolizei in Schutzhaft genommen. München. Der Städtische Haupt-Ausschuß beim Stadtrat München hat die Umbenenn u n g der Hirsch - Gereuth - Straße beschlossen. Das Münchener amtliche Stadtadreßbuch verzeichnet zu dem bisherigen Straßennamen: Klare Freifrau von Hirsch- Gereuth, gest. 1899, überaus wohltätige Stifterin zu Gunsten der Münchener Armen. Würzburg. Laut „C. V.-Zeitung" findet sich auf einem großen Transparent in der Schalterhalle der Allgemeinen Ortskrankenkasse Würzburg Stadt folgende Inschrift: „Juden vertrauen jüdischen Aerzten, Deutsche vertrauen deutschen Aerzten". Warschau. In der letzten Woche sind aus Polen 1200 Juden über Constanza und Triest nach Palästina abgereist. Belgrad. Das historische Dokument, mit dem seinerzeit die jugoslavische Regierung als erste die Balfour- Deklaration anerkannte, wurde als Geschenk der Nationalbibliothek in Jerusalem überwiesen. Libau. Anläßlich der 100-Jahrfeier der Libauer Großen Synagoge sandte Ministerpräsident U 1 m a n i s der dortigen Judenheit ein Schreiben, in dem es u. a. heißt: „Ich freue mich über das Fest dieser alten Synagoge und wiederhole aus diesem Anlaß die weisen Worte Jaacobs: „Dies ist nichts anderes als das Haus G'ttes und dies ist die Pforte des Himmels." Budapest. Hier wurde eine Nationalpartei jüdischer Ungarn gebildet, die sich in der Hauptsache aus jüdischen Frontkämpfern zusammensetzt. Saloniki. Nach der niedergeworfenen Revolte mußte eine Anzahl von Stadtverordneten in Saloniki aus ihrem Amte ausscheiden. Unter den neuen Mitgliedern des Stadtrates befinden sich drei Juden, so daß die Zahl der jüdischen Stadträte, jetzt im Ganzen vier beträgt. Tel Awiw. Ein Weltkongreß derHebraisten wird für den 6. Mai in Tel Awiw vorbereitet. Jerusalem. Nach offiziellen Bekanntmachungen beträgt der Ueberschuß der Palästinaverwaltung Anfang Februar über 4.270.000 Pfund. — Von den zuständigen zionistischen Stellen wurden 50 Palästinaeinwanderungszertifikatef ür jüdische Opfer der letzten Revolution in Griechenland zur, Verfügung gestellt. Newyork. Das Staatsparlament von New Jersey hat ein Gesetz angenommen, durch das antisemitische Propaganda bei Geldstrafe bis zu 5000 Dollar oder Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren verboten wird. Geld und Gefängnisstrafe können auch gleichzeitig verhängt werden. — Auch in allen Teilen der Vereinigten Staaten Amerikas sind für den 14. April Maimonidesfeiern vorgesehen, an denen sich auch zahlreiche Universitäten beteiligen. dann, wenn die Partei dort tage, müsse er auf alle Veranstaltungen der Partei verzichten. Juden in öffentlichen Lokalen. Breslau, 15. März. Die „Nationalsozialistische Schlesische Tageszeitung" in Breslau beanstandet in einem Artikel der „Schluß mit der Rassenschande!" überschrieben ist, das Verhalten von Juden in öffentlichen Lokalen. „Immer wieder tanzen sogar in Breslauer öffentlichen Lokalen schmierige Juden mit arischen Frauen. Es darf in der Erkenntnis unserer rassischen Notwendigkeiten kein Schwanken geben und kein Zurückweichen. Wenn heute noch Juden in öffentlichen Lokalen arische Frauen zum Tanz auffordern, ist das eine offene Kampfansage gegen das völkische Deutschland. Auf eine offene Kampfansage gibt es nur eine Antwort. Wenn sich Frauenspersonen dazu hergeben, mit Juden in enge Beziehungen zu treten, verdienen sie, öffentlich angeprangert zu werden . . . Lange genug hat der deutsche Mensch, der ernst und pflichtbewußt seine Kraft an den Aufbau des neuen Reiches wendet, dem jüdischen Treiben und der Gewissenlosigkeit arischer Menschen zugesehen . . . Wir werden deshalb künftig Namen derjenigen Frauenspersonen, die sich mit Juden einlassen, und die Namen dieser Juden veröffentlichen. Es muß endlich auch in Breslau Schluß gemacht werden mit aller Rassenschande!" (So wenig angenehm der hier angeschlagene Ton klingt, so sehr muß man die Tendenz dieser Mahnungen auch vom jüdischen Standpunkt aus billigen. Red.) Bauern sollen jüdische Händler meiden. Nürnberg, 14. März. Der landwirtschaftliche Gaufachberater der NSDAP., Gau Franken, erläßt eine Anordnung, in der Bestimmungen über die Lieferung von Schlachtvieh zu dem Nürnberger Schlachtviehmarkt getroffen werden. Zum Schluß der Anordnung heißt es: „Von der Bauernschaft wird erwartet, daß sie ihr Vieh ausschließlich an arische Händler und Genossenschaften abliefert und nunmehr endgültig den jüdischen Händler meidet. Mit besonderer Schärfe wird gegen diejenigen vorgegangen, die diese Anordnung in irgendeiner Form zu umgehen versuchen." Schweiz. Die Verfolgung antisemitischer Ruhestörungen in der Schweiz. Zürich, 14. März. Der anläßlich der vorjährigen antisemitischen Manifestationen in Zürich für zwei Tage von der Polizei in Haft genommene „Landesführer" der faschistisch-antisemitischen „Nationalen Front", Dr. Henne, hat nachträglich gegen diese Haft beim Züricher Bezirksrat Berufung eingelegt. Nach Prüfung hat nunmehr der Bezirksrat die Berufung Dr. Hennes verworfen. In der Begründung des Bezirksrates wird hervorgehoben, daß die Verantwortung für Störung der öffentlichen Ordnung Dr. Henne nicht nur als geistigen Urheber, sondern auch als persönlichen Teilnehmer an den Manifestationen getroffen bat. Da es vornehmlich der „Nationale Front" und ihre Zeitung „Die Front" gewesen seien, die zu immer sich erneuernden Ruhestörungen aufforderten, sei die Behörde nicht nur berechtigt, sondern in jeder Beziehung verpflichtet gewesen, den Führer dieser Bewegung als Teilnehmer zu verhaften. „Eine Krise in der Universitätswelt". Genf, 12. März. Die Auswanderung nichtarischer deutscher Gelehrter behandelt ein soeben erschienener Bericht des Völkerbundskommissars mit dem Titel „Eine Krise in der Universitätswelt", Ein Drittel von ihnen, 248 an der Zahl, hat in den Kulturstaaten eine neue ständige Arbeitsmöglichkeit gefunden, davon sind 40 in Großbritannien. 366 sind vorübergehend mit wissenschaftlichen Aufgaben betraut worden. 170 genießen englische Gastfreundschaft. und billig! $ la Benzin 31 Pig. pro Liier $ la Oel 80 Pig. an & Auto-ZuDehör # Garagen KonsiaDier, Frankfurt a. m.. GeiDeüirscnsirj