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Der Israelit · 1935-03-21 · Heft 12 (21.3.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 12 (21.3.1935)
Date
1935-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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21. März 1935 D r Israelit Nr. 12 Seite 5 Die Lage der Juden in Rumänien In Anbetracht der bedrohliche Formen annehmenden antijüdischen Bewegung im ganzen Reiche haben sämtliche jüdischen Parteien in der hauptstädtischen Presse einen sehr eindringlichen Appell an das öffentliche Gewissen gerichtet, in dem die Juden Rumäniens Schutz für ihre wohlerworbenen Rechte fordern. In einer Versammlung der Zentralrepräsentanz der Union rumänischer Juden erstattete der Präsident der Union, Dr. Wilhelm F i 1 d e r - mann, ein Expose über die politische Situation. Es wurde eine Resolution angenommen, in der an den König der Appell gerichtet wird, im Sinne der Politik des verstorbenen Königs Ferdinand für die Wahrung der Rechte der Juden Rumäniens einzutreten. In einer Konferenz sprach sich an der Jassyer Universität Professor Andreescu mit Nachdruck gegen die Numerus clausus-Propaganda aus und sagte: „Man verweigerte den Juden jahrhundertelang die bürgerlichen Rechte und hielt sie von der Betätigung in öffentlichen Aemtern und in der Landwirtschaft fern. Sie waren daher gezwungen, sich freien Berufen zuzuwenden; jetzt soll man sie nicht auch aus diesen vertreiben. Auf keinen Fall darf der Numerus clausus in den Schulen eingeführt werden." Für eine Lösung der rumänischen Judenfrage durch den Völkerbun d spricht sich der ehemalige Ministerpräsident Dr. Vaida V o e v o d aus. Er erklärte, er zweifle an der Assimilationsfähigkeit der Juden. Als der ehemalige Ministerpräsident im weiteren Verlauf des Gesprächs bemerkte, für die Rumänen auf dem flachen Lande seien die Juden keine Gefahr, da sie das Dorf verlassen, sobald sie einen guten Preis für ihren Boden erlangen können, wandte Dr. Marton ein, daß die Juden in Siebenbürgen seit Jahrhunderten auf dem Lande wohnen. „Den Minoritäten," fuhr Dr. Vaida fort, „biete ich das gleiche an, was wir seinerzeit im ungarischen Parlament für die Rumänen verlangt haben. Die Minderheiten haben uns in unserem Kampf nicht geholfen. Ihr Zionisten habt uns verstanden und seit für uns eingetreten, nicht aber die Juden in ihrer Gesamtheit. Es gibt eine große Zahl von Juden, die den Gedanken, daß sie eine Minderheit bilden, ablehnen. Hier in Siebenbürgen gibt es viele Juden, die nach Ungarn hinneigen, während die Mehrheit der Juden in Altrumänien sich als Rumänen proklamiert und das Recht in Anspruch nimmt, das geistige Leben Rumäniens zu beeinflussen. In Transsylvanien und im Banat gibt es verhältnismäßig wenig Juden, so daß von einer Judenfrage in diesem Gebiete nicht gesprochen werden kann. Anders aber liegen die Dinge in Beßarabien, in der Moldau, in der Bukowina und im Marmorosch-Gebiet. Die Zahl der Juden in diesen Provinzen ist so groß, daß sie die Stellung der autochthonen Bevölkerung beeinträchtigen. Warum verteilen sich die Juden nicht gleichmäßig über das ganze Land?" Dr. Marton meinte, dies geschehe nicht, weil man es nicht zulasse. „Ich sage nicht," fuhr Dr. Vaida fort, „daß jemand auf Grund der Tatsache, daß er in Rumänien geboren ist, beanspruchen kann, daß ihm alle Tore geöffnet werden. Ich verschließe mich nicht dem Problem der individuellen Eignung, aber heutzutage hat ein junger Rumäne keine Gelegenheit, seine Eignung in den verschiedenen Berufen zu bewähren." Hierzu bemerkte Dr. Marton, daß solche Möglichkeiten für junge Rumänen vorhanden sind und daß die Minderheiten den Rumänen in keinem Fall im Wege stehen. Darauf entgegnete Dr. Vaida Voevod: „Der junge Ungar hier hat zwei Vaterländer, Rumänien und Ungarn. Ist er hier nicht zufrieden, so geht er nach Ungarn. Dasselbe trifft für die Deutschen hier zu. Die Juden haben viele Vaterländer. Dr. Marton wies darauf hin, daß die Zionisten bemüht sind, die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern durch den Aufbau Palästinas zu erleichtern. „Solange wir Rumänen in Siebenbürger eine Minderheit waren," fuhr Dr. Vaida Voevod fort, „hatten auch wir zwei Vaterländer, aber heutzutage hat jeder Rumäne nur ein Vaterland und will hier seinen Lebensunterhalt finden." — „In diesem Sinne," entgegnete Dr. Marton, ist auch Rumänien für uns Juden das einzige Vaterland, in dem wir unseren Lebensunterhalt finden müssen. Palästina ist zu klein, um alle Juden aufzunehmen, die bei Einführung des Numerus calachicus auswandern müßten." Zum Schluß erklärte Dr. Vaida Voevod: „Die Judenfrage kann nicht von einem Staate allein gelöst werden. Das Problem muß vom Völkerbund geprüft und eine allgemeine Lösung muß gefunden werden. Für mich ist klar, daß die Minderheiten dem Grundsatz des Proporzes unterworfen sein müssen; für jene Gebiete, auf denen die Juden in großer Zahl vertreten sind, muß ein Ausweg durch Emigration gefunden werden." Daß die rumänische Judenfrage auch das Ausland lebhaft beschäftigt, geht aus einem Artikel in der letzten Nummer der den Regierungskreisen nahestehenden Wochenschrift „Affari Esteri" (ausländische Angelegenheiten) in R o m hervor, in dem auf die Ausbreitung der antisemitischen Bewegung in Rumänien hingewiesen und besonders betont wird, daß „diese Bewegung sich vor allem auf die Universitätskreise erstrecke, die einen besonders günstigen Boden für das Giftgewächs des Antisemitismus" abgäben. Die Zeitung warnt davor, die sogenannte „jüdische Gefahr" für eine Massenpropaganda auszunutzen, denn im Hinblick auf die Zahl und Bedeutung des jüdischen Elements in Rumänien könnte dies nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch im Ausland zu ernsten Konsequenzen führen und Rumänien die Sympathien entziehen, die es bei einer Reihe größerer und kleinerer Völker genieße. Ferner hat der Verband der rumän - sehen Juden Amerikas bei der rumänischen Gesandtschaft in Washington Vorstellungen dagegen erhoben, daß durch das neue Gesetz zum Schutz der nationalen Arbeit eine Diskriminierung gegen die Juden in Rumänien ausgeübt wird. Der Verband hat der Gesandtschaft eine Denkschrift zur Weiterleitung an den rumänischen Außenminister Titulescu überreicht, in der darauf hingewiesen wird, daß das Gesetz offenkundig so gehandhabt wird, daß die Juden der Erwerbsmöglichkeit beraubt werden. Obwohl Verfassung und bürgerliches Recht Rumäniens allen rumänischen Bürgern und Untertanen Arbeits- und Erwerbsrecht zusichern, zwinge man durch das Arbeitsgesetz und seine Anwendung diese Menschen zum Hunger. Die rumänischen Juden Amerikas hätten gehofft, daß die Intervention Titulescus und die Versprechungen der Regierung es verhindern würden, daß es zu einer solchen Lage der Dinge käme. Angesichts der vollzogenen Tatsache erklären die rumänischen Juden Amerikas, daß sie nicht stillschweigend zusehen können und wollen, wie ihre jüdischen Brüder zugrunde gerichtet werden. Sie würden ihnen jede mögliche Hilfe gewähren und dafür sorgen, daß Gerechtigkeit geübt und die in der Verfassung garantierten Rechte gewahrt und respektiert werden. sehen, die von ihrer Lebensleistung gehört, gegenüber der Botschaft von ihrem Tode keine Worte, sondern nur Tränen haben! Dies Riesenmeer von Tränen um diesen m« ist mehr als alle Hespedim sagen, alle Artikel künden könnten! Wir schreiben Sara Schenirer keinen Nachruf, weil wir glauben, die Welt, die des Westens zumal, wüßte nicht genug von Sara Schenirer! Nein, Name und Leistung Sara Schenirers sind vielleicht mehr als jemals Name und Leistung irgend einer jüdischen Frau an das Ohr, ja in das Herz der Oeffentlichkeit gedrungen; selbst kalte und erstarrte Gemüter sahen wir auftauen, wenn man sprach von jener „Schneiderin in Krakau", die das Gewand der jüdischen Frau nähte, die „aus ihrem Samson Raphael Hirscherlebnis in Wien" die Mädchenwelt des jüdischen Ostens neugestaltete. Wir schreiben diese Zeilen, weil wir den Gang ihres Lebens gesehen haben, gesehen haben, wie diese Frau mit einer ans Wunderbare grenzenden Energie, mit vollendeter Gläubigkeit, mit unerschütterlichem Bitochaun Kleinstes wie Größtes formte, weil wir gesehen haben ihren Gang aus der Enge in die Wette, weil wir sie gesehen haben, wie diese Frau sich von dem Werk tragen, von keinem Spott schwach machen, von keinem Lob blenden ließ! — Sara Schenrier, war nach unserer Meinung weder jüdisch besonders gebildet noch von irgendeiner über den Durchschnitt entwickelten geistigen Begabung; daß sie dennoch ein solches Werk gestalten konnte — und trotz der Leistung Dr. Leo Deutschländers, die wir gewiß nicht verkennen, trotz der Mitwirkung Judith Rosenbaums, die wir nicht unterschätzen, trotz der Hingabe Eva Landsbergs, die wir voll zu würdigen wissen — halten wir B e t h J a -> kob für ihr Werk — das zeigt, daß die Quellen und Wurzeln ihrer Kraft im Seelischen waren, im Grunde ihres Herzens blühten! Eine Frau schuf dies Werk, nur eine Frau konnte es schaffen! Nur sie konnte in die geistige Zerklüftung und Zerfahrenheit der jüdischen Töchter hineinleuchten mit der Fackel ihres Herzens, mit dem Glanz ihrer Seele, nur eine JimaV iwk konnte die Freiheit und die Rettung bringen! Wir sehen die Leistung ihres Lebens und wir gedenken: ihr Weg war schwer, ihr Pfad von tausend Hindernissen beschwert und doch ging sie den Weg vom Anfang bis zu Ende, ja, sie war noch nicht einmal zu Ende gegangen, denn Beth Jakob ist ja noch immer auf der Mitte des Weges! Wir gedenken — und wir danken! Danken, wie man nur einem Menschen danken kann, der der Gesamtheit unseres Volkes, nicht nur uns Agudisten, so große Gabe gegeben! Wir stellen Sara Schenirer bewußt neben den Großen von L u b 1 i n, Meier Schapiro: gab er unserer männlichen Jugend Lub- 1 in und Daf Jaumi, so gab sie unserer weiblichen Jugend Beth Jakob, eine neue Lebensform, einen neuen Lebensinhalt! Aber wir wollen ja nicht gedenken, um zu danken, denn sie braucht nicht unsera Dank und wollte niemandes Dank! Wir gedenken, um zu tun! Sie führte einen doppelten Kampf, sie führte heraus und herauf! Aus dem polnischen Alltag führte sie _ unsere Mädchen in den jüdischen Festtag, lehrte sie, daß jeder jüdische Alltag ein Festtag ist, wenn er zwischen unserm Gestern und unserm Morgen steht, sie pflanzte ihre jüdische Seele in diese Mädchenseelen, „legte Hand auf Hand, Mund auf Mund, Auge auf Auge — und so lebte das Kind" lebte es ein neues, ein jüdisches Leben! Dies Gedächtnis der „Frau aus dem Volke", die keine Allüren hatte und keine Prätentionen, die nur „Jüdischkeit" suchte und pflanzte, dies Gedächtnis soll uns zu einer großen Mahnung und Ermunterung werden: Gedenke! Sabbatliche Heiligkeit ist i n uns, Gedenke! Verkennung und Gegnerschaft ist u m uns, eine schwache Frau wußte zu gedenken — und besiegte die Gegner durch die Kraft des Schabbosl Wir Männer wollen uns an dem Gedächtnis dieser Frau stark machen; wir wollen, wenn wir müde werden sollten auf unserem Weg, den Gang dieser Frau verfolgen: er führte aus dem Willen zur Tat, aus der Einsamkeit in die Ewigkeit, er 'führte aufwärts und aufwärts, weil sie ehrlich war, weil sie selbstlos war, weil sie fromm und gütig war: der Segen und die Kraft des troo avb ging ihr voran! Wochenkalender. Vom 23. — 30. März 1935 / Vom 18. - 25 Adar 11 5695 'BV 11 '30K33 , Samstag 23 18 1 ms n«r» n Sonntag 24 19 1 Montag 25 20 n Dienstag 26 X 21 Mittwoch 27 r 22 T Donnerstag Mint 28 fr 23 n Freitag 29 24 D "VOO Mauled: jnfm V3"»3» Samstag 30 25 Mittw. nachm. 6 U. 32»/»M

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