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Der Israelit · 1935-03-14 · Heft 11 (14.3.1935) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 11 (14.3.1935)
Date
1935-03-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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14. März 1935 Oer Israelit Nr. 11 Seite 13 Kl. Inningen, 6. Marcheschwan. Sehr geehrte Redaktion! Sie brachten in^ letzter Nummer einen Nachruf auf Frau G. in Edelheim. Ich frage Sie, ist die Zeitung dafür da, daß man alle wackeren Frauen, die in einem gewissen Alter ja doch sterben müssen, jn Lobliedern1 besingt? Beinahe 20 Zeilen haben Ste der einfachen Frau gewidmet, bei fünf wären immer noch drei zuviel gewesen. Das ganz allgemein. In' diesem speziellen Falle muß ich aber sagen, daß ich fdie Verstorbene zufällig gekannt habe und daher weiß, daß kein einziges Wort an jenen Lobreden wahr ist. Frau G. mag eine ganz ordentliche Frau und Mutter gewesen sein, daß sie aber ihr ganzes Leben in Frömmigkeit und Uebung der Wohltat verbracht hätte, stimmt ganz und gar nicht. Ich könnte Beweise anführen. Man darf ja bekanntlich einem Toten die Wahrheit nachsagen. Aber ich möchte nun es vor Ablauf der „Schloschim" doch nicht . . . Aber ich bin der Meinung, daß, wenn die Leute in Edelheim lügen wie gedruckt, Sie, Herr Redakteur, es doch nicht nötig hätten, zu drucken, wie jene lügen. Nun bitte ich Sie, mir Ihre Zeitung nicht mehr zuzuschicken. Mein Schwager E. . . . und mein Großonkel G. . . . denken ebenfalls so und möchten das Blatt auch.nicht mehr haben. Hochachtungsvoll Gr. Edelheim im Marcheschwan. Geehrter Herr Redakteur! Was haben Sie wieder angerichtet! Sie brachten eine Notiz über den Tod einer Frau G. in Edelheim. Wahrscheinlich ist das ein Druckfehler und soll Edel b a c h heißen. Da aber ich, alte Frau, zufällig eben so heiße, und in Edel heim wohne, so konnte ich infolge Ihres Berichtes beinahe mein eigenes Begräbnis erleben. Kondolenzbriefe laufen aus allen Gegenden ein. Es kommen Leute von weit und breit, um meinen Söhnen Schiwobesuch zu machen und erschrecken zu Tode, wenn ich ihn-en selbst die Türe aufmache. Der Herr Rabbiner aus der Stadt war im Talar und Barett in meinem Hause erschienen, und sogar ein ganzer Gesangverein, dem meine Söhne angehören, zog mit Trauermarsch und umflorten Fahnen auf, um mir das letzte Geleite zu geben . . . Wie Sie das, was Sie mir angetan haben, wieder gutmachen wollen, weiß ich nicht. Auf alle Fälle möchten sämtliche Abonnenten von Edelheim, denen ihr Leben lieb ist, Ihr Blatt abbestellen, damit solche Falschmeldungen nicht mehr in unseren Ort kommen und Teilnehmer mit Leichenbittermiene auf lebendige Menschen hetzen. Was mich betrifft, so denke ich, Sie können warten, und zeichne mit gebührender Achtung Frau G. in Edelheim. Herr Redakteur! Sie wagten es, mir ein Manuskript, das dazu bestimmt war, der Menschheit neue Wege zu eröffnen und alle auf uns einstürzenden Probleme mit einer Handbewegung zu lösen, mir mit der Begründung „des Raummangels" zurückzusenden. Wofür brauchen Sie Ihren Raum, frage ich Sie, wenn nicht für solche hochwertige Arbeiten? Sie verzeihen schon, 'wenn ich ' Ihnen, sage, daß hier nicht Mangel, an Raum, sondern Mangel an etwas anderem war ... (Schade, daß Sie nicht sehen können, wie'ich dabei meinen Zeigefinger zum Gehirn hebe.) Ich habe meine Arbeit einem sehr gelehrten Herrn gezeigt, der bereits vor Jahren sein 25jähriges Jubiläum . als: Rabbinatskandidat gefeiert hat, und er iw'ar so geblendet von den Geistesstrahlen, die von den Zeilen ausgehen, daß er es seitdem mit den Augen '"zu tun hat., . v Ich würde Ihre Zeitung gern abbestellen, wäre ich überhaupt jemals Abonnent gewesen. Da ich sie aber aus zweiter und dritter Hand lese, so werde ich sie noch weiter mit wachenden Augen lesen und über ihre Untatendie Oeffentlichkeit — in der Konkurrenz natürlich — aufklären. G. (Es fehlt jede Achtungsbezeugung, aber auch Briefmarke auf dem Umschlage, so daß wir diese Lektion mit 24 Reichspfennigen zu bezahlen haben.) Geehrte Redaktion! Was hat denn wieder Ihr Druckfehlerteufel angestellt? Daß neulich in der Voranzeige eines Vortrages über den Jüdischen Frauenbund der Setzer statt eines b ein h hineingesetzt hat, hat uns schon allerlei Scherereien mit dem Hundezüchterverein eingetragen . . . Glauben Sie ernstlich, daß wir schon so sehr auf den Hund gekommen sind? Als wir Ihnen einmal über unser Ferienheim berichteten und u. a. mitteilten, daß im Hause täglicher G'ttesdienst stattfindet und ein tüchtiger n^an r>sa am Platze ist, zog es der hebräische Sachverständige in Ihrer Setzerei vor, statt 9ft die Buchstaben -« zu setzen, so daß wir von unseren Mitgliedern die bange Anfrage bekamen, ob nach der gesegneten Betätigung jenes tüchtigen n^'3X bsz auch für sie noch etwas übrig bleiben würde? Nun kommt aber, wie der Lateiner sagt, der n o n plus ultra- Wir kündeten einen Vortrag an, den unser Dr. N. über das Thema „Umkehr" halten wollte und schrieben dazu, „Gäste, Damen, willkommen". Wie entsetzt waren wir aber, als wir am Freitag die Ankündigung lasen: „Vortrag des Herrn Dr. N. „Umkehr der Gäste, Damen willkommen!" Es ist klar, daß es die Gäste, die Damen und die Herren, gar nicht mehr darauf ankommen ließen und schon gleich daheim bleiben. Soll das so weiter gehen? Sollten Sie nicht in der Zukunft das Gespenst in Ihrer Setzerei mehr in Zucht nehmen und es weiter gewähren lassen, daß er unsere Bestrebungen teuflisch sabotiert, so werden wir natürlich andere Mittel ergreifen müssen. J. F. B. I. A.: Ph. (Fortsetzung der Korrespondenz zum nächsten Purim.) Für die Purimseuda. Was hat der „Jud" im Hofe zu ton? Der Dubner Maggid kam in ein Städtchen m „Sabbat Nachmu". Als er nachmittag in der Schul predigen wollte, war sie ganz leer. „Wo sind die Menschen?" fragte er ärgerlich. ,,AUe im Hof," zuckte der Schammes mit den Achseln. Der Hof — das war der Hofgarten des Rittergutsbesitzes, in dem sich die Bewohner am Sabbatnachmittag im Sommer ergingen. Gegen Abend, als alle in der Schul waren, stellte sich der Maggid aufs Podium und fing an: „Es heißt heute in der Haftauroh „Kaul aumer kro", eine Stimme in mir sagt: rufe, predige! „Woaumar moh ekro", ich aber sage, wie, wen soll ich rufen? „Kol habbossor chozir", wenn doch alles Fleisch, d. h. alle Menschen im Hofe sind . . . Nun werdet Ihr alle fragen: Wenn "vsn Hof sein soll, wie kommt dann da das ' hinein? Das ist es doch aber, was ich wirklich frage: „Was hat ein „Jud" im Hof zu tun? . . ." Eine fünfte Frage zum Seder, die am Purim zu beantworten ist. Die erste Schuldige im „Chad Gadja" war doch die Katze, die das Lämmlein gefressen hat, mithin wurde sie doch vom Hunde mit Recht gebissen. Warum wird also der Hund bestraft und zieht seine Strafe noch eine solche Reihe anderer Strafen nach sich? Antwort: Ein Lämmlein, das der Vater für nur zwei Sous kaufte, wie konnte es ausgesehen haben! War gewiß nicht größer als eine Maus. Dafür hielt es auch die Katze und fraß es, wie es ihr natürliches Recht ist. Also ist die Katze rehabilitiert. Der Hund hatte sich nicht einzumischen und seine Strafe, wie alle weiteren Strafen verstehen sich von selbst. Sie kommen zu spät... Einer von den Maskilim (Reformern des Ostens) fragte Rabbi Eisele Slonimmer, woher es komme, daß die Modernen mehr Takt (Derech erez) besäßen als die Beshamidraschjuden? „Ganz einfach," erwiderte Rabbi Eisele. „Man hat auf Sinai die ganze schriftliche und mündliche Lehre verkündet. Als man das Volk zum Sinai rief, waren alle aus der alten Schule sofort zur Stelle und nahmen alles von Anfang bis zu Ende in sich auf. Die Modernen aber glaubten, erst große Toilette machen, in Frack und Zilinder erscheinen zu müssen. Das erfordert Zeit. Und als sie endlich kamen, lernte man gerade noch den letzten Traktat — der heißt „Massechta Derech Ere z." Eine große Reihe von Purim-Beiträgen, auch für die Kinderecke, konnten entweder, weil sie zu spät einlangten, oder wegen Platzmangels nicht mehr erscheinen. Wir danken den Einsendern und wünschen ihnen "inx mpnn nbsni rrn Kinderecke. Purim im Osten. Kindheitserinnerung für Kinder. Von Moses Katz. Purim war im Osten kein gewöhnlicher Festtag. Wir Jungens erwarteten ihn nicht minder gespannt als Chanukah oder Simchas Thora. Zu Purim erhielten wir Schall- und Klapperinstrumente, mit denen wir den Haman meschugge machten. Außer den Fabrikerze.ugnissen, bei denen viele Juden Geschäfte machten, stellten wir selbst die „Gregger" und Haman-Klapper her. Aus hartem Holz schnitten wir kleine Brettchen, die wir mittels starker Fäde^ an die Finger befestigten. Das Klappern dieser Brettchen hörte sich genau an wie die Instrumente spanischer Musik. Dann stellten wir uns Holz-Handschuhe her; der Rücken war aus Sackleinen und die Innenfläche aus gehobeltem Holz. Als wir mit diesen Handschuhen klatschten, war der Haman nicht zu beneiden. Andere Kinder, die es besonders auf den Haman abgesehen hatten, brachten Mörser und Kupferbecken mit ins Bethaus . . . Abends, als wir auf die erste Megillahvorlesung warteten, befanden wir uns in einer eigenartigen, aufrührerischen Stimmung und konnten kaum unsere Ge-' räuschwaffen ruhend liegen lassen. Ungeduldige Kinder konnten sich nicht beherrschen und ließen abgebrochene Töne ihrer Instrumente hören; genau wie im Theater bei den Musikern vor der Aüffüttrung einer großen Oper. Das sich zusehends füllende Bethaus bot uns ein eigentümliches Bild. Unsere Väter erschienen nicht im Festgewan'de, sondern in den Arbeits- und Wochenkleidern. Doch ihre Gesichter waren gespannt, wie bei den Chassidim an Rabbis Tisch. Eigenartig wirkten die schwarzseidenen Käppchen unter ihren mit Mehl bestaubten Hüten. Ihre Gürtel waren fest angezogen, aber nicht, weil sie der Hunger nach dem Fasttag quälte; die Ostjuden konnten besser fasten als essen . . . Sie taten es nur im Eifer . . . Nach Maariw holte der alte Schames die Megillahrolle aus dem Schrein und legte sie feierlich auf den Emporeständer. Wir setzten uns zurecht und nahmen unsere Instrumente in die Hände. Der Raw — und mit ihm die Gemeinde — erhob sich vom Ostplatz und schritt, begleitet von Reb Jankel, dem altbewährten Megillahleser, und vom Gabbe feierlich die Treppe zur Empore hinauf. Bald begann sich der greise Reb Jankel zu schaukeln, schloß die Augen und begann laut den Segen. Kaum hatte er die Worte „AI mikro megilloh" gesagt, als ein „Amen" durch den Räum kollerte; dasselbe bei der Schehchjonu. Jetzt trat eine Stille ein, als ob sich im Bethause kein Mensch befunden hätte. Alle vertieften sich in Sidurim, Chumoschim und Megillaus, da man sich kein Wort entgehen lassen durfte. Zart und melodisch begann Reb Jankel: „Wajhi bime Achaschherausch!" Sein milder Ton floß in unsere jungen Körper, durch alle Glieder so süß, warm und zugleich so stürmisch und aufbrausend. Bald Waren wir fort, weit, weit weg, in Persien am reichgedeckten Tisch des Königs Achaschherausch. Völkerscharen marschierten auf . . . Wir sahen die funkelnden Weingläser, herrlichen Goldgeschirre, goldenen Betten und Mosaikböden der Prunkgemächer. Wir rochen den Wein- und Speisenduft. Der berauschte König stand lebendig vor unseren Augen. Wir hörten seine Wünsche . . . O, wie wir zitterten . . . Aber die Königin Waschti wollte nicht gleich erscheinen. Ein Glück war das! Eine Eingebung vom Himmel; denn sonst hätte der König keine andere Frau gesucht. Bald sahen wir die Stafetten in die 127 Länder reiten. Mordechai ünd Esther tauchten auf. Ach, der Arme! Wie. unruhig und besorgt war er um sie! Tagtäglich spazierte er am Hofe der Kebsweiber, um sie zu bewachen. Wir rochen die Salböle und Gewürze, mit denen man Esther ein Jahr lang für den Königsempfang vorbereitete. Die Wahl . . . unsere Herzen schlugen. Endlich! Bravo! Esther, unsere Schwester! Und der kluge Mordechai! Nein, er wollte sich nicht bücken! Er — wollte — sich — nicht — bücken!!! Das war ein tapferer Mann! Und ausgerechnet er hörte, wie zwei Höflinge ein Attentat auf den König planten. Zum zweiten Male:, ein Glück! Und nun war der Böse da! „Burr! Trach, tach, tach! Born!" Jetzt arbeiteten wir auf unseren Instrumenten. „Im al hamelech tauw ikossew leabdom". Der König sollte so freundlich sein und das Todesurteil der Juden unterschreiben! So ein Bösewicht! War es denn verwunderlich, daß wir so tobten und mit den Füßen trampelten? Dabei versprach er dem Köni<*. seine Kammern mit dem Besitztum der Juden zu füllen . . . Wir tobten solange, bis sich die Sache zum Guten wandte. Dann sangen wir „Schoschanas Jakow" und sinkend verließen wir das Bethaus, um nach dem Fasten zu feiern . . . Zahlenrätsel. 1, 2, 3, 4. 5. 6. 2. 7. 8 9 4. 10. 11. 1?. 13. 10. 3 Zwei Hauptpersonen aus der Megilloh 2, 4, 2, 1 Stammvater 3, 4, 12, 13 Urgroßmutter Davids 4, 5. 3. 2 Maler, bekannt durch seine Bibelillustration 5, 11, 12. 10. 9, 4, 10 Seebad 6, 2, 11, 2, 9 Jüdischer Vorbeter 2. 2, 3. 5, 9 Bruder von Moses 7, 10. 3, 7. 6 5* Alte biblische Stadt am Jordan 8, 3. 7, 2 11 Feldherr Davids 9; 5. 2. 12 Biblischer Urvater 4. 3. 2, 6. 10 Sagenhaftes Untier 10. 4, 10, 9 Das frühere Paradies 11. 7. 1. 11. 5. 9 Heldengestalt aus der Bibel 12. 13. 5, 3. 2 Die 5. Bücher Moses 13. 2. 1, 2, 9 Ein Mann aus der Megilloh 10. 7. 6. .10 Ein deutscher Baum 3, 7, 6. 2, 3, 4 Ein Männername.

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