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Der Israelit · 1935-03-14 · Heft 11 (14.3.1935) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 11 (14.3.1935)
Date
1935-03-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 11 Der Israelit 14. März 1935 Warum die Ortsgruppe Schuschan sich nicht an der Adar-Aktion beteiligt. (Aus dem Targum Schlischi zum Jischuw Haschlischi.) Vorbemerkung: Zum Verständnis der folgenden Reportage aus Susa genügt es, darauf hinzuweisen, daß der Ausdruck „Luftmenschen" wohl nirgends so am Platze ist, wie zur Bezeichnung der dortigen lOköpfigen Ortsgruppe, wodurch eine oppositionelle Einstellung zu „Erez", zum Boden, nicht weiter verwunderlich ist. Als daher die jüngsten Keren Hajischuw-Blätter mit der Aufforderung zur Adar-Aktion in Schuschan eintrafen, fand auch eine einmütige Ablehnung der Adar-Aktion in dieser Gruppe statt, deren Wortlaut wir nun wiedergeben: Parschandoso : „Solange die P. C. nicht jedem ehemaligen und jetzigen Agudisten, und dem, der es werden wird, sofort ein Zertifikat verschafft, gebe ich prinzipiell nichts für den Keren Hajischuw. Man sehe nur, wie im Gegensatz zur Aguda bei anderen Organisationen es zugeht. Der Vetter meiner Tante hörte von seinem Synagogennachbar, daß dessen Kusine die Mitteilung bekam, schon nach drei Monaten — sie ist natürlich nicht bei der Aguda organisiert — daß sie mit einem Zertifikat sicher rechnen könne, während man bei der Aguda manchmal ein Jahr oder gar l}/> Jahre warten muß, bis man fertig ist." D a 1 f a u n : „Ich gebe prinzipiell nichts für die Allgemeinheit, denn ich habe genug für mich zu tun. Die Herren, die für Propaganda und Drucksachen soviel Geld ausgeben, die sollen selber Erez Jisroel aufbauen." A s p o s o: „Das Informationsmaterial ist viel zu wenig, Berichte haben wir keine, die agudistische Presse leidet daran, daß sie mir keine Freiexemplare zuschickt, es werden viel zu wenig Mittel für Propaganda zur Verfügung gestellt. Man könnte überhaupt bei unserer hohen Antenne von 50 Ellen uns jeweils die Mitteilungen über Agudas Jisroel per Radio vortragen." P a u r o s o : „Solange die Agudas Jisroel in ihrem Schulwerk in Erez Jisroel sich nicht nach dem Lehrplan eines humanistischen Gymnasiums, einer Oberrealschule und eines Lyzeums richtet, ist dieses Schulwerk mangelhaft und der Keren Hajischuw nicht untertützungswert." A d a 1 j o : „Ich verlange „Thora-Kultur-', d. h. völlige Abwendung von dem uns einstens aufgezwungenen Derech Erez. Die Beschäftigung mit Landwirtschaft, Handwerk und den Realien muß die Orthodoxie den anderen Gruppen überlassen. -Solange man fälschlicherweise unter Thorakultur versteht, daß man auch am kulturellen bürgerlichen Leben sich beteiligt, und etwa vermeint, es wäre dann orthodox, die Thora dort als herrschenden Faktor einzuführen, statt sich vollkommen von allem abzuschließen, und sich auf die vier Ellen des Beth Hamidrasch zu beschränken, gebe ich nichts für den Keren Hajischuw." A r i d o s o : „Die Poalim der Agudath Israel sind viel zu anmaßend. Mit Schillerkragen und aufsehenerregender Primitivität stellen sie sich in Gegensatz zu den heiligen Traditionen der westeuropäischen Orthodoxie. So was kann ich nicht unterstützen." Parmaschto: „Die Poale Agudath Israel sind viel zu wenig proletarisch. Es ist höchst verdächtig, daß Smilansky, der Leiter der palästinensischen Kolonisationsarbeit, sie lobt. Schon das beweist, daß sie zu wenig Klassenbewußtsein haben. Von einem richtigen Arbeiter verlange ich mindestens einmal im Vierteljahr einen Streik, Krach und dergl. Die agudistischen Arbeiter sind viel zu still. Für eine solche Crupne nabe ich nichts übrig." Arisai i „Es ist unerhört, daß mein Sohn nicht .'iuf eine agudistische Hachscharastätte aufgenommen wurde, solange er keine Jeschiwa besucht, dabei hat er im Religionsunterricht immer befriedigend gehabt und legt seit seiner Bar Mizwa regelmäßig Tefillin, als ob "das heutzutage nichts wäre, und als ob das nicht für Erez Jisroel ausreichte! Solch finstere Bestrebungen unterstütze ich nicht." A r i d a i : „Mir ist die ganze Agudas Jisroel verdächtig, seitdem sie so viel für Erez Jisroel tut. Früher genügte es, dasjenige zu verneinen, was die anderen taten, und das kostete auch nicht so viel. Jetzt sollen wir auf einmal statt wie wir es bisher gewohnt waren, in einem fort uns zu organisieren, Erez Jisroel auf Grundlage der Thora aufbauen. Das widerspricht dem psychologischen Trägheitsgesetz. Ich mache nicht mit." Wajesoso : „Ich war immer für ein Zusammengehen aller Parteien und zwar so, daß die Agudas Jisroel für Olam Haba sorgt und die anderen für Olam Hase. Und jetzt will man auf einmal, daß wir Boden in Erez Jisroel bebauen, Menschen hinbringen, Schulen gründen und auch für das Olam Hase der agudistischen Jugend sorge. Da kann man zu leicht mit den anderen Gruppen in Konflikt kommen. Wer für einen Frieden ist, der macht da icht mit." Also sprachen die einzelnen Mitglieder der Ortsgruppe Schuschan. Wer sich deren Argumente nicht zu eigen macht, wird an der Adar-Aktion teilnehmen und daran denken, daß die Quersumme der Postscheckkontonummer 53 900 der Palästina-Zentrale 17, im Zahlenwert a'in ist. Die lebendige Zeitung. Es gelang, in den Archiven von Schuschan die Zeitschriften ausfindig zu machen, die damals nach dem Aufrufe Mordechais zur Sammlung erschienen sind. Sie zeigen, welchen Sturm der Aufruf in dem jüdischen Blätterwald von damals hervorgerufen hat. Ein kleiner Ueberblick sei hier gegeben: Das „Hamburger Familienblatt": Die erste Notiz Mordechais nahm das Blatt gar nicht auf. „Aufruf an das Volk!" sagten die Herren der Redaktion, ein Aufruf gehört in den Inseratenteil, gegen Bezahlung. Da aber ein Inserat nicht bestellt wurde, so ließ das Blatt in der nächsten Nummer einen Artikel vom Stapel gegen die Schwarzen von der Frankfurter I. R. G. — denn etwas anderes waren Mordechai und Esther ganz gewiß nicht —, die den „ O n e g Schabbath" an der Tafel des Ahasveros stören und auch gegen das „Neukoscher" bei der königlichen Bewirtung Sturm laufen. „Man reibt sich an uns . . . War das nicht ein echter „Oneg Schabbath" mit den Persern im Cafe „Ginath Habithon", wo sich Jung und Alt trafen? Nun kommen sie, die ewigen Nörgler, mit ihrem „Blättchen Gemoroh", um alles zu zerschlagen. Im übrigen könnte sich noch die Situation für Mordechai und seine Leute über Nacht ändern und bessern — wenn er sich entschließen wollte, zu inserieren. Wir wären dann bereit, evtl. unter der Rubrik „Streng koscher", „Neukoscher" und „Strengtrepha" auch für sie ein wenig Propaganda zu machen." Die „Jüdische Rundschau": Sie rufen zur Sammlung und Abwehr, also: Auf zur Makkab i a d e! Sympathisch sind uns schon die Herren deshalb, weil ihr Aufruf eine Absage an die Assimilation ist und weil sie (eine fette Zeile) Ja zum Judentum! sagen. Bekanntlich hat ja Israel am Sinai nicht „Naasse wenischmah" gerufen, sondern „Ja, ja, ja!" Freilich (drei ganz fette Zeilen) ist einige Vorsicht geboten. Die Herren rufen auch zu den Waffen, so sind sie sicherlich Revisionisten, und diese mögen wir nicht, denn wir halten es mit der Histadruth. Außerdem (dicke und fette Zeilen) wären noch einige Vorfragen zu lösen: Sind Mordechai und Esther auf die Rundschau abonniert; zahlen sie den Schekel? Wie stehen sie zum „Keren Hajessod" und zu der Minderheitsfrage? Im übrigen sollten die Herren nicht so voreilig sein und den Beschluß des nächsten Kongresses abwarten. Die ,.C. V. - Zeitung": Unter der Ueberschrift „Sie machen Rischus . . ." bringt das Blatt einen geistvollen Artikel, in dem ungefähr zu lesen ist: Ja und Nein und Vielleicht . . . Einerseits und andererseits . . . Sowohl als auch . . . Am Ende doch . . . und schließlich nichts . . . Alles Weitere zu erfahren im Hauptbüro Berlin ... „Der Schild": Der Schild bringt den Aufruf Mordechais im Wortlaute und gibt dazu den Kommentar des Rif (nicht des RabbiAlfassi, sondern des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten"). „Respekt vor so vielem Kämpfermut. Solche Meisterboxer können unserer Gemeinschaft nur Ehre bereiten. Wir gratulieren ihnen zu dem großen Länderspiele, zu dem sie sich jetzt rüsten und wünschen ihnen besten Erfolg. Sind natürlich auch gerne bereit, beim guten Ausgang der Sache Mordechai zum Ehrenpräsidenten des Reichsbundes zu ernennen. Man sagt, sie seien schwarz. Schadet nichts. Wir hatten immer gute Beziehungen zum „ S c h w a rzen Fähnlein" und haben .nichts . dagegen, wenn durch die neuen Männer das „Schwarze Fähnlein" wieder auflebt . . ." Die „Jüdisch-liberale Zeitung": Den schönsten Artikel brachte die „Jüdisch-liberale" jetzt „Allgemeine Zeitung" in Berlin: „Schon wieder die Mucker und die Separatisten! Was will eigentlich dieser „Hofjude im Sacke"? Was ist dort passiert? Hören wir ihren Bericht: Juden waren Gäste an der königlichen Tafel und ließen sich verbotene Speisen und Getränke wohl schmecken. Das nützte bei den Feinden nicht und sie drohen mit Pogrom. Nun ruft Mordechai das Volk zur Rückkehr und Abwehr auf. So weit der Bericht. Nun, sagen wir: Abwehr! gut, aber was wollen sie mit der Rückkehr? Was haben sie Schlimmes getan? Unter den Gästen, die trepha aßen, waren „Rabbiner", die in ihrer Ruhezeit v e g e t a r i s c h lebten . . . Und dann auch Mitglieder des Kulturbundes. Sie hatten gerade „Jeremias" gespielt: Jeremias mit Schinkenbrötchen, was natürlicher als das? Und darum machen jene Mucker so einen Lärm? Was kümmert sie das überhaupt, was andere tun? Sie sollten doch Jedermann nach seiner Fasson — Seligma'nn werden lassen ... Unterzeichnet war der Artikel mit „Chad Gadjo", was auf Deutsch Lemmie (ein Lämmchen) heißen soll ... Zuschriften, Proteste und Ratschläge. Aus der Redaktionskorrespondenz. Man pflegte Zeitungen und Redakteure nach dem zu beurteilen, was sie den Lesern bieten, und damit geschieht ihnen bitteres Unrecht. Beurteilte man sie nach dem, wovor sie die Leser Woche für Woche verschonen, ihre Heiligsprechung würde nicht lange auf sich warten lassen. Einiges aus der täglichen Redaktionskorrespondenz mag hier zu Purim aus dem Massengrabe des Papierkorbes an die Oeffentlichkeit gelangen. Edelbach, 6. Mar(bitter)-Cheschwan. Geehrte Redaktion! Eigentlich verdienen Sie diese Anrede nicht, denn von Verehrung kann gar nicht mehr die Rede sein. Ich habe Ihnen einen fünf eng beschriebene Seiten langen Nachruf auf Frau G. geschickt, die eine währe Esches Chajil war, täglich ihr Gebet verrichtete und je am Freitagabend ihren „Israelit" las. Was taten Sie? Ein solches Werk der Pietätlosigkeit ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen. Nicht allein, daß statt Edelbach der Ort „Edelheim" genannt wurde, begingen Sie den. Vandalismus, von den fünf Seiien vier wegzustreichen und kaum eine zu bringen. Die saftigsten und schönsten Stellen ließen Sie aus, u. a. auch jene rührende Stelle, in der^mit der von der Seligen hinterlassenen „Wurstkammer" bewiesen wurde, was sie für eine treusorgende Hausfrau und Mutter war. Da ich selbstverständlich eine Abschrift des- Nachrufes habe, so könnte ich Sie ohne weiteres wegen Urkundenfälschung verklagen, wovon ich aber in dieser schweren Zeit für die Juden, zur Vermeidung eines Chillul Haschern, doch absehen möchte. Wozu hält man die Zeitung und bezahlt sie, wenn man nicht zuletzt die Freude haben sollte, seine lieben Angehörigen oder sich selbst darin in. einem schönen Artikel gewürdigt, zu sehen! . Zuletzt teile ich Ihnen mit, daß Sie mir fernerhin Ihre Zeitung nicht mehr zu schicken brauchen,: eben so wenig meinem Onkel B.....meiner. Base C. . . meinem Schwager und meiner Schwägerin D. . . . Weitere .Abbestellungen aus dem weiten Kreise der Familie erfolgen diese. Woche noch. Mit gebührender Achtung « JB1. A. METZGER * ZEIL 27 Telefon 21293 ICoIoniaftuarcn £>eUfeafcssett AltbekanntesSpezialhaus für n Ö Ö - W a r e n Unter Aufsicht d^-r Ritual- Kommission der Isr Gemeinde Verlangen Sie meine Pesachprei* liste!

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