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Der Israelit · 1935-03-14 · Heft 11 (14.3.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 11 (14.3.1935)
Date
1935-03-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 11 Der Israelit 14. März 1935 Polen. Erlolg des Warschauer Rabbinats im Schächtkonflikt. Warschau, 8. März. In dem Konflikt zwischen der Warschauer Stadtverwaltung und dem Rabbinat betreffend die rituellen Schlachtungen im Warschauer Schlachthof hat das Rabbinat dadurch einen Erfolg errungen, daß die zwei unautorisierten Schächter entlassen wurden. Eine den religiösen Anforderungen entsprechende Regelung hatte in der vorigen Woche der Referent für Kultusangelegenheiten im Bildungsministerium, Graf Potocki, einer Abordnung des Rabbinerverbandes zugesichert. Palästina. Ein deutscher Religionsverein in Tel Awiw. Tel Awiw, 7. März, in dem „Mitteilungsblatt der Hitachduth Olej Germania" veröffentlicht der von deutschen Olim begründete Verein „zur Wahrung der national-religiösen Interessen" „ I c h u d " , der als Vereinsrabbiner Herrn Rabbiner Dr. Emil L e v y aus Berlin berufen hat, sein— Programm. Es werden ständige G'ttesdienste veranstaltet und Schrifterklärung und Predigten durch den Vereinsrabbiner abgehalten. Bei dem Rabbiner sollen auch Anmeldungen zur Vorbereitung auf die Barmizwoh und zu Trauungen nach Verständigung mit der Kehilla Tel Awiw angemeldet werden. Ebenso ist eine Sondergruppe der Chewra Kadischa zur Mitwirkung bei Tahara und Beerdigung geschaffen worden. Die Jugendarbeit sieht die Heranziehung der Jugend zur allgemeinen Arbeit des Vereins und zur Veranstaltung von Lehrkursen auf dem Gebiete des jüdischen Wissens vor. Ferner wird die Pflege freundschaftlicher Beziehungen der Vereinsmitglieder untereinander, auch durch gesellige Veranstaltungen, ins Auge gefaßt. Für den Vorstand zeichnen die Herren Dr. M. Kollenscher und Prof. Dr. Heinrich Löwe aus Berlin. Zertifikate-Vorschuß auf die nächste Halbjahrsquote für die Palästina-Einwanderung, aber keine Nachtragsschedule. Jerusalem, 5. März. Wie der ITA. von dem Leiter des Einwanderungsdepartments der Jewish Agency, J. Grünbaum, mitgeteilt wird, rechnet das Department damit, daß demnächst eine erhebliche Zahl von Einwanderungszertifikaten'als Vorschuß auf die nächste Halbjahrsquote ausgegeben werden wird, um die Einwanderung von Arbeitern, die zur Durchführung wichtiger Arbeiten dringend benötigt werden, zu ermöglichen. Dagegen scheinen sich die Hoffnungen bezüglich der Ausgabe einer Nachtragsschedule nicht zu verwirklichen. Man erwartet aber, daß die im April fällige nächste Schedule dem starken Bedürfnis nach erhöhter Einwanderung zwecks Behebung des Mangels an jüdischen Arbeitern Rechnung tragen wird. Personalien. Die Beisetzung von Frau Sara Schenirer yj. Krakau, 15. März. Üeber die letzten Tage der Frau Schegirer wird noch berichtet: Trotz ihrer schweren Krankheit konnte sie sich nicht entschließen, nur einen Tag die Stätte ihrer Wirksamkeit auf dem Mädchenseminar zu verlassen. Ihre letzten Reden und Ansprachen an die Schülerinnen waren zu Herzen gehende Appelle, treu zur Thora zu halten. Am Freitag fühlte sie sich dem Ende nahe. Im Moment, da man ihr die Sabbatlichter ans Bett brachte, erlosch das Licht ihres Lebens. — Im Seminar wirkte die Kunde vom Tode der „Beth Jakob-Mutter", wie man sie überall nannte, geradezu erschütternd. Die Schülerinnen hielten die Ehrenwache an ihrer Bahre und beteten auch die Nacht hindurch Psalmen. Am Sonntag mittag umlagerte eine große Menschenmenge das Seminargebäude. Sämtliche Lehrerinnen aller Beth Jakob-Schulen in erreichbarer Nähe waren gekommen, von der Zentrale der Bnoth Agudas Jisroel war Herr G. Frvdensohn in Begleitung mehrerer Lehrer und Lehrerinnen erschienen. Die Krakauer Bevölkerung war in all ihren Schichten zahlreich vertreten. Im Hofe der Schule hielt zuerst Rabbi Mendel Wechsler einen ergreifenden Hesped. Auf dem Friedhof sprach in bewegten Worten für die Zentrale der B. Ä. J., Herr Frydensohn. „30 000 Schulkinder der Beth Jakob-Anstalten," sagte er, „fühlen sich verwaist durch den Heimgang der Frau Schenirer. Zehntausenden der Bnoth Agudas Jisroel war sie Führerin und Wegweiserin." In sämtlichen Beth Jakob-Schulen wurden Trauerfeiern veranstaltet. Vermischtes. Frankfurt a. M., 11. März. In einer Wiesbadener Firma war seit sieben Jahren eine jüdische Angestellte, zuletzt als Einkäuferin, beschäftigt. Anfang Juli kündigte die Firma der Angestellten für Ende Dezember 1934, und zwar auf Anfrage der Kreisleitung der NSDAP. Die jüdische Angestellte, die für einen 71jährigen Vater und einen Schwerkriegsbeschädigten Bruder zu sorgen hat, klagte auf Widerruf der Kündigung, weil diese ungesetzlich und sittenwidrig sei. Das Arbeitsgericht Wiesbaden hatte die Klage abgewiesen. Auch die Berufung beim Landesarbeitsgericht Frankfurt hatte keinen Erfolg. Die Berufung wurde vom Landesarbeitsgericht, nach einem Berichte der „Frkftr. Ztg.", u. a. mit folgender Begründung verworfen: "Wohl sei es anerkannten Rechts, daß eine Kündigung wetfen ihrer Motive sittenwidrig und nichtig sein könne; aber im vorliegenden Falle sei die Kündigung aus wirtschaftlchen Gründen erfolgt, um die angedrohten schweren geschäftlichen Nachteile zu vermeiden. Eine solche aus triftigen Erwägungen erfolgte Kündigung sei nicht sitte n w i d r i g. Der Begriff des Anstandsgefühls der billig und gerecht denkenden Volksgenossen unterliege einer Wandlung, und bei ihm sei der nationalsozialistischen Weltanschauung eine maßgebliche Bedeutung beizumessen. Heute empfinde die Mehrheit der deutschen Volksgenossen es nicht als sittenwidrig, wenn eine arische Firma bei der herrschenden Arbeitslosigkeit die einzige jüdische Angestellte, die ein hohes Gehalt beziehe und die einem deutschen Arbeitslosen den Platz versperre, aus dem Betriebe entferne, um an ihre Stelle einen arbeitslosen, national zuverlässigen deutschen Volksgenossen einzustellen. Das Berufungsgericht sei in Uebereinstimmung mit dem Vorderrichter der Ansicht, daß die Klägerin nicht mit dem Einwand gehört werden könne, die beklagte Firma hätte sich einem ungesetzlichen Druck und einer rechtswidrigen Einmischung der betriebsfremden Kreisleitung widersetzen und den Schutz der vorgesetzten Stellen (nämlich der Gau- und Reichsleitung, des Reichswirtschaftsministeriums und des Reichsarbeitsministeriums) anrufen müssen. Auch hier müsse betont werden, daß es sich um eine weltanschauliche Frage handle, bei der auch keine' vorgesetzte Behörde eine untergeordnete Stelle zu einer anderen Auffassung zwingen könne. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Kurt, Sohn des Herrn Sigmund Schönwalter, Markt-Berolzheim s-ip'i rav- — Max, Sohn des Herrn Wolf Rabbi, Bamberg, Zinkenwörth 2. rav Klp'l 'S »Tip- Briefkasten. V. in Reinheim. Geburtstag 18. Februar. ms»"n 22. Februar n'BBwa xishb- Tin Essen, und viele Andere. Beim Eintreffen Ihrer Aufsätze war die Purimnummer soweit fertiggestellt, daß wir neue Artikel nicht mehr akzeptieren konnten- Mit homiletischem Material sind wir z- Ztso reichlich versehen, daß wir Sie bitten, von den avisierten Zusendungen "vorerst abzusehen. Die Frankfurter Woche. Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde. Die am gestrigen Abend stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde stand ganz im Zeichen der Festsetzung des Steuersatzes für das Rechnungsjahr 1935/36. Der Vorstand beantragte a) die Erhebung eines Zuschlages von 27^4 Proz. (i. V. 22]/l' Proz.) zur Reichseinkommensteuer bezw. Lohnsteuer; b) die Erhebung eines Zuschlages von 33V:i Proz. (i. V. 28,125 Proz.) zur Reichsyermögenssteuer; c) die Erhebung eines Gemeindegeldes von jedem volljährigen Gemeindemitglied, gestaffelt von Mk. 1.50 bis Mk. 100.—. Justizrat Geiger begründete namens des Vorstandes, an Stelle des durch eine' Dienstreise abwesenden Gemeindevorsitzenden Justizrat Dr. Blau, die Erhöhung, die durch größere Bedürfnisse des Philantropins (178 000), der Wohlfahrtspflege (180 000) und des Krankenhauses (45 000) bedingt sei. Das Gemeindegeld werde künftighin nicht nach der Einkommensteuerstufe, sondern nach der veranlagten Kültussteuer erhoben, da die alte Veranlagungsweise die Vermögenssteuer- und nicht Einkömmeristeuerpflich-' tigen kaum erfaßt habe. Die Vorlage des Vorstandes wurde schließlich mit überwiegender Mehrheit genehmigt. Der Etat 1935/36, der in Einnahmen und Ausgaben Mk. 1.370 Millionen aufweist, wurde debattelos an die Finanzkommission verwiesen. Die Jüdische Notstandsküche, die zur Zeit täglich rund 1000 Essen ä 10 Pfg. verabreicht, erhielt zur Verlegung ihres Küchenbetriebes nach der Königswarterstraße Mk. 2500 bewilligt. Auf Grund eines Schreibens des Verbandes traditionell-gesetzestreuer Rabbiner wurden Mk. 1500 zur Verbilligung des Bezuges rituellen Fleisches für die minderbemittelte Bevölkerung auf Pesach "enehmigt. Die Schneider'sche Thoralehranstalt, In der Schneide r'schen Jeschiwah wurde am Samstag abend .ein Sijum auf Traktat «wsn Raa gefeiert. Das Fest nahm bei guter Beteiligung mit mehreren Reden u. a. einer Ansprache unseres Raws »*> einen schönen Verlauf. Des Weiteren geht uns folgender Rückblick auf die bisherigen Leistungen der Jeschiwah zu: Die Hörer setzen sich aus jungen Leuten im Älter von 14 bis 24 Jahren aus guten Häusern zusammen. Manche von ihnen haben bereits eine praktische Ausbildung hinter sich, die sie beruflich zur Alijah nach Erez Jisroel befähigt. Zweck der Lehranstalt ist es, den jungen Leuten das geistige Rüstzeug zu selbständigem Lernen zu geben und ihnen die hierzu erforderliche Grundlage an Wissen zu vermitteln. Die Art des Lernens von Thora und Mussar geht systematisch auf das Ziel los, Liebe zur Thora in die jungen Menschen hineinzulegen. Zugleich soll damit auch für das fernere Leben außerhalb der Jeschiwah Streben nach stetigem geistigen Fortschritt erweckt werden. Schon ein relativ kurzer Aufenthalt auf der Lehranstalt ergab durchweg erfreuliche geistige Entwicklung. Es findet zweimal täglich ein mehrstündiger Schiur nach der litauischen Lernmethode statt. Sonst wird in kleinen Gruppen wiederholt und an der Vorbereitung für die nächsten Schiurim gearbeitet. Außerdem wird zweimal wöchentlich Mussar nach dem Chofez Chajim und verschiedenen anderen Großen gelernt. Die Schabbosstimmung mit Thoraunterhaltungen, Semiraus, Lernen und Mussarvortrag stellt einen Höhepunkt des Gemeinschaftslebens dar. Die Behandlung der jungen Leute ist nicht nur wie die von Schülern, sondern wie die von eigenen Kindern. Jeder der jungen Hörer weiß, daß er bei solchen Voraussetzungen des größtmöglichen Erfolges seiner Hachscharah ruchanith versichert sein darf. Das Lernlokal ist sehr hell und ruhig. Es sind angenehme Wohnungen für die Schüler vorhanden. Die drei täglichen Mahlzeiten, die die jungen Leute in der Wohnung des Jeschiwahleiters einnehmen, sind gut. Kurz, es ist für alles bestens gesorgt: Die Jeschiwah ist nach wie vor zur Aufnahme von jungen Leuten, sowohl Anfängern wie Fortgeschrittenen, bereit, die Thora lernen wollen. Der verlangte Kostenzuschuß ist gering. Unbemittelte haben alles frei. Anmeldungen Obermainanlage 28. Freitagabendveranstaltuingen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Zum Abschluß der Veranstaltungen an den Freitagabenden sprechen am tot 's» (16. März) Herr Dr. S. Ehrmann und Herr S. Schachnowitz um 20.45 Uhr im Hörsaal, Friedberger Anlage 5. Jugend-Schiurim. ■Sonntag und Donnerstag von 20.30—21.30 Uhr G e m o r o : Herr Gemeinderabbiner Josef J. Horovitz. — Schabbos von 3.00—4.30 Uhr: D i n i m und M u s s a r : Herr Rabbiner Feuerwerker. — Beide Schiurim finden im Hause des Herrn Gemeinderabbiners, Fichtestraße 5, statt. Berichtigung. In den illustrierten „Keren Hajischuw-Blättern" der P. Z. der Agudas Jisroel vom März ds. Js., die allenthalben freudigen Anklang gefunden haben, heißt es in einem Teile der Auflage auf Seite 10 und 11: „Der Keren Hajischuw erwarb im Zentrum der Kolonie 3 Dunam Boden." Es muß richtig heißen: i% Dunam Boden. Das im Bau begriffene Schulgebäude steht vor seiner! Vollendung und dürfte schon zum kommenden Semester, ■ nach Pessach, seinem Zwecke übergeben v/erden. Konzert der jüdischen Tankunstier Frankfurts. - Die durch die neue Leitung aus ihrem Dornröschenschlaf geweckten jüdischen Tonkünstler Frankfurts gaben am vergangenen Samstag ihr zweites größeres Konzert. Der in allen Gruppen gut besetzte Kammerchor sang unter Leitung von Dr. E h,r e nix ei c h klangschön Madrigale von Donati, Scandellus, Haßler und im zweiten Teil des Programms Volkslieder (auch jüdische) für Chor und Klavier von Herbert Fromm.; Weniger befriedigte der instrumentale Teil .des Abends. Bei dem durch die Energie seiner Kritiken! (früher im Generalanzeiger, jetzt in jüdischen. Blättern) bekannt gewordenen Musikrezensenten Artur Holde vermißte, man leider den gleichen Elan als Dirigent. Das^ unter seiner Leitung spielende; zum großen Teil a'us: sehr begabten Musikliebhabern (verstärkt durch "ßerufsmusiker] spielende. Streichorchester war, redlich bemüht, sein Bestes zu geben, jö daß bei einer ge-; eigneteren Leitung sicherlich. Anregenderes;z^erw|r-:: ten wäre und ein derartig langweiliges Musizieren ja

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