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Der Israelit · 1935-03-14 · Heft 11 (14.3.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 11 (14.3.1935)
Date
1935-03-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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sehen, Staatsmannes und Präsidenten Thomas G. Masaryk stellen." Der Radomischler Gaon ^»sv Ka schau, 10. März. Der berühmte Gaon, Rabbi Samuel Engel aus Radomischel, ist, wie bereits gemeldet, dahingegangen und das polnische wie slovakische Judentum ist in tiefe Trauer gehüllt. Denn mit ihm ist ein Fürst im Reiche der Thoralehre und eine Säule des Chassidus von uns geschieden. Die Bescheidenheit dieses Großen war sprichwörtlich, und seine Zuvorkommenheit ermutigte auch den Jüngsten und Kleinsten, in ihm den Vater und Berater zu sehen. Der Weltkrieg hatte diesen Geistesheroen von seinem Wirkungskreise in Radomischel nach Kaschau verschlagen, wo er 15 Jahre wohnte und wirkte. Von Jugend auf schwach und kränklich, erhielt ihn eine innere Kraft und die Freude an der Thora am Leben, so daß er ein Alter von 82 Jahren erreichte. Die Bestattung fand am Freitag nachmittag statt. Die Klagereden seines Schwiegersohnes, Rabbi David H a 1 p e r n und seines Enkels rührte die vieltausendköpfige Menge zu Tränen. Eine große Reihe wertvoller Manuskripte befinden sich im Nachlasse des heimgegangenen Rabbi, die, neb'en seinem großen gedruckten Responsenwerk, sein Andenken für die Ewigkeit erhalten werden. •V"<1 „Thora im Derech Erez" in der Slovakei. Bratislava, 11. März. Der neiagegründete. Verein „Thora im Derech Erez" bezweckt die Ausbildung von Bachurim in Ackerbau, Wirtschaft, Handel und Gewerbe. Es sollen Fortbildungsheime für Bachurim errichtet werden, in denen sie berufliche Ertüchtigung und zugleich religiöse Fortbildung erhallen. Der Verein trat mit einem ausführlichen Aufruf an die jüdische Oeffentlichkeit, in dem er seine Pläne und Ziele klarlegte und die jüdische Gemeinschaft in der Slovakei um kräftige Unterstützung bat. In einer Sitzung des Vorstandes des Vereins wurde ein Rabbinischer Aufsichtsrat gebildet, in dessen Kompetenz die unbeschränkte religiöse Leitung der Fortbildungsheime liegen soll. Dem Rate gehören sieben Mitgileder an, und zwar die Oberrabbiner von Galanta, Sariss ke Lucky, Kralovsky Chlumec, Jelka, Spisske Podhradie, Moldava und Tyrnau. An die Vorschläge und Maßnahmen des Rabbinischen Aufsichtsrates ist der Vorstand bei Anstellung von Leitern und Lehrern gebunden. Auch können in die Heime nur solche Zöglinge aufgenommen werden, die durch den Rabbinischen Aufsichtsrat empfohlen werden. Der Rabbinische Aufsichtsrat ergänzt sich im Falle des Ausscheidens eines Mitgliedes durch Zuwahl von selbst. Man setzt auf die Neugründung große Hoffnungen bezüglich der Produktivierung der Lehrhäuser und der Erziehung ihrer Jünger zu Thora und Awod'ah. Polen. Völkerbundskommissariat für Auswandererfürsorge und die Einwanderung deutscher Juden nach Palästina. Wilna, 8. März. Der ehemalige Senator Rabbiner Jizchak Rubinslein hat sich an den Vorsitzenden des Verwaltungsrates für das unter der Leitung des Völkerbundskommissariats für Auswandererfürsorge stehende Internationale Hilfswerk, Viscount Robert C e c i 1 o f C h e 1 w o o d , mit einem Schreiben gewandt, in dem er Lord Cecil an sein Versprechen anläßlich der im November v. J. abgehaltenen Tagung des Verwaltungsrates erinnert, an der Verwirklichung von Vorschlägen Rubinsteins zur Lösung des Auswandererproblems mitzuhelfen. Der von Rabbiner Rubinstein in einer Ansprache vor dem Verwaltungsrat gemachten Vorschläge betrafen vor allem Maßnahmen zur Eindämmung der judenfeindlichen Propaganda in einer Reihe von Ländern und die Oeffnung der Tore Palästinas für freie Einwanderung von Juden. Rabbiner Rubinstein bittet Lord Cecil, ihm mitzuteilen, welche Schritte zur Verwirklichung dieser Vorschläge bisher getan worden sind. England. Religiöse Kämpfe in England. London, 6. März. Seit einiger Zeit haben Verhandlungen zwischen der offiziellen Gemeinde, der fiUnited Synagogue", und der „Union orthodoxer Gemeinden", die sich um die Adaß Jisroel gruppiert, stattgefunden. Die Union behauptet, daß es um die orthodoxe Gemeinschaft in Großbritannien nicht gut stehe. Reformen seien bei der „United Synagogue" eingeführt worden, die mit dem traditionellen jüdischen Leben nicht in Uebereinstimmung stehen, und während man den guten Willen und die ehrliche Frömmigkeit des Chiefrabbi Dr. Hertz durchaus würdigt, wird doch geltend gemacht, daß entsprechende Sicherungsmaßnahmen in der Gemeinde Platz greifen müssen, wenn die Orthodoxie, gerade im Sinne des Chiefrabbi, auch für die Zukunft geschützt sein soll. Die Union der orthodoxen Gemeinden forderte eine Reorganisation des Besdin, so daß es in der Tat repräsentativ werde für das orthodoxe jüdische Leben und zu diesem Zwecke sollten drei Rabbinen zugewählt werden. Die Verhandlungen wurden auf Seiten der United Synagogue von dfn Herren Sir Robert Waley Cohen, Sir Isidor Salomon M. P. und Dr. Epstein, auf Seiten der Union von den Herren Dr. Homa, H. A. Goodman und Morris Goldstein geführt. Die Anregung der Union wurde abgelehnt, dagegen angeboten einen osteuropäischen Raw an Stelle des nach Erez Jisroel übergesiedelten Dajans Hillmann zu wählen. Zu diesem Zwecke wurde Rabbiner Abramski von der Machsike Hadaß aufgefordert, der jedoch die Einladung ablehnte, wenn nicht vorher gewisse Bedingungen in Bezug auf Schechito usw. erfüllt werden. Die Adaß Jisroel kündigt nun ihre Absicht an, ein eigenes Besdin einzusetzen angesichts der Tatsache, daß sie gegenwärtig die einzige unabhängige orthodoxe Gemeinde in Großbritannien ist. Sie hielt jüngst ein Meeting in Whitechapel ab, bei dem der Hautpsprecher Oberrabbiner Rottenberg aus Antwerpen war, unterstützt von einer Anzahl orthodoxer Rabbinen und Laien von London. Jetzt hat die offizielle Gemeinde den Gegenangriff in der Form einer öffentlichen Vorlesung des Herrn Sami Japhet veranstaltet, zu der die Elite der Londoner Judenheit eingeladen worden war. Eine besondere Einladung war* an die Mitglieder des Rates der Union orthodoxer Gemeinden ergangen. Mr. Japhet, der bekanntlich Vorsitzender des Rates von „Jews College" ist, hielt eine Vorlesung über den „Austritt aus der Frankfurter Israelitischen Gemeinde unter S. R. Hirsch" bei einem gut besuchten Meeting der „Jews College-Gesellschaft" im Woböurn-Hause. Tn seiner Rede sagte Mr. Japhet, er habe die Geschichte von dem Austritt. „mit allen seinen traurigen Konsequenzen" gehört. Die Zuhörer würden imstande sein, sich ihre eigene Meinung zu bilden und diese sei sehr opportun, da er erfahre, daß gerade jetzt einige Londoner Herren beabsichtigen, in ihrer_ eigenen Gemeinschaft Einflüsse eindringen zu lassen, die damals ,.in jener Religionsgesellschaft" herrschten. „Was," so fragte der Redner, „wollen um Himmels willen diese Londoner Extremen? Wollen sie die Uhr zurückstellen oder wollen sie nur eine Rolle spielen? Er fürchte, daß sie mit dem Feuer spielen, indem sie ihre Beschwerden öffentlich vorbringen statt zu versuchen, ihre Ziele durch friedliche Verhandlungen zu erreichen. Beabsichtigen sie wirklich, das traurige Spiel von Frankfurt zu wiederholen? Es sei unklug, einen häuslichen Streit zu entfesseln in einer Zeit, da ihre Feinde sich freuen würden, Unruhe im jüdischen Lager zu sehen, in einer Zeit, da jeder Funke Energie angewandt werden müßte, um für Israels Lebensinteressen zu kämpfen. Nun werde ihm gesagt, diese öffentlichkeitslüsternen Kritiker seien fromme Menschen und glänzende Talmudisten. Nun, erwartet man nicht von den Talmide Chachomim, daß sie den Frieden auf Erden vermehren? Wenn diese Leute nur begreifen würden, welchen Schaden sie der jüdischen Sache in der ganzen Welt zufügen, würden sie es sich zweimal überlegen, bevor sie ihre sinnlosen Angriffe auf das Besdin und die United Synagogue fortsetzen. Im Laufe der Diskussion ergriff Mr. H. A. Goodman das Wort und bemerkte, es sei heute Abend keine Zeit, sich mit Japhets Ausführungen, soweit sie London selbst betreffen, zu befassen. Er fühle jedoch, daß die Stimmen, die Japhet nach 60 Jahren aus dem Grabe heraufbeschworen habe, Japhet und seine Ideologie in die Verteidigungslinie drängen, denn S. R. Hirsch und seine Weltanschauung bedeuten heute einen Weckruf für die orthodoxe Judenheit in London. Rabbiner Hirsch hätte 1876 ein Licht in Frankfurt angezündet, das für Tausende und Hunderttausende von Juden in der ganzen Welt zu einer Inspiration geworden ist. Von Menschen von der Art S. R. Hirschs hat Macaulay einst das Wort gesprochen: Sie hätten das seltene Vorrecht, das Gemüt der Menschheit zu führen- und Hirsch sei einer der auserwählten weltbeherrschenden Geister, die über Zeit und Raum erhaben in London wie in Frankfurt, in Warschau wie in Jerusalem wirksam seien. Es bestehe keineswegs in der Londoner Orthodoxie der Wunsch, sich von der Gemeinde zu trennen. Aber wenn die reformierenden Tendenzen in der allgemeinen Gemeinde weitergehen, dann würden sie sich allerdings daran erinnern, daß S. R. Hirsch noch immer lebe, um der Orthodoxie in diesen schweren Zeiten Führer zu sein. Ein Enkel Rabbiner Hisrchs, Dr. Isaak L e v y, der für seinen Großvater in die Schranken trat, sagte, daß 99 Proz. des „Schmutzes", der heute Abend auf das Andenken eines wahrhaft großen Mannes geworfen worden sei, leicht zurückgewiesen werden könne. Es scheint beträchtliche Unzufriedenheit in einflußreichen Kreisen von Jews College zu herrschen über die vorurteilsvolle unsachliche Weise, in der Mr. Japhet mit S. R. Hirsch umging und im besonderen über die Tatsache, daß er die Gelegenheit benutzte, um eine Vorlesung, die objektiv und unparteiisch sein sollte, in eine politische Versammlungsrede zu verwandeln. (Wir sind fest überzeugt, daß niemand in höherem Grade als Chiefrabbi Dr. Hertz die deplazierten Angriffe mißbilligt, die hier von unberufener Seite auf S. R. Hirsch und sein unsterbliches Werk unternommen worden sind. Red.) Frankreich. Gegen den Weltkongreß. Paris, 10. März. In der letzten Nummer des „L'Univers Israelite" veröffentlicht Raymond-Raoul Lambert ein bedeutsames Plädoyer gegen die wieder neu auflebende Propaganda für einen jüdischen Weltkongreß. Lambert legt dar, daß nach wie vor alle offiziellen Organisationen von politischem Einfluß und wirtschaftlicher Leistungskraft, wie das Joint Foreign Committee in London, das American Jewish Committee und die Alliance Israelite Universelle ausgesprochene Gegner des Projektes sind, daß die von den Unternehmern erträumten demokratischen Wahlen im vorliegenden Falle sinnlos sind und daß die inneren politischen Schwierigkeiten des Kongresses ihn von vorneherein zum Scheitern verurteilen. Der Artikel schließt: „Das französische Judentum akzeptiert in seiner großen Mehrheit den jüdischen Weltkongreß nicht, denn es sieht darin eine aussichtslose Kundgebung, die, ohne daß ihr ein Recht dazu zustände, die Verantwortlichkeit des gesamten Judentums engagiert. Ohne genaues und begrenztes Programm, ohne die Mitwirkung der großen Organisationen und der Landesgemeinschaften der Juden, die allein auch gegenüber den Regierungen Autorität besitzen, wird der Weltkongreß in der gegenwärtigen Stunde höchstens eine große Hofnung erzeugen, der eine um so grausamere Enttäuschung folgen müßte." Man darf hoffen, daß auch im Osten die Befürworter des Projektes allmählich seine Aussichtslosigkeit eiensehen und aufhören werden, in die Massen Schlagworte zu werfen, die nur zur Ernüchterung und zu erhöhter Verbitterung führen müssen. (Weitere Korrespondenzen siehe Seite 14.)

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