Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1935)
- Date
- 1935-03-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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14. März 1935 Der Israelit Nr. 11 Seite 9 Existenz für Akademiker bestehen, darum soll man. einer Gruppe von Menseben, die nichts verbrochen und nichts verschuldet hat, durch einen kalten Antisemitismus die Existenz rauben oder ihm die Möglichkeit nehmen, sich eine solche zu schaffen?" Sitzung des. geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel und der Keren Hathora-Zentrale in Wien. Wien, 1. März. Am 23. Adar traten die Mitglieder des G. A. der . Agudas Jisroel und der Keren-Hathora-Zentrale zu einer Sitzung zusammen. Herr Dr. Deutschländer, der von einer längeren Auslandsreise zurückgekehrt war, erstattete ein ausführliches Referat über die Reorganisierung der Aguda und des Keren Hathora in Deutschland und in der Schweiz. Auf den beiden Delegiertentagungen in Leipzig und in Zürich wurden neue Landesvorstände gewählt. Den Vorsitz der deutschen Landesorganisation hat Rabbiner Josef Horowitz, Frankfurt a. M. übernommen; die ■ Schweizer Zentrale ist nach Luzern, unter Leitung des Herrn Dr. med. Robert Guggenheim, verlegt worden. In beiden Ländern soll dem Jugendreferat besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Keren-Hathora-Arbeit wird in Hamburg zunächst von Schriftführer Herrn Henry P e 1 s , in Basel von Herrn Max Meyer, geleitet. Eine Reihe von Vorträgen wurde im Anschluß an die Tagungen in Hamburg, Leipzig, Frankfurt, Karlsruhe, Zürich, Basel und Luzern veranstaltet und haben den Boden für weitere Tätigkeit vorbereitet. In Genf wurde eine Verbindung mit dem protestantischen Komitee für Rußlandhilfe hergestellt, und bei den in Betracht komrs^nden Behörden (Nansen-Komitee) für das Schicksal der Ausgebürgerten mit der Hoffnung auf Erfolg interveniert. Die finanzielle Not, in der sich die verschiedenen Befh-Jakob-Zentralen befinden, machte eine besondere Aktion für dieses Schulwerk nötig. Führende Persönlichkeiten aus den verschiedenen Lagern in der Schweiz haben sich erneut zu einem Komitee zusammengeschlossen, das einen wirksamen Aufruf um Hilfe an alle Jehudim des Landes. versandt hat. Da auch die übrigen internationalen Verbände (Ort und Ose) gegenwärtig eine Werbeaktion in den westlichen Ländern betreiben, wurde eine Kooperation mit diesen ins Auge gefaßt, die auch in London, dank der rührigen Arbeit des Herrn H. Goodman, zu einem Ergebnis geführt hat. An der längeren Debatte beteiligten sich ausführlich die Herren Großrabbiner Beer Friedmann, A. J. Friedmann und Herr Wolf Pappenheim. Im Einklang mit der Stellungnahme der deutschen Abteilung des Geschäftsausschusses nahm auch der Wiener G. A. in entschiedener Weise gegen die neuauflebende. Agitation für die Veranstaltung eines jüdischen Weltkongresses Stellung. Die Leitung der Agudas Jisroel-Wettorganisation erblickt in. einer solchen Verantaltung, welche scheinbaren Kautelen auch von den Veranstaltern angeboten werden mögen, eine schwere politische und religiöse Gefahr und fordert alle verantwortungsbewußten jüdischen Stellen auf, ihre Teilnahme daran zu verweigern. Notwendig ist dagegen die Schaffung einer Zentralstelle, innerhalb deren die großen jüdischen Organisationen, die sich seit Jahren mit der ökonomischen Hilfeleistung für die Judenheit befassen, ständig miteinander Fühlung nehmen und ein planmäßiges Vorgehen vereinbaren können." Ungarn. Die Eröffnung des Landeskongresses der ungarischen Neologie. Budapest, 10. März. ■ Nach mehreren feierlichen Ouvertüren, Vorkonferenzen, eigenen G'ttesdiensten und Empfängen, wurde am Dienstag vormittag im Goldmarksaale der Pester Israelitischen Religionsgemeinde der jüdisch-neologe Landeskongreß durch Hofrat Stern bei starker Beteiligung und in Anwesenheit von Vertretern der Regierung und der Stadtverwaltung eröffnet. Die Woche. Berlin. Wie die ITA. erfährt, waren als Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin bei der Beisetzung des verstorbenen Bischofs Bares Kammergerichtsrat i. R. Leo W o 1 f f für den Vorstand und Rabbiner Dr. Max Wiener für die Rabbiner zugegen. Der Vorstand hat dem Domkapitel zum St. Hedwig ein Beileidstelegramm gesandt. Köln a. Rh. In die Synagoge zu Bad Honnef drangen unbekannte Täter ein, verunreinigten sie, zerrissen Gebetbücher, stahlen einen Thoramantel und die Büchse für die Armen, die einen höheren Betrag enthielt. — In Rheinbrohl am Rhein ist am Ortseingang ein Schild über die Straße gespannt worden, auf dem es heißt: „Juden sind hier unerwünscht." Nürnberg, Wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, enthielt der Nürnberger Faschings-?ug auch einen Wagen und Gruppen, die deutsche Juden darstellten. Die „Fränkische Tageszeitung" bemerkt dabei: . . . „am heitersten . . . wurde die ausziehende Judensippschaft, die in naturgetreuen Nachbildungen zu sehen war, aufgenommen." Wien. Auf einer Delegiertenversammlung der Union ö s t e r r e i c,h ischer Juden wurde Dr. Jakob Bornstein zum Ehrenpräsidenten gewählt. — Dem Oberrabbiner der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. David Feuchtwang, wurde vom Bundespräsidenten das Offizierskreuz des österreichischen Vsrdienstordens verliehen. Triest. Offiziell wird gemeldet, daß der Dampfer „Tel Awiw" auf seiner Rückfahrt von Jaffa, wegen der Unruhen in Griechenland, ohne den Piräus zu berühren, über Rhodos und Korfu fahrplanmäßig in Triest eingetroffen ist. Somit fallen alle Gegengerüchte in sich zusammen. Warschau. Im Alter von 78 Jahren ist in Bialystok der Ortsrabbiner Rabbi David F a j a n s gestorben; Rabbi Fajans war zu Beginn des politischen Zionismus eifriger Mitarbeiter von Rabbi Jizchok Reines in der Misrachibewegung. — Der Thoraschrein der Synagoge von C z e 1 a d z bei Sosnowitz wurde nachts von unbekannten Tätern erbrochen, eine Thorarolle wurde zerschnitten. Die Vandalen erbrachen sodann die neben der Synagoge gelegenen Räume der Gemilas Chassodim-Kasse und vernichteten die Akten und Dokumente. Entwendet wurde nichts. Die Tat wurde somit offenbar aus antisemitischen Gründen begangen. Stockholm. Die Jüdische Gemeinde Stockholm hat eine großzügige Sammelaktion eingeleitet, deren Erträgnis zum Teil dem Hilfswerk für deutsche Juden, zum Teil Hilfszwecken in Polen und Palästinazwecken zugeführt werden soll. IstambuL Der auf Wunsch des Staatspräsidenten der Türkei, Kemal Attaturk, in das türkische Parlament als Vertreter der Judenheit gewählte Deputierte Dr. Abrevaja ist 55 Jahre alt und wirkt als Professor für Pathologie an der Universität Istambul. Tel Awiw. Am letzten Sabbat kam es nach einer Sabbatschutz-Kundgebung in der Großen Synagoge von Tel Awiw zu Unruhen. Autodroschken wurden angehalten und die Fahrgäste gezwungen, auszusteigen. Zwei Personen wurden verletzt, zehn Personen verhaftet. Haifa, Zum Vizebürgermeister von Haifa wurde der jüdische Stadtverordnete Schabbatai L e v i ernannt. Jerusalem. Der 85. Geburtstag des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, M a s a r y k, wurde, besonders in der tschechoslowakischen Kolonie, feierlich begangen. In den Synagogen und an der Klagemauer wurden besondere Gebete für Masaryk verrichtet. Jerusalem. In der Umgegend der jüdischen Kolonie Beth Alpha im Emek, wurde eine jüdische Viehherde von Wölfen angegriffen. Das Auftauchen der Tiere hängt mit der kalten Witterung zusammen. Die jüdischen Wächter haben mit Hilfe der Behörde die nötigen Abwehrmittel ergriffen. — Der Scheik des Dorfes A t i b a im Bezirke Tulkerem wurde wegen Organisierung von Ueberfällen auf Juden verhaftet. Die Verhaftung erfolgte im Anschluß an den Ueberfall auf Kfar Choresch. New York. Der Jugendverband Young Israel veröffentlicht eine Erklärung, daß er seine Beziehungen zum American Jewish Committee gelöst habe, weil er mit einer Reihe grundsätzlicher Anschauungen der Organisation nicht übereinstimme. Nach warmen Dankesworten an die Regierung und an die Vorkämpfer der Gleichberechtigung des ungarländischen Judentums, betonte Hofrat Stern die Dringlichkeit einer Vertretung der israelitischen Bevölkerung, bestehend im Landessenate, einem Rabbinatskollegium und einem Rabbinerstuhi als rabbinischem Gericht. Er mahnt zum einträchtigen Zusammengehen und verspricht auch für die Zukunft aufopferungsvolle Treue der ungarischen Judenheit gegenüber dem Vaterlande. Es folgte eine Begrüßungsansprache des Staatssekretärs Dr. Stefan T h ö t im Namen des Kultusministeriums. Er spricht die Anerkennung der ungarischen Regierung für die in nationaler Treue geleistete gemeinnützige Betätigung des heimischen Judentums aus und erinnert daran, daß der erste Landeskongreß 1867 duFch den damaligen Kultusminister Baron Josef E ö t v ö s eröffnet worden sei, dessen damals ausgesprochene Worte der Achtung für die jüdische Religion und Gemeinschaft heute noch voll gelten. Wie damals habe auch heute noch die israelitische Glaubensgemeinschaft die Aufgabe, sich genau wie die christlichen Koniessionen als autonome Körperchaft zu konstituieren. Der Staat bedarf in religiösem Geiste erzogener Staatsbürger. „Wenn sie in starkem Glauben an G ' 11 die Arbeit in Angriff nehmen, kann der Erfolg nicht ausbleiben, wie es in den königlichen Psalmen heißt: Haus Ahrons, vertraue auf den' Herrn, er ist Schutz und Schild! . . ." Die Rede wurde mit begeistertem Jubel aufgenommen. Zu Beginn der Nachmittagssitzung machte der President Mitteilung über eine Audienz der Kongreßdelegation beim Staatsoberhaupt Reichsverweser Horthy. Horthy drückte bei dieser Aussprache die Hoffnung aus, daß der Kongreß in jüdischem Kreise eine Vertiefung des Glaubenslebens herbeiführen werde, denn echtes religiöses Gefühl sei zu allen Zeiten auch die lebendige Quelle der starken und reinen Sittlichkeit. Aus ihm komme auch das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit der Nation und dem Vaterlande. In der Nachmittags-Debatte trat der Pester Rabbiner, Dr. Benjamin Fischer für weitgehendste Konzessionen an die Orthodoxie in rituellen Dingen ein. Andere wünschten eine Vereinigung der Gemeinden Pest und Ofen. Oberrabbiner Dr. H e v e s i verlangt größere Autorität für die Rabbiner und Religionslehrer. Es wurden dann die Wahlen vorgenommen. Zum Präsidenten der Israelitischen Landeskanzlei wurde Hofrat Stern und zum Vizepräsidenten Eugen S z a n t o wiedergewählt. Tschechoslowakei. Zum 85. Geburtstag des Präsidenten Masaryk. Prag, 7. März. In einem vom Obersten Rate des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden erlassenen Aufruf „An die Juden Prags!" heißt es u. a.: „Am 7. März feiert Präsident T. G. Masaryk seinen 85. Geburtstag. Zur gemeinsamen Ehrung dieses großen Tages haben sich die weitesten Kreise der jüdischen Bevölkerung Groß-Prags vereinigt. T. G. Masaryk kann nur durch eine große Tat gefeiert werden. Die jüdischen Gemeinden Prags und ihre Mitglieder bauen in Prag ein jüdisches zentrales Sozial-Institut und wollen sich an der Erlösung des Bodens für eine neue Kolonie in Palästina beteiligen, in der vor allem jüdische Kolonisten aus der Tschechoslowakischen Republik angesiedelt werden sollen. Die Fundamente dieser beiden Werke werden anläßlich des Geburtstages des Herrn Präsidenten gelegt und auf ewige Zeiten mit seinem Namen verbunden sein. Zur Verwirklichung dieser beiden Schöpfungen der Ehre und der Arbeit haben sich die jüdische Bevölkerung in Groß-Prag, führende Vereine und Korporationen zu einer gemeinsamen Aktion verbunden, deren Erlös zu gleichen Teilen dem zentralen jüdischen Sozial-Institut und der Aktion Kfar Masaryk zugeführt werden soll. Die altehrwürdige jüdische Gemeinde in Prag wird sich durch diese Aktion an einen hervorragende» Platz in der Reihe der Bewunderer des großen Menum uilngi $ la Benzin 31 Pig. pro mer $ la oei 80 Pig. an $ Aüto-zuüehör $ Garagen Konsiamer, Franhlurt a^m., Geiüqflirsciisir. 9