Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1935)
- Date
- 1935-03-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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14. März 1935 der 1 a r l 1 t- Nr 11 Seite 7 nen müssen. „Selbstverständlich sind sie vom Wettbewerb nicht ausgeschlossen. Ueberall ist gerade während des Schaufensterwettbewerbes diesen deutschen Lehrlingen Gelegenheit gegeben worden, in deutschen Geschäften zu dekorieren. Viele Jungen und Mädel haben sich nicht gescheut, fremde Geschäfte und fremde Geschäftsinhaber aufzusuchen und unter erschwerten Umständen die Dekorationen vorgenommen. Um so bedauerlicher ist es, wenn wir aus vereinzelten Meldungen entnehmen müssen, daß einzelne jüdische Ladeninhaber die Frechheit besessen haben, ihren Lehrlingen die Dekoration anderer Schaufenster zu verbieten und sie damit praktisch an der Teilnahme am Reichsberufswettkampf verhindert haben. — Eine so offenkundige Sabotage einer Aktion, hinter der das ganze deutsche Volk steht, und der die Sympathie und volle Unterstützung der Reichsregierung und der Parteileitung gilt, dürfte .bei dem Reichsberufswettkampf vom 18. bis 24. März überall im Reich von den örtlichen Stellen mit den notwendigen Gegenmaßnahmen beantwortet worden." Die jüdische Bevölkerungsbewegung in Deutschland in einer Darstellung des Statistischen Reichsamtes. Berlin, 7. März. Eine abschließende Darstellung über „die Juden im Deutschen Reiche 1816 bis 1933" mit den Ergebnissen der Volkszählung von 1933 erscheint in Heft 4 der vom Statistischen Reichsamt herausgegebenen Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik". Die Zahl der Juden in Deutschland betrug 1933 bekanntlich 499.682 Seelen. Dies entsprach einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 0,77 Proz. Von den deutschen Juden wohnten in den Großstädten rund 354.000 oder 7/1(l; allein in Berlin und fünf weiteren Großstädten (über 100.000 Einwohnern) die Hälfte aller deutschen Juden. Als Gründe für die Bevölkerungsverminderung der Juden, die von 1925 bis 1933 11,5 Proz. betrug, nennt das Statistische Reichsamt die verstärkte Weiterwanderung von Ostjuden, den Sterbefallüberschuß, Austritte, Mischehen und die Auswanderung deutscher Juden, die im Anschluß an die Neuordnung der politischen Verhältnisse stattgefunden und noch über den Stichtag der Zählung hinaus angedauert habe. Seit dem Jahre 1880 ist der jüdische Bevölkerungsanteil in den Großstädten gesunken. Er betrug 1933 mit 1,8 Proz. weniger als die Hälfte des Anteils von 1871. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung Berlins, der 1880 4 v. H. überstieg, ist seit 1900 gesunken. In Berlin, sowie in Frankfurt a. M., Breslau, Hamburg, Köln und Leipzig wohnen aber noch heute mehr als 10.000 Juden. Bei der Zählung von 1925 gehörte noch München zu dieser Kategorie. Frankfurt a. M. steht mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von 4,7 Proz. (gegenüber 1925 und 1910 6,3 Proz.) an der Spitze nicht nur der Großstädte, sondern aller Kommunalgemeinden mit 10.000 und mehr Einwohnern. Unter den Kommunalgemeinden zwischen 10.000 und 100.000 Einwohnern ist an erster Stelle Fürth zu nennen, das bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts die zahlenmäßig stärkste jüdische Gemeinde in Franken und in Bayern überhaupt gewesen war. Der Hauptteil der kleinstädtischen Juden (über ein Viertel) wohnt in der Provinz Hessen-Nassau und im Lande Hessen. Die benachbarten Verwaltungsbezirke um Rhein und Main, älteste Niederlassungsbezirke der Juden in Deutchland, haben die höchste Wohndichte der kleinstädtischen Juden. In Unterfranken wohnt die Mehrzahl der Juden in Ge meinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. d Nordwest-, Nord- und Mitteldeutschland, aber auch in Ostdeutschland, ist der Abstrom der kleinstädtischen Juden nach der Darstellung des Statistischen Reichsamtes größer als in den viel älteren jüdischen Nieder lassungsgebieten um Rhein, Main und Neckar. In einigen norddeutschen Ländern, die bisher schon eine sehr geringe Zahl von Juden gehabt haben, sind die kleinstädtischen Juden heute nahezu verschwunden. den waren, angibt. Danach beträgt die Gesamtzahl der Aerzte in Berlin 6188. Sie hat sich in der Zeit vom 14. Februar 1934 bis zum 31. Juli 1934 um 15 vermindert. Diese Verminderung setzt sich aus einem Gesamtzugang der arischen Aerzte um 197 und einem Gesamtabgang der nichtarischen Aerzte um 212 zusammen. Der Gesamtab^gang der nichtarischen Aerzte wiederum enthält einen Abgang von 256 und einen Zugang von 44 Aerzten. 44 nichtarische Aerzte haben somit ihre Praxis nach Berlin verlegt, ein Zeichen für die starke Binnenwanderung unter den deutschen Juden. Judische Aerzte in Berlin. Berlin, 10. März. In der deutschen Presse wird eine Statistik mitge teilt, die die Anzahl der Aerzte, die im Aerztekammerbezirk der Stadt Berlin am 31. Juli 1934 vorhan Die Zahl der nichtarischen Rechtsanwälte. Berlin, 10. März. Nach einer neuen amtlichen Zählung betrug am 1. Januar 1935 die Zahl der Rechtsanwälte im Deutschen Reich 18.780. Davon waren 2.736 Nichtarier. Von den zur Anwaltskammer Berlin gehörenden 2931 Rechtsanwälten waren 1092 nichtarisch. Im Breslauer Bezirk wurden unter 1017 Rechtsanwälten 234 Nichtarier gezählt; im Bezirk der Dresdener Anwaltskarnmer von 1773 Anwälten 68 Nichtarier. Im Oberlandesgerichtsbezirk Hamm waren von 1275 Rechtsanwälten 84 nichtarisch, im Münchener Oberlandesgerichtsbezirk von 1010 137 nichtarisch. Kriegsgefallenengedenkfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 10. März. Bundesleitung und Kriegsopferabteilung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hielten am 10. März in der Berliner Singakademie eine „Stunde des Gedenkens" ab, die den Kriegsgefallenen des deutschen Heeres und unter ihnen den jüdischen Kriegsgefallenen, sowie den jüdischen Kriegsverletzten und den Hinterbliebenen der Kriegsopfer gewidmet war, deren Betreuung der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten übernommen hat. Der Bundesvorsitzende, Dr. Leo Löwenstein, begrüßte die in großer Zahl erschienenen Kriegsverletzten und Hinterbliebenen der Kriegsopfer und die Vertreter der jüdischen Behörden und Organisationen. In dem stets anwachsenden großen Arbeitsfeld des RjF. nehme die Kriegsopferarbeit, die vom Bunde für alle jüdischen Kriegsopfer ohne Unterschied der jüdisch-politischen und religiösen Richtung geleistet wird, eine besondere Stelle ein. Der Sorge um die noch lebenden Kriegsopfer und um die Hinterbliebenen solle die heutige Feier neben dem Gedenken an die 12 000 jüdischen Kriegsgefallenen gewidmet sein. Der Leiter der Kriegsopfer-Abteilung des RjF., Oberlandesgerichtsrat a. D. Dr. Rosenthal, kenn zeichnete die Arbeit seiner Abteilung als eine zur staatlichen Kriegsopferversorgung hinzutretende ergänzende Fürsorge, die für alle Juden geleistet wird und daher auch von allen Juden ohne Unterschied gefördert werden sollte. Wie groß das Arbeitsgebiet der jüdischen Kriegsopferfürsorge sei, gehe daraus hervor, daß es heute in Deutschland noch immer etwa 1.700.000 Kriegsopfer gibt. Da der Anteil der Juden am Heeresdienst und an den Kriegsopfern ihrem An teil an der Gesamtbevölkerung durchaus entspricht, ist die Zahl der Menschen, die die jüdische Kriegs opferfürsorge in Anspruch nehmen müssen, sehr groß und werde dadurch noch erhöht, daß dem Bund von den staatlichen Fürsorgestellen die Betreuung auch der nichtjüdischen nichtarischen Kriegsopfer übertragen wurde. Einen sehr wichtigen Arbeitszweig der Kriegsopferabteilung bilde die Rechtsvertretung vor zahlreichen Behörden und die Hilfeleistung zur Erlan gung staatlicher Versorgung derjenigen alten Men sehen, die dadurch, daß ihre Söhne im Kriege gefallen sind, der Stütze ihres Alters beraubt wurden. Der schönste Dank für die toten Opfer sei es, der Leben den zu gedenken und ihnen zu helfen. In diesem Sinne solle die Arbeit der Kriegsopferabteilung des RjF. auch in Zukunft weiter geführt werden. Die Gedenkrede hielt der ehemalige Feldrabbiner Dr. Martin Salomonski. Nichtarier in Handwerkerinnungen. Gleiche Rechte und Pflichten. München, 12. März. Im Anschluß an Unstimmigkeiten zwischen einigen Mitgliedern und den beiden Obermeistern einer Hand werkerinnung weist das „Deutsche Schneiderfachblatt" in München darauf hin, daß die 1. Verordnung zum Handwerksaufbau, welche die Rechte und Pflichten der Innungsmitglieder regelt, keinen Unterschied zwischen Ariern und Nicht ariern kennt. Wer in Deutschland ein Handwerk betreibe, müsse ohne Rücksicht auf die Rassezugehörigkeit!nnungsmitglied sein. Dabei hätten alle Mitglieder, soweit das Gesetz keine Ausnahmen macht, gleiche Rechte und Pflichten. Der angegriHene Obermeister habe sich daher richtig verhalten, als er einen Antrag ablehnte, nichtarische Mitglieder von einer Innungsversammlung auszuschließen. Sein Verhalten sei aber nicht nur aus rechtlichen, sondern auch aus Zweckmäßigkeitsgründen richtig gewesen. Wenn der Nichtarier von den Versammlungen ausgeschlossen wäre, dann träfe dieses Verantwortungsrecht nur die arischen Mitglieder, und im übrigen könnte der Nichtarier sich leicht damit entschuldigen, er habe von dem, was verhandelt worden sei, keine Kenntnis gehabt. Habe, so heißt es in dem Fachblatt weiter, ein Mitglied irgend etwas vorzubringen, was er :n Anwesenheit der nichtarischn Innungsmitglieder nicht verhandelt wissen wolle, so hönne es den Obermeister vorher in Kenntnis setzen und dieser könne dann eine „interne Versammlung der arischen Innungsmitglieder" einberufen. Die Art der Versammlungsleitung stehe allein dem Obermeister zu, der nach Recht und Zweckmäßigkeit zu handeln habe und die richtigen Maßnahmen treffe, wenn er vorher verständigt werde. Tagung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Berlin, 11. März. Am 10. März 1935 trat der Große Rat des P r e ußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Zunächst begrüßte der Präsident, Kammergerichtsrat i. R. Leo W o 1 f f, die Vertreter der neuangeschlossenen Gemeinden, besonders aus dem Saargebiet. Diesen Begrüßungsworten des Ratspräsidenten schloß sich Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern an, der als Präsident des Verbandstages an der Ratssitzung teilnahm. Die oldenburgischen, thüringischen und saarländischen Delegierten dankten dem Landesverbände, daß er über die Grenzen Preußens hinaus den Gemeinden Hilfe leiste, wo immer es nötig ist. Ein ausführlicher Tätigkeitsbericht des Dezernentenkollegiu/ns lag der Ratsversammlung gedruckt vor. Die mündliche Berichterstattung konnte sich deshalb auf die Hauptpunkte beschränken. Herr Rabb. Dr. G a 11 i n e r berichtete ausführlich über die Arbeiten seiner Dezernate: Schaffung neuer Bezirksrabbinate, Lehrerbildung und Lehrerfortbildung. Auch Herr Rechtsanwalt Dr. Klee konnte sich in seinem Bericht über die Betreuung von Kleingemeinden im wesentlichen auf den veröffentliciten Tätigkeitsbericht beziehen. In der Debatte wurde vor allem die Frage behandelt, ob bei der beständigen Bevölkerungsabnahme der deutschen Juden eine weitere Ausbildung von Lehrern verantwortet werden könne, da vorliegende Statistiken bereits jetzt einen Ueberschuß an jüdischen Lehrkräften erkennen lassen. Von der übergroßen Mehrheit der Versammlung wurde aber der Standpunkt vertreten, daß die heutige jüdische Jugend zum großen Teil noch der wirklichen Führer entrate, und daß bei der jetzt und zukünftig zu vollbringenden jüdischen Lehrertätigkeit gerade Menschen aus der heutigen Jugendgeneration nicht fehlen dürften. Die Berücksichtigung der Statistik könne wohl zu einer Einschränkung der Lehrerausbildung führen, nicht aber zu ihrer völligen Einstellung. Im Mittelpunkt der Ratstagung stand die Durchberatung und Verabschiedung des vom Dezernentenkollegium vorgelegten Haushaltsplanes für das Geschäftsjahr 1935 36. Der Etat sieht für die Betreuung der Gemeinden und ihrer Beamten einen Betrag von 365.000 RM. vor; für Kulturarbeit sind insgesamt 123.000 RM. ausgeworfen. Der Finanzdezernent, Herr Dipl.-Ing. Bruno W o y d a , betonte einleitend, daß es dem Landesverband im vergangenen Jahre durch Anspannung aller Kräfte gelungen sei, trotz Fortfall der in früheren Jahren erhaltenen Staatsbeihilfen seine Aufgaben durchzuführen. Es könne aber nicht verkannt werden, daß in Zukunft