Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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SSB aSWSP^ggoggKWWSSKESgSP ^BBjS5^B!^BP»J|S! Seite 14 Nr. 10 Ü e 1 s r a e I i t 7. März 1935 Köln,. 3. März. Man schreibt uns: Wie wir der Jüdischen Schulzeitung entnehmen, wird für Frühjahr 1936 eine Sonderfahrt jüdischer Lehrender nach Palästina geplant. Der Schriftleiter der Jüdischen Schulzeitung, Dr. Siegfried Braun, Köln, Lützowstr. 39, erbittet schon jetzt unverbindliche Anmeldungen. Köln, 22. Febr. Der „Westdeutsche Beobachter" veröffentlicht einen Aufsatz, der untersucht, aus weichern Grunde der Verein nichtarische Finnen als Mitglieder aufnimmt und deshalb auch jüdischen Firmen eine entsprechende Plakette aushändigt. Da diese Plakette des Kölner Verkehrsvereins nicht darüber Aufklärung gebe, ob ihr Inhaber Jude ist oder nicht, gibt,, wie der „Westdeutsche Beobachter meldet, der stellvertretende Gauleiter Richard Scheller als Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt eine entsprechende Lösung. Er teilt dem „Westdeutschen Beobachter" mit, daß die NS-Volkswohlfahrt in den nächsten Ta gen mit einer Aktion beginnen werde, und zwar werde jedes Mitglied der NS-Volkswohlfahrt, der Ge schäftsmann ist, eine gut ausgearbeitete Plakette für das Schaufenster erhalten. „Die Plakette ist ein Hin weis darauf, daß der Geschäftsinhaber Mitglied der NSV. ist. Mitglied der NSV. kann nur der werden, der rein arischer Abstammung ist. So ist dann für jeden Volksgenossen klar zu erkennen, daß dort, wo das Zeichen der NSV. ist, das Geschäft unbedingt arisch ist." Kiel, 3. März. Eine seltene Feier veranstaltete die Jüdische Gemeinde in Kiel am twn '3 nzv- Die Gemeinde besitzt in ihrer Synagoge, die vor 25 Jahren erbaut wurde, ein herrliches G'tteshaus, das in architektonischer Hinsicht zweifellos eine Zierde dieser Stadt bildet. Seit diesem Sabbat aber hat die Synagoge in Kiel einen Almemor nach altem traditionellem Brauch in der Mitte. Es war ein ergreifender Moment, als zum ersten Male die Thorarolle auf diesen neu errichteten Almemor getragen wurde und aus ihr, inmitten der zahlreich versammelten Gemeinde die Sidra verlesen wurde. Rabbiner Dr. Winter aus Lübeck, der seit mehreren Monaten das Rabbinat in Kiel versieht, feierte denn auch in einer großangelegten Predigt diese Aufstellung eines Almemor als eine jüdische Tat und würdigte die Bedeutung des Almemors in religiöser und geschichtlicher Hinsicht. Er wies auf die Lagerordnung Israels in der Wüste hin, iri der das ganze Volk die Bundeslade schützend umgab, er erinnerte an die Verlesung der Thora durch Esra auf der erhöhten np^a vor dem versammelten Volk. Das G'tteswort der Thora sollte mitten im Volk seine Stätte finden. Es kennt kein hoch und niedrig, keine Vererbung und keinen Vorrang. Mit einem herzlichen Dankeswört an den Vorstand der Gemeinde, der in Verbindung mit Rabbiner und Kantor dieses schöne Werk geschlafen hat, schloß die gehaltvolle Predigt. — Möge in der Gemeinde Kiel auch in kommender Zeit der Sinn für Tradition und lebendiges Judentum erhalten bleiben und sie hierin stets ihre Einheit finden, wie dieser Sabbat es in schönster Weise gezeigt hat. Wiesbaden, 24. Febr. Die Altisraelitische ^Kultus« gemeinde veranstaltete einen Gemeinde-Abend, an dem Rabbiner Dr. Bamberger, Mainz über „Jüdische Renaissance" sprach. Nach einigen kürzen Begrüßungsworten'5 von Rabbiner Dr. Ansbacher führte der Referent etwa aus: Seit der Geburtsstünde des jüdischen Volkes ist seine Losung: „Ich werde Euch mir zum Volke nehmen und'werde Euch zum G'tt sein und Euch in Euer Land bringen." Einmal hat das Volk gesiegt, als man ihm diese Aufgäbe bestritt, das Volk G'ttes auf seinem Lande zu sein, in den Tagen der M a k k ä b ä e r. In das Golus hat es nür seine Thora mitgenommen, die Sehnsucht nach seinem Lande jedoch lebte fort, in hervorragenden Persönlichkeiten in besonderem Ausmaß wie Daniel, Esra, Neheniia, Jüda Hahjvi u. a. Erst die Emanzipation und Assimilation in Westeuropa emanzipierte die Massen von Religion und gab der. Ümwelt ein falsches Bild vom Juden. Man verfiel dem Materialismus, der Genußsucht, - Sabbat und Festtage, Speise- und Zenius-, Ehe- und Reinheitsgesetze galten für die Massen nicht mehr. Auch die Zionsliebe gewisser Kreise war nur getragen von dem n^S aber nicht bv^1 ^. nicht Mir zum Volke zu sein, Palästina und Iwrith wäinicht heiliges Land und nicht heilige Sprache. Aus unserer Ruhe wurden wir erschüttert. Man lehnt uns ab. An uns liegt es, die Umwandlung zur Neugeburt werden zu lassen, die Totalität der Thora. für alle Zeiten anzuerkennen, Zion nicht nur zum" Lande unserer Zuflucht, sondern unserer Zukunft zu machen. Nur unbedingtes Bekennen zur Thora kann aus der Zeit die Zeit einer wahren Renaissance machen, der Welt wieder ein wahres Bild vom Juden zu geben, das da ausgesprochen ist in dem Wort des Königs Nebukadnezar bei der wunderbaren Rettung Chananjas und seiner Genossen: „Ihr habt einen solchen G'tt und bückt Euch vor einem Bilde?" ■— Der Vortrag wirkte sehr eiridrücks-' voll, und wurde mit allseitigem Beifall aufgenommen.. Karlsruhe, 4. März. Die Israelitische Religionsgesellschaft hatte für ihren Gemeindeabend einen Redner gewonnen, dessen Ruf der lange vor Beginn überfällte Saal ein glänzendes Zeugnis ausstellte. In formvollendeten, mit Begeisterung -vorgetragenen Ausführungen sprach Herr Redakteur S c ha c hnio w it.z,. Frankfurt über den Rambam und über das, was er uns heute zu sagen hat. In lebendigen, anschaulichen Bildern schilderte der Referent das Leben und Wir ken des Rambam und Inhalt und Wirkung seiner Schriften. Packend und ergreifend stellte er dann fest, welche Stellungnahme des Rambam zu den Problemen des Tages sich aus seinen Schriften ergibt Die Palästina-Frage und die der hebräischen Sprache, die Sabbatheiligung in Palästina und bei uns, die Be deutung der jüdischen Schule und des jüdischen Lei' n&ns fanden an Hand der Schriften des Rambams eine Beurteilung, wie sie entschiedener und eindeu tiger kaum gedacht werden können. Die Jugend be schwor der Referent, sich nicht auf halbem. Wege der Umkehr von falschen Propheten abfangen, sondern vom Rambam die wahre Rückkehr sich lehren zu lassen. Der stürmische Beifall der Zuhörer he wies dem Redner, daß er den Bestrebungen der Israelitischen Religionsgesellschaft im Interesse der Er wachsenenbildung einen wertvollen Dienst geleistet hatte, M. Fulda, 28. Febr. Es ist geplant, von Pesach ab einer begrenzten Anzahl von Schülern Gelegenheit zu regelmäßigem Taurohlernen und Erweiterung ihres allgemeinen und fremdsprachlichen Wissens unter Leitung der hier ohnedies tätigen Rabbinen und Lehrer zu geben. Einige auswärtige Knaben im Alter von 14 bis 15 Jahren können noch in den Kreis aufgenommen werden. Beuthen (O.-S.), 3. März. Am Freitag, den 1. März erfolgte beim Abendg'ttesdienst die Einführung des neugewählten Rabbiners der Konservativen Gemeinde- Synagoge, Herrn Dr. Keller, Absolvent des Hildesheimer'sehen Seminars. Für den Vorstand der Synagogengemeinde begrüßte ihn der Vorsitzende, Herr Apotheker Kunz, für die Mitglieder der Konservativen Synagoge Herr Arnold Wiener, für das Rabbinat Herr Rabb, Prof. Dr. G o 1 i n s k i. Alsdann bestieg Herr Dr. Keller die Kanzel und legte in längeren programmatischen Ausführungen dar, von welchen Grundsätzen er ausgehe und in welchem Geiste er sein Amt auszuüben sich bemühen werde. Jerusalem, 21. Febr. Von der Hebräischen Universität in Jerusalem, gezeichnet Dr. Ernst Simon, geht uns unterm 26. Februar eine Mitteilung zü, wonach die Universität selbst mit der in Nr. 7 und Nr. 8 von uns geschilderten Sabbatehtweihung nichts zu tüh hat, da der betreffende Ausflug einen durchaus privaten Charakter trug. Eine Veranstaltung der Universität selbst habe am Sabbat noch niemals stattgefunden. Die Exekutive der. Universität habe sich infolge des bedauerlichen Vorkommnisses veranlaßt gesehen, noch einmal in einem Beschluß ausdrücklich die selbstverständliche Tatsache festzulegen, daß sämtliche Veranstaltungen der Universität nur an Wochentagen stattzufinden haben. Wir bemerken hierzu, daß der Irrtum, es habe sich um eine Veranstaltung der. Universität gehandelt, nür in der ersten als Vornotiz gebrachten Veröffentlichung unseres Blattes in Nr. 7 enthalten' war, die auf Grund von Warschauer Presseberichten erfolgte. In der darauffolgenden Nummer ist in einer Darstellung unseres Jerusalemer-Korrespondenten bereits klärgestellt worden, daß es sich um eine private Veranstaltung von Studenten der Universität handelte.' Letzte Nachrichten. (Orthodoxie und Neologie im Kampfe. Budapest, 4. März. Morgen tritt der Lahdeskorigreß der neologen Juden Ungarns, den sie selbst irreführend als jüdischen Landeskongreß und als Rechtsnachfolger des denkwürdigen Landeskongresses vom Jähre 1868—69 bezeichnen, in der Hauptstadt zusammen. Inzwischen, wendet sich der orthodoxe Zentralausschuß in einem Aufruf än die Oeffehtlichkeit; dem wir folgende Stellen entnehmen: ,;Zwei Jährzehnte lang herrschte Frieden zwischen der Orthodoxie, und der Neologie..in Ungarn; einfach aüs dem Gründe, weil die Neologie ihre Unifikätionsbestrebungen endlich aufgegeben und keine Angriffe gegen die Selbständigkeit der Orthodoxie gerichtet hat. Jetzt zeigen sich, neue Gefahren. Die Neologie will ihre Örganisätionsstatüteri, die der Kongreß von 1868/9 geschaffen, umändern. Wir haben es erwartet, daß diese Aenderungeri entsprechend der tätsächlichen und rechtlichen Lage vorgenommen werden. Die seinerzeitigen Statuten wurden für alle Juden Ungarns geplant, die Orthodoxie,, nahm sie aber nicht an, hat eine selbständige Organisation für sich erbatit, demzufolge wären aus dem alten Statut alle Verfügungen zu entfernen, welche die .erhabene Idee, der Gewissensfreiheit auch im entferntesten berühren kpähteri. Die vollständige Absonderung der Orthodoxie >i von der Neologie steht je.dem Beobachter klar vor .Augen. Das ungarische Abgeordnetenhaus hat im Jähre 1871 einstimmig für die selbständige Orthodoxie Stellung genommen und die Statuten der Orthodoxie wurden auf Grund einer königlichen Ermächtigung im Jahre -1871 und dann im Jahre 1905 seitens der Regierung bestätigt. Aber auch die neologen Führer haben in. den letzten Jahren wiederholt und öffentlich die Absonderung der Orthodoxie anerkannt. Demzufolge wäre es die Aufgabe der Neologie, sämtliche Beruhrungsmöglichkeiten mit der Orthodoxie, welche nür zu Zwistigkeiten führen können, für immer auszuschalten. Wir können aus religiösen Gründen nicht dulden, daß orthodoxe Juden den geistlichen und weltlichen Funktionären der Neolögeh (unterordnet seien. Das neologe Statut ist demgegenüber bestrebt, diese Abhängigkeit der orthodoxen Filialgemeinden noch zu erweitern und fordert uns zum Kampfe heraus. Wir sind auch bereit, als Angegriffene, diesen Kampf aufzunehmen. Wir werden mit dem größten Eifer und Ausdauer für unsere Rechte kämpfen. Wir werden alles daransetzen, um unsere Autonomie weiter auszubauen, wir werden neue Statuten schaffen, die unsere Selbständigkeit und Unabhängigkeit in erhöhtem Maße sichern. Und wir werden es verhindern, daß jene Verfügungen des neologen Statuts, die unsere Rechte tangieren, verwirklicht werden; Unsere Regierung steht auf positiv religiös-moralischer Grundlage. Wir können uns vor allem auf ihrem Schutze stützen, denn sie hatte stets aufrichtiges Verständnis für die religionstreue Orthodoxie. Wir hoffen aber auch in der letzten Stunde, daß die neologen Juden keinen Bruderzwist heraufbeschwören werden." Eine von neologer Seite lancierte Nachricht, wonach die Status qüö-Gemeinden beabsichtigen, sich mit den Neologen zu vereinigen, wird durch eine offizielle Erklärung der- Status quo-Leitungdementiert. „Egyenlöseg" will wissen, daß die Gegensätze durch «las konsiliante Verhalten der Herren Frankl, Kahan-Frahkl und von Freudiger auf der einen . und des Ho.fräts Stern auf der . änderen Seite . im .letzten Augenblick ausgeglichen werden würden, doch laßt der Aufruf des orthodoxen Zentralaüsschusses dies kaum erwarten. Auch die Ziönisten, die hier eine ganz unbedeutende Gruppe darstellen, sind auf den Plan getreten: und schlagen demokratische Reformen vor. Sie haben sich den Kultu'sgemeindevörsitzendeh Dr. Fridemann aus Wien verschrieben, um für ihre Ideen hier Propaganda zü mächen. "* _ Die Frankfurtertiefte* Lehrkürse für Täuroh und Mussar. s : HerrJRabbiner Jos. j; Horovi t z -wird am Mittwoch, den 13. März (8. Adarll 5695) älsr Schlußvortrag über „Tauroh- und Mussarstimmen aus Ältpersien" spreehen; Der „Vortrag findet um 8.3Ö.- Uhr in der , Aula der S. R. Hirsch-Schule, Am Tieir-- garten 8 statt. , „•Die; Agädavorträge finden letztmals Sonntag, den 10. und 17. März im AnschlußI an den Minchbg'ittes.- dienst statt und werden in der Omerzeit ri"'Ä Wiederaufgenommen. . Verein Mekor Ckajirn. Mit .dem Abschluß des eigentlichen Wihterse'mes-' ter.s sind, infolge dervorgerückten Jahl;esj5eit einjge; Lehrplähänderüngen notwendig ge worden, auf die wir '• ausdrücklich aufmerksam mächen. Nach Beendigung der Mikrövorträge äni Freitag-: abend wird nunmehr der Mikrovortrag ah Stelle des Tehillimkursus je am Schabbosnachmittag eine halbe Siündte vor Mmeho im Vereinslokal unter. Leitung des Herrn Rabbiner Meyer gehalten, (z. Zt; 4- Uhr). Die Samstagabehd-Vörträge. beginnen nunmehr ., statt um 8.30 Uhr bis auf weiteres um . 9 Uhr. Die; nächsteh Vorträge werden im. Zeichen des be/vorste-; heiklen . Pdrimfestes stehen. (Näheres siehe : Vfereiris-3 kalehder.) > : ' Der Hafthora-Schiur am Sonntag "nachmittag .fm--- det nunmehr; eine Stunde 'vor Mmcho -im H ö r s a ä!k\ Friedbergeranlage;(n i c h t im Vereinslokal) statt. ,-■ „ r . Sbhulbilder, Die Aufnähmen von '. der S c h.u 1 a ü ff üh-r u h £ i m S a a 1 b a u; (Sing- und . Sprechchpre ih.it BühneZ- und .Örchesterj; sind ,im: Pdto-At^Ker von Arno K a { Zi-; Sandweg 7; zum Preise,; von R^ii. —.15 zuerhälteh.: - Ffeitagäbendveranstaltungen der Israelitischen ReUgiohsgesellschaft. Arn^ letzten Freitag mußte die, Veranstaltungünvorhergeseheherweise<;*äüäfälleri^ Vir*;-- ••'; ' •; - :-