Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 Nr. 10 Der Israel i t 7, März 19s35 worren und dennoch ganz klar, ein wenig zusammenhanglos und dennoch so verständlich. Es gab keine letzte Antwort, auf das, was auf ihn in diesen Tagen eingestürmt kam, aber es sagte doch mehr als alles, was er in Vorträgen gehört, in Zeitungen und Büchern über diese Dinge gelesen hatte. Die Lernstunde mit Rabbi SchmuhJ Karpfenteich wurde ihm zum Lebensbedürfnis, .und er war ein wenig bestürzt, als ihm dieser eröffnete, seine Vorbereitungen für die Ausreise nach Palästina seien nun so weit abgeschlossen, daß er sich schon in den nächsten Tagen nach Triest zu begeben gedenke. (Fortsetzung folgt.) Zwei Bücher für Kinder. „Wer, was, warum" nennt sich eine Schrift von D. E. Grünthal und G. Katschuk,' die 613 Fragen an die Kinder stellt, auf die im zweiten Teile die Antworten erfolgen (Verlagsauslieferung Varia, Berlin). Es ist eine an sich gute Idee, Kindern auf kurzweiligem /Wege, so im Frage- und Antwortspiele, wichtige jüdische Wissensstoffe zu vermitteln. Wer aber auf eine rein zionistische Erziehung keinen großen Wert legt, wird das Büchlein mit einiger Vorsicht seine Kinder genießen lassen. Denn viele Fragen sind auf zionistische Belange zugespitzt und dienen offensichtlich dem Zwecke, das Kind mit der Terminologie des nationalen Lebens vertraut zu machen. Gut den Ton zum Herzen der Kinder trifft Bernhardine Brunner mit ihren anspruchslosen kleinen Geschichten unter dem Titel „Was der Vater erzählt". (Buchdruckerei J. Kral, Boskovice.) Der Sabbat und die Feiertage und ein paar Midraschüberlieferungen von Königen und schönen Seelen stehen im Mittelpunkte, zudem ein kleines Purimspiel, ein Dialog zwischen den Festen des Jahres, bei dem Moschiach das letzte Wort hat. Ohne literarischen oder gar poetischen Anspruch,, schmeichelt sich das Büchlein ganz nett in das Herz der Kleinen ein. (Eine Handschrift Leon da Modenas entdeckt.) Der vom Verband der jüdischen Gemeinden Italiens mit der Ordnung der Bibliotheken und Archive der italienisch-jüdischen Gemeinden beauftragte Historiker und Bibliograph Dr. Jesäjäh Sonne hat in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde von Ferrara ein bisher unbekanntes Manuskript Leon da M.o d e n a s entdeckt. Das in den' Jahren 1600 bis 1601 niedergeschriebene Manuskript ist ein Kommentar zu den Spruch en in Form von Vorlesungen, die er seinen Schülern hielt. Das Manuskript enthält auch Kommentare seiner Schüler Rabbi Asarjah Figo, Rabbi Abraham Lombroso und Rabbi Jacob O b a d j a h. (Neue englisch-jüdische Tageszeitung.) Unter dem Namen „The Jewish Daily. Post" erscheint seit anfangs Februar jn englischer Sprache eine neue jüdische Tageszeitung in,.London, die einen reichhaltigen, in geschickter journalistischer Aufmachung dargebotenen Inhalt aufweist und offenbar bemüht, ist, gegenüber den jüdischen Parteien eine objektive und neutrale Haltung einzunehmen. Die Schriftleitung des Blattes befindet sich Whitechapel E. 1, 88 High Street.: (Zeitungsjubiläum.) Das Zentralblad voor Israelieten in* Nederland hat Ende Februar das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens begangen. Aus diesem Anlaß veröffentlicht das Blatt, das die Interessen des orthodoxen Judentums inimer .mit Energie und Umsicht vertreten hat, eine Jubiläumsnummer, die das Bild des Gründers des Blattes,' A. van Crefeld,' sowie die wohlgelüngenen Zuge; einer großeu Schär ehemaliger und gegenwärtiger Mitarbeiter: darbieten. Wir wünschen dem Blatte weiteir eine aufwärtsführende 'Entwicklung und Ausgestaltung zum Besten' der Sache, die es vertritt. Wochenkalender, Vom 9. — 16. März 1935 / Vom 4. _ 11 Adarll 5695 •>»Y> ",T Kap «an Samstag 9 4 Tp- . 'TlpS Sonntag 10 5 np > ■ Montag!H 6 »? Dienstag 12 5£ 7 ' V Mittwoch 13 r ö n 8 K'j? . Donnerstag März 14 9 3' ' Freitag: 15 10 Samstag 16 11 Tj? TUT '3 iTIp'l Kmderecke* Der Schleier der Königin Esther. Von Else EHschewa Jacobus. Di-e kleine Tamara war allein zu Haus. Es war nämlich frühmorgens am Purim, und da waren die Eltern zur Synagoge gegangen, die Megilla zu hören. Da sollte nun Tamara mit dem Frühstück warten, und sie durfte sich den schönen Kaffeetisch bloß von weitem ansehen. Ganz reizend sah er aus, der Purim-Frühstüekstisch. Mutter hatte die guten bunten Tassen hingestellt, die mit dem Goldrand. Und in der Mittelstand die große Kuchenplatte mit lauter niedlichem Pürimgebäck. Obenauf lagen die herrlichsten Hamantaschen, gefüllt mit Nüssen und mit Mohn, der in Honig gekocht war. Duftend und knusperig lagen sie da. „Mal probieren?" fragte Tamara sich selber. „Mutti hat es zwar nicht"erlaübtf aber —. —" Und schon hatte sie das erste —- das zweite — und sogar das dritte Stück gegessen. Nun war sie viel zu satt von all dem süßen Zeug, und außerdem hatte sie noch ein ganz schlechtes Gewissen. Da -— was war das? Ein Geräusch auf der Treppe — und nun, klingelte es an der Korridortür/Tamara ging hinaus, sah erst durch das Guckloch — und machte dann ganz schnell auf. Da stand ein Mann mit ganz .bunten Kleidern und mit langem blondem Haar und Bart. O, wie schön war er angezogen! Sicher war er ein Prinz! Und richtig, — da sagte er es schon selber. „Ich bin der Prinz Firdusi, ein weitgereister müder Mann. Darf ich mich einen Augenblick ausruhen?" „Natürlich!" sagte sie -— und führte ihn schnell ins Zimmer. „Komm doch herein an den warmen Ofen!" — Er setzte sich auf den alten Lehnstuhl aus grünem Samt, der neben dem Ofen stand. „Nur zweji Minuten kann, ich bleiben; denn ich muß noch.Viele Besuphe machen." „Das* ist aber schade, lieber Prinz. Willst Du denn nicht ein bißchen frühstücken? Du bist doch sicher hungrig." „On nein, das wollen wir lieber, nicht machen. Bloß ausruhen wollte; ich' mich — und das habe ich schon getan. --Weil /Du aber so ein gutes Kind bist und mich so schön aufgenommen hast, darum bekommst Du jetzt von' mir ein feines Geschenk! Nämlich: den Schleier der Königin Esther!" ,jSo?" fragte Tamara. „Davon hat mir doch Mutti noch nie 'erzählt — und unsere Lehrerin auch nicht." „Das schadet nichts," sagte Firdusi; und er zog aus der Tasche seines bunten Rockes einen langen weißen Schleier. Der war ganz leicht und duftig — und mit lauter' silbernen .Sternchen bestickt'. „Weißt Dti nichtr' sagte'/derf;P^]iizV V,w.asJ<'Mr'.''eirie .große Angst die Kopigin Esther hatte,; als sie zum König ging; ohne daß sie gerufen war? Und beinahe wäre der König auch wirklich böse geworden. Aber Esther hatte einen wunderbaren Schleier, den ihre Mütter ihr vor dem Tode geschenkt hatte. Den sollte sie immer umnehmen," wenn Menschen böse auf sie waren — und sofort würden ihr die Menschen wieder gut sein. Darum nahm sie ihn auch jetzt vor dem König um. Und als der König sie in diesem Schleier sah, da wurde er sofort ganz sanft und hatte sie noch' viel mehr lieb als früher; und gleich reichte er ihr das goldene Szepter und wollte alle ihre Wünsche erfüllen." O, wie staunte da Tamara. „Und denselben Schleier hast Du da in der Hand?" fragte sie'; „und mir hast Du ihn mitgebracht?" „Jawohl,;hur Dir ganz allein," sagte der Prinz; „und vielleichtkannst Du ihn manchmal gebrauchen. Aber jetzt öiuß ich sthleunigst weiter, Auf Wiedersehen, kleine Tattara!" Und fort lief er wie der Wind, die Treppe hinunter. Nun stand das kleine Mädchen wieder allein im Zimmer —r- und hatte den ~ wunderbaren Sohleier in der Hand. Er war so schön, daß sie alles vergaß und an gar nichts anderes dachte» Da hörte sie Schritte die Treppe heraufkommen, jemand schloß auf — und nun ging auch die Zimmertüre auf, und die Eltern traten ein. „Ist die Synagoge schon aus?" fragte Tamara schnell» „Natürlich," sagte die Mutter, „und jetzt dürfen wir uns zum Frühstück setzen." -Sie nahm die Kanne mit Kaffee aus der Ofenröhre und wollte anfangen einzugießen. Da fiel aber ihr Blick auf die Kuchenplatte. „Aber Tamara!" rief die Mutter. m „Die Hamantaschen sind ja weniger geworden! Hast Du denn gar nicht die kurze Zeit abwarten können, bis wir zurückkamen?" „Nicht böse sein, Mutti," bettelte Tamara. — Aber die" Mutter hatte noch immer ihr böses Gesicht an und wollte gerade ihre Strafrede weitersagen. Da fiel der kleinen Tamara der Schleier ein, den sie noch immer in der Hand hielt. Schnell nahm sie ihn hoch, legte ihn um den Kopf und ließ die schönen breiten Enden nach vorne über ihr Kleid fallen. Ganz entzückend sah sie aus.— und nun machte sie noch dazu ein drolliges .Mündchen und bat die' Mutter nochmals, sie möchte nun aber wirklich nicht mehr böse sein. Und richtig! als .die Mutter die niedliche kleine Schleierfee sah," - 'da. konnte sie ihr wirklich nicht jnehr.bösje sein. Sie gab ,^hr nur noch , ein :;paar gute* Lehren und erklärte ihr* wie man stark sein und; sich zusammennehmen soll. Aber schelten? nein; das tat Mutti den ganzen Tag nicht mehr. Den Schleier hat Tamara sich aufbewahrt. Und es war ganz komisch —-: wenn sie ihn ansah, mußte. sie , immer an die genaschten Hamantaschen dehken,r und an den Prinzen Firdusi,. und an Mutters gute Lehren. Und dann fühlte sie sich immer mit einem Male ganz stärk. Eigentlich wollte sie ihn ja immer mitnehmen — aber" , sie.-.hatte Angst, daß er zerreißen . könnte;;,und darum hat sie ihn fein im Schrank verwahrt'und ihn gar nicht oft herausgenommen. Am Purim aber trug sie ihn jedes Jahr. Da merkte sie immer, wie alle Leute ganz besondersfreundlich zu ihr wären., üUndsie selber fühlte * .sich auch;ganz anders, —-viel, viel stärker!; Und dann hat sie sich jedesmal vorgenommen, daß sie auch so tüchtig und gut und mutig: werden möchte, wie die liebe Königin Esther! Das Leben in der Jüdischen Schule. Die Jüdische Schule ist uns gegeben, Zum 'Lernen, und stets nach dem Ziele zu streben- Drum. Eifer! Und fest an die Arbeit ran, Denn nur durch Fleiß wird man ein Mann. . " Die Lehrer lehren uns: „Sport , und Turnen, Sie geben uns auch freie Stunden. Jeden Rausch-chaudesch,- wird, ein ' Ausflug gemacht» Dabei wird gescherzt, gespielt und gelacht'. Im. Jüdischenübersetzen wir Chumesch und^-TTefilloh,, Und jetzt:.rauch noch die. ^chöne MegillohJ.' ' - ^"V i-' Benjamin Katzauer, Darmstadt." ■ ' 1 •. (9 Jahre altj 4 Rätsel, i. Eins, für die Landwirtschaft unentbehrlich,- - Ein plötzlicher 2—3 kann wirken gefährlich. . -■ Das Ganze -nennt eine von den 10 Plagen, Mit denen G'tt einst die Aegypter geschlagen; II. ■ Schlingpflanze im Wasser ist eins und zwei, Ein halber Braten die Silbe drei, Das Ganze braucht viel Müh' und " Fleiß, Bis mänV erlernt, .wie Jeder weiß. III. - . Vorwärts gelesen, ein Komponist — Rückwärts — eine Frau aus der Bibel es ist, IV- Wie gemütlich und warm ist der 1—2 im. Winter, Der .schönste-Platz für. die Eltern .und -Kinder, ... Doch neulich fiel ihm ein-Zeichen raus, Ein Brudermörder ward-daraus. . •. .