Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 10 Der Israelit 7. März 1935 Schalom-Gruß verabschiedete sich der High Commissioner. Oberrabbiner U n g a r aus Nitra besuchte in Begleitung des Herrn Jacob Joel Braun den tschecho slovakischen Generalkonsul in Jerusalem; die Herren wurden von Herrn Rabbiner Jonathan Horovicz vorgestellt. Der Generalkonsul unterhielt sieh mit den Gästen eingehend über alle aktuellen jüdischen Angelegenheiten und insbesondere auch über die or thodoxe Gemeinde in Jerusalem. Die Agudas Jisroel-Zentrale sandte ein Beileidsschreiben an den Emir Abdulla und den König Ghasi aus Anlaß des Ablebens des ehemaligen Königs von Hedschas. Jedes Schilf bringt jetzt eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten aus den Kreisen der orthodoxen Judenheit aller Länder nach Erez Jisroel, in. den letzten Tagen kam der bekannte Boyaner Rebbe, der in Leipzig wohnt, hierher. Rabbi Oscher Werner, der als Nachfolger von Rabbi Mosche Kliers ^"Si bekanntlich das Rabbinat von Tiberias übernommen hat, war auf kurze Zeit zur Ordnung seiner Nachfolge in Providence (Amerika) dorthin gereist und ist nun, nachdem dort sein Bruder als Rabbiner der Gemeinde Providence eingeführt worden ist, nach Erez Jisroel zurückgekehrt, um seine Amtsführung in Tiberias zu beginnen. Die Agudas Jisroel-Zentrale in Jerusalem empfing heute neue 'Weisungen von der Einwanderungsabteilung der Regierung hinsichtlich der Einwanderung von Rabbinen, Schochtim und Chasonim nach Erez Jisroel, Erschreckender Arbeifermangel im heiligen Lande, Jerusalem, 27. Febr. Als die Zuwanderung einzelner arabischer Arbeiter aus dem Hauran (Südsyrien) nach Erez Jisroel begann, legte man darauf nicht viel Gewicht, Man dachte nicht daran, daß die wieder in ihre Heimat zurückkehrenden Arbeiter ganze Familien und Stämme durch die Botschaft von der palästinensir sehen Prosperity zur Wanderung ermuntern würden. Jetzt kommen viele Tausende von Hauran-Arbeitern in die palästinensischen Kolonien und Städte und prägen dort — ihr Typus ist unverkennbar — dem Wirtschaftsleben ihren Stempel auf. Wie bereits gemeldet, schätzt man die Zahl der arabischen Arbeiter in den jüdischen Pflanzungen in Petach Tikwah, Nes-Ziona, Rischon l'Zion, Gedera und Umgebung auf 6000, zumeist solche aus, dem Hauran. Das Gleiche ist im Haifaer Hafen zu beobachten; Trotz all dem ist bisher für die jüdischen Arbeiter im heiligen Lande nicht etwa Mangel an Beschäftigung vorhanden, sondern der Schrei nach Arbeitshänden wird überall immer stärker. In den hiesigen Zeitungen liest man heute folgendes: „Das Arbeitsamt in Pardes Channa teilt mit, daß besondere Werbeaktionen unter den Bauarbeitern veranstaltet werden, damit sie die dringlichen Landarbeiten übernehmen. Nach Netania wurden in den letzten Wochen eine beträchtliche Zahl von Einwandernden hingeschickt, insbesondere solche aus Rumänien, doch genügt dies nicht für den Bedarf. In Hadar sind die Erntearbeiten in Rückstand aus Mangel an Arbeitern; in Meged bei Hadar müssen die Bauarbeiten aus diesem Grunde eingestellt werden. In Ramat-Hascharon ist es nicht möglich, die Ernte durchzuführen. Nach Herzlia, Kfar Saba werden dringend weitere Arbeiter verlangt. Das Arbeitsamt von Nes-Ziona wandte sich an die Aemter in Rischon l'Zion und Rechoboth wegen der Sendung von Arbeitshilfe, die dringlich sei. Dem Gesuch konnte aber nicht entsprochen werden, weil auch dort Arbeitermangel herrscht. In Haifa ist dringlicher Bedarf an Arbeitern für die Erweiterung der Industrie und die Bauarbeit, Das jährliche Arbeitsbudget des Ausschusses von-Hadar Hacarmel. sieht für. dieses Jahr Lst. 50.000 vor." Das alles zeigtdeutlich die wirkliche Lage und es ist unfaßbar, daß trotzdem die palästinensische Regierung nicht durch eine beträchtliche Erhöhung der Schedul'e dem wirtschaftlichen Bedürfnis des Landes Rechnung trägt. Warum dürfen die Araber aus dem Hauran ohne Zertifikate und - ohne alle Beschränkung zu Tausenden einwandern und den Juden ist es verboten? Gefangene von Akko noch nicht freigelassen. Jerusalem, 20. Febr. Die jüdischen Gefangenen von Akko, die auf Veranlassung des Waad Leumi den Hungerstreik abgebrochen haben, sind infolge von Schwierigkeiten, die sich bei der Kautionsfrage ergab, noch nicht entlassen worden. Die Regierung will nur Hauseigentümer als Bürgen gelten lassen. Im Auftrag der Rechtsschutzkommission des Waad Leumi hat sich ein Rechtsanwalt aus Jerusalem nach Haifa begeben, um die Regelung der Kautionsfrage zu beschleunigen. Wie „Haarez" meldet, werden die „Hungerstreiker" das Land innerhalb von zwei Monaten verlassen müssen, andernfalls würden sie eine neuerliche Gefängnisstrafe verwirken. Nach weiteren Meldungen ist von den in Akko gefangen gehaltenen illegalen Einwanderern, die vor kurzem einen Hungerstreik durchgeführt haben, soeben der erste, Grischa Pupkö, gegen Kaution freigelassen worden. Die Freilassung der übrigen dürfte in den nächsten Tagen erfolgen. Sabbatschutz-Kundgebung in Tel Awiw« Tel Awiw, 26. Febr. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, S rr k i s, fand im Beth Haam zu Tel Awiw eine von mehreren tausend Personen besuchte Kundgebung für Sabbatschutz statt. Sämtliche Redner wiesen darauf hin, daß in Tel Awiw zurzeit die Sabbatruhe in starkem Ausmaß mißachtet würde. Der Vorsitzende der Exekutive des Misrachi-Weltverbandes, Rabbi Meir Berlin, betonte, man sei jahrelang über kleinere Verletzungen der Sabbatvorschriften hinweggegangen, und dies habe nun dazu geführt, daß die Sabbatentweihung einen so großen Umfang angenommen habe. Der Vizebürgermeister von Tel Awiw, Rokeach, kündigte an, daß die Stadtgemeinde das 1925 außer Kraft gesetzte Sabbatschutzgesetz wieder einführen werde. Juden, die nach Palästina kommen, wünschten nicht, am Sabbat durch die Straßen von Tel Awiw fahrende Automobile oder die Veranstaltung ybn Sylvesterfeiern, in dieser Stadt zu sehen. Oberrabbiner Kuk begründete die Forderung nach erhöhtem Sabbatschutz mit Zitaten aus dem Talmud. Einzelheiten der Aufgaben der Sabbatschutz - Kampagne erörterte der Tel Awiwer Oberrabbiner U z i e 1. Rabbi G r o ß, verlas eine Botschaft des Oberrabbiner Aronson. Nachdem ein Jünger aus der Jeschiwa Rabbi K u k s in" einer begeisterten Ansprache diejenigen, die das Land aufbauen, ermahnt hatte, auch das Volk neu aufzubauen,, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die strenge Einhaltung der Sabbatrühe in Tel Awiw gefordert wird. Amerika. American Jewish Congress interveniert beim japanischen Botschalter wegen der Judenhetze in Mandschuko. New York, 19. Febr. Auf Ersuchen der jüdischen' Gemeinden in Charbin und in Shanghai besuchten der Vorsitzende der politischen Kommission das American Jewish Congress den japanischen Botschafter in Washington, S a i t o , dem sie mitteilten, daß unter den jüdischen ■ Gemeinden im Fernen Osten eine starke Beunruhigung über den Bericht herrscht, den der Agent' der Geheimpolizei in der Mandschurei, Eguts, im Zusammenhang mit der Entführung und Ermordung von Simon Kaspe, Sohn eines reichen Juden in C h a rb i n , veröffentlicht hat. Eguts erklärt, die Menschenräuber und Mörder, die russische Weißgardisten seien, hätten aus „Patriotismus" gehandelt. Die Angeklagten hätten, indem sie einen Juden entführten und ermordeten, Rache genommen für ihr Vaterland. Durch diesen Bericht ermutigen die japanischen Behörden,: die im Dienste der mandschurischen Regierung stehen, die antisemitische. Propaganda rder russischen Weißgardisten, die .sehr intensiv in der Presse und durch Verbreitung von antisemitischen Legenden:r unter-der Bevölkerung betrieben wird. Botschafter Saito" verbrach,...seiner Regierung.--die »Bitte vdes- JK'ori-v gresses zu übermitteln, daß sie bei der iRegierunj^des Staates Manschuko interveniere, damit der antisemitischen Propaganda in- Mandschuko ein Ende gemacht wird. " •.' . Vom Gemeindeleben in Montevideo (Uruguay), Montevideo, {ß. Febr. Nach langem Ringen könnte die Orthodoxie im Kebillarat eine kleine Mehrheit von einer Stimme erringen. Unter der Regie des liberalen Vorstandes konnte es geschehen, daß man mit dem Bau einer Synagoge, die zugleich auch. als Klub und Theatersaal dienen sollte, begann. Selbstverständlich legte der religiöse Teil der Gemeinde Protest ein und sperrte die Steuern, wodurch der Bau mit einer großen Schuldenlast unvollendet blieb. Nun .ist die religiöse Fraktion im Kehillarat drauf und dran, die Bauarbeiten wieder so aufzunehmen, daß eine richtige traditionelle Schul errichtet wird. Das Bedürfnis nach einem würdigen eigenen G'tteshause in Montevideo ist um so größer, als es in der ganzen Stadt wie im ganzne Lande keine richtige Synagoge, gibt, die diesen Namen verdiente. Die kleinen Minjahim finden in gemieteten Räumen statt, die nur selten als würdige Stätten der Andacht betrachtet werden können, Es steht zu befürchten, daß wenn die Gelder für den Neubau nicht aufgebracht werden, das Grundstück mitsamt halbfertigem Hause unter den Hammer kommen, was zu einer wahren Entweihung "des g'ttlichen Namens führen müßte. Der Präses aus dem alten Regime tut aber alles, um durch Belastung das Budget mit sogenannten kulturellen Posten die Fortsetzung des Synagogenbaus zu hintertreiben. Als die religiöse Fraktion ein Mißtrauensvotum gegen ihn einbrachte, versuchte er mit Hilfe der Polizei, die orthodoxen Mitglieder aus dem Saale zu entfernen. In einer privaten Sitzung der orthodoxen Mehrheit wurde ein neuer Präses gewählt. Der alte Präses und seine Getreuen denken aber nicht daran, ihre Plätze zu verlassen. So bleibt die Lage ungeklärt und die Schul unerbaut. Vermischtes. London, 25. Febr. Am Sabbat Abend fand in Sterns Hotel eine K e r e n H a t h o r a-- K o n f e - re n z statt, in der über das Abkommen zur Durchführung einer vereinigten Sammelaktion für die pol-- nische Judenheit Bericht erstattet wurde. Den Vorsitz führte Mr. Goodman. Redner waren die Herren Rabbi Dr. Münk, Rabbi Dr. Schönield, Rabbiner Twerski, Prof. Dr, S. Birnbaum, Dr. Bernhard Höma und Mr. M, Gordon-Livermann J, P. Die Versammlung beschloß, von Ende März an den Beginn der Sammlung, mit aller Energie in die Durchführung der Aktion einzutreten, so daß rechtzeitig vor den Feiertagen mindestens ein beträchtliches Teilergebnis zur Linderung der Not in Polen vorliegen kann. ** . . London, 21. Febr. -' In der soeben erschienenen reichhaltigen Nummer 3 des „ L o n d ~o n J e w i s h Bulletin" wird u. a. berichtet, daß die Londoner Agudas Jisroel in Verbindung mit dem Keren Hathora in der letzten Zeit in Synagogen und Versammlungssälen von East-London: eine Mitgliedschaftskampagne für die' Ost-Londoner Ortsgruppe veranstaltet habe. Viele Londoner: Rabbinen. nahmen an den Demonstrationen teil und die Zusammenkünfte erregten großen Enthusiasmus. Eine große Zahl von, Mitgliedern wurden geworben; mehrere Synagogenwünschen sich offiziell mit der Bewegung zu verbinden, so daß in Kürze -ein Synagogenrat gebildet werden wird; Der Keren Hajischuw ist" im Begriffe, eine Sonderpropaganda unter dem Patronat der Herren Oberrabbiner Herzog, Dublin, Mrs. Flora S a s s o o n , Sir George Jones M. P., Mr. Nathan L ask r J. P. u, Dr. O'Donavan M- P. zu veranstalten.; ~ Das Bulletin wendet sich mit einem scharfen Dementi gegen eine Nachricht der „Jewish Post", die die Legende verbreitet, der Völkerbund habe einen Beschluß gegen die Agudas Jisroel gefaßt. Eine ganze Haßkampagne gegen die Agudas Jisroel veranstaltet das' neu ..gegründete Wochenorgan „World Jewry", das innerhalb seines ersten Lebensjahres bereits den Besitzer gewechselt und in die Hand eines Herrn P. Horovitz übergegangen ist, der offenbar Agudas Jisroel^ als den eigentlichen Feind der jüdischen Volkswohlfährt betrachtet- Das Bulletin weist in treffenden Worten auf die-Haltlosigkeit der von dem Blatte in die Welt gesetzten Unterstellungen bin. und kritisiert die Haltung der hinter .-. dem Blatte;: stehenden. zionistischen Persönlichkeiten, die jedes nicht für die zionistische Kasse bestimmte,: nochso;> dringliche Hilfswerk für die- .notleidenden Teile der? Judenheit; ör> aller .Welt zu sabotieren versuchen; - : " 1