Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7. März 1935 u <e.t i s r a e l l t Nr. 10 Seite 9 chen Anlaß abgehalten werden. Im Mittelpunkte dieser. Veranstaltung am Freitag stand im Zeichen eines Vortrages der Schriftstellerin Olga Briceno, aus Venezuela stammend. Die Referentin sprach über das Thema „Maimonides in Cordova', in Fez und in Aegypten". Der Mensch und der Philosoph. In den weiteren Konferenzen werden sprechen: Don Francisco Ve r a, über das das Thema: „Maimonides und die Mathematik des XII. Jahrhunderts"; Don Pedro de Repide, über das Thema: „Maimonides, ein spanischer Weiser"; Dr. Garcia del Real, über: „Maimonides; der Philosoph und der Mediziner"; schließlich Dr. Fernandez Alcalde, ebenfalls über: „Die Forschungen des Maimonides in der Arzneiwissenschaft'.' Neuigkeiten aus Spanien. Barcelona, 21. Febr. Nach den neuesteh Schätzungen leben heute etwa 20 000 Juden auf dem spanischen Festland. Das Hauptkontingent stellt Barcelo ri a mit etwa 5CLQ0, weitere 2—3000 entfallen auf das übrige Catalonien, der Rest auf Madrid und auf die größeren Städte am Mittelmeer, in denen sich Juden mit Vorliebe niedergelassen haben. Von der Gesamtzahl dürften etwa nur die Hälfte Aschkenasim sein, die übrigen setzen sich aus den während des Krieges aus Frankreich ausgewiesenen türkischen Juden, Griechen und aus marokkanischen Juden zusammen. Das jüdische Hilfskomitee in Barcelona hat im Jahre 1934 mehr als 140 000 Pesetas an Hilfsbedürf- „ tige unter - den Emigranten verteilt. Diese Summe wurde allein aus dem Kreise der Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Barcelona aufgebracht. Neben dem Komitee „Ezra" fuhr auch das Fraiienkomitee „Beruria", welches sich hauptsächlich damit beschäftigte, Kleider und Wäsche usw. zu beschaffen, in seiner Arbeit fort. In den beiden jüdischen Restaurants von Barcelona wurden Mahlzeiten an Notleidende kostenlos abgegeben. Die Handelsbeziehungen, welche die jüdischen Einwanderer mitgebracht haben, setzten sie in den Stand, nicht nur den Verkauf von ausländischen Waren, welche in Spanien gebraucht werden, zu vermitteln, sie konnten spanischen Rohmaterialien und Fabrikaten nach allen Ländern der Erde Absatz verschaffen. Neuerdings, haben sich eine Reihe von Juden dem Kinogewerbe zugewandt Dadurch, daß oft nicht nur Verleiher, sondern auch die Reisenden dieser Häuser Juden sind, haben die neuen Kinotheaterbesitzer sich relativ leicht in dem neuen Wirkungskreise zurechtfinden können. Man kann heute unter den Juden Spaniens Menschen aller Schichten und aller Gesellschaftsklassen finden. Vom Millionär bis zu dem Armen, der von der Hand in den Mund lebt, sind alle Stufen der sozialen Leiter vertreten. Ueber ganz Barcelona zerstreut, je nach den zur Verfügung stehenden Mitteln, haben sich die jüdischen Einwanderer mitten'unter den katholischen und den wenigen protestantischen Einwohnern der iberischen Halbinsel niedergelassen. Diese Tatsache allein erhellt den Unterschied zwischen der heutigen Lebensweise und dem Dasein der spanischen Juden im Mittelalter in dem engen ver-' winkelten „bärrio judio" hinter der alten Kathedrale Barcelonas. Mitunter entdeckt man an einer alten Mauer noch kaum lesbare hebräische Schriftzeichen als letzten Ueberrest des ehemaligen Judenviertels. Aber bald werden auch diese letzten Zeichen - einer vergangenen Epoche unter den Schlägen der Spitzaxt verschwinden, denn es ist geplant, diesen seltensten Teil von Barcelona niederzureißen und durch moderne Neubauten zu ersetzen. E. S. Zur Besetzung der Oberrabbinerstelle in Rom. Rom, 26. Febr. Wie der ITA-Vertreter aus verläßlicher, Quelle - erfährt, wird als Nachfolger des verstorbenen Oberrabbiners Prof. Dr. Angelo Sacerdoti der vor einigen Jahren als Oberrabbiner nach Alexandrien berufene Prof. David P r a t o das Amt des Oberrabbin^rs von Rom und Vorsitzenden des italienischen RabfelnatsköUegiums übernehmen. Prof. David Prato hat vor seiner Berufung nach Aegypten im jüdischen Gemeindelebeh Italiens und in der dortigen zionisti- Die Woche. Berlin, Wie die ITA. meldet, wurden noch am Freitag, den 1. März die Erlasse : verschiedener lokaler Polizeistellen, nach denen die Beflaggung durch Juden in den Reichsfarben als unerwünscht bezeichnet wurde, aufgehoben. Solche Erlässe waren u. a. in Frankfurt a. M'., Münster, Kothen und Stettin herausgegeben worden. ' (Inzwischen dementiert, siehe Seite II.) — Wie das „Berliner Tageblatt" berichtet, fand vor dem Schuhwarenhaus Lindner in Stettin eine Demonstration statt. Es wurden Transparente mit der Aufschrift getragen: „Raus mit dem Juden Lindner! Jude Lindner beschimpft Arier als Schweine und bezeichnet sie als Ausverkaufsgeier!" Da die Menge immer größer wurde, ist der Geschäftsinhaber Lindner in Schutzhaft genommen worden. — Am 18. Februar ist in Berlin der bekannte Philantrop und Vorsitzende des Hilfsvereins der deutschen Juden, Generalkonsul a. D. Eugen Landau im Alter von fast 83 Jahren gestorben. Die Beisetzung fand am 21. Februar auf dem Alten Berliner Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Breslau. Der Vorstand der Breslauer Gemeinde plant, aus einer Stiftung der Gebrüder Oesterreicher, drei Häuser mit je sechs Wohnungen mit einem Kostenaufwand von rund 100.000 Mark errichten zu lassen, umeinerseits den notleidenden jüdischen Handwerkern Beschäftigung zu geben, andererseits kinderreichen Familien billige Wohnungen zu vermitteln. Trier. Wie das „Trierer Nationalblatt" mitteilt, sollen die Einzelhandelsge- * Schäfte in Trier Plakatstreifen für ihre Schaufenster erhalten, um die de titschen Geschäfte bekanntlich zu machen. Das Blatt fügt hinzu, daß dann die klare Entscheidung in Trier wohl endgültig vollzogen sein werde. Lemberg. Wiederum haben unbekannte Täter in ein jüdisches Cafe eine Bombe geworfen, die das Haus teilweise demolierte, ohne Menschen zu verletzen. — Der frühere offizielle Rabbiner (Kronrabbiner) von Lemberg, Samuel Wolf Gut man, ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Bei der Beerdigung waren Vertreter aller staatlichen und städtischen Behörden anwesend. Prag. Der Lektor, -an der Prag«r deutschen Universität, Dr. Cohn, veröffentlicht einen Lehrgang für Neuhebräisch in der Blindenschrift. — Anläßlich des 85;' Geburtstages des Präsiden-% ten dar Republik fanden am letzten Freitagabend in allen Prager Synagogen F e s t- . g'ttesdienste statt. In den Festpredigten wurde das Leben und Wirken des Präisdenten der Republik besonders hervorgehoben. Bukarest. Entgegen der wilden Agitation im ganzen Lande für Einführung _ des Numerus clausus im gesamten öffentlichen Leben Rumäniens, erklärte der Dekan der Bukowinaer Advokatenkämmer, Professor Dr. Radulesku, Vertretern der Presse, daß er wie die gesamte Anwaltschaft sich mit aller Kraft gegen irgendwelche Ausnahmen für Juden .im Anwaltskampf einsetzen werden. Brüssel. Justizminister Henriot hat den jüdischen Rechtsanwalt Rene Düdeshsim zum Generalsekretär des belgischen Justizministeriums ernannt. — Die jüdischen Gemeinden Lüttich und Charte r o i hatten beim König Leopold die Erlaubnis nachgesucht und erhalten, vor dem Eingang ihrer Synagogen Büsten des verstorbenen Königs Albert als Zeichen ihrer Dankbarkeit aufzustellen. Ob die Juden . dieser Gemeinden keine sinnigere und jüdischere Ar* aer Dankbarkeit und Verehrung wußten! Sofia. Der Gärnisönchef der bulgarischen Provinzstadt H a sk o w o - hat' für die Arbeitslosen unentgeltliche Küchen eingerichtet. Für die jüdischen Arbeitslosen, deren Zahl in Haskowo über 150 -beträgt, hat er eine spezielle koschere Küche einrichten lassen. Tel Awiw. In Anwesenheit des High Commissioners und vieler Ehrengäste fand in Tel Awiw die Grundsteinlegüö^ zu ä'&m vom „Verband der Ingenieure und Architekten Palästinas" zu erbauende I n g e h ie u rha u s statt. schein Bewegung eine hervorragende Rolle gespielt. Eine offizielle Bestätigung seiner bevorstehenden Ernnnung zum italienischen Oberrabbiner steht noch aus. England. Zusammensetzung und Leitung des Stadtrats von Jerusalem. London, 20. Febr. In der am 20. Februar abgehaltenen Sitzung des¬ Unterhauses fragte der Abgeordnete Wedgewood den Minister für die Kolonien, ob er vom High Commissioner für Palästina einen Bericht über die Verteilung der Amtsobliegenheiten zwischen dem arabischen Bürgermeister und dem jüdischen Vize-Bürgermeister der Stadtgemeinde Jerusalem einfordern wolle; ferner, ob der Minister dafür Sorge tragen wolle, daß bei Neuernennung von Stadträten nur in England gebürtige Personen berücksichtigt werden. Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe-Lister erwiderte, daß der High Commissioner die Entscheidung getroffen hat, zwei Vize-Bürgermeister, einen Juden und einen Christen, zu ernennen, und bestimmt hat, daß der jüdische Vize-Bürgermeister jedesmal den Bürgermeister, wenn dieser wegen Krankheit oder aus anderen Gründen nicht anwesend sein sollte, zu vertreten hat. Im übrigen sei er nicht gewillt, in die freie Entscheidung des High Commissioner bei der Ernennung weiterer Stadtverordneter einzugreifen. Sir Arthur Wauchope hat ihm vor kurzem mitgeteilt, er beabsichtige nicht, Ernennungen vorzunehmen, bevor er nicht gesehen habe, wie die Stadtvertretungen in Jerusalem und Haifa funktionieren. Erst dann wolle er erwägen, ob er von seiner Ernennungsbefugnis Gebrauch machen solle oder nicht. In einer der vorangegangenen Sitzungen des Unterhauses hatte der Kolonienminister., auf eine Anfrage des Abgeordneten Wedgewood betreffend den Hungerstreik im Gefängnis von Akko erklärt, daß 68 wegen illegaler Einwanderung verhaftete Juden zum Protest gegen die Fortsetzung der Haft nach Verbüßung ihrer Strafen in den Streik getreten sind.. Auf die Frage des Abgeordneten Wedgewood, wie\ lange der Kolonienminister diese unglücklichen Juden in Palästina im Gefängnis zu halten gedenke, antwortete Sir Philip Cunliffe-Lister, es sei durchaus bekannt, daß illegale Einwanderung nach Palästina dem Gesetz widerspricht, und daß es im Interesse' der Ermöglichung der Einwanderung derjenigen nach Palästina, die darauf unter Einhaltung des erlaubten Weges Anspruch haben, gelegen sei, daß das Gesetz befolgt werde. Als der Abgeordnete Wedgewood den Kolonienminister fragte, ob es ihm nicht bewußt sei, daß die Methode, Menschen einzukerkern, die aus der Hölle Europas fliehen, dem guten Ruf Englands schade, griff der Vorsitzende ein. Die Frage wurde nicht beantwortet. Palästina. Kleine Nachrichten aus Erez Jisroel. Jerusalem, 27. Febr. Diese Woche besuchte der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, in Begleitung höherer Beamter der Regierung das Diskin'sche Waisenhaus, Er wurde von dem Leiter des Instituts, dem. agudistischen Mitgliede des Jerusalemer Stadtrates, Samuel Ende, sowie von den anderen Mitgliedern der Verwaltung empfangen. Der High Commissioner hielt sich etwa eine Stunde in der Anstalt auf, besuchte alle Abteilungen, interessierte sich insbesondere für den Unterricht und schrieb sich nachher mit anerkennenden Worten, in denen er seiner, vollen Befriedigung mit der geordneten Führung der Anstalt Ausdruck gibt, in das Gedenkbuch des Institutes ein. Der High Commissioner rühmt darin die ausgezeichnete religiöse und technische Erziehung, die die" Zöglinge empfangen. Er dankte beim Verlassen der Anstalt Herrn Ende und seinen Mitarbeitern und wünschte ihm, daß auch seine Arbeit' in der Stadtverwaltüng; gute Früc)it'e tragen möge. Mit dem unfj öjijjfji. i>- ia Ben?») 31 PiQ, pro liier $ ja oei 80 pip, an $ fluiomaeftör $ Plagen tionstapisr Frankfurt a. m.. GeiDe.üirscnsir. 9 / - /