Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 10 Der isr-aeJlt 7. März 1935 damit die wilden Schächter, ungestört und jeglicher Kontrolle entzogen, ihres Amtes walten konnten, teilte das Rabbinat der Gemeindeverwaltung offiziell mit, daß es bis auf weiteres jede Verantwortung für das Koscher fleisch der Stadt Warschau ablehnen muß. Da nach alter rabbinischer Verordnung auch die Einfuhr von Koscherfleisch von auswärts verboten ist, so bleibt eben der religiösen Bevölkerung nichts anderes übrig, als auf den Fleischgenuß ganz zu verzichten. Warschauer Rabbinat und Rabbinerverband haben außerordentliche Sitzungen einberufen und eine Dele gation der Rabbiner wurde vom Kultusminister emp fangen, der einige Versprechungen machte, die aber der Dringlichkeit des Falles wenig Rechnung tragen Inzwischen ist auch ein Gutachten vom Gaon Rabbi Chajim O s e r Grodzenski, Wilna, einge gangen, in dem, abgesehen von der religiösen Tragweite der Warschauer Maßnahmen, auch noch darauf hingewiesen wird, daß die Einnahmen aus den Schächtgebühren in ganz Polen die finanzielle Grund läge der Gemeinden verbürgen, daß der Warschauer Vorgang bald überall im Lande Schule machen würde und daß -daher der Konflikt als eine Angelegenheit der gesamten polnischen Jude.nheit zu betrachten ist. Die Herausziehung des Schächtwesens aus der Regie der Kehilla und des Rabbi nates bedrohe das geistige und das materielle Leben der Gemeinden. Man darf hoffen, daß mit diesem Gutachten der zur Zeit größten rabbinischen Autorität die unerquickliche Angelegenheit bald einer günstigen Lösung zugeführt wird. Eine Agudadelegation fährt nach Erez Israel, Warschau. 28. Febr. Gestern fuhr die Agudadelegation, bestehend aus Rabbi Jakob Meiir Biedermann, als Vertreter, des Rabbinischen Rates, dem Präsidenten der polnischen Agudas Jisroel, Rabbi I. M. L e w i n und dem Generalsekretär der Aguda in Polen, Rabbi S. Friedmann, nach Erez Israel ab. An der Bahn waren alle führenden Persönlichkeiten der Warschauer Aguda und der Orthodoxie zum Abschied anwesend und neben ihnen eine nach Tausenden zählende Menge. Mit der Delegation fährt auch der S o c h a t s c h e w e r Robbe mit etwa 30 Chassidim. Als sich der Zug in Bewegung setzte, stimmte die Menge auf dem Perron Psalmgesänge an. Der Präses M a s u r begleitete die Reisenden bis Lemberg. Ferner fuhr noch eine Tourist eng e s e 11schaft, organisiert von der polnisch-palästinensischen Handelskammer, mit einigen hundert Teilnehmern mit dem gleichen Zuge nach Palästina. Sie alle schiffen sich am Mittwoch abend in Konstanza auf der „Polonja" ein. In Lemberg schließen sich der Delegation noch der Luzker Raw, Rabbi Salman Saorotzkin und viele andere an, so daß die Gesellschaft insgesamt doch einige hundert Personen zählt. Ein Briefwechsel zwischen Warschau und Tel Awiw über den Sabbat. Warschau, 25. Febr. Die Agudath Harabanim in Polen richtete ein Schreiben an die Irijah von Tel Awiw, in dem die Stadtverwaltung der jüdischen Stadt beschworen wird, die volle Sabbatruhe in Tel Awiw durchzusetzen und mit einem Gesetze zu verbürgen. Im Schreiben wird gesagt, daß alle Mitglieder des Rabbinerverbandes sich verpflichtet hätten, bis zur Einlangung der Antwort die Sache als geheim, und vertrau'lich zu betrachten und kein Wort darüber zu verlieren. Sollte aber die Antwort unbe-. friedigend ausfallen, so wäre es unvermeidlich, die große jüdische Oeffentlichkeit in der ganzen Welt für den Kampf um den Sabbatin der ersten jüdischen Stadt in Anspruch zu nehmen. Das Schreiben wurde kurz nach dem Sukkausfeste abgefaßt nud nach Tel Awiw abgesandt. Darauf erhielt der Rabbinerverband ein vom' Bürgermeister D i z e ri g o f f unterzeichnetes- Schreiben', "daf iiertvom 20. Marcheschwan. Die Verzögerung" der Antwort wird im Briefe mit der Erkrankung des Bürgermeistsrs entschuldigt. Sodann beteuert der Unterzeichnete, daß der Sabbat in Tel Awiw auch seine größte Sorge ausmache, daß er bei jeder Gelegenheit gegen Sabbatentweihungen in der von ihm betreuten Stadt eintrete. Die Gerüchte über die Dinge in Tel Awiw seien aber stark übertrieben. So' hätte ihm ein Rabbiner vom Misrachi, der Tel Awiw besuchte, bestätigt, daß er nirgends in der Welt eine solche Sabbatheiligung erlebt hätte wie gerade in Tel Awiw, wo alle Läden, Büros, Kinos und Theater streng geschlossen seien, wo vor Sabbateingang die Posaune erschalle, um zur Schließung der Geschäfte zu mahnen und die öffentlichen Autobusse zur Einstellung ihres Dienstes zu veranlassen. Allein die Restaurationen seien mit Einverständnis des Rabbinates in gewissen Stunden des Tages geöffnet, im Interesse der alleinstehenden Menschen, die auf die Verpflegung in diesen Häusern angewiesen seien. Der Bürgermeister versichert, daß es eine öffentliche Sabbatentweihung in Tel Awiw nicht gebe, gegen die Verstöße Einzelner, die sich rabbinischen und gemeindebehördlichen Verordnungen nicht fügen, sei man machtlos und man lehne auch alle Verantwortung für sie ab. Das Sabbatstatut sei noch nicht genehmigt, man dürfe hoffen, daß nach seiner Genehmigung eine wesentliche Besserung eintritt, wenn es auch idealer wäre, nicht mit Hilfe der Macht, sondern kraft des religiösen Willens dem Sabbat zu seinem Reckte zu verhelfen. Der Bürgermeister bittet zum Schluß, nicht zu vergessen, daß Tel Awiw eine Zufluchtsstätte für jüdische Einwanderer aus allen Ecken der Erde sei, die man nicht gleich unter einen Hut bringen könne. Die Zuständigen kämpften aber für den Sabbat und hofften, endgültigen Sieg zu erringen. Daß die Agudath Harabanim sich von dieser Antwort nicht vollauf befriedigt sieht, beweist die Tatsache, daß sie nun doch die Flucht in die Oeffentlichkeit ergriff und den Briefwechsel in verschieder nen palästinensischen — so auch am misrachistischen „Hator" — und polnischen Zeitungen veröffentlichte. Der Neusandezer Raw Vst« Neusandez, 28. Febr. Nach langer schwerer Krankheit hauchte unser Stadtrabbiner, Ärje Löb Halberstamm im Alter von 85 Jahren seine Seele aus. Er war Sohn des als Verfasser von fcr'rt »"»an weltbekannten Rabbi Ahron Halberstamm und verwaltete über 30 Jahre die Stelle seines Vaters als Oberrabbiner von Neusandez. Seine Größe in Thora und Chassidus brachten ihm viele tausende Verehrer und Anhänger ein. TschechoslovakeL Der Munkaczer Raw von der Beschuldigung der Aufwiegelung freigesprochen. Munkacevo, 3. März. Vor dem Munkaczer Kreisgericht hatte sich der in der Chassidimwelt berühmte Oberrabbiner Spira wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu verantworten. Die Anklage warf ihm Beleidigung und Aufwiegelung vor, weil er erklärt hatte, die im Vorjahre in Karpathorußland ausgebrochene Typhus-Epidemie sei eine Strafe G'ttes für die Sünden der Zionisten und Hebraisien. Ferner soll er beleidigende Ausdrücke über das hebräische Gymnasium in Murikacz und über die Eltern, die ihre Kinder in diese Schule schicken, gebraucht haben. Oberrabbiner Spira wurde mit der Begründung freigesprochen, daß er nicht gegen die jüdische Nation gehetzt habe, sondern daß er sich nur gegen die in der S c.h u 1 e geübte B i b elkritik. gewendet habe, wozu er als rabbinisch.es Oberhaupt seiner Gemeinde berechtigt sei. „Uryvky z Talmudu", die eine slovakische, Bearbeitung der in ungarischer Sprache in Budapest erschienenen gefälschten Uebersetzung aus dem Talmud von Br. Luzsenszky enthält. Als Uebersetzer figuriert Dr. Victor Pees, ein stellenloser Jurist. Die Jüdische Gemeinde in Kosice (Kaschau) erstattete zusammen mit der Orthodoxen Gemeinde auf .Grund von Punkt 3 § 14 des Schutzgesetzes gegen Dr. Pees die Strafanzeige und beantragte die Konfiszierung der Broschüre. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Konfiszierung an, was vom Kreisgericht bestätigt, wurde. Die Polizei stellte fest, daß im ganzen. 10Ü0 lExemplare gedruckt wurden; es konnten aber bloß 125 Exemplare sichergestellt werden, da Dr. Pees die anderen bereits versandt hatte. Belgien. Agudistische Hachschara in Heide bei Antwerpen. Antwerpen,! März. Nach langen Bemühungen ist es der belgischen. Agudas Jisroel gelungen, ihre erste Hachschara in Heide bei Antwerpen zu gründen. Augenblicklich ist noch Platz für ca. 10 Hachschararisten, die in sämtlichen Zweigen der Landwirtschaft (Boden- und Gartenarbeit, Obstbau, Viehwirtschaft usw.) ausgebildet werden können. Arbeitszeit ist täglich 8 Stunden; zwei Stunden wird abends in der Heider nrs' gelernt. Interessenten wenden sich umgehend an die Palästina-Zentrale der A. J. in Belgien, Antwerpen, Van Spangenstr. 6. Ausführlicher Bericht über die Hachschara folgt in Kürze. Spai Gefälschte slowakische Talmud-Uebersetzung beschlagnahmt. K o sice, 26. Febr. . Vqr kurzem'"erschien, auf :dem Büchermarkt eine' in slowakischer'Sprache verfaßte1 Broschüre, betitelt men. Spanienreise zur Maimonidesfeier. Madrid, 3. März. Wie, uns von der Trafico Internacional, (Madrid, P.i y Margall 7, Edgar Cori) mitgeteilt wird, ist" laut dem neuesten Handelsabkommen zwischen Spanien und Deutschland, genau wie für Italienreisen, ein Betrag von M. 500.— für Reisen aus Deutschland nach Spanien 'freigegeben, so daß der. Organisierung von Gesellschaftsreisen aus Deutschland nach. Spanien nichts mehr im Wege steht. Es sind vom genannten Reisebüro in Madrid verschiedene Reiserouten aufgestellt, die. sowohl Geschäftsreisenden wie auch den Forschern und Freun; den der jüdischen Altertumskunde dienen sollen. Es ist eine Siebzehntagefahrt durch ganz Spanien im bequemen Pullmann-Autocar vorgesehen, die über Paris, Biarritz, Sebastian, Madrid, Toledo nach Kordova führt, und von dort nach Sevilla, Granada, Valenzia und Barcelona. Der Preis für diese Fahrt stellt sich bei 15 bis 20 Teilnehmern von RM. 270,— bis RM. 405.—, je nach der benutzten Klasse. In diesem Preise sind eingeschlossen volle Verpflegung und Uebernachtung, Rundfahrten, Bedienungsgelder, Führer und Begleiter, Gepäckbeförderung usw. Die Festlichkeiten in Kordova beginnen am Montag, den 25. März mit einem offiziellen Empfang durch die Stadtverwaltung und einer Gedenksitzung durch die Akademie der' W'i s s e n s c h a f t e n. .. Von Dienstag, den 26. bis einschl. Freitag, den 29. finden Vorträge mehrerer Gelehrten von Weltruf statt und die feierliche Eröffnung des Bibliöth e k- Museums für Maimonides. Am Samstag, den 30- April schließt der offizielle Teil mit einer Ansprache des Präsidenten der Republik. Es schließen sich dann diverse Volksfeste an, bei denen kurioserweise auch ein Stierkampf nicht fejilt. (Siehe auch Wochenrundschau.) Da der 25. April auf noa 'w rnriN fällt, mithin wohl die ganze Reise am S"amn unternommen werden soll, wird' auf volle Garantiefür n^v 3. nosV gesehen werden müssen. B ä r c e Ion a , 23, Febr. Aus Anlaß der .Achthundeftjahrfeierri'von Maimonides hat in den 'Räumen der M,Uhiön Iberö-Americäna1' in Madrid, eine festliche Konferenz stattgefunden. Die Feier am Fredtag, den 22. Februar stellt nur die - Einleitung zueiner Reihe von Konferenzen dar, -welche im Laufe de^; Monats März^aus .dem glei-: