Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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% März :1935 D e r „ 1s i a e 1 1 t Nr. 10 Seite 7 Die „Deutsche Volksgesundheit aus Blut und 'Boden" über Juden und. Heilkunde, ■ ■ >%;■;■ \tiit - . ■ ■ ■"-■ .-. , N.;üit?nb e r g , 1. März. ' 'In der: von- Gauleiter Julius- Streicher herausger gebenen .'Zeitschrift „Deutsche Völksgesundheit aus Blut und^Boden" schreibt, wie die „Fränkische, Tageszeitung" berichtet, der stellvertretende Gauleiter Karl H o lz über das Verhältnis der Juden zur Heilkunde. Als :MottO ist dem Artikel folgender Satz vorangestellt!^ „Der Talmud verbietet die Heilung und befiehlt den Mord am Nichtjuden!" „Eine solche Verjudung der deutschen Heilkunde war nur möglich, weil das deutsche Volk im letzten Jahrhundert seir nen Rassein'stinkt verloren hatte. Es sah im Juden den .Menschen' und den .deutschen Staatsbürger'. Es sah in ihm nicht den Angehörigen einer bluts-. und W:esensfremd.feii"Rasse.;Es>j5ah nichti d?.ß diese Rasse den gewaltigsten Gegensatz darteilt zum deutschen Volk. Und daß sie diesem und allen anderen nichtjüdischen Völkern in haßerfüllter Todfeindschaft gegenübersteht. Der Talmud, das jüdische Geheimgesetzbuch, gibt darüber .gründliche .Auskunft. Grundsätzlich werden darin als Menschen nur die Juden angesehen, Die; Nichtjuden .dagegen werden dem Vieh 'gleichgestellt, (Baba mezi?i 144a u. b.) Ihr Leben und ihr Eigentum ist. den Juden - preisgegeben.. (Ikkarim III, 25.) Es ist dem Juden gestattet, den Nichtjuden zu töten- und es ist ihm verboten, ihm gegenüber irgendwelche Barmherzigkeit zu zeigen. (Hiljchoth äbodah sara .1)-. U Wer diese Gesetze sich vor Augen hält, der ist erschrocken über die Blindheit und die Verantwortungslosigkeit derer, die einst die Judenemanzipation gestatteten und die . diesiss Volkzur Heilkunde zuließen, ein Volk, dessen Gesetze den Mord am Nichtjuden gestatten und gutheißen." r (Dazu sei bemerkt: Der Talmud Traktat „Baba mezia" zählt, wie sich jeder überzeugen kann, nur 119 lien, so kann Folio 144 dieses Traktates kein Zitat im oben angeführten Wortlaute oder Sinne enthalten. Auch die anderen Zitate sind gefälscht oder mißverstanden. Im übrigen ist auf die vielfach im Talmud wiederholte und auch von Maimonides kodifizierte Vorschrift zu verweisen: 'VT>Vin ,ns r"ij?n»i ma» «ay ponsa tiMan unterstütze die Armen selbst der Heiden — geschweige denn der Kulturvölker — und pflege ihre Kranken" oder die andere bekannte Stelle: „Ein Nichtjude, der die allgemein menschlichen Pflichten beobachtet, ist gleich dem Hohepriester zu achten.'* Red.). Gegen den Einkauf in jüdischen Geschäften.; Recklinghausen,' 28. Febr. Wie die .yNationalzeitung" in ReckKnghausen; berichtet, sprach auf einer Versammlung der Polizei-? beamtenschaft -Gauinspektor B e rge m a n n über die nationalsozialistische Presse. In: seinen -Ausführungen ste<ej er der inatioüalsozialistisclSeÄ Kampfpresse die ■foürg&Uqhez* nicht hundertprozentig; > am 'Aufbau des natioi!älsQzia-j listi&cheh ^Staates mitarbeiten «u wollen",.*?-- sq sagte er -TT- .^spricht bei,*der? bürgerlichen .Geschäftspresse schon: eindeutig; ■ daraus, daß .sierversucht^denn-IIIext-'. teil, -^nationalsozialistischen: Gedankengängen entspre-. chend.-zu gestalten} rfwährend auf de»i'anderen.'Seite die wirtschaftliche Macht des Todfeindes der NSDAP., der Juden, durch Veröffentlichung von Judenanzeigen erheblich gestärkt wird. Im weiteren-Verlauf der Kundgebung nahm Poli-; zeipräsident, SA-Brigadeführ'e'r!rV 6 g e 1 -,' das 1Wort. Er wies die Beamten- und Ange'stelltenschäft auf die nationalsozialistische Einstellung zu dem Kauf im Warenhaus und in Judengeschäften hin. Weil der Beamte Diener" des'nationalsozialistischen Staates ist, hat - vor allem er sich, die Einstellung zu eigen zu machen', 'daß .der Kauf im "Warenhaus und im Judengeschäft gegen die Gesetzeder:Bewegung verstößt.; Diese Forderungen erstreckten ■ sich auch auf die Frau des* Beamten' und Angestellten. [ '? ' ■ -~ 1 '* f Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Jerusalem. Die General Commercial Banking Corporation hat die Regierungskonzession zur Errichtung einer Hypothekenbank erhalten. Die Bank hat ein :Kapital von 50.000. Lst., darf also 250.000 Lst, Pfandbriefe. emittieren. Haifa. Unter Leitung des Herrn Sigmund Hirsch, früher | Hirsch Kupfer und Messingwerke, wird in der Haifabay ein Metallwalzwerk mit einem r Kapital von 24.000 Lst. errichten. Mit dem I Bau des Fabrikgebäudes soll im Frühjahr begonnen werden. „V Haifa. Die Metallschmelzwerke von Kremener stellen aur Zeit täglich "vier Tonnen Gußproduktion fertig. Man. hofft, in zwei, Monaten auf eine Tagesleistung von 10 Tonnen zu kommen. I Ein Exportabschluß nach Beyruth ist zustande gekommen. Haifa. Die Bauarbeiten an der Möller'schen Baumwollspinnerei und Weberei in Kfar Atta . machen große Fortschritte, so daß mit -der Inbetriebnahme des Unternehmens in etwa 3—4 Monaten I gerechnet werden kann. Tel Awiw, Ins j- Handelsregister wurde eine Zementfabrik mit einem Kapital von Lst. 250.000 einge- I tragen. ' Die Fabrik wird in Hartuv errich- tet. Gründer ist ein polnischer Zementin^ dustrieller, Herr Man/' Je rusalem. Der!' Emissionsprospekt der Palestine Potash- Ltd.. verspricht die Erweiterung der jährlichen 1 Produktionskapazität auf 25—-30.000 Tonnen. Wie bereits mitgeteilt, wird sich der Schwerpunkt der Produktion von der Nprdspitze zur Südspitze des Toten Meeres verschieben. Jedoch wird die" Fertigstellung der Betriebsanlagen dort erst Ende 1936 ganz beendet sein. Die Gesellschaft . will jetzt für den palästinensischen Markt einen Mischdünger herstellen, der für die kalkl; armen Sandböden der .Küstenebene besonders. geeignet gemacht wird. Von der Nordspitze des Toten Meeres will die Gesellschaft eine -Seilschwebebahn nach Jerusalem in einer Länge von 19 Meilen; errichten. Schwierig werden! die Transportverhältnisse. für die Produktion an der Südspitze sein. Vorläufig kommt für den Transport nur der Wasserweg in Betracht. Die Kali-Preise auf dem internationalen Markt sind von 1932 bis 1934 um 44 Proz. zurückgegangen. Tel Awiw, Der Abschluß der Ashrai- Bank pro 30. September weist außerordentliche Liquidität auf. Fast 30 Proz. der Ver- ■ pfMchtungen* ist-durclr -Kasse und Bankguthaben? gedeckt,'abgesehen von der zehnfachen* Haftung, der Anteilnehmer. Haifa. Die Atid "Navigation Company,-die die Küstenschiffahrt Aegypten, Palästina, Syrien .betreibt.-und die Doriäu ibis Budapest be- ' fährt, wird demnächst, einen zweiten Dampfer „Awoda" (1100 Tonnen) in Dienst stellen, derdem "'Warentransport1 dienen soll. ,Die^Gesellsc"haft beschäftigt tfa§t nur jüdisches Personal. Ha,if'a. Der Lloyd Triestino hat während der Monate Februar—April s neben v. dem - wöchentlichen Dienst von vier Schiffen weitere 40 (Dampfer eingesetzt. AnrVv läßlich Makkabiade werden, im. März Maußerdem drei!lweiteV© Dämpfer, -"von1 denken fv?jeder : 1000- Personen befördern kann, in 1 iDieüst gestellt. -T el,;A w 'i w Die Cyprus^ij , Farming Co., die auf Cypern einen Komplex von etwa .10.000 Dunam "■• bearbeitet, will"" ■dort 80—100 Siedler^ Unterbringen. Die Einzelwirtschaft soll aus' 100 Dunam Ackerr boden und 30 Dunam bewässertem Boden bestehen. iHaifa.. Die Firmen Josef Löwy u. Co. Ltd. und Philipp Mayer Cq. in Haifa haben 6000 Dunam auf der Höhe des Carmels erworben. Das Gelände liegt in 480"*] Meter Höhe auf einem der meist bewaldeten Teile des Gebirges. Unter dem Namen „Jaarot Hacarmel" soll dort ein Sommerkurort bestehen. Auf' dem Komplex befindet sich ,viel Wasser, es besteht auch die; ' Möglichkeit des : Tabakanbaus. In der Nähe sind ' von verschiedenen Privatkäufern Wettere 8000 Dunam erworben worden. H a i f a. In, gewissen,,Gebieten der, Haifabay: maqhtsich eine; starke Bodenspekulation geltend. , Es werden5 für-nichtsanierten, also nicht bebauungsreifen Boden Phantasiepreise von Lst. 150.— pro Dunam geboten. Durch Sanierung der Kurdaniquelle und des Naaman- Flusses könnten : dort ^30-—40 000 Dunam erschlossen werden^ % wodurch, der übrigen Spekulation ein Riegel vorgeschoben wäre. Oesterreich. Die Rechtslage der Juden in Oesterreich. » Wien, 3. März. Dem europäischen Hauptbüro der ITA. in London wurde vom österreichischen Bundeskanzler Dr. S c h u s c h n i g g eine umfassende Erklärung über die Stellung und Rechtslage der österreichischen Juden zugestellt, der wir folgende Hauptpunkte entnehmen: Eine Judenfrage gebe es in Oesterreich nicht und werde auch keine geben, da die österreichische Bundesverfassung die vollständige Gleichheit aller Staatsbürger garantiere. Die Maßnahmen beim Umbau des .Staates, die gewisse Kategorien von Bürgern trafen, seien nicht aus religiösen Erwägungen, sondern ausschließlich aus politischen und wirtschaftlichen getroffen worden. Der Forderung einiger Berufsvereinigungen nach Einführung eines Numerus clausus •in akademischen Berufen sei -man zwar nicht voll nachgekommen, aber man mußte den weiteren Zutritt zu diesen Berufen einschränken. Die Entlassungen von Beamten und Angestellten warenim Laufe des politischen Umschwunges unvermeidlich, aber auch diese geschahen nicht aUs religiösen Gründen. Das Gleiche gelte auch von den Maßnahmen für Handwerk und Industrie,, von denen viele Juden indirekt schwer getroffen wurden. Andererseits hätten auch jüdische Handwerker und Kaufleute aus der neuen Gesetzgebung Vorteil gezogen. Eine antisemitische Tendenz hätten all diese Maßnahmen nicht. Aus dem, städtischen Dienste Wurden viele Jüdische Aerzte entlassen, nicht weil sie Juden, sondern weil sie Sozialdemokraten waren. Wo sich nachträglich herausstellte, daß an einer Person ein Unrecht geschehen war, wurde das Unrecht, soweit möglich, wieder gut gemacht. Daß eine Ausweisung von Ostjutfen erfolgt wäre, sei ein Märchen. Solche Maßnahmen wurden gar nicht in Erwägung gezogen. Zu dem sogenannten Schulghetto erklärt der Bundespräsident, daß die orthodoxen Juden wiederholt den Wunsch geäußerthätten, daß ihre -Kinder in besonderen-Schulen und besonderen Klassen unterrichtet werden, damit sie nicht gezwungen seien, am Samstag zu schreiben und zu zeichnen oder durch Dispens im. Rückstände zu bleiben. So waren die eigenen jüdischen Schulklassen von vornherein nicht als, ein Ausnahmezustand «gedacht, sondern unter rem praktischen'; Gesichtspunkten geplant. Die^geringe Zahl der., in öffentlichen Diensten beschäftigten Juden führt der'Bundeskanzler auf histo- '•rische^ Entwicklungea" zurück. Was die Angriffe in der antisemitischen Presse betrifft, so hätten die Juden die volle Möglichkeit, sich, in ihrer eigenen fPtesse zu wehren. Das Vereins- und; Versammlungsrecht der Juden sei nicht. im mindesten beschränkt. Alle Angriffe gegen die Juden zu verbieten, habe die Regierung nach dem Grundsatz' der "freien Meinungsäußerung keine Möglichkeit. Was darin über' die zulässigen Grenzen, hinausgehe, werde geahndet. Man dürfe Erklärungen und Auslassungen gewisser Gruppen7"nicht der Regierung zur Last legen, Somit hätten1: mädet die österreichischen Juden ndch ihre Glaubensgenossen - im Auslande : irgendeinen Anlaß, um die Zukunft •'der österreichischen .Juden besorgt zu sein., ,,-f.'- -. . ... ü -i Polen.' i - : ... f Der Schechitakonilikt in Warschau. Warschau, 4. März. Der.... S ch e c h i t a k o n f 1 i k t in der größten jüdischen Gemeinde "Europas wächst sich allgemach zu einer Katastrophe für die jüdische Bevölkerung aus, Die Stadtverwaltung hat, wie schon berichtet, das ganze Schächtwesen in ihre, bezw. in die Regie der Schlachthofverwaltung übernommen. Die Schochtim werden von der Stadt angestellt, und zwar über den Kopf der Gemeindeverwaltung und des Rabbinates hinweg, so daß ganz unhaltbare Zustände eingetreten sind. Nachdem alle Bemühungen fehlgeschlagen " haben und es am letzten Montag so weit gekommen war, daß" die vom Rabbinate autorisierten Schochtim ans dem Schiächthof verwiesen wurden,