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Der Israelit · 1935-03-07 · Heft 10 (7.3.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 10 (7.3.1935)
Date
1935-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 10 Der Israelit 7, März 1935 sehen 117 Folioblätter vorher und fast 40 Folioblätter nachher, die alle sich in ernstem Mühen mit der ernsten Frage der wahren Sabbatheiligung befassen, welche die minutiösesten Bestimmungen geben für die am ri3E> verbotenen „39 Werktätigkeiten", kein Lebensgebiet außer Acht lassend. Die oben beregten Sabbatgenüsse sind kein bloßer Gaumenkitzel. Wir schauen sie im Rahmen einer reinen, aufs Höchste und Heiligste zielenden Scelenstimmung. Bei allem sinnlichen Genießen am r>3tP schwingt die Seele mit, hebt und veredelt, weiht und durchgeistigt den Genuß, Ein Oneg-Schabbos ist keine Alltagsware, die man billig in jedem Kramladen haben kann, kein Artikel, den man leicht durch Massenproduktion herstellen kann. Schwer fällt seine Nachahmung. So wurde einst Rabbi Josua ben Chananja von einem Kaiser gefragt: „Wieso duften eure Sabbatgerichte so fein?" Und Rabbi Josua entgegnete: „Wir besitzen ein Gewürz, rQW genannt; kommt das in die Speisen, dann verbreitet es den angenehmen Duft." — „So gib auch uns von diesem Gewürze," bat der Kaiser. „Es wird dir nichts nützen," entgegnete Rabbi Josua. „Seine Verwendung hat nur für diejenigen Erfolg, die den flau? hüten und halten, nicht für andere." Soweit die Erzählung. In einer Erklärung bemerkt dazu der Wilnaer Gaön Rabbi Josua habe bewußt betont, daß der Oneg unlösbar an das „Halten" des mW gebunden sei, nicht etwa an eine sogenannte Huldigung der Sabbatidee. (rUTü)« Nur dann kann von einem wahren jtfW riaw im altjüdischen und urjüdischen Sinne gesprochen werden. In Häusern und Familien, wo gutjüdische Tradition unverfälschtes und ungeschmälertes Erbgut geblieben, stellt sich der W$ unwillkürlich und ungezwungen ein. Er ist naturgewachsen, wie die Familie selber. Man spricht eigentlich nicht von ihm. Anders bei der neuen „Oneg Schabbath"-Bewegung. Sie ist eine Veranstaltung, etwas künstlich Organisiertes und trägt mehr oder minder den Stempel soviel er Vereine, Verbände und Bünde an der Stirne. Der Mutterboden der Familie fehlt. Man wird das Manko zu ersetzen haben durch eine Aufmachung, die sich das jüdische Heim und Haus zum Vorbild und Muster nimmt. Gemütvoller Zusammenschluß, ungezwungener Ton, der alle umschließt und anfaßt in brüderlicher und schwesterlicher Liebe; auch Regalierungen wie an der Familientafel dürfen nicht fehlen als TDtP 32157 -Requisit. Kurz, es darf nicht den Eindruck erwecken, als finde hier nur eine künstliche Atmung statt im Vergleich zum häuslichen Oneg Schabbos. Da die Oneg-Gemeinde sich oft - aus Gliedern zusammensetzt, die in jüdisch-weltanschaulicher Hinsicht sich sehr heterogen 'zeigen, so bedarf es großen Taktgefühles und .reit eher praktischer Erfahrung seitens der Führung, um mit Würde und Ernst den festen, hochheiligen Zielen unbeirrt zuzusteuern. Der moderne Oneg Schabbos-Gedanke ist die in den jüdischen Bezirk übertragene Devise „Kraft durch Freude',, Es ist mit Genugtuung zu begrüßen, daß in den -zahlreichen Meinungsäußerungen über die Gestaltung des Oneg Schabbos jene Stimmen überwiegen, die im „Lernen" das beste, ja das Allheilmittel erkennen und in der Ignoranz den gefährlichsten Feind des Judentums sahen.na^n übte i7*1VV „Lernen" ist und bleibt die goldiene Achse, um die sich das Judentum dreht — auch die moderne Oneg Schabbos-Strömung. -Es . sei uns vorbehalten, in einem weiteren Artikel zu tzeigen, wie wir uns die Sache f ür die Praxis -denken. -' :- ' : " " Das Kinderdorf „ Von Saly Geis in Jerusalem« » Da leider noch immer einzelne harmlose jüdischer Väter und Mutter — grade in -Deutschland — der skrupellosen Propaganda ^i&c „Ben Schemen" auf den Leim gehen, lenken .wir die besondere Aufmerksamkeit unserer Leser auf nachfolgende Ausführungen: „Ben Schemen" ist vor acht Jahren" mit 15 Waisenkindern äus""Köwno gegründet ' worden und zählt heute>^jo>ehr^als_3.00. K^a,ben und Mädchen vom zartesten.Älter bis zur herangewachsenen Jugend. Es nennt sich eine Kinderrepublik und stellt in dieser Hinsicht einen Niederschlag modernster pädagogischer Versuche daivWas an diesen Versuchen gut ist, * bedarf noch des Studiums;»^maßgebender ' Persönlichkeiten mit kritischer Urteilsfähigkeit. Lobpreisende propagandistische Zeitungsartikel, die übrigens bei dem gegenwärtigen Palästina-Aufbau charakteristisch sind, können nicht genügen. Einige Fragen drängen sich jedenfalls bei der Propaganda für Ben-Schemen sofort auf. Welche ethischen Grundsätze suchen die beratenden Lehrpersonen zum Durchbruch zu bringen? Hat das enge Zusammensein von Knaben und Mädchen keine sittlichen Gefahren zur Folge? Welche Bedeutung wird den in dem G'ttesglauben der Thora basierenden Traditionen1 des jüdischen Volkes gewährt? Die letztere Frage muß die jüdische Oeffentlichkeit am meisten interessieren. In den Galuthländern haben selbst indifferente jüdische Massen ihre letzten Bindungen noch mit Traditionen aus der Welt der Thora, Sie schicken ihre Kinder in den Religionsunterricht, fasten am Jomkippur,' sagen u -m Kaddisch, zünden am Freitag abend Ke^eri an usw, ''; .: '• In Ben S c h em en sin d s e 1 b s t dieTs e f - "-".-V. letzten B in dun gen nicht mehr vip r - hande n. Der Unterrichtsplan .umfaßt:,0iLaj^d? Wirtschaft, Handwerk*; Sprachen, Literatur, Gei ^Schichte, ^Geographie, Mathematik, Physik, Wdef 'ha&'Mxisak und Sport." Die Bibel als §Üsl\ f akterbilduhg~ und Denkweise be'einflüsse|j|[er Faktor Je p m mt h i cht mehr in B e t r a ty f/sie ist nur L i t; e r a t u r - u n d Q e s c h i c h}ft>s- |jw e r k. Genau sö; ergeht es" der ganzen-auf : ihr i-. sich aufbauenden ^rqditipnslile^u^,';J)er-:.5|üi,dische Menselvdie hebräische Sprache und JJjiez . tisraeL •— diese Drei'sind'1 allem1 "geblieben. $Han' - ' ' '. -. ■ -P. -J fn4» i yolk, %^ine Sprache,- \ "e]in Land, pie/5e.-R^piy^k •von einschl. Erwachsenen —-350ijüdisMnfen. t- - i^^ii '■" eelen weiß nichts mehr von G'tt und :Geb]|ien ' G'tt, nichts mehr,' voii einer . Bärmizwahj zu 'nichts; vom Sederabeud, nichts von- Chanupäh-; Richtern, alles," alles istausgelöscht~. ~'\ ' ' ' ■ - ' '•' ' ' ■'■ -r I'l^j ' Die gleiche Unterrichtsärt herrscht wohl ||£ch Hn den Volksschulen der Zionistischen Orjptnisation (mit Ausnahme des Misrachi) und der' Arbeiter-Organisation und in den nationalen höheren Schulen — doch hier kann das Elternhaus ein Gegengewicht bilden. In dem Elternhaus, er■* feben die Kinder wenigstens noch mehr :oder weniger von der Väter Art und Sitte, Berf Schemen bringt durch seine Atmosphäre schnell die -religiösen Erinnerungen aus dem Elternhaus, zum Vergessen, und h e b r ä i s c h s p f e - c h e n d e; r e 1 i g i o.n s 1 o s e M e n s c h.e'n bleiben zurück, Die jüdische Offe f - f en tIi c hk e i t h a, t das Recht, di e s e Tatsache zu wissen. ■ . .. (üw;-;:. f iiil ■ ■ ■ h'i Korrespondenzen. Deutsches Reich, Zu der neuen. Handwerkerverordnung. \ ■'• Berlin, 27. Febr. Der Z e nt r a 1 v er b a n d jüdischer Handwerker Deutschlands hat eine Broschüre herausgegeben, die den Wortlaut der wichtigen dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des^ deutschen Handwerks nebst Erläuterungen fürdie Praxis bringt. Um die jüdischen Handwerker über das neue' Handwerksrecht zu unterirchten, haben. Amtsgerichtsrat a. D. Dr. A s chn es r und"Oberregierungsrat a. D. R. K e mp n'er diese Verordnung int Auftrage des Zentralverbandes - kommentiert. > In einerbesonders gut besuchten Mitgliederversammlung des. Berliner jüdischen Handwerkervereinswurde die neue Handwerks Verordnung zum Gegenstand eines eingehenden Referats gemacht. Durchpraktische Beispiele wurden die neuen Bestimmungen den anwesenden Mitgliedern dargestellt. Vergebung der Genehmigung zur Aufstellung von Stühlen nur an Arier. B e r 1 i n , -26. Febr. Das Recht zur Aufstellung und Vermietung von. Stühlen auf städtischem Sträßenland soll auf ein Jahrfür den Bereich des Bezirksamtes Berlin^Mitte vergeben werden. In der entsprechenden ÄussichreiiSüng^ die der 'Bezirksbürgermeister des Verwaltungsbezirks: Mitte im Amtsblatt der Stadt Berlin erläßt, heißt esr daß Bewerber, die Angebote abgeben wollen, den amtlichen " Nachweis ihrer , a r i s e hrera... Abstammung; zu führen, haben. Gauleiter Streicher über Judentum und nordische Rasse, ■'2"': ' ' " Nürnb^er^; 27. Febr. Wie die „Fränkische Tageszeitung'* " berichtetf hielt: Gauleiter Julius Streicher bei deY zweiten Veranstaltung der iiNordischen Gesellschäft", in der Gräjr fin Fanny von Wüamowitz - Moellendörff,, eine- Schwester der verstorbenen Gattin des Ministerpräsidenten Göring, über „schwedische Külturbilder"" sprach, eine Begrüßungsrede, in der er u. a. ausführte r Wenn aus Schweden, Norwegen, England oder ein^^andeten JLänd; Mensch kommen, dann sagen wir: das sind Ausländer.^Begegnet uns aber ein Jude, dann gibt es viele, die denken, daß man den armen Kerl doch taufen müßte, damit er seine Ruhe'" habe. ..Man^hat-uns dazu erzögen, das eigene Blut,- das in Brüdern 'und Schwestern in irgendeinem .itnderen* Lande lebt; 'zu verleugnen und' diese Verwandten;! als*; "ÄuBläfodert- Zu f netrachten.. Tatsächlich •begegnet- •manr^inc;Belgien,^;Nö'rdfränkreiö^ und: ' Skandinaviettv eineni iHaßfc die- Wir -wie-diese' zur nordiscHett Rassez-zählen; Hier hat der " Jude mit 'E^olg geh^ genau; daß 'wir--von wallen^^^eöen'Völkern'»nients-; Wol-- len,'=«onderftüdaß .es:: mit deriMacht :muß, wentt diese Stämine> gleicherÄrtI und Rasse ■ sich, einig sind. Nach den von den Juden diktierten Auslandszeitungen kann man nicht ohne die Befürchtung; nach Deutschland kommen, überfallen und ausgeplündert zu werden. 'Hier, in Franken soll es besonders schlimm sein. Ja,-man hat behauptet, ich solle täglich zum Frühstück einen .toten -Juden serviert be- •' . ,. .■: SU ■ - - ^' ■■■ kommen. Nürnberg gleiche einem großen Schlachthaus. So^ hetzt der Jude gegen die Vereinigung von Völkern gleichen; Wollens und gleichen Blutes und deshalb hat sich auch hier die Nordische Gesellschaft : gegründet, um, mitzuhelfen, dem gemeinsamen Streben aller nordischen . Menschen zu dienen. — Der Gauleiter schloß-,seine-.Ausführungen mit dem Kampf- •' ■ i.'. ". ■ ,• ''! ' . ruf; „Und wenn die,t< Welt voll Teufel war' —• es muß uns doch gelingen!"

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