Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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7. März ,1935 Israelit Nr. 10 Seite 5 Maimonidesfeier mit Stierkämpfen, Wie aus dem an anderer Stelle veröffentlichten o f f i ziel 1 e n P r o g r a m m der staatlichen Maimonidesf eiern in Kordova zu ersehen ist, wird dort dieam 25. April beginnende Feier einen hochoffiziellen Charakter durch die Teilnahme des Fr äs i-d engend e r s panisc h e n.Re.p u b 1 i k und der Spitzen der Regierung erhalten. Die Akademie der Wissenschaften und schönen Künste und die philosophisch- " 1 i t exa r i sc hie -F.a ku.lt ä.t -d er M.a dr ider U nJ-v.e r s i t ä t veranstalten Gedächtnisversammlungen. Ein . M a i m o n i d e s m u s e u m und eine Ma i mon ides bi b 1 i o t h e kwerden eröffnet.. Bekannte Lehrer der arabischen Sprache und. Literatur werden Vorträge halten. Mit - einem , Worte, alle Träger der Kunst,; Wissensehaft und Politik tun. sich zusammen,, um Kordovas großen Sohn, den. das Vaterland schon als Kind lieblos", in die Fremde hinausjagte, zu feiern. 440 Jahre, nachdemJSpanien für die Volksamd Glaubensgenossen des Maimonides Scheiterhaufenangezündet: hatte, schickt sieh das gleiche Land in seinen Besten und'Edelsten an, das Andenken, jenes, Juden feierlich zu begehen, der doch eigentlich., n-ur f ür sein Volk gelebt, hat, dessen Geistesschätze doch nur für uns bestimmt. w,aren und nur.uns zugute ka,- m e n u n d" k o m m e n. So renkt sich alles ein in der Geschichte, es gibt eine Art von Tschuwah auch 4m Welt- und Völkerleben. Aber ein Kuriosumsei noch verzeichnet. Im Zuge dervielenvolkstümlichen Festlichkeiten, die sich, denoffiziellen .Veranstaltungen aus Aiilaß des Maimonidesgedenkens anschließen, sind zuletzt sogar. S t i e r k ä mp f e vorgesehen. Maimonides und Stierkämpfe! Das kommt uns schon freilich; ein bißchen spanisch vor. Maimonides, der. das Gebot des ö^n ^Sto der R.ü c k s ichtna hm e auf.da s T i e r , in der Reihe der von ihm -formulierten 613 - Ge- und VerbotQ anführt, der in seinem philosophischen Werk „More Nebuchim" einige Geböte (scheinbar gegen die Auffassung des-Talmuds, in Wahrheit aber nur, um unabhängig von ihrer ewigen Verbindlichkeit, die g'ttlichen Motive zu erforschen) unter dem Gesichtspunkte der auch die Kreatur umfassenden A.llieb,e G'ttjes zu erklären sucht — wie würde sich dieser Maimonides, der sein Hauptwerk „Mischna Thora" mit dem jesajanischen Worte schließt: f'änp nn Vd3 in w tibi wv vb. „Auch die Tiere werden nichts mehr Uebles anrichten auf meinem heiligen Berge", gegen eine solche Ehrung verwahren! Danken würde er für alle ihm zugedachten Huldigungen und dann, wie vor 783 Jahren, wieder nach dem Wanderstabe greifen — und dahin flüchten, wo es keine Stiergefechte gibt . . . Uns aber sollten all diese Kuriositäten, Geschmacklosigkeiten und Mißverständnisse um Rämbam — in einem jüdischen Blatte behauptete vor kurzem, ein Berliner Rabbiner und Schriftsteller, Maimonides sei der natürliche Vorläufer von Spinoza gewesen —- Ansporn sein, daß wir Rämbam in diesem Gedenkjahre in der alten Weise, aber noch gr und licher und intensiver feiern, nicht dadurch, daß wir über ihn reden, sondern indem wir ihn lernen un d n ach ihm lebe n. - 51 Von A. Mannheimer in Dettelbach. Ueber Nacht wares da, das Wort Oneg Schabbos. Gleich so manchem Schlagwort. Es wurde als eine. Art Losung gerade von den Kreisen aufgegriffen, in denen Sinn und Betriff einas Oneg Schabbos bisher, kaum zu finden, war. Just in der Zeit, da man in den. staatlichen Volksschulen den, Samstag dazu benützt, die arische Jugend .staatspolitischzu erziehen durch einen eigenen . Unterricht, der. auf der Grundlage der Rassenfheorie sich scharf distanziert von Juden und Judentum und allem, was auch nur im entferntesten, damit in Beziehung gebracht werden könnte, gerade in diesen Tagen erscholl in unes H serm Lager der Ruf, den für die jüdischen Kinder frei gewordenen siebenten Tag zu einem Oneg Schabbps auszugestalten. „Welch eine Wendung : durch G'ttes Fügung," drahtete einst weiland Deutschlands erster Kaiser nach Sedans 'Falk Was alle-Kanzelredner seit vielen Jahrzehnten nicht erreichten, durch herbe Schicksalswende ist es nun bei uns in greifbare Nähe gerückt. Wer denkt da nicht an das Wort im Talmud (Traktat Megilla): „Als Ahasveros seinen Fingerring auszog und denselben — zur Bevollmächtigung —" deni Hamern übergab, da war dies von .größerer Wirkung als alle Mahnreden der -48 Propheten und Prophetinnen, die je in Israel sich erhoben hatten." Wie sich Geschichte doch in ewigen Parallelen wiederholt! G'ttes Mühlen mahlen nicht nur langsam, oft auch seltsam und T wundersam/ Doch nehmen wir die Tatsache hin, wie sie ist, ohne bei Würdigung der Motive in einen, allzu engherzigen Formalismus und Kritizism-us. zu versinken. Wir bewegen uns hier auf altjüdischem und urjüdischem Boden, So haben, die Weisen s. A. einst das Thorastudium auch Tlpwb tihw. gestattet aus der praktischen Erwägung heraus, daß man. allmählich doch noch sich zum Ideal.. emporringen wird, auch .TlDTffb. zu, lernen, um der.rnVL selbst willen. Verworfen wurde der allzu rigorose Standpunkt Rabbi Gamliels: .*m»ri■ rwb.1135 isi ym... Tnbr\. jeder Schüler, dessen Inneres nicht , dem Aeüßeren gleich ist, betrete das .Lehrhaus nicht. Weitherzig und vertrauensvoll stellten die Weisen dagegen den Grundsatz, auf: rmn D?T»^D ITayn?, nur viele Schüler herbei! Die Thora wird schon, ihre, läuternde. Kraft an ihnen bewähren. Vom. fl3]7: wird man schon zur universalen jüdischen .Lebensweihe auch während der Werktage fortschreiten. Der Weg zum Ideale soll nicht durch naheliegende Bedenken verlegt oder erschwert werden. Einige Gedanken zur praktischen . Ausgestaltung des Oneg Schabbos mögen jedoch hier Platz,finden. Gar mancher, der jetzt vom Oneg Schabbos redet,; weißkaum, woher der Ausdruck stammt. Erstmals hat. ihn der Prophet Jesajah (Kap. 58). angewendet: aalS? rnP^riK'ipV Nenne den Ti2W., einen Oneg, ein Ergötzen. Natürlich ging das Wort; auch in unsere Gebete über. Der Leser kennt die. Worte im Mussafgebet: Q^iy^ ">wyp 1^nP!|13>die sich an ihm-..ergötzen, werden ewiglich Ehre erben, ebenso *3ttn» Mb WTfO rPJöi und andere Stellen mehr. Wie alles im Talmud, wird auch der Begriff desOneg einer genaueren Präzisierung unterworfen. 7103' Womit soll man den Oneg Schabbos herstellen? (Traktaf Sabbat 118, b). Und nun folgt die Aufzählung einer ganzen Serie lukullischer Genüsse. ' Das Wasser könnte einem im Münde zusammenlaufen. Und Namen von Weisen werden genannt, die sich im Oneg „was Besonderes leisteten." Poetisch verherrlicht wird der Oneg in den bekannten Semiraus, den jüdischen Tafelgesängen.>- 'Q^n "bvn d^nnia.. -ö^wnn awririVC „Sich zu ergötzen mit Ta-anugim, jrw^"j|emästetem Geflügel, mit Wachteln un^Fischen." Und Fleisch, Rotwein, süße Leckerbissen werden genannt, sogar das süße-Sabbatschläfchen ist nicht vergessen. Da also gehts hinaus? denkt da mancher. Gemaeh, lieber Leser. Du kennst das Ganze nicht. Jenes Talmudblatt ist eingebettet zwi- A^sgcgHchen*) aio na out -\b fan „Es . sei dir verkündet, Mensch, was gut sei und was G'tt von dir fordert: nichts Anderes als lieben des Rechtes, Liebe zur Wohltat und bescheidenes Wändein vor Deinem G'tte. (Micha VI, 8)". Das bescheidene Wandeln vor GHt beziehen die weisen Lehrer (Talmud Makkoth 22) auf B r a u t aus s t a tt un g und Tot eng je 1 e i t e. Irii Wechsel . der Geschicke unterliegt der Mensch oft einem Wandel, der ihn von einem Extrem ins andere wirft! Tiefes Leid lähmt seine. Kraft und raubt ihm die Sinne, daß er nicht mehr weiß, wo aus, wo ein. Ist er aber von einer Glückswelle erfaßt", so treibt ihn diese-Welle zu Hochmut und übertriebenem Hang nach den Nichtigkeiten dieses Lebens. Der vollkommene Mensch aber, der von G'tt mit; rechtem Sinn, und festem Charakter begnadet ist, weiß in allen Lagen des Lebens , das innere Gleichgewicht und die Ruhe seiner Seele zu bewahren. Gerade das Verhalten des Menschen gegenüber den Launen.; des Geschickes ist der echte ' Prüfstein für seine innere Qualität. Das ist wohl der tiefere Sinn der Synthes.e: in. der angeführten Talmudstelle; Bräutführung und Totengeleite bezeichnen die beiden Pole* im ^menschlichen Empfindungsleben,.; höchste Freude auf dern einen,;nie der druckende Trauer, auf der anderen Seite.. Und. beide extremen Empfindun-. gen verairiigt. : durch den bescheidenen, d. h'.; seine Gefühle zähmendeii,' Lebenswandel vor und mit G'tL *) Aus dem demnächst erscheinenden Sammelwerke „Ozär Hespedim" von Rabbiner Feuerwerker. Darin "zeigt sich der Idealmensch, wie ihn der Prophet Micha und die Weisen des Talmuds haben wollen. Kleines Feuilleton. Rambam-Feier in der Synagoge. In der „Jüdischen Rundschau" vom 28. Februar d. J. wird von konservativer Seite angeregt, am kommenden Pessach Maimonides' (der am Rüstetage zu Pessach 1135 geboren wurde)', etwa in der Weise zu gedenken, daß am Festabend oder 'an allen Festabenden die „Dreizehn Glaubensartikel", das .p»«a »3«' des Maimonides von Chor und Kantor in noch zu komponierender würdiger. Melodie vorgetragen werden. r Wir möchten dazu bemerken, daß das V!»K» 'JK in unserem Gebetbuch im Wortlaute nicht von Maimonides stammt, sondern eine spätere Formulierung nach der Einleitung von Rambam zu dem letzten Abschnitt des Traktates „Sanhedrin" ist. Vielleicht ist aber dem Einsender nicht bekannt, daß es noch ein anderes Gebet in unserer Liturgie gibt, das ebenfalls jene „'dreizehn Glaubensartikel" aus der Maimbnidesabhandiung herauskristallisiert und uns in dichterischer Form reicht. Es. ist das (nach Berliner" von;R. Däniel b. Jehuda verfaßte) : Vnv-Gebet, das ohnehin in'. verschiedenen, zum' Teil .wunderschönen Melodien inallen Synagogen der Welt am Festabend (in' Holland' und in 'Ostffiesländ sogar ji am Freitag-; Abend Und " am Sabbatmbfgen) vötf Chor öder von der Gemeinde gesungen, wird, Wozu also neue Liturgien?-- Das Philolexikon, Hanclbuch des jüdischen " Wissens. (Mit 250 Abbildungen, Tabellen, Tafeln und Karten. Herausgegeben von Philo-Yerlag G. m. b, H., Berlin.) Das Philolexikon will auf 400 Seiten, im Gegensatz zu den großen Enzyklopädien, in konzentrierter Form all den Wissensstoff vermitteln, der den Gesamtbegriff Judentum umschließt: Religion und Geschichte, Leistung und Leben. Daß ihm die Lösung dieser schwierigen Aufgabe restlos gelungen wäre, läßt sich leider nicht behaupten; gewiß nicht aus Mangel an gutem Willen seitens des Verlages. Eher schon infolge der wehig glücklichen Hand bei der Aufstellung der Mitarbeiterliste, in der kein einziger Name zu finden ist, der für eine richtige Schau in Dingen religiöser Natur garantiert. So kommt es denn, daß - vieles, Wäs man mit jüdischen Augen sucht, in diesem „Universalbüch" nicht zu finden ist, sich uns. dagegen mancherlei aufdrängt, was ziemlich belanglos ist. Vollends auf rein religiösem Gebiete sind die Angaben häufig mangelhaft oder falsch. Noch bedenklicher, daß beispielsweise auf Seite 475 Yon der. „'Geburtslegende" Mosis und der „Sage" seiner Strählenhörner gesprochen wird. Es ist ein an sich schönes und mit viel Liebte ausgestattetes Buch, des-- sen Nützlichkeit keiner' bestreiten' .möchte. Darum hoffen wir, daß bei einer , baldigen. Neuauflage der. ganze Stoff nochmals einer gründlichen Durchsicht unterzogen wird, "so: daß -daraus .wirklich «in B u c kf ü'r a 11 e" wird, -