Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m^^^^^.^,-y^ ■■MM>W-r~^k^^ xw?i*^lX*^>W&^gtysr. T^^^^^^^^^^p Seite 4 Nr. 10 D 1 s r a e 1 l t 7, März 1935 len Ansprüchen erfolgen müssen und es wird diese Auseinandersetzung um so leichter sein, je weniger ich das jüdische Volk in seiner Gesamtheit — was es ja ohnedies nicht kann — auf eine einseitige Konzentration auf den Boden des eigentlichen Erez Jisroel allein kapriziert. Daß man heute in Transjordanien, Syrien und erstrecht im Irak sich jüdischer Masseneinwanderung widersetzt, hat seine besonderen Ursachen in dem durch die Balfour-Erklärung erzeugten Mißtrauen und braucht nicht für die Dauer eine unübersteigbare Schranke zu bilden« Eine weitschauende jüdische Politik müßte daher u. E. alle ihre geistigen Kräfte in den Dienst der Förderung jener Pläne stellen, die eine kollektive Lösung der immer brennender werdenden bevölkerungspolitischen Probleme Europas und die Organisation einer außereuropäischen Massensiedlung ins Auge fassen. Wochenrundschau, Wie der Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde Palästina sieht Heinrich Stahl, der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Ge m e i n d e, weilte einige Zeit in Palästina und berichtete in einer großen Berliner Versammlung über seine Eindrücke und Erlebnisse. Was er sagte, ist nicht neu; wie es heute, bei der Hochflut der Paiästinavortrage, überhaupt nicht möglich ist, Neues zu sagen, zumal über ein Land, wo im reißenden Flusse der Entwicklung das „Neueste von gestern" heute schon überholt und veraltet ist. Immerhin finden wir zwei Aeußerungen von dieser Seite sehr bemerkenswert. Direktor Stahl erwähnte, nach einem Berichte der ITA-, die Verkündung der Sabbat ruhe durch ein Trompetensignal, bedauerte es aber, daß der junge Arbeiter in Tel Awiw nicht dazu veranlaßt werde, die Sabbatruhe dazu zu benutzen, sich um religiöse oder kulturelle Dinge zu kümmern. Sodann bemerkte Direktor Stahl zum Problem der landwirtschaftlichen Sied- ] -.'Ilgen und der Ein wanderung von 1J i c h t c h a 1 u z i m und älteren Menschen. ,,Ich will nicht freveln, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß man in der Erziehung der Kinder zu Landwirten eine gewisse Verzinsung des Kapitals erblickt und sie deswegen mit allen möglichen Kräften fördert. So hoch ich das anerkenne und so sehr ich das schätze, muß ich andererseits doch sagen, daß ich die Unterbringung von Nichtchaluzim, oder von solchen, die mit Kapital nach Palästina kommen, vollständig' vermißt habe. Schon die Zuteilung der sogenannten Zertifikate, bei der man sich zwar immer auf die Regierungsvorschriften berufen kann, läßt den Verdacht aufkommen, daß man sich wenig um die G e g e n w a r t kümmert und wenig geneigt ist, dafür zu sorgen, daß Menschen, die das vierzigste Lebensjahr überschritten haben, mit ihren Familien im Lande Unterkommen finden. Hierin müßte Wandel geschaffen werden und unsere Begeisterung in Deutschland für den Zionismus könnte eine weit stärkere werden, wenn wir die Gewißheit bekämen, daß man neben der Fürsorge für die Zukunft, also für die Jugendlieben, auch für diejenigen sorgt, die heute eine Hilfe, eine Unterstützung notwendig habe n." Hier werden zwei wunde Punkte berührt, die zu behandeln wir schon oft Gelegenheit hatten. Der Sabbat der Jugend ist, trotz der mahnenden Trompete so, daß er selbst d i e Gäste verletzt und entsetzt, die ja schließlich in Berlin auch ihren „eigenen Sabbat" haben. Und dann die Abneigung der zionistischen Organisation gegen die bürgerliche und Mittelst an d s - a 1 i j a h , die dem erfahrenen Auge des Herrn Stahl nicht entgegen konnte! Und wer tiefer in die Dinge schaut, weiß, daß diese passive Resistenz der ,,Gegenwartshilfe" gegenüber, der Histadruth hoch länge nicht, genügt, daß diese die zionistische Organisation sogar zu direkten Maßnahmen gegen die „Invasion" der älteren Bürger und Kleinkapitalisten treibt. Es wird, wie Herr Stahl sehr richtig beobachtet, hat, für die Zukunft gebaut. Dann aber müßten" die deutschen Kinder wenigstens so untergebracht werden, daß uns in ihnen die jüdische Zukunft erblüht und erhalten bleibt — mit einer Jugend, die von der Posaune des Sinai zum Sabbat und zu den anderen Geboten gerufen wird und nicht allein von der Trompete einer I r r j a h , die man geflissentlich überhört . .. . Hebräische Unterschrift. . / ■ ■ xr»* ■■ Das Amtsgericht Berlin hat in einem Urteile zum Ausdruck gebracht, daß eine mit hebräischen Lettern unterschriebene Vollmachtsurkunde nicht als rechtsgültig anzusehen is,t. Es ist nicht anzunehmen, daß es bei diesem Urteil des Amtsgerichtes bleibt. Wenn wir diese Hoffnung aussprechen, so geschieht es nicht allein aus Gefühlsmomenten, etwa um die Sprache, in der G'tt durch seihe Auserkorenen der Welt die Bibel geschenkt hat, vor Entwertung zu verteidigen. Man könnte von der ältesten und heir ligsten Urkunde der Welt sprechen, die der Schöpfer der Erde nicht nur hebräisch unterschrieben, sondern sogar in dieser Sprache g eschrie b e n hat. Aber wir wollen, wie gesagt* hier nicht mit dem höheren, g'ttgegebenen Recht kommen, sondern die Sache unter rein praktischen und geschäftlichen Gesichtspunkten betrachten. Das Berliner Amtsgericht als erste Instanz dächte vielleicht nicht daran, daß e> heute ein Land auf Erden gibt, in dem neben der englischen und arabischen auch die h»e - bräische Sprache offiziell als Amtssprache für Behörden, wie für Post- und Telegraphensteilen anerkannt ist, daß ferner Deutschland mit Palästina in lebhaften Handelsbeziehungen steht, die durch die Auswanderung deutscher Juden * und das Transferverfahren noch täglich sich steigern. So könnte es ja gar nicht ausbleiben, daß Vollmachten, Verträge usw. von Palästina hier präsentiert werden, die hebräisch abgefaßt und unterschrieben sind, und es würde ~ eine gan£ empfindliche Störung des internationalen Geschäftsverkehrs bedeuten, wollten die Gerichte Vollmachten mit hebräischer Unterschrift grundsätzlich als ungültig erklären.. Inder „C. V.-Zeitung" betont noch ein juristischer Sachverständiger zu diesem , Beschluß des Berliner Amtsgerichtes, daß die Vollmachtsurkunde lediglich das bestehende Vertretungsverhältnis zu belegen hätte, daß darum gerade auf sie die Bestimmung, wonach die Gerichtssprache in Deutschland die deutsche ist, nicht Anwendung finden, vielmehr jede beliebige Schriftsprache, mindestens aber jede lebendige Schriftsprache zur Unterschrift verwendet werden könne. Man darf aus diesen Gründen erwarten, daß die Entscheidung des Berliner Amtsgerichtes? bald eine Korrektur an höherer Stelle erfährt. Ich glaube!... Maimonides Grundlehre der Auferstehung der Toten. Von Rabbiner Eduard Duckesz in Altona. In der Einleitung zu seinem Mischnahkommentar in Sanhedrin, Abschnitt 10, hat Maimonides seine 13 Grundlehren des Judentums niedergeschrieben. Diese 13 Glaubenslehren sind Gemeingut des ganzen jüdischen Volkes geworden und finden ihren Ausdruck in dem herrlichen J i g d a I -Gebet, das in allen G'tteshäusern an Wochentagen, und den hohen Feiertagen in Wort und Gesang erklingt und das am' Schluß die Worte enthält: „Die Toten wird G'tt einst in seiner großen Gnade erwecken, gelobt sei sein ruhmvoller Name in aller Ewigkeit". Diese Lehre der Belebung der Toten hat Maimonides in seinem Werke DTtan n"nn -mtm ausführlich behandelt. Die dreizehn r^sn '38 haben ihren Weg sowohl in das Herz des Gelehrten als auch des schlichtesten Mannes gefunden und sind in allen Gebetbüchern gedruckt und werden noch heute von den gläubigen Jehudim täglich gesagt. Daniel bar Jehuda D a i n. n hat dann diese 13 Glaubensartikel Maimonides' in dem Jigdal-Gebet poetisch zusammengefaßt. In den portugiesischen Gebetbüchern ist am Schluß dieses Jigdal-Gebetes noch folgendes hinzugefügt worden: „Diese 13 Glaubensbekeimtnisse sind die Grundlehren des G'ttesgesetzes und seiner Lehre." Die von Maimonides aufgestellten 13 Glaubensbekenntnisse (Dogmen,} lauten: 1. Das Dasein G'ttes. 2. Die Ewigkeit G'ttes. 3. Die Geistigkeit und Unkörperlichkeit G'ttes. 4. Seine Ewigkeit. 5. Die ausschließliche Anbetung G'ttes. 6. Die Ausstrahlung seiner Prophetie gab er den Männern seiner Wahl. 7. Daß nichts an Moses Prophetie heranreicht. 8. Daß die Thora in ihrer Gesamtheit und in ihrem ganzen Wortlaut, und daß ihre Erklärung in der mündlichen Ueberlieferung, g'ttlich ist. 9. Die Un- 'Veränderlichkeit der Thora. 10. G'ttes Allwissenheit. 11. Daß er Lohn und Strafe für die- Tat des Menschen gibt. 12. Daß das Kommen des Messias gewiß ist. 13. .Die Wiederauferstehung. Unsterblichkeit der Seele und Wiederaufleben des Menschen nach seinem Tode sind in der Thora selbst mehr Voraussetzung. An vielen Stellen, wie z. B. im fünften Buch Moses 32, 19 ist angedeutet: -„Ich töte und. belebe" usw., womit nach Erklärung in Sanhedrin, Seite 01, die Wiederbelebung gemeint ist; ebenso im Buche Samuel, Kap. 1, Vers 2 „Er senkt in die Gruft und bringt wieder hinauf",_ Ferner dis Berichte der Belebung durch Elija und Elisa. In Jesaja 26, 19 heißt es: „Deine Toten werden auf leben, mein Leichnam wird auferstehen; es erwachen und lobsingen die im Staube ruhen, dehn der Tau des Lichtes ist dein Belebüngstaü." In. einer Vision wird dem Propheten Jecheskel die Tptenbelebung mit den Worten des Kap. 37, Vers 5—10, gezeigt „So verheißt der Ewige diesen Gebeinen: siehe, ich bringe in euch meinen Geist und ihr werdet leben usw." Am Schlüsse heißt es dann: „Ich öffne eure. Gräber, lasse euch aus euren Gräbern . steigen, mein Volk." Daniel, Kap. 12, Vers 2, 3: „Viele - von denen, die im Staube schlummern, wenden erwachen;. die Einen zum ewigen Leben und die Anderen zur ewigen Schmach und Schande. Auch du wirst ruhen und am Ende der Tage wieder auferstehen." Hiob spricht: „Ich weiß, mein Erlöser lebt und der Letzte wird, trotz des Staubes auferstehen." In den Psalmen ist mehrfach der Gedanke des Fortlebens der Seele und der Wiederbelebung enthalten. So Kap. 73, Vers 26: „Es vergeht mein Fleisch und mein Herz, der Hort meines Herzens und mein Teil ist G'tt ewiglich." Kap. 17, Vers 15: „Ich in Frömmigkeit schone dein Antlitz, sättige mich beim einstigen Erwachen an deinem Angesicht." Kap. 49, Vers 16: „Nur G'tt löst meine Seele aus der Nacht der Gruft, ändern er mich zu sich nimmt." Wir wiederholen im Gebet den letzten Vers des Kap. 91: „Mit langem Leben will ich ihn sättigen und ihn mein Heil schauen lasseh." Noch viele Zitate werden in Sanhedrin, Seite 91r angeführt. So wird dort auch vom Weizenkorn gesprochen, das in ^die Erde versenkt wird und verwest und dann wieder in verschiedenen Hüllurigeir emporsproßt. Der Glaube an wsan mswn, den Fortbestand d e r Seele und die Wiederbelebung des Körpers,- soll, ja der Ansporn unseres Lebens und die Triebfeder' aller unserer Handlungen sein, da ihnen dann ein hohes, begehrenswertes Ziel gesteckt ist, das zu err-siciien der. Mensch anstrebt. Unser. AugehV merk ist bei dieser Voraussetzung auf die bessere- Zukunft, auf die »wi ko^* „die Welt der Wahrheit" gerichtet. Dieser Glaube gibt uns die Festigkeit, in schweren Zeiten und Tagen der Prüfung aufrecht; zü bleiben, denn es winkt uns ja die heitere, helle Welt der Vergeltung, in. der der gütige himmlische Väter uns liebevoll aufnimmt. ... . , . ' :;:>. > , .. Herrlicher, unvergleichlicher Lohn härtet dort unser, denn: f»»*» »jh „Ich gl aub e! "