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Der Israelit · 1935-03-07 · Heft 10 (7.3.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 10 (7.3.1935)
Date
1935-03-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 10 Der Israelit 7. März 1935 zipielle Angelegenheit eine einheitliche Regelung zu erfahren. In Frankfurt scheint der Ersatz der Reichsfarben durch die städtische Fahne der Polizei erwünscht zu sein. Wie es anderwärts damit steht, ist bisher nicht bekannt geworden. Ueber die psychologischen Wirkungen der ganzen. Verordnung auf die Juden selbst uns zu äußern, halten wir nicht für angebracht. Sie mag von dem Bestreben ausgehen, unerwünschte Volkskundgebungen zu verhindern, kann sie aber unbeabsichtigter Weise geradezu hervorrufen, wenn die arische Bevölkerung irgendwo in dem Nichtflaggen eine staatsfeindliche Demonstration erblickt. Sitzung der „Vertretung der unabhängigen Orthodoxie Deutschlands". Frankfurt a. M., 3. März. Am Sonntag und Montag fand hier eine Sitzung der „Vertretung der Unabhängigen Orthodoxie Deutschlands" statt, an der sämtliche Mitglieder, der Vorsitzende Rabbiner Dr. Münk, Berlin, sowie die Herren Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, Rabbiner Dr. Schlesinger, Halberstadt, Rabbiner H o - r o v i t z , Frankfurt, Rabbiner Dr. K o h n , Ansbach, Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, Dr. Isaak Breuer, Dr. S, E h r m a n n und Jacob Rosenheim, Frankfurt teilnahmen. Der Hauptteil der Verhandlungen galt der Prüfung der Lage, wie sie durch die immer stärker sich geltendmachenden Zentralisationsbestrebungen innerhalb der deutschen Judenheit sich herausgebildet hat. Die Zentralisationstendenz zwingt die Unabhängige Orthodoxie zwecks Wahrung ihrer religiösen Interessen zu erhöhter Wachsamkeit und läßt es insbesondere ratsam erscheinen, die ihr gesinnungsverwandten Körperschaften straffer als bisher in die „Vertretung der Unabhängigen Orthodoxie" einzugliedern, damit die Wahrung der Interessen einheitlich erfolgen kan.n Weitere Verhandlungen und Beschlüsse galten der Frage einer Zusammenarbeit mit der Gemeindeorthodoxie, sowie der Veranstaltung einer öffentlichen Tagung der orthodoxen Verbände Deutschlands in Berlin. „Tag der jüdischen Jugend" Deutschlands vorschoben. Berlin, 5. März. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände e. V. teilt mit, daß der für den 10. und 11. März einberufene „Tag der jüdischen Jugend" auf einen späteren 'Zeitpunkt verschoben wird. Aeußerungen über Juden. Leipzig, 4. März. Der Rciohsbankpräsident und kommissarische Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht sprach auf einer von cer Kommission für Wirtschaftspolitik der lvlSDAP. veranstalteten Messekundgebung in Leipzig über das Thema „Deutschland in. der Weltwirtschaft". Dabei berührte er auch die Judenfrage. Nach den Berichten verschiedener deutscher Tageszeitungen sagte er u. a. folgendes: „Wenn der Nationalsozialismus mit Recht das Sichbreitmachen fremdrassigen Wesens in Staat und .Kultur ausmerzt, so heißt das nicht unterschiedslos jeden Juden vernichten ... Aber Mißgriffe dieser Art sind vergängliches Beiwerk, das noch keiner Revolution gefehlt hat." Dieser Passus der „ Rede von Dr. Schacht ist in verschiedenen Zeitungen, u. a. auch im „Völkischen Beobachter" nicht enthalten. * ♦ * Berlin, 3. März. Die „Neustettiner Kreiszeitung" veröffentlicht unter der Ueberschrift „Bleibt lieber zu Haus!" einen Artikel, in dem es heißt: „Der Staat Adolf Hitlers ist ein Staat der Toleranz — der Duldsamkeit! Jeder soll leben! Wir haben auch, trotz der Greuelmeldungen des Auslandes, keinem Juden ein: Haar gekrümmt. Friedlich können sie weiter ihrer Beschäftigung nachgehen. Unseretwegen! . . . Sie sind für einen deutschen Menschen einfach nicht da! Wir sehen sie eben nicht. Aber eins paßt uns nicht: daß diese Gäste unseres Volkes so ganz sacht und unauffällig Boden zu gewinnen suchen . , . Aber auch in den Lokalen Neustettins tauchen sie schon wieder auf! Man hat sie bisher keinesfalls vermißt, und man hat durchaus keine Lust, in ihrer Gesellschaft seine Freizeit zu verbringen. Es ist eigentlich . eine Angelegenheit des Taktes, und dieser deutliche Wink hätte sich wirklich vermeiden lassen, wenn man sich nicht in bewährter Unverfrorenheit wieder breit zu machen versuchte. Also, in aller Deutlichkeit: Bleibt ^u Hause, es ist für beide Teile das Richtige, und laßt unsere Lokale uns!" (Erziehen wir unsre Jugend zum Ernst und zum Glück des Thoralernens,. dann wird es solcher Mahnungen nicht mehr bedürfen., Red.). * * '" '.• * In einem „Reinliche Scheidung" überschriebenen Artikel beschäftigt sich Prof. Adoli B a rtels, der bekannte nationalsozialistische Literarhistoriker, im „Völkischen Beobachter" über die Stellung der Juden in der "Literatur. Am Schluß seines Aufsatzes schreibt er: „Ich bin, ehrlich gestanden, nicht dafür, daß man den Juden ihre Staatsbürgerrechte wieder nimmt und sie neu in Ghettos sperrt — was auch wohl kaum durchführbar, wäre —-, aber für die Herstellung; der Judenkataster, d. h. der besonderen Verzeichnisse der jüdischen und jüdisch verheirateten Einwohner jeder Stadt bin ich freilich, da ja die Juden doch nun einmal nicht Deutsche werden können und ihre Mischung mit Deutschen, erschwert werden muß." Oeffentlichkeitsrecht der Chedarim in Polen endgültig anerkannt. Warschau, 1. März. Wio der ITA. von der Bildungs-Organisation „Horeb" bei der Agudas Jisroel mitgeteilt wird, sind die Verhandlungen, die der Abgeordnete Minzberg betreffend die öffentlich-rechtliche Anerkennung der Chedarim mit dem Kultusministerium geführt hat, erfolgreich zum Abschluß gekommen. Damit ist die Frage der Anerkennung des religiösen Schulwerks, die im letzten Jahr die religiöse Judenheit Polens dauernd in Span" nung gehalten hat, endgültig in positivem Sinne entschieden worden. Die Chedarim gelten von nun an als Schulen, durch deren Besuch die allgemeine Schulpflicht erfüllt wird. Ihre Zeugnisse sind denjenigen der öffentlichen Schulen gleichwertig. 'M Verschiebung des jüdischen Weltkongresses. Paris, 3. März. Wie aus vertrauenswürdiger Quelle mitger teilt -wird, hat das Exekutivkomitee" für den jüdischen Weltkongreß beschlossen, den Kongreß nicht, wie beabsichtigt, im Sommer 1935 abzuhalten und die Wahlen zum Kongreß auf das nächste Jahr zu verschieben. Es besteht die Möglichkeit, daß das französische Komitee für den Weltkongreß im Sommer ds. Js. einen französisch-jüdischen Kongreß einberufen wird. Dieser Plan stößt jedoch auf heftigen Widerspruch, in denjenigen Kreisen, die sich bemühen, in Frankreich eine Körperschaft nach der Art des British Board of Deputies ins Leben zu rufen. „Ausländer" in Palästina. Jerusalem, 1. März. In der „Official Gazette", „dem palästinensischen Amtsblatt, wird bekanntgegeben, daß jeder Einwohner Palästinas, der nicht im Besitz der palästinensischen Landesbürgerschaft ist, nunmehr als-Ausländer zu gelten habe. Gleichzeitig wird betont, daß die Rechtsprechung für alle Einwohner Palästinas einheitlich sei. In sämtlichen Kreisen der Bevölkerung wird lebhaft darüber diskutiert, was mit dieser neuen Bestimmung, die an die Stelle des Artikels 59 der palästinensischen Grundverordnung tritt, bezweckt werden soll. Fortsetzung des Berner Prozesses um die Protokolle der Weisen von Zion. B e r n , 28. Februar. Gerichtspräsident M e y e r hat in. dem. Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion" den 2 9. A p r i 1 als Termin zur Rechtsfortsetzung festgelegt. Die Verzögerung der Wiederaufnahme des Prozesses ist auf die gewaltige Anhäufung, von schriftlichem Material zurückzuführen, dessen genaue Prüfung noch geraume Zeit, in Anspruch nehmen muß. Jüdische als Vorbild für christliche Religiosität. v Rom, 3. März. Im „Osservatore Romano", dem offiziellen Organ .des .Vatikans, .wird ein Artikel, des palästinensischen Korrespondenten dieses Blattes veröffentlicht, der sich besonders eingehend mit der unter den Auspizien des Oberrabbinats von Palästina durchgeführten Kampagne für strengere Beobachtung der Sabbatruhe befaßt. Tel Awiw, heißt es in dem Artikel, die Metropole des Zionismus, die Stadt, die einzig in der Welt dasteht, weil sie sich einer hun4ertprozentig jüdischen Bevölkerung rühmen kann, ist in der Kampagne für Einhaltung der Sabbatruhe beispielgebend mit einer imposanten Massenkundgebung im Volkshause vorangegangen, an der viele Tausende Menschen teilgenommen haben. Das Hauptorgan der katholischen Kirche kommt zu dem Schluß, daß j,.der neue Kreuzzug der Juden für Einhältung der Sabbatruhe den Katholiken als Beispiel dienen sollte, die sich *n der Heiligung des Sonntags keineswegs hervortun, sogar in Palästina nicht. Man sollte nicht vergessen, daß es, sogar auf religiösem Gebiet, stets ratsam ist, von denjenigen zu lernen, die sich zu einem anderen Glauben bekennen." Der Artikel schließt mit der Mahnung: ,,Fas est ei ab hoste doceri". Der Gesamtauflage dieser Nummer liegt eine reichillustrierte Sonderausgabe der Keren Hajischuw- Blätter bei.

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