Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a« M» 7. März 1935 2, AdarIL 5695 Nummer 10 Die Unruhen in Griechenland. Athen, 4. März. Der Dampfer der Palestine Shipping Company „Tel Awiw"; der zum ersten Mal . unter blau-weißer Flagge die Strecke Haifa—Triest befählt, ist im Hafen von Piräus durch den Ausbruch der Revolte "m Griechenland überrascht worden. In der Weiterfahrt des Dampfers ist hierdurch eine Verzögerung eingetreten. In don jüdischen Kreisen von Athen ist man besorgt über das Schicksal der Juden in Nord-Mazedonien, wo die Rebellen verzweifelt um die Erhaltung ihrer Positionen kämpfen. Bekanntlich ist die antisemitische Strömung bei einem Teil der revolutionären Venizelisten, besonders Mazedoniens und Thraziens, sehr stark. Saloniki liegt" zwar außerhalb der Kampfzone, doch besteht die Möglichkeit, daß die; Venizelisten auch dort Angriffe gegen Juden verüben werden. Die strenge Handhabung der Zensur erschwert die prompte Berichterstattung über die Lage der Juden in Nord-Griechenland. S a 1 on i k i, 5. März. Der Vertreter der ITA. ist in der Lage, festzustellen, daß die jüdische Bevölkerung durch die Revolte ino Griechenland in keiner Weise betroffen ist. Ihre Lage ist durchaus ruhig und gesichert. Der Flaggen - Erlaß. _ Berlin, 3. März.: Wie das Geheime Staatspolizeiamt der;J ü d i seh e n T e1e g r a p h e n-A ge ntut mitteilt, ist die Nachricht, demzufolge die Erlasse "verschiedener lokaler Polizeistellen, nach 'denen die Beflaggungdurch Juden in den .Reichsfarben. als unerwünscht bezeichnet wurdej. aufgehoben worden sein sollen, unz uir ef f en d. Die .Erlasse sind auch weiterhin in. Kraft, Diese ganze; Flaggen-Verordnungs-Angelegenheit bedarf dringend einer Klärung nach der rein juristischen Seite. Jn Frankfurt wurde die Verordnung, wje vorige Woche gemeldet, in folgendem-Wortlaut-bekanntgegeben:; i,Es ist unerwünscht, daß Juden sowie jüdische..Organisationen und^Körperschaften ihre Privat?- und-vGieschäftshäuser, Wohnungen und GejchäftslqkcdeHr^^^ kreuzt "oder SchWarz-Weiß-Rpte-Fahne) beflaggen; ^Befläggung^^^in-den Frankfurter Farben (rot-weiß) isjt anheim gegeben." Hiernach scheint es, daß die Verordnung keinen Bezug hat auf die öffentlichen Körperschaften der jüdischen Religionsgemeinschaft, also nicht auf Synagogen, Schulgebäude oder sonstige öffentlichen Zwecken dienende Baulichkeiten der jüdischen Gemeinden. Die Gemeinden, und Schulen sind durch Verordnungen ihrer vorgesetzten Dienstbehörden, der Regierungen und Provinzialschulkollegien, angewiesen! in den Reichsfarben zu flaggen und können davon wohl kaum durch eine örtliche Polizeiverordnung dispensiert werden, zumal wenn diese die Beflaggung lediglich als ^unerwünscht", nicht aber als verböten bezeichnet und überhaupt nur von Privathäuser n und G e s c h ä f t s 1 o k a 1 it ä t e n spricht. Ferner kann es gerade heute wohl kaum dabei bleiben, daß die ganze Frage auf die Dauer dem Ermessen der örtlichen Polizeibehörden anheimgestellt bleibt, statt wie jede andere prin- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Sitzung der Vertretung der unabhängigen Orthodoxie Deutschlands .... Seite 2 Aeußerungen über Juden Seite 2 Oeffentlichkeitsrecht der Chedarim in Polen Seite 2 Hebräische Unterschrift . . . . . . Seite 4 „Ich glaube". Aus Maimanides Grundlehren - Seite 4 Maimonidesieier mit Stierkämpfen . . Seite 5 Der ganze Sabbat soll es sein. Von A. Mannheimer . . . .... Seite 5 Das Kinderdori „Ben Schemen" . Seite 6 Rechtslage der Juden in Oesterreich . Seite 7 Palästinaberichte . . .". . Seite 7, 9 u. 10 Spanienreisen zur Maimonidesieier Seite 9 ü. 10 Kinderecke . . ... . . ... . . Seite 12 Neue wirtschaftliche Lebensformen Vor kurzem hat Dr. Singalowski, einer der Direktoren der ORT-Gesellschaft, in einem von ihm gegebenen- Interview ein zugespitztes, vielleicht absichtlich etwas übertriebenes Wort gesprochen, das aber die Beachtung aller ernsthaften jüdischen Politiker beansprucht. Er meinte: für 3000 Juden sei es unmöglich, einen Platz zubinden, wohl aber für eine Million. Scheint diese Behauptung auf den ersten Augenblick der, in Erez Jisroel hundertfach wiederholten Erfahrung zu widersprechen, daß jede einzelne Familie, die man kolonisieren will, Lst. fOÖO.— und mehr kostet und daß in jedem Lande, sobaldes gilt, große Projekte -aus der Theorie in 1We Praxis umzusetzen, neue Erfahrungen gemacht und neue Fehlschläge mit in den Kauf genommen werden müssen, so ist es doch ein anderer Gesichtspunkt, der jenem Worte einen Wahrheitswert verleiht. . 'Bisher sind alle Unternehmen, die sich mit der Ansiedlung jüdischer Gruppen befaßten, die in?- den Ländern ihres Wohnsitzes entwurzelt wären und' sich zur- Auswanderung gezwungen s'aben, aus' privaten Hilfsquellen mit mehr: oder minder philantropischen -Mitteln finanziert wor-- den. Das bedeutet -jedesmal einen - mühseligen, niit' :ünendlichen Schwierigkeiten und Hemmnis- /sen^lSepflasjkerien^^egv^wie^insbesonHere. die allr n^pfich schon tragisch7 anmutenden Hilferufe beweisen, die der Hochkommissar des Völkerbundes für; Auswanderung, Mr. Macdonald, von Zeit zu Zeit ausstößt. Dieser Hochkommissar des Völkerbundes hat zwar von diesem einen kleinen Vorschuß bekommen und sich einen stattlichen Büroapparat eingerichtet, aber die Mittel, die er für seine praktische Arbeit braucht, werden von privaten Hilfsgesellschaften geliefert und verharren im Vergleich mit dem wirklichen Bedarf in der .Sphäre' des Kleinlichen. Es gehört großer Optimismus dazu, daran zu glauben, daß. es dem Hochkommissar Macdonald oder gar: irgendwelchen Einwirkungen der jüdischen öffentlichen Meinung gelingen könnte, den Völkerbund etwa heute dazu zu bringen, daß er eine Anleihe zu Gunsten der Siedlung jüdischer Emigranten aus Polen und Deutschland öder aus anderen Ländern aufnimmt, oder sieh auch nur. in dem Maße in den Mittelpunkt der jüdischen Emigrations- und Siedlungsarbeit stellt, wie es einmalig im Falle der umgesiedelten kleinasiatischen Griechen in den letzten Jahren der Fallivar. - : Nur dann, wenn das jüdische Wanderungsproblem mit den allgemeinen Wanderungsproblemen verknüpft wird, die sich . aus1 xler Ueberbevölkerüng Europas gegenüber;' den weiten Strecken leere? .anbaufähiger Gebiete in Afrika, Amerika und ^üstr^lieh' ^ergejfren;1 läßt sich hoffen, -daß- 'eines'; Tage's1' im "Ra hme n ein e s w e -i t a u s s c h a ü e n d e n , al 1 g e - m e i n e:n- -'P 1 aff fe sorganisierter Umsiedlung unter solidarischem Zusammenwirken aller Na^- ' ' ' " " ' ' / (Fortsetzung siehe Seite 3L)