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Der Israelit · 1935-02-28 · Heft 9 (28.2.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 9 (28.2.1935)
Date
1935-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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28. Februar 1935 Der Israelit Nr. 9 Seite 7 - Polen. .. •.»': . - ,,■ ■ ..- Volksgemeinde oder Religiorisgemeinde, . K a t o w ice,'17.;'Febr. Der seit längerer Zeit in Pblnisch-Schlesien tor b ende Kampf um den Entwurf eines neuen Gemeindestatuts, (, das schon rein äuße'rlich an die Stelle der bisherigen „Religionsgemeinde" die Bezeichnung, „jüdische Gemeinde" setzen und demgemäß auch das soast in ganz Polen nicht existierende aktive Fraueffwählrfccht einführen wollte," istnun infolge des •-kräfr tigen Eingreifens der Agudas ' Jisroel günstig entschier den worden.. Die Proteste der Agüdo haben in War-*; schau einen starken Widerhall gefunden und es ist dein AgudorAbgeordneten Minzberg ■ durch Intervention beim" Kultus- und Unterrichtsministeriumgelungen, dieneuen'Statuten zu-Fall zu bringen." Die religiös eingestellten Kreise begrüßen diese Wendung der Dinge mit großer Zufriedenheit. Tschechoslovakei. Der „Radomysler Rebbe." gestorben. '■ ''.-?.. Prag, 24. Febr.:,;: : Der: frühere Rabbiner und Rebbe von Radomysl in Polen, Schmuel E n g e 1, ist in Kosice (Kaschau- Slbwakei) im Alter von über 80 Jähren gestorben. In der Chassidim-Welt1 erfreute sich Rabbi Engel als wahrer Gaon hohen-Ansehens. Die Zahl seiner persönlichen Anhänger war außerordentlich groß. Obwohl er seit 60 Jahren leidend war, leistete er. ständig eine ungeheure Arbeit. Wöchentlich versandte er/, eiwa täusend Briefe, in denen er "die aus allen .Tel-" len der Welt bei ihm einlaufenden Fragen beantwor^ tete; Die Beisetzung fand wenige Stunden nach sei-' nem Tode unter außerordentlich starker Beteiligung statt. Dem Wünsche des Verstorbenen gemäß wurden ■ *lV keine Trauerreden gehalten. - " -Traxan "äri . England. - Ansiedlung von Staatenlosen durch das Nansen-Amt?' London, 24. Febr. \ Im Unterhaus fragte der Abgeordnete Rhys- Davis. den Außenminister, ob die Regierung entsprechend einem Vorschlag des Völkerbundes dem Internationalen Nansen-Amt Kredite zur Ansiedlung von Flüchtlingen' zur Verfügung stellen werde. Außenminister Simon antwortete, er kenne die Resolution des Völkerbundes vom 15. Dezember betreffend' den Bericht des Nansen-Amtes, eine Mitteilung des Generalsekretärs des Völkerbundes über den erwähnten Gegenstand habe er jedoch noch nicht. erhalten. Sobald dies geschehen werde, würde die Regierung ihre Antwort sorgfältigst vorbereiten. Joint Foreign Committee über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich, Rumänien und Irak. London, 24. Febr. In der letzten Sitzung des Board of Deputies of British Jews legte das Joint Foreign Committee einen Bericht über eine Reihe von Ländern vor, in denen , die Rechtsstellung der jüdischen Bevölkerung gefährrls« det' ist. In dem Bericht wird insbesondere' die Laislfjjj in Oesterreich, Rumänien und im Irak behand^liiii Hierzuwird ausgeführt: '' " :' '' ' . jvt; Trotz weiterer offizieller Erklärungen,' in denen in '; letzte*' Zeit versichert1 wurde, daß ' .die' 'Gl.elchsteUunjj!; der jüdischen und der übrigen Minderheiten in Oester-jjj reich in jeder Hinsicht gewahrt werde, ist in 'diesem Lande die Lage insbesondere, der jüdischen Angehörigen freier Berufe weiterhin prekär geblieben. Ihre Befürchtungen wurden vermehrt durch den Entwurf für ein Gesetz zur Sozialreform, in dem, wie es heißt, f die Lösung aller Verträge 'der Krankenkassenärzte und die Wiederanstellung von Kassenärzten nur nach-; sorgsamer Siebung vorgesehen ist. , ■•. In Rumänien hat die neue Regierungsverordnung über'den Schutz der nationalen Arbeit, die, wie mitgeteilt wird, die Anstellung von mindestens 80 Proz. Personen „rumänischer Herkunft" vorsieht, Beunruhigung unter der jüdischen Bevölkerung' hervorgerufen.;' Die WocEe. Berlin, In Berlin Ist "eine;" n a-t'i o n?a*l s d zi a li-s t i s c h e ' Bs p e r a nt.Q.-.V ere i n i g.u n g begründet worden. Wie bekannt, war der Erfinder der Esperanto- Sprache Dr. Ludwig Zamenhof, der' i."J.: 1917 in Warschau verstorben ist, Ju'-d-e. —^ Der . R"ei"cfh s b ü rid jüdischer. Frontsoldaten teilt mit, daß er an,der im Mai. 1935r,. -in .Paris stattfindenden, ersten Weltkonfe-" rehz jüdischer Kriegsteilhehmerverbände sich nicht beteiligen werde und daß er der Veranstaltung vollkommen fernstehe. Zürich. Die Angelegenheit des im Dezember v, Js. auf die Synagoge in der Freigutstraße in Zürich verübten Petardenänschlages kam vor dem' Züricher Bezirksgericht neuerdings ~ " zur Verhandlung. Alle vier Angeklagten, ehemalige. Mitglieder der „Nationalen Front"; . „wurden zu. Ge.f an g.n i s s t r.a.f e n bis zu . 14 Tagen. verurteilt. Danzig. Ein dreizehnjähriger jüdischer Geiger namens" Ossy R e - ' n a rdy aus Wien, erregte hier hn Kulturbund . der Juden großes Aufsehen.. Haifa. Die feier? liehe Einweihung des Dampfers .„Tel Awiw': der „Palestine Shipping Co.", der nun den regelmäßigen Dienst Haifa—Triest versehen wird, fand bei Anwesenheit der Regierungsvertreter statt. Der Distriktskommissar Major Keith Roach hielt eine Begrüßungsrede. — Der Dämpfer „Tel Awiw" mit 128 jüdischen Pälästinafahrern an Bord ist 'in Haifa eingetroffen. In Genua hatte der Dampfer, der früher „Holstein" hieß, die blauweiße Flagge gehißt' und den Namen „Tel Awiw" erhalten. — Im Haifaer Hafen fand die Weihe des Dampfers „Mount Zion" des Palestine Maritime Llyod, der den regelmäßigen Dienst zwischen Constanza in Rumänien und Haifa unter der Palästina- Flagge/Besorgen wird, statt; Die Tonnage des „Mount Zion" beträgt 5300 Tonnen, flie Mannschaft besteht aus 41 Personen, davon 21 Juden. Kapitän ist der jüdische Seefahrer Erich Hirschfeld. — Die; B a hin - 1 i n i e in Haifa wird bis zum Hafen verlängert. Hier entsteht auch ein neuer Bahnhof und ein Postamt. Jerusalem. Es werden zfrr Zeit im ganzen Lande Massenversammlungen zur Propagierung des Sabbatschutz.es abgehalten Auch die Zeitungen bringen dfem Sabbatschutz gewidmete Artikelserien. :— Im Gefänignis von Jerusalem haben wiederum zehn Juden, die wegen „illegaler EW •'' Wanderung" verhaftet sind, einen 24stündigen Hungerstreik durchgeführt. Sie brachen den Streik ab, nachdem man ihnen versprochen hatte, sie gegen eine Kaution von je 25 Pfund freizulassen. Die Freilassung ist aber bis jetzt nicht erfolgt. — Die Stadtverwaltung von Tel Awiw hat den Oberrabbi-' ner von Palästina, Abraham lsaac Kuk, zum Ehrenbürger ernannt. Bei der Abstimmung über den Antrag enthielten sich die Vertreter der Arbeiterpartei der Stimme. — Sachverständige aus London, die soeben die Jerusalemer^. W a s s e r 1 e i t u n g technisch untersucht haben, stellten fest, daß 70 Proz. der Wasserrohre den Wasserdruck nicht aushalten und ausgewechselt werden müßten. Der High Commissioner, Sir Arthur. Wauchope, konferierte mit dem Wasserleitungskonstrukteur Chefingenieur Pearlstone und mit dem Chef des geologischen Departements Mr. Blake über Umfang und Termin. (.; der technischen, Erneuerungsarbeiten an der /."Jerusaiemer Wasserleitung. — Mit dem Bäti ' der ne.ueh großen Glashütte auf dem . dem Natiönalfonds gehörenden Gebiet bei. ' Häifä wurde bereits begonnen. Die Fabrik , liegt neben der großen Eisengießerei und'; Wird den Namen Phöhizische Fensterglai?- Fabrik-.führen. — Die arabische Auss'te'l-1'1 ' lungsgesellschaft, die in den letzten Jahren in Jerusalem Ausstellungen veranstaltet hat, die als Konkurrenz für die Tel Awiwer Levante-Messe gedacht waren, jedoch nie über den Rahmen eines bescheidenen Landes-Bazars hinausgingen, hat; ihr e A Uf 1 Ö S ütig; b e s chi o s s en, Die Auflösungsversammlung wird in den nächsten Tagen, stattfinden. — High Commissio- . ner Sir Arthur W a u c h o p e hat den Stadtrat von Jerusalem aufgefordert, die auf die Tagesordnung gesetzte Erörterung über> eine städtische Regelung der ...Ge'-; schäftssperre "an Sabbattag eh zu, verschieben. j{».!" '• -: i! Die Union rumänischer Juden hat an die Bevölkerungdie Aufforderung gerichtet, ihr alle Fälle zu melden, in "denen jüdische Unternehmer' oder An£e~ i ........+ . i? stellte, durch, die Verordnung betroffen wurden, um entsprechende Schritte zur Wahrung der Interessen •der betreffenden Personen .unternehmen ■ zu können. In letzter Zeit eingelaufene Berichte über die Ausbreitung einer .antijüdischen Stimmung im Irak wurden durch den Außenminister in seiner; Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Josiah Wedgewood im; Unterhaus bestätigte Den erhaltenen Informationen zufolge gingen die Angriffe gegen >die Juden yon der panarabisehen Bewegung und den sie unterstützenden Zeitungen aus,' die sich-heftig..gegen die Verstärkung der zionistischen Bewegung im Irak wenden. Die Beziehungen zwischen der Judenheit des Irak und' der Regierung'sind jedoch freundschaftlich genug, um zu der 'Hoffnung-zu berechtigen, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten bald überwunden sein werden. . .. Italien; Der Oberrabbiner von Italien, Professor Dr. Angelo Sacerdoti, gestorben. .Rom, 19. Febr. Der O.be.rrabbiner v.on Rom und Vorsitzende des Rabbinats des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, Prof. Dr. Angelo Sacerdoti, ist in Mailand einem Herzschlag erlegen. Oberrabbiner Dr. Sacerdoti. hat auch im politischen Leben der italienischen Juden eine hervorragende Rolle gespielt. Er gehörte dem engeren Kreis um Ministerpräsident Mussolini an und war i. J. 1930 einer der drei jüdischen Vertreter in der von Mussolini mit dem Entwurf* des neuen jüdischen Gemeindegesetzes betrauten Spezialkommission, Besonders groß war sein Einfluß auf die sephardischen Gemeinden der Mittelmeerländer. Mit einem glühenden italienischen Patriotismus verband er ein aufrechtes jüdidisches Bewußtsein und betätigte sich führend an der Lösung gesamtjüdischer Aufgaben. Die Beisetzung erfolgte'. unter starker Teilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung auf dem Jüdischen Friedhof von Rom. In der Trauergemeinde sah man zahlreiche hohe Offiziere der Armee und der faschistischen Miliz. Das Militärkommando war durch d.en Gouverneur der Stadt und Provinz Rom vertreten. Vor der Synagoge hielten der Vorsitzende des „Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens", Advokat S e r e n i, und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Rom, Ing. Recanati, Trauerreden. Am offenen Grabe sprachen der 83jährige Rabbiner von Mailand da F a n o , ein persönlicher Freund des Papstes seit der Zeit, da er Direktor der ambrosianischen Bibliothek in Mailand war, und der Leiter des Jüdischen Theologischen Seminars Prof. C a s s u t o. Der König und die Regierung hatten an die Hinterbliebenen und ah den jüdischen Gemeindeverband Kondolenzschreiben gerichtet. Rumänien. Agudas Jisroel in Beßarabien. i Czernowitz., 18. Febr. Es liegt5 fast eine Tragik darin, daß Beßarabien, das eine Reihe illustrer religiöser Führer aufzuweisen hat, die, wie Oberrabbiner Zirelsohn,' in der Welti agudä eine große Rolle' spielen, in der lokalen aktiven Arbeit weit zurückgeblieben ist. Das gesellschaftliche und Gemeindeleben in den Städten und Gemeinden steht mehr oder weniger unter der Führung Und dem Einfluß liberaler und nationaler Elemente, von den sozialen und kulturellen Instituten schon gar nicht zu reden. Unabweislich und unaufschiebbar notwendig ist es, daß unsere religiösen Führer auch den lokalen Angelegenheiten in der Gemeinde mehr Aufmerksamkeit widmen und' die Basis für ihre Tätigkeit in der Weltorganisation sich in ihren eigenen Gemeinden schaffen. Es ist noch viel auf dem Gebete zu erkämpfend Aus dem Grunde sieht man der nächsten Allrumänischen Agudakonferenz mit" größtem Interesse entgegen; Es hat in den nmtü«»tj;u.vii.fcii']M

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