Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1935)
- Date
- 1935-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450867--81093-2538946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2S. teDrti&r.A93ß 1 3 r » e 1 1 t Nr. 9 Seite o Die Thora wa'Awodah-Bewegung. Würdigung und Kritik. Xm^Abr*ham^oU in .Berlin. (Schluß.) Dieses Blut kann nur ererbt werden; oder — ohne Bild — das. nationale Leben der Thora bedärfv;der Tradition;, Diese Tradition:,- die«?nicht erlernt, sondern nur erlebt werden kann, fehlt dem Brith Chaluzim Dathiim, Sie kann fiur in A ü k n ü p f u ng a n d i e de u t s che O r t h od o x i e gewohnen werden, solange die Zeitkultur bejaht werden soll. An dem Mosaik ihres jüdischen Lebens haben Thoragroße Jahrzehnte hindurch mit tiefer halachischer und agadischer Verr antwortung gestaltet. Da gibt es nur eine Wahl: Man unterordnet sich ganz und gar dem Geist der Jeschiwah, wird dann aber kein Ckalttz—- oder man knüpft an das an, was Hirsch und die Thoragroßen seiner und der nachfolgenden Generation .geschaffen haben. Jeder andre W e gx i s t t r a d i t i o n s 1 o s. Der Jung-Misrachi will eine neuartige Thorakultur aufbauen. Das Neue daran ist eine weit realistischere Orientierung als die der bestehenden jüdisch-kulturellen Kreise. Wir halten diesen Weg, wie ausgeführt, methodisch nicht für möglich. Dies zeigt sich vor allem stets dann, wenn versucht wird, die eigene Judentumsdeutung quellenmäßig zu belegen. Hier wird mit gänzlich unzureichenden Mitteln eine Art von neuem Drusch versucht, der gerade in diesem modern orientierten Kreis nicht berechtigt ist. Dieser Kreis wird im Tenach-Studium dein Pschat 'das Primat geben. Mit weichem Recht taucht bei der Deutung der halachischen Frage, ob Gebote, ohne Bewußtsein ausgeführt, als ausgeführt gelten können — die übrigens gar nicht, wie dort zitiert, von Beth S'chammai und Beth Hillel behandelt wird -— ein recht merkwürdiger Drusch auf? Wer eine weltanschauliche Neuorientierung erstrebt, kann sich nicht mit einem liebenswürdigen Drusch begnügen, der braucht Beweise. Hier genügt kein Ornament, man braucht erst Fundament. Eine Assmachta ist ."keine Quelle; diese aber ist hier notwendig. Gerade wenn man die eigene Assimilation überwinden will, muß man die jüdische Berechtigung der eigenen Anschauung nach klarer, durchsichtiger Methode, wie Hirsch forderte, belegen. Daß dieser Versuch nicht unternommen wird, erscheint uns als grundsätzlicher Fehler. Hier schließt sich der Kreis. Von dem „Thora im Derech Erez" mißdeutenden Teil der deutschen Orthodoxie herkommend, fühlt man sich zur: "Kritik gezwungen und zum Neubau; Weil ».man»ttaber^an-.vdie* zentralen .^Kräfte ..der Thora-' treuen Deutschlands nicht antupfen kann, da" man sie nicht kennt, fehlt, die Tradition, an die der, Neubau anknüpfen könnte. Üm so bedeutsamer,ist,4ie Er.age*nach der^-Mithpde, die bisher nicht gestellt wurde, sei es, weil der. Neubau nicht die Ruhe dazu ließ, sei es; weil man das Recht zur seelischen- Assimilation so weit gelten läßt, daß zum Nachweis .der jüdischen Berechtigung der eigenen Anschauung die allgemeine Thorakenntnis in Verbindung mit „Assmachhot" als ausreichend betrachtet wird. Die Tradition der deutschen Orthodoxie jedoch stellt 'die Frage der Methode. Es bleibt noch, den eigentlichen ideellen Unterschied zwischen Th ora im Derech Erez und Thora w a * A w o d a h zu berühren. Dieses Unternehmen ist deshalb schwierig, weil ein System von Thora wa'awodah in keinem Sinn vorliegt. Es ist daher immer subjektiv, wie die hinter dem Ausgesprochenen ruhende Haltung formuliert wird. Eine systematische Durchfor-': mung des Gedankens wurde in dem letzten Jahr auch weniger erstrebt, und es bestehen hierin auch anscheinend gerade zwischen Rudi Herz und A. Königshöfer gewisse Gegensätze. Eine gemeinsame Grundeinstellung haben wir jedoch schon mehrfach berührt; den Realismus. Soweit hierunter praktisch die Orientierung an den großen 1,-ebensnotwendagkeiten verstanden iis^,, wird dieser Gedanke sich auch in der Aguda mehr und mehr durchsetzen. Daß er aber auf die geistige Einstellung zur Thora übergreift, daß er mit als Wert in den Wertkomplex der Thora eingeht, scheint uns bei der chaluzischen Jugend der Aguda nicht bevorzustehen und scheint uns grundsätzlich falsch. Wenn es eine nationale Form der Thora gibt, eine Atmosphäre, die sich um ihre Erfüllung gebildet hat und die Jahrtausende hindurch wesentliche Charakterzüge als gleichbleibend aufweist, so steht das zu einem Realismus im Gegensatz, der die zeitgewofdenen Momente gar zu sehr ins Bewußtsein hebt. Es ist bezeichnend, daß Breuer, der Verkünder der Verwirklichungsidee im agudistischen Lager, seine Erez Jisroel-Forderung vom Messiandsmus her begründet. Im Messianismus kann die Realität in eine eigenwillige geistige Atmosphäre gehoben werden, die alleine der Idee der Thora adäquat ist. Wer aber Erez Jisroel aus der Verwirklichungsidee als Galuthstation fordert, der koppelt zwei geistige Kreise aneinander, die sich eben nur bei ausgesprochener: Sklavenstelloing 'eines der Elemente vereinen- 'lassen. Ein stark betonter Realismus beeinflußt die gesamte Wert*; betrachtung. Hierdurch wird die Wertetafel von den relativen Elementen der Realität abhängig: iun:db>uJibestäflid^g^ Tis schwindet die seelische Einheit zwischen-der langen Kette der Thoratradenten, es schwindet die echte, unkodifizierbare Tradition. Darin scheint mir der gedankliche 'FeKlgiriff' des B: Gh. D. zu liegen. Methodisch und' sachlich' schien uns der geistige Weg des Jung-Misrachi verfehlt; Beispielhaft ist andererseits die Einsatzbereitschaft und der praktische Ernst im Ringen um die Thora. Wenn es gelingen könnte, daß diese von.ethischer Wahrheit und Konsequenz bedingte:Erfahrung -der Misrächi-Jugend die Arbeit der hier nicht beschriebenen Aguda-Jugend, und andrerseits die durch Tradition und methodischen Ernst besser fundierte geistige Arbeit der A.guda-Jugend die;. Bemühungen des Jung-Misrachi befruchten würde, dann wäre eine gegenseitige Annäherung der thöratreuen Jugend angebahnt. Korrespondenzen* i -. Deutsches Reich. Vorschläge zur „Reinerhaltung des deutschen Blutes". Berlin, 24. Febr. Im Organ des Nationalsozialistischen Juristenbundes „Deutsches Recht" veröffentlicht Dr. Fritz H artmann Vorschläge zu einem „Gesetz zur Reinerhaltung des deutschen Blutes" und stellt u. a. folgende Forderungen auf: Verbot der Eheschließung zwischen deutschen Staatsangehörigen* arischer Abstammung und deutschen Staatsangehörigen oder Ausländern nichtarischer Abstammung. Für die Feststellung der arischen Abstammung gelten allein die Vorschriften des Reichserbhofgesetzes, die den Nachweis der arischen Abstammung seit 1800 — d. h. vor Beginn der „Judenemanzipation" — fordern, zweckentsprechend. Das biologisch begründete Eheverbot müsse eine kulturpolitisch begründete Ergänzung dahin erfahren, <laß auch die Eheschließung zwi- Eine jüdische Chronologie. Zur Jahrzeit van Ahron Marcus am 6. März. •Tis vth pxn '2 Es ist bald 19 Jahre her, daß Ahron Marcus, der große jüdische Gelehrte und Weltwissenschaftler, der Verfasser des „Barsilai" und des „Chassidismus" u. v. a. das Auge geschlossen hat, und immer noch sind nicht alle Schätze aus seinem Nachlaß für die jüdische Wissenschaft gehoben. Der Pietät der Kinder des Gelehrten ist es zu verdanken, daß jetzt wiederum ein Standardwerk von Ahron Marcus in Lieferungen von je sieben Bogen (112 Seiten) sein Erscheinen begonnen hat. Es ist eine komplette Jüdische Chronologie, wie wir sie bis jetzt bei allem Reichtum unserer alten und neuen Literatur nicht aufzuweisen hatten. Das erste Heft zeigt Uns schon die gewaltige historische Perspektive, unter der der Verfasser das geschichtliche Geschehen seit Erschaffung der Welt bis zur neueren Zeit sieht. Wir haben in diesem ersten Hefte eine Tafel der ersten Epoche von Adam bis zur Sintflut mit allen nötigen Erklärungen und Erläuterungen vor uns, der sich die zweite bis. Jakobs Einzug in Aegypten anschließt. Die dritte Epoche geht bis zur Zerstörung des ersten Tempels. Es folgt ein Kapitel über die Richterzeit, die K ö - n i g s e p o c h e bis zur Spaltung des Reiches Und Weiter eine gründliche geschichtliche Erfassung aller Spannungen und Erschütterungen im Judäa der letzten Könige aus dem Hause Davids. Was hier für eine Literatur aus dem Weltschrifttum aufgeboten, was hier ein wissenschaftlicher Apparat zur Beweisführung und Begründung der Thesen in Bewegung gesetzt wird, ist geradezu erstaunlich, und wieder nicht erstaunlich für den, der die Art von Ahron Marcus, Weltwahrheiten auf den Grund zu gehen, kennt. Das Werk ist bei alldem so geschrieben, daß es nicht als Quellenbuch für den Wissenschaftler, sondern auch als Lektüre für den geistig und jüdisch interessierten Laien dienen kann. Schon dieses 112 Seiten starke erste Heft ist eine Quelle der Belehrung für sich, und Freunde des Gelehrten werden nicht versäumen, das Gedenken an Ahron Marcus durch Anschaffung und Studium Ndes Werkes zu ehren. Es ist zu beziehen im Verlage von Jakob M. Marcus, Frankfurt a, M-, Ostendstraße 9. Kleines Feuilleton, Wovon leben die Juden in Lettland? Die von der lettländischen Gesellschaft zur Förderung von Handwerk, Industrie und Landwirtschaft unter den Juden „ORT" durchgeführte Enquete über die Beschätfigung der Juden in Lettland hat u. a. ergeben: "< In der Landwirtschaft sind die Juden mit 0,09 ProZ, Vertreten; 881 jüdische Familien leben von Landarbeit, 359 von ihnen sind in Ackerbau und Viehzucht, der Rest in randstädtischen Gärtnereien beschäftigt. X In der Industrie und im Handwerk sind 26.105 Juden (27 Proz.) beschäftigt, davon sind 3406 Schneider, 1919 Galanteriewaren-Erzeuger, 463 Kürschner, der Rest Angehörige anderer Handwerkszweige. Im Bauwesen sind 608 Juden beschäftigt, davon sind 237 Tischler und Maurer, 145 Glasarbeiter, 106 Elektriker, Im Transportwesen in Lettland sind 2689 Juden beschäftigt. Die Hauptbeschäftigung der jüdischen Bevölkerung von Lettland ist der Handel; man zählt 46.070 jüdische Geschäftsinhaber und Angestellte. In den freien Berufen nehmen die Juden mit 13,11 Proz. den dritten Platz ein; es ernähren sich in diesen Berufen 8719 Juden. In Lettland leben 96.000 Juden und bilden 5 Proz. der Bevölkerung. Vom 2. Wochenkalender. 9. März 1935 / Vom 27. Adar I bis 4. Adarll 5695 \ Samstag Sonntag 2 3 27 '8 vyr> Jp sap tan P Kj? ü-'bpv rrens bnp^ vnhn |'313ö Mauled: Dienstag früh 5 Uhr 48'/0 Minuten Montag 4 29 \ap 1103 DV Dienstag 5 a 30 . 3P erm ew-a'k Mittwoch 6 r 1 V vth E>K*n 'a Donnerstag Marz 7 tt & 1 m Freitag 8 *- 3 i? Samstag 9 4 Tp mps