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Der Israelit · 1935-02-28 · Heft 9 (28.2.1935) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 9 (28.2.1935)
Date
1935-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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28. Februar 1935 D a e 1 i t Nr. 9 Seite 3 (Fortsetzung voii Seite 1.) schehen der Gegenwart auch das Wort ergreifen zu dürfen. Denn wenn heute ein „Europäer", besonders einer, der noch nicht das Glück hatte, drüben gewesen zvl sein, zu den Dingen des Heiligen Lan des-das Wort ergreift, dann wird ihm von. drüben das Recht abgesprochen,, mit- und dreiaizu reden! Besonders von denen,, deren Liebe zum Lande und deren Weilen im Lande jungen Datums ist und die damals uns als schwärmende „Misrachiagudisten" abtun wollten. Wir haben das Recht, von und über das Heilige Land' zu sprechen, wir nehmen es> uns, gerade, weil wir heute nicht mehr auf dem Standpunkte von einst stehen, daß Erez Jisroel die einzige Aufgabe von Agudas Jisroel ist. Wir wissen, daß Agudas .Jisroel neben Erez Jisroel gleichrangige Aufgaben hat — aber gerade, weil wir es wissen und nie. müde werden, dies zu betonen, daru m ruft uns die. Adar-Aktion auf den Plan zur Werbung für unsere Jugendliebe: das H ei 1 i g e L an d!! Das Heilig e L a n d! „Da wir noch Kinder waren", da wir den Traum der Jugend träum ten, war unsere Vorstellung erfüllt von heiligen Sehnsüchten! Wir sahen die geweihten Stätten der Bibel, sahen den „alten Jischuw" in der Verklärung, in die ihn unsere Liebe zu Rabbi Sonnenfeld gehüllt hatte. Wir sahen die Vergangen heit. daliegen in all ihrer Heiligkeit, sahen auch die-Zukunft, und auch ihr Gesicht trug die Züge des Ueberirdischen —- eine Gegenwart, lebendige, wirkliche Gegenwart, die sahen wir nicht! Und heute! Wenn wir irgend einen Berieht unserer Palästihazentrale zur Hand nehmen — und lesen die Namen Kfar Saba, Rechobot, Gedera, Nathania, Kfar Ata, Tel Awiw, lesen den schicksalsschweren Namen Machne Jisroel, dann verbindet sich, mit diesen Namen die Vorstellung von Menschen, die uns ganz nahe stehen, dann spüren wir die Gegenwart — und sie ist vor unserem Auge, ohne Verklärung und Weihe, und sie ist uns dennoch so teuer, so ins Herz hineingewachsen, daß uns Tränen der Sehnsucht kommen nach den Menschen, die dort die Kräfte ihres Körpers hergeben bis zum Letzten, die dort das „jüdische Palästina" unserer Jugendträume auf und aus dem Boden zaubern, — und an ihren Körpern rinnt der Schweiß herab, und sie murren nicht — ihre Rücken schmerzen, ihre Hände sind voller Schwielen und sie klagen nicht!! Nein! Wir haben beim ersten Hinschauen nicht richtig gesehen, wenn wir zu sehen vermeinten, daß diese Menschen der Gegenwart nicht im Gewände der Verklärung und Weihe vor uns stünden: es ist schon unser alter Traum, dien wir hier erfüllt sehen, nur daß wif diese Erfüllung nicht ahnten! Denn wenn diese Menschen ganz der Pflicht und Last des Tages hingegeben sind, wenn sie schwer ringen und heiß arbeiten um das Brot des Tages,; ihre Gegenwart ist z e i 11 o s , ihr schwerer Tag zieht seine Kraft aus der jüdischen Vergangenheit , ihr schwerer Tag, jeder ihrer schweren Tage ist ein Schritt auf dem Weg in unsere jüdische Zukunft) Dies unterscheidet ja unsere Chaluzim von den anderen, dies die Poale Agudas Jisroel von den andern Poalim! Dies ist ja der Sinn des dritten Jischuw, oder, wem das Wort nicht gefällt* jener Hingabe an das Land, d i e an den Eingang der Hachschoro die Jeschiwo stellt, die das Land ohne die Lehre nicht erarbeiten will! Und wenn es in den Owaus drabbi Noson heißt: „Rabbi Tarfaun sagt: Groß ist die Arbeit, denn G'tt selber l^gte Seine Seheehino erst auf Jisroel, nachdem sie Arbeit geleistet hatten, wie es heißt; „Und sie sollen Mir ein Heiligtum veri fertigen und Ich wohne in i h n e if" — dann ist dieses Wort am schönsten illustriert durch das Wirken unserer Poale Agudas Jisroel! :Erez Jisroel ist gewiß die Stätte, wö 'die Seheehino ruht; sie ruht aber nicht auf seinem Boden, sie schwebt nicht in seiner Luft, sie rüht in den Menschen, die das Land zu Seiner Ehre und im Geiste Seines Willens1 wieder aufbauen! Müßig will es uns erscheinen, die Jugend, die sich drüben lschem schomajim der Arbeit hingibt, in einen. Gegensatz zu bringen mit den Menschen unseres alten Jischuw, weil die Lebens f o r m hier anders ist als dort: der Lebens.sinn ist hier wie dort der gleiche:'„Und sie verfertigen mir ein Heiligtum! Müßig will es uns scheinen, über die Schönheit des Wortes, über die Zulässigkeit des Begriffes „Tedaismus" Diskussionen anzuschneiden;" entscheidend ist vielmehr, daß unsere Poale Agudas Jisroel „den Weg des jüdischen Landes" bereiten helfen, indem sie sich und ihre Arbeit unter die Tauroh stellen! Und wenn erst vor wenigen Tagen einer, der jüngst mit - seiner Familie ins Land kam, uns schrieb: „Agudistische Artikel braucht ihr nicht zu schreiben, kommt lieber selber her, das ist die beste agudistische Arbeit, die ihr leisten könnt!", so wird diese Aufforderung unser offenes Ohr und unseren bereiten Willen finden, sie wird aber in vielen Fällen sich nicht verwirklichen lassen: „Nicht jeder, der den Namen auf sich nehmen will, darf es", kann es! Aber dies kann und darf jeder, dies sollte jeder wollen und müssen: aus der Ferne ein opferbereiter Heller seinv aus. der Ferne mitwirken, daß die. Poale Agudas. Jisroel drüben jenes Mindestmaß von Lebensbehagen haben, auf . das auch der größte Idealist nicht verzichten kann, nicht verzichten darf! Ein Dach über dem Kopf gegen Sonne und Regen! Die Gemoro in Bezo 15b sagt: „Ein Feld, in dem ein Adar (nach den Er klär ern: ein laubreicher Baum!) blüht, das kann nicht geraubt, nicht durch Gewalt genommen werden, dessen.Früchte sind wohl gehütet! Dem Jischuw drüben, weder dem alten noch dem neuen, ist durch Homiletik nicht gedient! Und doch dürfen wir diesem Wort einen homiletischen Sinn geben und diese Sinndeutung in den Dienst der Freunde drüben, stellen: Jedes Feld drüben, das unsere Freunde bearbeiten, jeder Weg, den sie bauen, jedes. Haus, das sie errichten, das ist vor Vernichtung gesichert, wenn wir unseren Adar hineinstellen: _ Wenn unsere Adar-Aktion die Mittel aufbringt, die unsere Freunde drüben benötigen, das mühsam Erworbene, das opfervöl| Begonnene zu erhalten und auszubauen! Die Poale Agudas Jisroel in der ganzen Welt, zuvörderst aber die Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel: sie sind unser Stolz und unsere Hoffnung! So.wollen wir. auch Poale Agudas JisroeL sein, agudistische Arbeiter in dem Sinn, daß wir» den ganzen Monat Adar für Agudas Jisroelj/ für die Adar- Aktion, arbeiten: das s€i der Dienst der Menschen draußen am Lande Und an den Menschen, an unseren Menschen des Landes! Wochenrundschau, Ein jüdisches Schiff sticht in die See« Die „Tel Awiw" fährt nach Tel Awiw! ging ein Freudenruf durch die jüdische Welt. Ein Zehntausendtonnen-Dampfer der Arnold Bernstein-Linie wurde unter dem Titel „Tel Awiw" in den Palästinadienst gestellt. Als „Hohenstein" fuhr das Schiff vor einigen Wochen von Hamburg nach Genua aus, und wurde dort unter der Regie der Palestine Shipping Co. Ltd. zu einer „Tel Awiw", die mit jüdischer Fahne regelmäßig alle vierzehn Tage nach Haifa und zurück fährt. Höchste Zeit, sagt man sich, daß die jüdischen Menschen, die den Weg nach der Heimat finden, auf einem jüdischen Schiff unter jüdischem Banner mit vollen Segeln dem Lande ihrer Hoffnung zuschwimmen. Wie entsetzlich dann aber die Enttäuschung, daß außer Namen, Banner und Fahne dieses jüdische Schiff, abgesehen von denriast durchwegs jüdischen Fahrgästen, so wenig Jüdisches an Bord hat. Wie beschämend, in einem Berichte über die Fahrt mit der;,Tel Awiw" zu lesen, daß eine rituelle Küche mit jüdischen Stewardsi. zwar; da ist, daß diese aber von kaum 5 bis 10 Proz. der Passagiere in Anspruch genommen wird. Wir fragen uns: Wie ist es überhaupt möglich, daß dieses jüdische Schiff, von dem schon seit Wochen und Monaten gesprochen, für das in allen Ländern, wo Juden wohnen, die Werbetrommel gerührt wird, auf das wir, wie man uns immer und immer sagt, stolz sein sollten, wie kommt es, daß dieses jüdische Schiff „auch" eine Koscherküche undnicht überhaupt eine ausschließlich rituelle Verpflegung unter strenger rabbinischer A u f s i c h t bietet? Bedeutete es einen Gewissenszwang für die liberalen Mitreisenden, wenn sie auf der Fahrt koscher essen müßten. Oder stand zu befürchten, daß die fünf Prozent Nichtjuden, die dabei sind^ an der Koscherkost Anstoß nehmen odersich gar den Magen verderben? Diese Mitgänger, die sich einmal entschließen, mit einem jüdischen Schiff nach Israels Land zu fahren, haben ganz gewiß diesen Zustand nicht verschuldet, .eher schon ein Teil der jüdischen Fahrgäste, dessen Bedarf an Judentum mit einer wehenden Fahne vollauf gedeckt ist. Aber hat die Schiffsgesellschaft, die" mit jüdischen Gefühlswerten Geschäfte, und wie es scheint, sogar gute Geschäfte, macht, denen Rechnung zu tragen, die auf dem Wege ins Land G'ttes immer noch Fremde im Reiche G'ttes bleiben und bleiben wollen? Die Berichterstatterin meint, selbst derjenige, der im Alltag nicht gewöhnt ist, die Speisegesetze streng zu befolgen, sollte während einer solchen Reise mit der Rückkehr zu dem „Brauchtum" der Väter den Willen zu einer Einheitsfront bekunden, und so ähnlich. Es liegt ein Schuldbekenntnis, aber zugleich Häufung neuer Schuld in diesen Worten. Die Meinung —wie wir sie erst jüngsthin an dieser Stelle ad absurdum führten — man könnte daheim ruhig die Religionsgesetze verletzen, aber in Palästina und auch auf dem Wege dahin dennoch ein Maximum an Religion verlangen, muß sich auf diese tragische Weise auswirken,;. Wir unsererseits predigen nicht „Rückkehr zum alten Brauchtum" für die Wochen des Palästinaerlebens, sondern wir appellieren an das jüdische Gewissen, ein Schiff, das zwar jüdische Fahne und jüdischen Namen trägt, aber in seinen Einrichtungen dem jüdischen Banner schmählich die Treue bricht, nicht als jüdisches Schiff anzusehen, — nicht eher wenigstens, als bis eine Aenderung dahin getroffen ist, daß jeder Fahrgast, der die „Tel Awiw" betritt, von vornherein weiß, daß er damit sich an einen jüdischen Tisch setzt. Ein „dritter Fond," Zu dem „Keren Kajemeth" und „Keren Hajessod" kommt ein dritter „Keren", ein Bialik- Ku.lturfond „zur Förderung der hebräischen Bewegung in der Diaspora und Entwicklung der hebräischen Kultur in Palästina." Die Oberleitung liegt in Händen von Chajim W e i z m a n n.

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