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Der Israelit · 1935-02-28 · Heft 9 (28.2.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 9 (28.2.1935)
Date
1935-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 9 Der Israelit -28, Februar 1935: wie die Poale Zion fordern, ein Weltkongreß sich mit der Frage des Faschismus beschäftigen dürfe. Man müsse daran denken, daß in einem großen Teil der Länder, in denen Juden wohnen, faktisch demokratische Wahlen überhaupt nicht möglich seien. Der Kongreß sei auf alle Fälle nur dann möglich, wenn eine einheitliche und gegenseitig friedliche Haltung der verschiedenen jüdischen Parteien von vornherein absolut gesichert werden könnte. Die nachfolgenden Redner zeigten sich außerordentlich' erfreut von der Erklärung des Agudo- Vertreters und bemühten sich natürlich, daraus ziemlich voreilig Konsequenzen zu ziehen, die uns nicht berechtigt erscheinen." ~" Wir selbst stehen nach wie vor entschieden auf dem Standpunkt, daß ungeacht-t der eingangs entwickelten psychologischen Rücksichten der Weltkongreß mit aller .Entschiedenheit abzuleh ne n :i s t, und wir hoffen, daßdie großen j ü d i^s c h e n O r - ganisatiönen in der jgaäzen Welt s i c h i li i h r e r ab lehn e n. d e n Haltung gegen die unglückselige Idee nicht erschüttern lassen werden, auch nicht durch Versprechungen, deren Erfüllbarkeit gar nicht in der Hand der Kongreß-Unternehmer liegt. Ueber die Lage der Juden in Deutschland. In einer Versammlung der Mitglieder und Freunde der amerikanischen Handelskammer in Berlin äußerte sich der Staatskommissar von Berlin, Dr. Lippert, über die Folgen der Boykottbewegung, nach einem Berichte der „Berliner Nachtausgabe", u. a. wie folgt: Es wird behauptet und uns zum Vorwurf gemacht, daß wir die wirtschaftliche Existenzmöglichkeit der Juden in Deutschland vernichtet hätten und, wo dies noch nicht geschehen und gelungen sei, eine solche restlose Vernichtung anstrebten . . . Jeder, auch der unbeteiligte Besucher unseres Vaterlandes, und vor allem der Besucher Berlins, hat Gelegenheit, sich durch Tatsachen zu überzeugen, daß den Juden in Deutschland wirtschaftlich nichts geschehen ist. Keine einzige Enteignung oder Zerschlagung eines sogenannten jüdischen Betriebes ist vorgenommen worden. Wenn ein Jude dem Staate Bewiesen hat, daß er bereit ist, alle ihm auferlegten Pflichten: im Interesse der Allgemeinheit zu erfüllen, die auch jeder aridere Einwohner unseres Vaterlandes erfüllen muß, .so ist er in wirtschaftlicher Hinsicht gleichberechtigt. Wogegen sich der nationalsozialistische Staat hat wenden müssen, ist der Umstand, daß gewisse jüdische Elemente nicht nur eine wirtschaftliche Bevorrechtigung entweder anstrebten oder tatsächlch schon errungen,. hatten, sondern außerdem auf politischem und kulturellem Gebiete einen Einfluß ausübten, der unerträglich war. Sich hiergegen zur Wehr zu petzen, war nicht nur das Recht,'sondern die Pflicht der Führung des deutschen Volkes, was aber die wirtschaftliche" Existenz der jüdische^ Minderheit in Deutschland gar nicht zti berühren brauchte);sofern die Glieder dieser Minderheit den ernsten Willen bekundeten, gewisse kulturpolitische Notwendigkeiten einzusehen und eine entspre-, chende Verantwortlichkeit zur Schau zu tragen." Es geht aus diesem Berichte nicht hervor, ob Herr Dr. Lippert:im einzelnen die> von den .Juden zu üVeraehmenden ,/Pflichten v im Interesse^ der Allgemeinheit!' genannt hat, Es dürfte kaum; öinen Juden? in Deutschland gebenj der sich diesen zur Erhaltung seiner Existenz nicht gern unterziehen-wollte. Aeußerungen über Juden. A a e h e n , 23. Februar. Wie der „Westdeutsche Beobachter" in Köln meldet, sprach Reichsminister Dr. Goebbels in einer Kundgebung in Aachen, In seiner Rede kam er ' auch auf die Judenfrage zu sprechen.; Der „Westdeutsche Beobachter" berichtet darüber, daß der Minister ganz besonders die h ar t! e Unerbittli c h k e i t der Bewegung in der Judenfrage herausgestellt habe. Wie die Westfälische Lan4eszeitung „Rote Erde" in Dortmung berichtet, sprach auf einer Kundgebung der südwestfälischen Wirtschaftskreise in Hagen der Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP., Bernhard Köhler, Nach dem Bericht der Zeitung führte er u, a, aus, daß es jüdischer Schwindel gewesen sei, der ein Jahrhundert lang das: deutsche Volk gequält und zerstört habe. ,,Wir l^aben/'festgestellt,", — sagte Dr. Kohlgr^.Wßijte^,,'.^, dfe jWirtschaftsrechnung der-Vergangenheit, die, Arbeit sei teurer als .Nichtarbeit, und vom Arbeiten werden wir; arm, yom-Nichtarbeiten reich, für das jüdische Volk stimmen mag, für das deutsche aber nicht." Frankfurt a, M„ 27, Februar, Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, veranstaltete die NSDAP, in Dillenburg einen Mitgliederappell. Gauleiter: Reichsstatthalter Sprenger sagte zur Jüdenfrage: „Schon spürt man überall wieder, daß sich die Juden erneut aus ihren Schlüpf löchern . herauswagen und-mitreden wollen. Wir müssen im Kampf gegen das Judentum neu den Kampf aufnehmen."; Auf einer Gaurednertagung des Gaues Sachsen in Dresden sagte Reichsstatthalter Gauleiter Mutschmann: „Wir müssen immer: wieder das Volk wachrütteln und es zu dem großen Reformationswerk mit heranziehen, damit die Bewegung Ja^rbunderte überdauert und aridere. Völker mit hochreißt und sie befreit von ihren jüdischen Tyrannen;". Der Kampf habel sich gegen den Häuptfeiöd des deutschen Volkes, geigen das ' Judenturn;;'ühd gegen den Marxismiis zu richten. „Kauf bei Juden ist Landesverrat". Wie aus W a 1 d i t z bei Neurode geschrieben wird, ist an der dortigen Gemeindetafel folgender Aushang angebracht: ,/Nachdem sich Tag für Tag aufs neue erweist, in welch unglaublicher Art und Weise das internationale Judentum gegen unser ehrliches Volk und Land hetzt und wühlt, um einen neuen Weltkrieg zu entfesseln, und wir auch innerhalb unseres Vaterlandes immer feststellen müssen, daß Partei und deutsche Volks-; genolssen beiderlei Geschlechts nach wie vor beim Juden kaufen und Waren .beziehen und damit dessen Verbrechen am deutschen Volke . auch noch finanziell unterstützen, erklären wir diese Volksgenossen zu Landesverrätern, V/ir werden alle diese Volksgenossen hier in Waldifz, deren Namen uns bekannt sind, bloßstellen und wir werden sie eines Tages zur Verantwortung ziehen. Der Fahndungsdienst." Anderswo erhebt man;, gegen die Juden den Vorwurf, daß sie iden Pazifismus fördern, in Wälditz aber sollen sie einen neuen ,,"V7jeltkrieg" entfesseln wollen, . Aber darf marr ungestraft Volksgenossen als Landesverräter hinstellen, nur weil sie gelegentlich bei einem Juden^'kaufen? Zu dem Berner Prozeß über die „Protokolle". Der Beginn des zweiten Prozesses konnte-, da die Prüfung des überaus umfangreichen Gutachtens des neuen Sachverständigen noch nicht durchgeprüft ist, noch nicht festgesetzt werden, Vor Mitte .oder Ende März ist eine1 neue Verhandlung nicht zu erwarten. r Inzwischen wird ein Beschluß des Bezirksprokurators II von Bern . und; des "zuständigen Untersuchungsrichters bekannt, „der Strafanzeige gegen C h a j im W e i z m an n u n d G e no ss e n wegen wissentlich falscher Zeugenaussagemangels Tatbestandes keineweiter eF o lg e z u geben und das Verfahren, als eingestellt zu betrachten," Mit diesem Beschluß -hat. es folgende Bewandtnis: Von dem „Volksbunde", Wie sichdie nationalsozialistische- Bewegung1 in der Schweiz nennt, wurde nach dem ersten Prozeß Strafanzeige gegen Weizmarinj Schloßberg, Oberrabb, Dr. Ehrenbreit (Stockholm), Mayer-Ebner, Dr. Bodenheimer, Dr. Farbstein (Zürich), Prof; Milju« kow (Paris), u. a. m. Strafanzeige „wegen Meineids" eingereicht. Das Berliner „Achtuhr- Abendblatt" brachte am 2. Januar Unter dem Titel „Sensation bei den .Weisen von Zion" einen Bericht über „die Meineidsanklage gegen Chajim Weizmann und Genossen" in großer Abmachung und behauptete, daß die Aussagen, die, „von ders Führendsten der Juden der Welt";in diesem Prozeß gemacht worden seien, sich „als fälsch" herausgestellt hätten. Das Resultat jener Anklage ist der hier bekanntgegebene Beschluß. Es wurde nämlich vorher den Leitern des „Volksbundes" ijfeine Frist' bis. zum 5. Januar 1935 zur nähere» ^Begründung ihrer 'garrz allgemein^ unidi yerschwommen gehaltenen Siraiänzeige gesetzt,^ die aber die Anzeiger ganz unbeachtet verstreichen ließen. Darauf haben die zuständigen Behörden die obgenannte Verfügung getroffen. •;'•""* 3 ';Die Rückgliederung der jüdischen Saargemeinden/ In einer am Sonntag in Saarbrücken stattgehabten Konferenz der Vertreter der saarländischen Gemeinden wurde der Ä n S'C h l tl ß der saarländischen, jfi d.i sehen Gem e i n d e n and e n Pre'üÖ i s;c,h e.r£% a 52 - d esverb'a n d j üt di.se he r;',] Gre;ni£ indea offiziell v p 11 zp g e n. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Max Weile r , betonte - in s einer Ansprache, daß die Rückgliederung ' in vollem Vertrauen auf die bewährte Treue der jüdischen Gemeinden Deutschlands erfolgt. Es sei selbstwerden wir r am, vom Niehtarbeiten reich, für das endlich die Möglichkeit däzu gegeben war, die 'jüdischen Gemeinden an. der Saar ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Judenheit ,: auch die äuße r e .A u s d r u c k s f o r m:iverliehen. - Vom Preußischen^ Gemeindeverband begrüßte Rechtsanwalt Df. K lr0le''aüi$:Berlin''di!e.;wieder!kehrenden jüdischen. Genjeindeh, an der §aar. -t .. , ' Das Urteil im Prozeß gegen die Wilnaer: Synagogen-Attentäter.;T Wilna,.. 18. .Februar. Vor dem Wilnaer Gericht hätten sich, wie gemeldet, die fünf Studenten der dortigen Universität Zdyslaw Wardejn, Leon HrinkewiczlSudmk1. Waldemar Olszewski, Jan Drobner und Jan Dwanel wegen Teilnahme an * dem Attentat auf die Synagoge in der Poplöwskastraße zu verantworten. Die Angeklagten Jan Bobrowicz und Eduard., Qleszko waren außerdem noch w.egen Raubmordes an einer Greisin angeklagt. . Zdyslaw Warden wurde zu zwei Jahren,':Jan Bobrowicz zu fünf Jahreri, Ed. Oleszko zu) vier Jahren, Waldemar Olszewski zu drei Jahren-und Leon Hrinkewiez au einem Jahr Gefängnis verurteilt. Dwanel, Drobner wurden freigesprochen.

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