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Der Israelit · 1935-02-28 · Heft 9 (28.2.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 9 (28.2.1935)
Date
1935-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 28. Februar 1935 25. Ädar l 5695 Nummer 9 Eine neue jüdischen Weltkongreß Die Initiatoren des jüdischen Weltkongresses, Stephan Wise und Nachum Goldmann, lassen sich trotz der bisher fast einmütigen Ablehnung, die der Gedanke bei allen maßgebenden Faktoren der jüdischen Oeffentlichkeit gefunden hat, nicht abschrecken und sind bemüht, über die Köpfe der Organisationen hinweg durch die Aufwiegelung der Masse eine Durchführung des Projektes zu erzwingen- Daß bei der himmelschreienden ökonomischen Not, mit der diese jüdischen Massen, insbesondere in Polen, zu Tingenhaben, jeder Gedanke einigermaßen freundlich aufgenommen wird, der diesen Nöten mittelbare oder unmittelbare Abhilfe i n Aussicht stellt, ist psychologisch vollkommen begreiflich. Die Massen erblicken eben in jedem ihnen mit einiger Beredsamkeit ■vorgetragenen Gedanken, und sei es auch nur in der Legende von der Wirksamkeit einer jüdischen Welttribüne, die ihre lauten Proteste geigen jüdische Entrechtung und jüdische Wirt- :schaftsnot in; die Welt hinausposaunen könnte, •einen. möglichen Weg der Rettung. Unter diesem Gesichtswinkel ist die Versammlung zu fWerten, die am 21, Februar in Wärschau im Palästina-Amt der zionistischen 'Organisation stattfand und über die man uns in Kürze folgendes berichtet. Die Versammlung war i m A üji t r a g e der Pariser E x e k u t i v-e / d e.s y W e 11 k o n - g leß-Komi t e e dufch? die zionistischen Deputierten Dr. Rosmarin und Dr. Hellmann einberufen, Erschienen waren äußer Vertretern der 8 zionistischen Parteigruppen in Polen solche der polnischen Agudas Jisroel- und Poale Agudas •Jisroel-Organisationen, -ferner Vertreter der jüdisch-demokratischen Volkspartei- und drei jüdisch-wirtschaftliche Organisationen. Die Versammlung fand in Anwesenheit der Pressevertreter aller Richtungen satt, sollte also von vorneherein auf die Oeffentlichkeit "wirken. Daß die zionistischen Repräsentanten sich für den Weltkongreß aussprachen, nimmt nicht weiter wunder. Mit besonderer Spannung wartete man lediglich auf die Erklärung des Agudo- Vertreters, Ratmann Hendeles, der folgendes ausführte: „Die Agudas Jisroel in Polen hat bisher eine ri e g a t i v e Haltung zum Weltkongreß eingenommen. Nachdem sich zeigt, daß Vertreter der Pariser Exekutive des' Weltkongreß-Komitees den ernsten Willen haben, das Trennende auszuschalten und das Gemeinsame in den Vorder-' gründ zu stellen, hat die polnische Landesorganisation der Agudas Jisroel beschlossen, sich zu bemühen, einen Modus zu finden, der der Agudas Jisroel die Teilnahme an einem -Weltkongreß ermöglicht. In diesem Sinne hat sich die polnische Landesorganisation an die Lei-5 t un g d e r A g u da s Jisroel -Weltor gan i s a t i o n und an den Mauezes Gedaule Hathauro gewendet und erwartet den maßgebenden Beschluß dieser ihrer führenden Instanzen, Inzwischen wird sich die polnische Agudo an den Beratungen weiter beteiligen," Zu den in der Diskussion behandelten Fragen bemerkte Herr Hendeles, daß die polnische Agudas Jisroel zu der Frage demokratische Wahlen zu dem Weltkongreß bisher noch gar keine Stellung genommen habe, Sie fürchte sich vor solchen demokratischen Wahlen an sich gewiß nicht, doch müsse man der Aufpeitschüng der Leidenschaften, die mit einer solchen Wahlbewegung verknüpft sein würde, mit starken Bedenken gegenüberstehen. Alle Gruppen von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten suchen gewiß nach Rettungsmitteln aus der jetzigen schweren Lage der jüdischen Massen, Aber das dürfe nicht die kühle Vernunft ausschalten. So sei es völlig ausgeschlossen, daß, (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Zur Lage der Judein in Deutschland . Seite 2 Zu dem Berner Prozeß um die „Protokolle" ..... Rückgliederung der jüdischen Saargemeinden Seite 2 Ein jüdisches Schiff sticht in die See . Seite 3 Phantastereien über die Judenfrage . Seite 6 Palastinaberichte ...... Seite 6 und 9 Agudas Jisroel in Beßarabien . Seite 7 ARZENU. Ein Wort zur Adar-Aktion. Von Wolf S. Jacobson in Kopenhagen. Junge, begeisterungsfähige Menschen waren wir, als wir vor 17 Jahren in Zürich uns zusammenfanden, einen Verlag zu gründen, dem wir den bezeichnenden Namen ,,Arzenu" gaben. In unserem Jugendfeuer glaubten wir damals die Welt, zumindest das Heilige Land erobern zu können und in dem Aufruf, mit dem wir uns an die Oeffentlichkeit wandten, hieß es: ,,Beleben wir unseres Landes Wüsten, bebauen wir seines, Bodens Acker, dort erheben wir die Fahne unseres Volkes und seiner unvergänglichen Thorakultur! Die Stunde der Erlösung hat geschlagen! Auf zur Tat und Arbeit!" Als die vordringlichste Aufgabe unseres Verlages bezeichneten wir: ,,die Veröffentlichung von Büchern und Broschüren, die sich mit dem Wiederaufbau des Landes und seiner Kultur beschäftigen," und in der ersten von uns herausgegebenen Broschüre, die sich als „ein Mahnruf" bezeichnete, sprachen wir im Namen dieser Jugend .es aus; „Zweifellos wird es das Verdienst hervorragender zionistischer Führer sein, daß man der Judenheit Palästina, in welcher Rechtsform immer, gibt, so möge es das Verdienst der Gesetzestreuen sein, daß dieses Geschenk uns nicht zum Danaergeschenk werde. Wir sollten dafür . sorgen, daß wenn das Wort „Palästina den Juden" Sich erfüllt, es. zu einem „jüdischen Palästina" wird.;Dieses wird aber nicht dekretiert; vom grünen Tisch aus, sondern nur durch die Tat auf und auf dem grünen Boden Palästinas!" Jener Mahnruf schloß mit den Worten: „Gewiß schwebt das Judentum in Gefahr, wenn Palästina materiell und ideell erobert wird von Menschen, die erfüllt sind von Liebe zur Judenheit, denen aber das Judentum gleichgültig ist. Diese Gefahr wird aber nicht gemildert und gemindert, wenn man sie konstatiert und dann die ihr Ausgesetzten sich selbst überläßt. Sondern: ebenso wie der Feldherr, sobald er einen schwachen Punkt in seiner Front entdeckt, dorthin Verstärkungen schickt, so hat die gesetzestreue Judenheit als erste Aufgabe, " vielleicht als einzige, die Pflicht, dafür zu sorgen, daß ihre Armee, die von ihrem Geist er- 1 füllte Judenheit Palästinas, stark sei. Dafür hat sie zu wirken mit allen ihren Kräften, mit ihren führenden Geistern, ihren Organisationen, mit ihren Zeitungen und mit allen ihr zur Verfügung stehenden materiellen und ideellen Mitteln. Es ist die größte Gesamtheitsaufgabe, die des Judentums harrt, es ist die einzige Gesamtheitsaufgabe — und daß sie im Geiste der Thora gelöst werde: Agudas Jisroel, zeige, daß du lebst!!" Wenn wir uns und den Freunden aus jenen Zeiten, die heute in alle Richtungen der Welt zerstreut sind, diese Worte ins Gedächtnis rufen, dann ist es nicht darum, daß wir vor unserem jugendlichen Weitblick von „anno dazumal" in Bewunderung stehen, dann ist es mehr deshalb, um uns zu legitimieren, zu dem Erez Jisroelge- (Fortsetzung siehe Seite/ 3.)

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