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Der Israelit · 1935-02-21 · Heft 8 (21.2.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 8 (21.2.1935)
Date
1935-02-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 8 Oer Israelit 21. Februar 1935 ben waren, die auch übersetzt wurden. Waren diese Verse eingeübt, so schritt man zur Uebersetzung der ganzen Bibel. Man fing mit dem tnpi an, nicht weil es das leichteste ist, sondern aus religiösen Gründen, wie ich bereits in dem ersten Teil meines Vor träges angegeben. Bekanntlich spricht das «np1? ibo von der Reinheit der Priester und der Reinheit der Opfer und darum D'nnoa iposwi □nmo iNia'- Es mögen die reinen Kinder kommen und sich beschäftigen mit dem Reinen. Der Lehrer übersetzte vor, und die Kinder wiederholten, wie es auch bei uns noch vor kurzer Zeit gehandhabt wurde. Allgemeiner Schulgebrauch war es damals, daß jedes Kind täglich einen Bibelvers auswendig lernen mußte, um auf diese Weise sich die Kenntnis der heiligen Schrift anzueignen. Wenn ältere Leute Kindern auf der Straße begegneten, so riefen sie ihnen zu: TplDD "»^ plOS Hatten die Kinder Lesen und Bibel erlernt, so kamen sie in die zweite Abteilung, die Mischnaabteilung. Da der Druck noch nicht erfunden war, so mußte der Mischnasatz wörtlich ausgelernt werden. Mit unend iicher Geduld trug der Lehrer die Mischna so oft vor und ließ sie von der ganzen Klasse singend nachsagen, bis die Klasse sie auswendig wußte. Die Anforderung an das Gedächtnis der Schüler war außerordentlich. Deshalb war der erste Grundsatz: Wiederhole fleißig! Und der Talmud sagt: Wer Thora lernt und vergißt, gleicht dem, der sät und nicht erntet. Unterstützt wurde das Auswendiglernen dadurch, daß der Lehrer den ersten Buchstaben eines Wortes oder das erste Wort eines Satzes an die Tafel schrieb. Großen Wert legten unsre Weisen auf den Fleiß, er ersetzte, sagten sie, zum großen Teil den Verstand. •]'»Nn bx ->mxn sbi vwa-» ,]>ntwi vkxoi ->nyx> Die pädagogischen Grundsätze, die die Lehrer des Talmuds aufstellten, mußten im Unterrichte verwertet werden und decken sich fast ausschließlich mit den unsrigen: Beobachte die Individualität der Kinder. •mxp> -pn otk nw ttb\sb Non multa sed multum nersn sb nana ntpan- Zum Schlüsse noch über den Erfolg der unterrichtlichen Tätigkeit. Von den unterrichtlichen Erfolgen sagt der Talmud: 'HR» jnn NST j'0333 DTR '33 ejVs ,n-wy ]im y>Kzv rwon'? nsn in« tna «sr v\nbr\b m»? Wenn von 1000 Schülern, die ffmn lernen, 100 Erfolg haben, wenn von 100 Schülern, die njpn lernen, 10 Erfolg haben, wenn von 10 Schülern, die tn»a lernen, einer Erfolg hat, dann hat der Lehrer seine Schuldigkeit getan. G'ttlob, solche Erfolge haben auch wir aufzuweisen! Ich bin am Ende meines Vortrages angekommen, möchte aber hier in den Räumen, in denen ich vor 48 Jahren meine ersten pädagogischen Belehrungen erhalten, mit einem pädagogischen Ausspruch des damaligen Direktors, des sei. Rabb. Dr. Plato ^"Xi, schließen. Wenn er uns jungen Seminaristen die Vorzüge der verschiedenen Methoden vorführte, so schloß er stets: Ein guter Lehrer mit einer schlechten Methode wird immer noch mehr erreichen als ein schlechter Lehrer mit guter Methode. Wir werden gewiß an den Methoden, die unsre Alten ausübten, manches auszusetzen haben, aber sie waren doch gute Lehrer, in dem Sinne, daß sie das einzige Streben hatten, das Gute zu fördern. Und was ihnen an pädagogischer Geschicklichkeit abging, wurde reichlich aufgewogen durch eisernen Fleiß, strenge Pflichterfüllung, durch das Feuer der Begeisterung und vor allem durch ihr vorbildliches Beispiel, taten sie doch alles a«ä»Vum der aitfl willen. Jüdischer Rechenunterricht. Wer einmal in ein Rechenbuch der allgemeinen Schule hineingesehen hat, weiß, wie stark der Rechenunterricht der Erweiterung des Weltbildes des Schulkindes dient. Nicht nur zur Belebung des Unterrichtes, sondern auch zur Förderung der allgemeinen Bildung werden Rechenaufgaben aus allen Gebieten des täglichen Lebens, etwa aus dem kaufmännischen, dem wissenschaftlichen, dem bevölkerungskundlichen Leben gewählt. Es ergibt sich ohne weiteres, daß in den jüdischen Schulen Rechenaufgaben aus den Gebieten des jüdischen Lebens gestellt werden sollten. Das jüdische Kind wird mit besonderem Interesse sich solchen Rechenaufgaben zuwenden, und es wird in seinen Kenntnissen und seiner sonstigen Einstellung hierdurch unmerklich wesentliche Bereicherung erfahren. Ein nach dem Begleitschreiben „in völliger Uebereinstimmung mit den Richtlinien der Reichsvertretung" neu erschienenes Ergänzungsheft für den Rechenunterricht der jüdischen Schule n Deutschlands, von Ober-Regierungsrat a. D. Dr. M, R a w i c z , Verlag Max Lichtwitz, Berlin erscheint für diesen Zweck nicht geeignet. Es bringt Aufgaben aus der jüdischen Bevölkerungskunde, aus dem palästinensischen Wirtschaftsleben und dergl., wirkt aber in der Fülle derartiger Dinge langweilig, und es ist nicht einzusehen, wie auf diese Art und Weise das Ziel des Buches „zum Gehalt und Inhalt des Judentums zu gelangen" erreicht werden kann. Selbstredend muß ein Teil auch solcher Aufgaben dem Kinde gestellt werden, damit seine Kenntnisse über die Zahlen der Judenheit und über die Daten Palästinas gefestigt werden. Aber es darf nicht zu viel im Verhältnisse zu dem Buche werden, und die einzige Aufgabe, die etwas anderes betrifft, die Frage nach den Lichtern am Chanukah, bleibt eine Ausnahme unter 120 Fragen im genannten Werk. Das pulsierende jüdische Leben und die gesamte Ueberlieferung der jüdischen Religion bergen eine solch gewaltige Fülle von Material für den jüdischen Re chenunterricht in sich, daß es zu verwerten im jüdi sehen Unterricht unumgänglich ist. In fruchtbringender Weise kann durch Auswahl aus diesen Gebieten das Leben der jüdischen Schule vertieft und verinnerlicht und das Kind gleichzeitig in jüdische Wissens- und Lebensschätze hineingeführt und in der Technik des Rechnens vervollkommnet werden. Die beste Beweisführung hierfür dürfte die Zusammenstellung einer Reihe von jüdischen Rechenaufgaben sein, die absichtlich bunt durcheinander angeführt werden mögen, um die Lebendigkeit und die Verschiedenartigkeit der Gebiete, denen diese Aufgaben entnommen werden können, vor Augen zu führen. Aufgabe des Rechenpädagogen ist es, sie den verschiedenen Altersstufen und den Notwendigkeiten des Unterrichts gemäß, abzuändern und zu gruppieren. Leicht sieht auch der Lehrer, wie ein großer Teil dieser Aufgaben für kleinere Kinder vereinfacht und für Größere kompliziert werden kann. Daß solche Aufgaben aber nur Ergänzungen zum Rechenunterricht sein wollen, in dessen Mittelpunkt nach wie vor das Rechnen an sich steht und dessen Anwendungsaufgaben wie bisher aus allen Gebieten des täglichen Lebens entnommen werden sollten, nur eben auch aus dem des jüdischen Lebens, sei, um Mißverständnissen vorzubeugen, wenn es auch selbstverständlich ist, betont, Musteraufgaben für den jüdischen Rechenanferricht. 1. Vom Auszug aus Aegypten bis zum Aufbau des Tempels sind 480 Jahre. Der erste Tempel stand 410 Jahre, er wurde im Jahre 586 v. d. g. Z. zerstört. Wann war der Auszug aus Aegypten? 2. Jemand ist am 5. November 1900 geboren. In diesem Jahre fiel Jaum Hakkipurim auf den 3. Ott. a) Wann feiert der Betreffende seinen jüdischen Geburtstag? b) Im Jahre 1935 fällt Rausch Haschojioh auf den" 28. und 29. September. Auf welchen Tag fällt seinjüdischer Geburtstag? 3. In einer jüdischen Gemeinde leben 56 Männer und Barmizwohknaberr. Wieviel mal können sie Minjan machen und wieviel bleiben übrig? (Für zweites Schuljahr anstelle von Zehnern und Einern). 4. Man darf am Schabbos 2000 Ellen weit von der Stadtgrenze, die 70 Ellen hinter dem letzten Hause liegt, gehen. Die Elle kann mit 57 cm angenommen werden. a) Ist ein Ausflugsort, der 1196 m vom letzten Hause entfernt ist, am Schabbos noch erreichbar oder nicht? b) An wieviel Schritten kann er diese Grenze ausmessen, wenn er eine Schrittweite von 50 cm hat? 5. Die vor dem Stiftszelt lagernden Stämme Juda, Jissachar und Sebulun hatten nach der Wüstenzählung 74 600, bezw. 54 400, bezw. 57 400 Erwachsene. a) Wie groß war dieses nach Osten gerichtete Lager? b) Wieviel Prozent von der Gesamtzahl Israels von 603 550 beträgt dieses Lager? 6. Von den 613 Mizwaus der Thora sind 365 Verbote. Wieviel Gebote gibt es? 7. Adam war 130 Jahre alt bei Sets Geburt, Set 105 Jahre bei der Geburt Enauschs . . . a) In welchem Jahre der Welt wurde Mesuschelach geboren? b) In welchem Jahre war die Sintflut, die im 600. Jahre Nauachs stattfand? " 8. Wenn Jomtow auf Donnerstag und Freitag fällt, danach also Schabbos ist und man zu jeder der drei Mahlzeiten am Jomtow- und Schabbostag zwei ganze Berches braucht, man aber von einer zur anderen Mahlzeit den unangeschnitteneri übrig lassen kann. Wieviel muß die Hausfrau backen? 9. Der Mond braucht für seinen Umlauf 29 Tage, 12 71)S/iosn Stunden. a) Gib diese Zahl nach Minuten und Sekunden an! b) Am letzten Monat war der Maulod Sonntag nachmittag 5 Uhr 44 1/'o Minuten. Wann wird der nächste sein? c) Mail darf die Lewonoh mekadesch sein bis zur Mitte der Umlaufszeit, Wann endet sie in diesem Monat? d) Wie groß ist die Differenz des Maulod eines Rausch Hachonoh vom vorhergehenden Jahr im Normaljahr? 10. In einer jüdichen Kleihgemeinde sind 12 Leute. a) Wieviel Werden am Schabbos nicht aufgerufen? b) Wieviele müssen am Schabbos, an dem zwei Seforim ausgehoben werden, doppelt Mizwaus bekommen? (einschl. Ausheben, Hagbooh und Glile). 11. Der Talmud hat 2646 Blatt (DoppelseatenJ. ' a) Wenn jemand jeden Tag ein Blatt lernt, wieviel ' S.onnenjahre, Monate und Tage braucht er dazu? b) Wieviel braucht er, wenn er täglich eine Seite (Omud) lernt? 12. In einem Orte bgeinnt der Tag um 4.36 Uhr, "und er endet abends um 8.04. Man muß Sch'ma bis des Tages sprechen. Bis wann muß man es gesagt haben? 13. Die fünf Bücher der Psalmen bestehen aus 150 Kapiteln. a) Wieviel kommt durchschnittlich auf jedes Buch? b) Wieviel Prozent ist das vorletzte mit 17, das letzte mit 44 Kapiteln? 14. Bei Veruntreuung heiligen Besitzes muß als Sühne dem Heiligtum außer dem Betrage selbst so viel erstattet werden, daß der Zusatzbetrag Vr> der Gesamtsumme ist. Wieviel hat jemand, der einen Wert von RM. 11,35 sich angeeignet hat, dem Heiligtum zu ersetzen? 15. (Bei Kenntnis der Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben) Welchen Zahlenwert haben sämtliche Buchstaben des ersten Satzes von Sch'ma zusammen? 16. Welchen Bruchteil der 354 Tag« des jüdischen Normaljahres machen Sabbate und Festtage aus? 17. Jemand betet täglich nur dreimal die Schmaunoh esroh (19 Brochaus), wäscht sich und benscht . dreimal am Tag. Wieviel fehlt ihm an der Zahl von 100 Brochaus, die der Mensch täglich erreichen soll? 18. Jemand erzählt, daß er seit seiner Barmizwoh, die am' 1, Nissan gewesen ist, 100 Fasttage gehalten hätte. Er hat an allen fünf Fasttagen des Jahres und am Jaum Hakkipurim stets gefastet. Wie alt ist er? ( 's-uv 19. Jemand hat Jahrzeit am 21, Ijar. Auf welchen Tag des bürgerlichen: Dattimsfällt seine Jahrzeit, in einem Jahre, m dem der erste Tag Pessach am 18. April ist? 20. Die Mesusah soll (bei nicht zu hoher Tür) über 1 la Türhöhe von oben gerechnet, angebracht werden. Wie hoch vom Fußboden ist sie bei einer 2.37 m hohen Türe zu befestigen? 21. In Berlin war an einem Schabbos 31 Minuten früher Nacht als in Frankfurt. Schabbos Aasgang war in Frankfurt 6.10 Uhr. Wann war Nacht in Berlin? 22. Raschi ist im Jahre 1040 geboren. An Hand der deutschen und jüdischen Jahreszahl des1 laufenden Jahres ist zu berechnen, inwelchem jüdischen Jahre Raschi geboren ist. Rabbiner Dr. J. Merlbach, Darmstadt. Bücherbesprechungen, Lebensu.ud Bildungsphilosophie als völkische und katholische Aufgabe von Prof. Dr. Jakob H o m m e s in Freiburg i. Brsg. Freiburg; (Brsg.). 19 34. Herder u. Co. Geh. Mk. 4.— Leinen Mk. 5.5a 196 S. Das Werk verfolgt den Zweck, allen Erziehern weitesten Sinnes mit den Mitteln einer praktischen LebensphiTosophie die mannigfachsten Fragen des heutigen Tagesgeschehens wie Bildung und Volkstum, Weltanschauung und Gemeinschaftsleben und dergl. mehr klären zu helfen und dadurch das Verständnis, für das allgemeine kulturelle Gegenwartsgeschehen zu wecken und zu vertiefen. Ein höchst aktuelles, formvollendetes Werk. Aller Beachtung wert! In jedem Fall: zum scharfen Nachdenken über sich, und seine Umwelt herausfordernd! Der kleine Herder. Freiburg (Brsg,). Herder u. Co. Preis Mk. 10.—. 1536 S. Als Pädagogen hätten wir dazu zu bemerken: Stichwörter: Heilerziehung, Hochschulpädagogik, Rein, Spranger, von Dunin Borkowski, Kerschensteiner, Richard Meister sind erwünscht, ebenso solche der großen Philologen Lachmann und Bopp, die ja den Sprachunterricht an unsern Lehranstalten ungemein beeinflußt haben. Salzmann hätte mindestens erwähnt werden müssen. (Oberlin ist genannt!) Freud und Adler sind nicht aufgeführt. Das nimmt um so mehr Wunder, als führende katholische Schriftsteller heute auf ihre Werke zurückgreifen. Hervorragend illustriert. Bildnis von Herbart wäre^ erwünscht. Das Bildnis des Card, Bertram Ist leider undeutlich! Notiz. Kollegen oder Kolleginnen, die bereit wären, die Stelle eines(r). E r z i e h e r s(in) in einem vornehmen und streng religiösen Hause in Budapest anzunehmen, belieben sich an den Schriftleiter (Sprendlingen, Kr. Offenbach) zu wenden. Es handelt sich um zwei gut entwickelte Jungen, die-die Schule besuchen. Der Erzieher resp. die Erzieherin hätte daher nur am- Nachmittag zü tun.

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