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Der Israelit · 1935-02-21 · Heft 8 (21.2.1935) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 8 (21.2.1935)
Date
1935-02-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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S^^^^^^p^^p^^^^^^^^^^^w^^^^^^^^^^^^^!^^^^^^^^?? ^tÄ^^y*^'^' \t£%tp oToTöll o—o löfölöi 1H HBI I I I rziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands ILM lfoToIoll o—o Ifölfolföif Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Ottenbach) ♦rpn •imD-mr d^wöhi Der Monat Adar brachte uns den ersten Jahrzeitstag zweier hervorragender Mitglieder unseres Bundes, zweier Männer, deren ganzes Leben eine Verwirklichung des K"i Bff min-Prinzipes in vorbildlichster Weise bedeutete, des Herrn Konrektor A. Hirschberg V"si in Frankfurt a. M. und des Herrn Stüd.-Rat Dr. Lipmann Schlesinger V"Xt in Hamburg. Ihre Lebens- und Berufsauffassung, wie sie in den vor einem Jahre gehaltenen o'ison zur Darstellung gebracht wurden, war derart vorbildlich, daß wir es für angebracht halten, nachfolgend Auszügeaus den Gedenkreden zu bringen. „Die sich -mit nun und mx» beschäftigen, werden glänzen wie die Strahlen des Firmaments, und die, welche viele zum jnx -Ideal erziehen, wie die Sterne für alle Ewigkeit." Aus der Gedenkrede des Kollegen Goldschmidt, Frankfurt zu den Kindern gesprochen am Tage nach der Beerdigung des Herrn Hirschb erg "^2£T. Zum. Lehrer geboren, widmete sich Euer Lehrer der Jugend mit einem Feuereifer. Geist, Witz und Humor kennzeichnen das Leben dieses Mannes, Geist, vor allem mm Geist. Die mm war ihm Richtschnur, er war aber auch tüchtig in allen anderen Fächern. Er hätte Mathematik, Englisch, Französisch und alle anderen Fächer an jeder höheren Schule erteilen können. Eine vntn Stunde und eine nVsn Stunde bestand bei ihm nicht in gedankenlosem Uebersetzen: es waren aVn \>k . Q»o»ani aVn p B'KXvn ea'iaT Sein Unterricht regte Herz und Gemüt an. Fraget nur zu Hause Euren Vater und Eure Mutter, die werden Euch erzählen auch von den schönen Erdkundestunden und wie aller Unterricht immer ein jüdischer Unterricht war. Euer Lehrer bildete tüchtige Menschen und vor allem echte Jehudim. ibvz T>Vy a^an iT>»br. naa w Noch ein Bild aus dem Leben Eures Lehrers. Ein Kind weinte, als der Maiausflug gemacht werden sollte. Früher gab es in der Schule nur einmal im Jahr einen größeren Ausflug, Herr Hirschberg V"St fragte das Kind nicht vor der Klasse, sondern unter vier Augen. Als er den Grund des Weinens erfuhr — die Eltern hatten kein Geld —, da gab er ihm das Geld für den Ausflug mit den Worten: da gibst du morgen deinem Lehrer das Geld für den Ausflug, wie die andern Kinder auch. Dabei besuchte Herr Hirschberg d^w und arbeitete an seiner Vervollkommnung, nicht nur in den jüdischen, sondern auch in den profanen Fächern. Dabei war er ein guter Gesellschafter. Ob in der Schule oder bei Ausflügen, ob es bei einer Konferenz war oder in gemütlicher Gesellschaft, oder be den Vorträgen während der Omertage im Waisenhaus. Seine inaten Worte fanden immer Beifall. Wenn Albert Hirschberg etwas erzählt-hatte, und ein andererdasselbe wiedergab, es war nicht dasselbe; denn so be offttt konnte nur ein Hirschberg erzählen! In seinen iiia« '•j?'«-Vorträgen hat Herr Hirschberg selbst gelehrt: >3T p ■prm pn sagte einst zu seinen fünf Schülern: Gehet hinaus und sehet zu, was wohl das Beste ist, das der Mensch besitzen und sein soll; Ein Schüler antwortete nnit> pjf ein gutes Auge. Der zweite meinte: aw.ian ein guter Freund, Der dritte behauptete aiB pv ein guter Nachbar sei das Beste. Nein, glaubte der vierte, allen vorzuziehen sei ntmn nbun ns» der klare Blick in die kommende Zeit, bis endlich der fünfte seine Ansicht aussprach und sagte: aus a!? ein gutes Herz sei das Vorzüglichste. Da meinte pm» pn das gute Herz ist das Beste; denn in ihm ist alles Uebrige enthalten. Hier habt Ihr, liebe Kinder, in wenigen scharfen Umrissen ein Lebensbild des teuren Heimgegangenen. Er hatte zunächst ein aiö ein gutes Auge, frei von Neid; das freundlich leuchtende Auge war der Spiegel seiner edlen Seele. Und zu dem guten Auge gesellte sich die schöne Eigenschaft wahrer Freundschaft. Er war ein aiü nan» er hegte Freundschaft mit jedermann, mit Kollegen, mit Schülern und den. Eltern der Kinder. Als aiü pp. Detrachtete ihn alle Welt, wirkte doch sein Umgang veredelnd auf alle, die mit ihm verkehrten. Aber er war auch ein "toan nt* nun- Er hatte einen klaren Blick für das Kommende. Keinen übereilten, unbedachten Schritt hat er getan, Wo andere mit Eile und Ueberstürzung handelten, da prüfte und überlegte er und führte das Wichtigste zur Zufriedenheit aller seinem Ziele zu. Ueber allen Vorzügen aber stand sein aiu ab- Wir alle haben das gute Herz gekannt. Es war die Zentralsonne, von der aus seine glänzenden Eigenschaften wie hellleuchtende Strahlen ausgingen. Ach, das gute Auge ist gebrochen, der gute Freund ist nicht mehr, der gute Nachbar ist dahin, der klare Blick in die Zukunft ist getrübt, das gute Herz steht still. Aus der Gedenkrede des Kollegen Katzenstein, Hamburg seien einige Worte wiedergegeben, die hauptsächlich das Verhältnis des Herrn Dr. Lipmann Schlesinger ^*SI zu seinen Kollegen widerspiegeln. Die eigentliche Lehr tätigkeit war aber bei Herrn Dr. Schlesinger nicht und soll ja bei keinem Lehrer die Hauptsache sein, sondern vielmehr die Erziehung des Schülers zu* einer Persönlichkeit. Wir Kollegen wissen, was in dieser Beziehung Herr Dr. Schlesinger durch seine Gerechtigkeit, durch seine Milde und nie versagende Geduld für seine Schüler bedeutet hat. Diese seine Eigenschaften sind ja aber im Grunde, ganz dieselben, die ihn nebst anderen in seinem Verkehr mit seinen Kollegen auszeichnete und über diese seine Eigenschaften, die ich in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten kennen und schätzen gelernt habe, möchte ich noch einige Worte sprechen: Unser Herr Dr. Schlesinger war uns Kollegen in jeder Beziehung ein Vorbild. Erstaunlich war seine Gelehrsamkeit auf allen Gebieten, mit denen er sich aus Beruf oder Neigung, was wohl bei ihm fast ein und dasselbe war, beschäftigte. Ich habe mir von Fachkollegen des Verewigten oft erzählen lassen, wie er selbst nach seinem Scheiden aus unserem Kollegium die Fortschritte in seinen Fachwissenschaften sorgsam verfolgte, als ob er am Beginn seiner Laufbahn und nicht an der Schwelle des Greisenalters stände. Ich selber habe oftmals in Unterhaltungen über Dinge, die uns gemeinsam wissenschaftlich interessierten, mit Staunen bemerkt, wie Herr Dr. Schlesinger über die entlegensten Dinge Bescheid wußte; wie er so eingehend unterrichtet war, daß er sich ab und zu das Geständnis leisten konnte, er müsse sich dieses oder jenes noch einmal überlegen, ehe er endgültig antworten könne. Stets war er bereit, seinen Kollegen aus dem reichen Schatze seines Wissens zuzuteilen, dabei ängstlich zu verhindern bemüht, daß der andere seinen Blick zu tief in die Schatzkammer senke und so etwa auf den Gedanken käme, der Besitzer wolle mit seinem Reichtum glänzen. Und nicht nur, was er uns so bot, sondern, wie er es uns bot, war für ihn charakteristisch. Er war ein Meister des Wortes, nicht etwa in dem Sinne, daß er es geliebt hätte, in Wort und Schrift Großes zu leisten. Ich kann mich nur sehr weniger Reden von ihm entsinnen; mir ist nicht bekannt, daß er jemals nach Abschluß seiner Ausbildung Bücher oder Abhandlungen geschrieben hätte; nein, nicht in diesem Sinne war er ein Meister des Worte,s. Wohl aber in d e m Sinne, daß er seine Zunge und seine Feder zu m e>i s t e'rn wußte.5 Ihm war so stets das Wort des Spruchdichters gegenwärtig: pvb Ta iD"m nw 18». 21) „Tod und Leben liegen in der Gewalt der Zunge," und wir dürfen hinzufügen: ,,auch der Feder". Die Klarheit, die sein Denken auszeichnete, prägte auch das gesprochene Wort. Auch von diesem, unserem Rabbi Elieser können wir sagen: •(«"» mm1») ap -it»'^k 'i mc?n Die Lehre, das Wort des Rabbi Elieser war nur ein Qab, aber klar. Knapp war seine Ausdrucksweise, aber klar und eindeutig. Sein Wort deckte sich völlig mit dem, was er dachte. Es enthielt nicht weniger, aber, auch nicht mehr. Und wenn er ein seltenes Mal sich veranlaßt sah, seine Gedanken schriftlich niederzulegen, war er peinlich darauf bedacht, nicht mehr und nicht weniger zu sagen, als gesagt werden sollte und mußte. Er prägte und wägte und feilte an jedem Wort, bis alles so dastand, wie es sein sollte; und dabei ließ er sich weder durch Zustimmung noch durch Widerrede beirren. Nicht etwa, daß er versucht hätte, andere zu seiner Meinung zu überreden oder Einwänden seiner Kollegen unzugänglich war, Das nicht! Wohl aber gelang es ihm fast immer durch seine unermüdliche Geduld, durch den sanften, aber unentrinnbaren Zwang seiner Logik, durch seine überragende Klugheit alle Einwände gegen seine Formulierungen zum Verstummen 2U bringen. Und so, wie von jenem Rabbi Elieser gesagt wird: i(a"? a"0 paiTy) its'Vk "»aia na^n so können wir auch von unserem Rabbi Elieser ^"ST sagen, daß die endgültige^Entscheidung in allen Fällen seiner Ansicht entsprach. Aber auch in einem anderen Sinne war er ein Meister des Wortes. Er verstand es, zur rechten Zeit zu schweigen. Wenn in seiner Umgebung ein unschönes Wort fiel oder gar über einen Abwesenden ein unziemliches Wort gesprochen wurde, brachte er es durch sein beredtes Schweigen schnell dahin, daß der Sprecher verstummte. So wurde er denn nicht kraft eines Mandates oder eines Amtes, sondern ganz natürlich als Führer seiner Kollegen betrachtet und anerkannt. Dabei zeichnete ihn wahrhafte Demut aus. Kein lautes Wort drang aus seinem Munde. Nur wenn es galt, Unrecht gegen andere zu verhüten, Kränkungen anderer zurückzuweisen, die Schule vor Schaden zu bewahren, konnte er heftig werden und in edlem Zorne seine Stimme laut ertönen lassen. Still und unauffällig bewegte er sich in unserem Kreise. Nicht so, als hätte er keinen inneren Anteil an '3em genommen, was um ihn herum vorging. Er war nicht, wie mancher wohl von ihm denken mochte, weltfremd. (Koh. 2, 14) iB>ma oann „der Weise hat seine Augen im Kopfe", in seinem Verstand. Ging er auch, wie es unsere Weisen von ihresgleichen erwarten, gesenkten Blickes einher, so erfaßte er doch intuitiv die Dinge schärfer als mancher, der erhobenen Hauptes und mit weit geöffnetem Auge durch die Welt geht. So war sein Reden, sein Schweigen, sein Tun und sein Lassen beispielgebend für alle, die mit ihm in Berührung kamen. Der Segen, den er so in diesem Hause auf Schüler und Genossen ausströmte, ist unermeßlich. Die jüdische Schule zur Zeit des Talmuds. Nach einem Vortrage von A. Hirschberg ^"Hf in Frankfurt a. M. III. Ich komme nun zum letzten Punkte meiner Arbeit, dem wichtigsten, zur Methode. Lesen und Schreiben wurden gleichzeitig erlernt; wie heute die Schreib-Lesemethode. Der Lehrer schrieb die Buchstaben nach alphabetischer Reihenfolge an die Tafel, ließ sie von den Kindern nachschreiben und übte sie dann ein, die Buchstabiefmethode. Um die Buchstaben fesjt einzuprägen, ließ man sie in verschiedenen Ordnungen aufsagen. Rabbi Chija, der große Förderer der Elementarschule, führte eine besondere Methode ein, die der Dekadenreihe. Die' Kinder lernten dadurch die Buchstaben, deren Zahlenwert und Rechnen. Daß unsere Weise nicht engherzig waren und jeder Neuheit und Verbesserung zugänglich waren, beweist wohl die Einführung einer neuen Methode, von der sie sagten: Von den Zeiten des Josua bin Nun bis heute haben wir so Schönes noch nicht gesehen. Und worin bestand die neue Methode? Wie unsre modernenFibeln zur Einprägung der Buchstaben sich Bilder bedienen, so suchte die neue Methode die Einprägung und Aufeinanderfolge der einzelnen Buchstaben durch Sittensprüche zu erlernen. So übte der Lehrer ein: na^a 1^8 lerne mit" Verstand, 'a wbi ^nm sei wohltätig gegen Arme, '*i '5 usw. Selbst für die Doppelbuchstaben 0 und H' t] und b die nftino und nmna genannt wurden, hatte man Sittensprüche, z. B, a und niris — bine -usk» manchmal ist das G'tteswort offenkundig, manchmal verhüllt, nins ns — owo ns: Manchmal muß der Mund offen, manchmal geschlossen sein, *] — s- Konnten die Kinder das Alphabet lesen Und schreiben, dann wurde nach der Buchstabiermethode das Lesen eingeübt. Zu diesem Zwecke bediente man sich Pergamentrollen, worauf von älteren Schülern Verse aus der Bibel, den Propheten und Psalmen ohne Vokabeln geschrie-

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