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Der Israelit · 1935-02-21 · Heft 8 (21.2.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 8 (21.2.1935)
Date
1935-02-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 8 Oer Israelit 21. Februar 1935 Schweiz. Vom Delegiertentag der „Agudas Jisroel" in der Schweiz. L u z e rn , 18. Febr. Dem bereits veröffentlichten kurzen Bericht über die Delegiertentagung vom 3. Februar ist noch nachzutragen, daß der Präsident der Landesorganisation, A, W, Rosenzweig, vor Eröffnung der Verhandlung in zu Herzen gehenden Worten des allzu frühen Heimgangs des Herrn Dr. Hausmann V'st in Basel gedachte, der im vorigen Jahre die Leitung des Keren Halhora übernommen hatte und dessen vielversprechende Tätigkeit durch einen plötzlichen Tod jäh beendet wurde. Die Versammlung ehrte den Heimgegangenen durch Erhebung von den Plätzen. Die Erklärung der Baseler Herren, daß sie auch weiter die Leitung des Keren Hathora übernehmen wollten, war die beste Ehrung, die sie dem verstorbenen Freunde bereiten konnten. Den infolge der Verlegung der Landesorganisation nach Luzern aus dem Landesvorstand ausscheidenden Herren A. W. Rosenzweig und A. Heiselbeck in Zürich stattete der Tages- Vorsitzende, Rabb. Brom, Luzern den Dank der Versammlung für ihre rührige und aufopfernde Tätigkeit, mit der sie sich für die Idee und die Organisation der schweizerischen Agudo jahrelang eingesetzt haben, den wärmsten Dank ab. Es ist zu erwarten, daß die Herren auch weiterhin ihre bewährte Kraft in den Dienst der Agudo stellen und vor allen Dingen zur Reorganisation und Entwicklung der für das ganze Land bedeutsamen Züricher Ortsgruppe sich einsetzen werden. Das Beth Jacob-Werk tritt in diesen Tagen an alle Juden der Schweiz mit der Bitte heran, sich an der Zwei-Franken-Aktion für die Beth Jacob-Schulen zu beteiligen. Tschechoslovakei. Eine ostslovakisch-karpathorussische Landeskonferenz der Agudas Jisroel, Mukacevo, 10. Febr. Aus der Initiative des sogenannten „Aktivistenverbandes" der Agudas Jisroel und eines großen Kreises von orthodoxen Zeiirim-Gruppen heraus fand am 20. Januar in Tschopp eine agudistische Landeskonferenz statt, zu der aus 35 Städten 115 Delegierte erschienen waren. Außer den Delegierten waren noch zahlreiche Gäste anwesend; aus Munkacz traf ein Spezialomnibus mit 40 Mitgliedern ein. Der eigentliche Initiator der Versammlung war Herr Jizchok Zwi K a t z , der Sohn des ehemaligen Präsidenten der slovakischen Agudas Jisroel-Landesorganisation, des Nitraer Raw, Rabbi Ahron Katz W- In der Versammlung herrschte, wie sich nicht leugnen läßt, eine außerordentlich arbeitsfreudige, entschlossene und begeisterte Stimmung, die allerdings mit einer vielleicht allzustarken kritischen Einstellung gegenüber der Landesleitung der Agudas Jisroel in Bratislava verknüpft war. Nach zweitägigen Verhandlungen und lebhaften Debatten wurde gen Verhandlungen und lebhaften Debatten wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Konferenz beschließt einstimmig, daß ein Agudo-Verband, bestehend aus allen Gruppen von. Karpathorußland und der Ostslovakei, gebildet wird einschließlich Kaschau, Munkacz, Ungvar, Beregzäsz, mit dem Sitze in Munkacz. Der Verband soll sofort seine Tätigkeit auf sämtlichen Agudo-Gebieten be-. ginnen. Zu diesem Zwecke wird eine Kommission von 15 Baalebatim und 15 Zeiirim gewählt, die sich wie folgt zusammensetzt: Baalebatim: J. Seidmann-Munkacz, Meir Kraus- Kaschau, F. Herz-Beregzasz, S. Reiner-Presov, S. M. Schönfeld-Munkacz, J. Kurz-Kaschau, J. L. Hönig- Kaschau, E. Farkas-Slotvina, Aron Magid-Slotvina, Benzion Steinberg-Veretzki, Mendel Sabel-Tetsch, Juda Holländer, Telesch, H. L. Tannenbaum-Küraly- Holmecz, Leib Rosenfeld-Wolschowicz, Meier Josef- Wolschowicz. Zeiirim: M. Amsel-Kaschau, S. Seidmann-Munkacz, Levi Stern-Ungyar, H. J. Goldfinger-Presiv, Jiz. Seidmann-Tetsch, M, Hochhäufer-Kaschäu, Urie Segal-Hust, H. S. Fuchs-Beregzasz, H. J. Rosenberg- Telesch, Ch. Katz-Ungvar, H. B. Gottesmann-Wolowetz, H. J. Zick, Ternova, J. Meier-Zwolowe, H. A. Z. Pollack-Teretne, J. Schönfeld-Munkacz. Die Kommission wird gleichzeitig beauftragt, mit der Preßburger Zentrale zu verhandeln, um mit ihr zu einer Uebereinkunft in allen Angelegenheiten zu gelangen. Sollte eine solche Uebereinkunft nicht binnen 30 Tagen erreicht werden, so ist Karpathorußland und Ostslovakei automatisch eine autonome selbständige Körperschaft. 2. Auf Antrag.des Herrn Meir Kraus-Kaschau wird beschlossen, daß die Baalebatim feierlich erklären sollen, sich von keinem Widerstand, von welcher Seite er auch immer kommen möge, abschrecken zu lassen, sondern getreu auf der Wache zu stehen für Agudas Jisroel. 3. Die Leitung soll binnen vier Wochen zusammenkommen, um einen gehörigen Plan zur Losung der wichtigsten Probleme auf dem Gebiete der Knabenerziehurig, der Jeschiwos, von Beth Jacob anzustreben und um Aguda-Organisationen, Zeiire Agudas Jisroel, Poale Agudas Jisroel und Bnos Agudas Jisroel an allen Orten zu schaffen. Satzungen für alle diese Körperschaften sind auszuarbeiten. 4. Es wird beschlossen, fünf Hachscharastätten zu gründen an den verschiedenen Punkten des Landes für eine größere Zahl von Genossen, außerdem auch Handwerker-Hachscharoth. 5. Es soll eine Keren Hajischuw-Aktion proklamiert und ihr Erfolg gesichert werden. 6. Man wird sich mit dem Jüdischen Volksblatt in Munkacz über die Frage in Verbindung setzen, unter welchen Bedingungen es das offizielle Agudo- Organ in jiddischer Sprache werden will. Große Anerkennung gelangte zum Ausdruck gegenüber den in nichxjudischer Sprache erscheinenden Zeitungen „Jüdische Nachrichten"-Presov und „Zsido" in Beregzäsz, die der Ausbreitung de Agudo-Gedankens in unserem Lande dienen. Diese Zeitungen verdienen die weitestgehende Unterstützung aller Agudisten. Die Zentrale muß ebenfalls von Zeit zu Zeit ein Journal herausgeben, worin Abhandlungen über alle Agudo-Probleme veröffentlicht werden, 7. Es soll ein tüchtiger Organisator aus Polen berufen werden, sowie mehrere berühmte Agudo- Redner. 8. Es soll so schnellwie möglich eine Trumas Chower-Aktion durchgeführt werden in Karpathorußland und in der Ostslovakei, worauf die ganze Finanzierung unserer Organisation beruht. 9. Die Konferenz spricht ihren innigsten Dank aus den sogenannten Aktivisten im allgemeinen und ihrem Vorsteher, dem Sohne des heimgegangenen Nitraer Raw b'"3i im besonderen, "die Lebensgeist hineingetragen habe in die Agudo-Kreise unseres Landes. 10. Es \vird beschlossen, sich an der Kfar Massaryk-Aktion zu beteiligen, jedoch nur unter der Bedingung, daß Agudas Jisroel in der Verwaltung gehörig vertreten sein wird. 11. Es wird beschlossen, mit eigener Stellungnahme bei den bevorstehenden Parlamentswahlen aufzutreten. Es . ist, dringend zu wünschen, daß die gewählte Kommission mit der Preßburger Landeszentrale in allen in Betracht , kommenden Fragen zu einer friedlichen Uebereinkunft gelangt, denn es ist klar, daß die Agudas Jisroel-Weltorganisation auf die Einheitlichkeit der Agudo-Organisation in jedem Lande äußersten Wert legen muß. Palästina. Das orthodoxe Jerusalem in Aurruhr. Oeifentliche Sabbatentweihung der Studenten der jüdischen Universität. — Der Heimgang des Bendiner Raws. — Die Ankunft der ersten Mitglieder der Agudo-Delegatiqn. Jerusalem, 12. Febr. Am letzten Sabbat » wurden in den Bethäusern des Stadtteils „Machane Juda" bekannt, daß die Studenten der hebräischen Universität auf dem Skopüsberge große Automobile bestellt hätten, um ausgerechnet am Sabbat-Vormittag —k: an anderen Tagen haben die vielbeschäftigten jungen Herren offenbar keine Zeit zum Spazierenfahren —^ einen Ausflug zu unternehmen. In „Machane Juda" befindet sich auch die große polnische Jeschiwa „Sfas Emeß" und eine ganze Anzahl Bothe Midraschim. Bald hatte sich eine große- Zahl von Jeschiwo-Bachurim und sonstiges Publikum angesammelt, die, als die Automobile anfuhren, mit lauten Rufen: „ S c h a b b o s..." , „Schabbos" und mit Bitten und Beschwörungen die Studenten an der Ausführung ihres Vorhabens zu verhindern suchten. Die Studenten wollten auf ihren Ausflug nicht verzichten und die Situation verschärfte sich, während immer neues Publikum hinzuströmte. Als die Studenten dann versuchten, nach der Stadt abzumarschieren, folgte ihnen 'die große Volksmenge, und als sie, entgegen dem Willen der Menge» dennoch versuchten, die Automobile zu betreten, erhob sich ein Sturm, der zu Zusammenstoßen führte, worauf die Polizei einschritt und drei Bachurim der Jeschiwa Sfas Emeß verhaftete. Alsdann konnten die Automobile " abfahren, während aus der Menge stürmische Rufe: „Schabbos, Schabbos", „wer ihn entweiht, soll des Todes sterben" ertönten. Die Verhafteten wollte die Polizei nur unter der Bedingung freilassen, daß eine Bürgschaft unterzeichnet würde, was natürlich wegen des Schabbos nicht möglich war. Schließlich gelang es, wie bereits kurz gemeldet, dem Eingreifen des Roschjeschiwa, Rabbi J. HL Sienkewicz, zusammen mit dem Sekretär der Agudas Jisroel, Glückman-Porusch und dem Rechtsanwalt Libanon die einstweilige Freilassung vorbehaltlich des gerichtlichen Nachspiels zu erwirken. Mit Recht fragt sich die Jerusalemer Bevölkerung, ob. die jüdische Gesamtheit in der ganzen Welt fortfahren will, junge Menschen zu subventionieren und auf Kosten der Allgemeinheit zu erhalten, indem sie ihnen gleichzeitig gestattet, die Heiligtümer des jüdischen Volkes in schamloser Weise mit Füßen zu treten. Der Heimgang des Bendinger Raws hat hier einen großen Eindruck gemacht. Oberrabtüner D u - schinski und die Agudo-Zenträle sandten telegraphische Beileids'wünsche nach Wärschau. Am Montag, den 8. Adar langte Oberrabbiner S. D. Ungar aus Nitra in Begleitung des Generalsekretärs der slovakischen Agudas Jisroel, Jacob Joel Braun und anderer Gesinnungsgenossen in Erez Jisroel an. Sowohl in Tel Awiw, als in Jerusalem wurden die Gäste von offiziellen Delegationen und von Schülern des Nitraer Raws feierlich begrüßt. Zur Zeit können die Herren ihrer eigentlichen - Aufgabe noch nicht näher treten, da sie auf die Ankunft von J. M. Lewin aus Warschau, des Führers der Delegation, der durch den Heimgang, seines Vaters an der Abreise verhindert wurde, warten. Die Gefangenen von Akko. Jerusalem, 15. Febr. Der Chefsekretär der Palästina-Regierung, John Hathorn Hall, hat dem Waad Leumi mitgeteilt, daß die wegen illegaler Einwanderung im Gefängnis von Akko festgehaltenen etwa 100 jungen Juden, die vor einigen Tagen zum Protest gegen die Fortsetzung der Haft in den Hungerstreik getreten sind, auf freien Fuß gesetzt werden sollen, falls zwei Bürger mit einem Betrag yon je 100 Pfund für jeden Gefangenen dafür Garantie leisten, daß die Beschuldigten sich zwei Monate lang zur Verfügung, der, Polizei halten und sich jederzeit, wenn dies verlangt wird, bei tder Polizei melden. Zu dieser Regelung habe der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, . seine Zustim-.. mung erteilt. Der Waad Leumi hat eine Haifaer Delegation beauftragt, sich nach Akko zu begeben, um die im Hungerstreik befindlichen jüdischen Gefangenen von der Entscheidung der Regierung in Kenntnis zu setzen und sie aufzufordern, den Streik aufzugeben und sich bis zur Regelung der Kaütionsangelegenheit;,zu gedulden. Der Gesundheitszustand der Gefangenen, die nunmehr bereits vier Tage hungern, ist bedenklich. Fünf Häftlinge sind ernstlich erkrankt. Andere halten sich dadurch aufrecht, daß sie Mundspülungen vornehmen —- der Hungerstreik wurde bekanntlich durch Verweigerung der Wasseraufnahme, verschärft ™; alle Speisen werden jedoch von den GefangejjeQ z.urq Fenster hinausgeworfen.

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