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Der Israelit · 1935-02-21 · Heft 8 (21.2.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 8 (21.2.1935)
Date
1935-02-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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21. Februar 1935 Der lsraeiit Nr. 8 Seite 9 Die großen medizinischen Entdeckungen von Juden können! ohne Ausnahme ausgelöscht werden. Nürnberg, 12. Febr. In Her „Deutschen Volksheilkunde", der Beilage zur „Deutschen'Volksgesundheit aus xjiut und Boden" findet sich weiterhin ein Aufsatz über „Grundsteine der Deutschen Volksheilkunde". Es heißt darin: „Wenn das deutsche Volk eine Heilkunde anerkennen und ihr vertrauen soll, dann ist die erste Vor aüssetzung, daß sie aus deutschem Blut stammt, d. h. von deutschen Männern geschaffen wurde. Deutsch ist nur derjenige, der sich instinktiv vom Juden fernhält." Der Aufsatz wendet sich dann gegen die Schöpfer der Grundlagen der Schulmedizin, gegen Rudolf Virchow, „der selbst wie ein Jude aussah", gegen den Entdecker des Tuberkelbazillus Robert Koch, der mit einer Jüdin verheiratet gewesen sei und einen jüdischen Assistenten gehabt habe, gegen den Juden Paul Ehrlich, der das Salvarsan erfand und die Chemotherapie begründete, „welche dem Judentum viele Milliarden deutschen Volksvermögens zuführte und Millionen deutscher Volksgenossen zu Siechtum und Tod verurteilte," gegen Emil von Behring, den Mann einer Jüdin, gegen den Juden Wassermann, gegen den Juden Neisser. „Die .Werke' dieser .Größten' können — ohne Ausnahme — ausgelöscht werden. Es ist nichts Gutes daran! Sie sind in den Mantel .exakter Wissenschaft' gekleidete Methoden ungestraften jüdischen Raubens und MordensJ" (Siehe „Wochenrundschau".) Die Eingliederung der jüdischen Gemeinden des Saargebietes in das deutsche Judentum. Saarbrücken, 17. Febr. Im „Nachrichtenblatt der Synagogengemeinden des Saargebietes" wird in einem Aufsatz die Eingliederung der Juden des Saargebietes in das deutsche Judentum in eingehenden Ausführungen behandelt. Einleitend wird der Verbundenheit der Juden des Saarlandes mit den anderen deutschen Juden Ausdruck gegeben und die Gewißheit ausgesprochen, daß die Juden des Saargebietes von dien übrigen deutschen Juden freundschaftlich und brüderlich aufgenommen werden. „So treten wir denn," heißt es zum Schluß des Aufsatzes, „mit dem gesicherten Bewußtsein in das Deutsche Reich zurück, daß wir im Kreise unserer jüdischen Brüder Verständnis und Hilfe finden werden, daß aber auch wir an ihren Sorgen und Aufgaben teilnehmen werden und auch geben wollen, wo wir es können, denn auch wir haben noch geistige und kulturelle Anregungen, die wir für eine weitere Zusammenarbeit freimachen wollen. Und alles zum Wohle der deutschen Judenheit!" Freistaat Danzig. Ein Schritt der Danziger Gemeinde beim Senat der Freien Stadt Danzig wegen Boykottvorfällen. Danzig, 15. Febr. Im. Zusammenhang mit verschiedentlich aufgetretenen Boykottfällen hat sich der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Danzig an den Senat der. Freien Stadt Danzig gewandt, um ihn unter Bezugnahme auf die wiederholten amtlichen Erklärungen des Senats über die freie Betätigung der jüdischen Gewerbetreibenden von den Boykottfällen in Kenntnis zu setzen, Die Eingabe enthält genaue Angaben über die beanstandeten Vorfälle. Es wird beantragt, gegen den Boykott einzuschreiten und Ermittlungen darüber anstellen zu lassen, von wem diese neue Boykottbewegung ausgeht. Oestetreich. Der jüdische Aerzte-Nachwuchs in Oesterreich. Wien, 13. Febr. Das soeben erschienene Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Aerzte stellt fest, „daß seit 22 Monaten wider jedes Recht und gegen alle Versprechungen unsere jüdischen Kollegen von Fonds- Spitälern (staatliche» Krankenanstalten) und den städtischen ,Anstalten präteriert werden, ohne jeden dienstlichen Anlaß,, nur deshalb, weil sie das „Un- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Epez fisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw, Der Lloyd Triestino sucht die jüdische Palestine Shipping Co. zu boykottieren, indem er den Reisebüros droht, ihre Buchungen für alle italienischen Schiffe nicht mehr anzunehmen, wenn sie nicht die Buchungen für die Palestine Shipping Co. ablehnen. Dieses Verhalten der großen Schiffahrtsgesellschaft gegen . einen jüdischen Dampfer, der nur einen sehr bescheidenen Anteil an dem Verkehr anstreben kann, ist befremdend. Tel Awiw. Die Papierfabrik „Papyrus", die hauptsächlich Verpackungsmaterialien herstellt und über 30 Tonnen Rohpapier monatlich j verarbeitet — sie fabriziert vorwiegend Ze- ' mentsäcke, an denen ein Jahresbedarf von 4 Millionen im Lande besteht — hat jetzt versuchsweise mit der Herstellung von P apierfässern für den Orangenexport nach eigenen Patenten begonnen. Die ersten Versuchssendungen nach England waren erfolgreich. Die Fässer sind härter als Holzkisten, umfassen 4—5 Kisten und bedeuten bei größeren Fässern eine Ersparnis gegenüber der Holzkiste bis zu 60 Proz. Palästina hat in diesem Jahre für über Lst. 200.000 Orangenkistenholz importieren müssen, so daß die große Bedeutung des neuen Verfahrens in die Augen springt. Die Fabrik beschäftigt zur Zeit 24 Arbeiter. T e 1 Awiw. Die Klagen der Importeure gegen die Bahnverwaltung mehren sich. Beim Röhrentransport zwischen Haifa und Tel Awiw und auch beim Auf- und Abladen herrschen schwere Mißstände, die zu großen Verlusten führen. Haifa. Die chemischen Werke Barak in Haifa, die che- . misch - technische Produkte herstellen (Schuhcreme, Bohnerwachs usw.) errichten in der Haifa-Bay einen Neubau; es wird dann auch die Produktion von kosmetischen Erzeugnissen und flüssiger Seife aufgenommen. Jaffa. Der schweizerische Konsul erklärt, daß die Schweiz sehr gerrne bereit sei, palästinensische Orangen in größerem Maßstab aufzunehmen. Die palästinensischen Exporteure sollten nach der nächsten Ernte größere Aktivität auf diesem Gebiete entfalten. Jaffa. Wie die Statistik zeigt, hat der Hafen von Jaffa, obgleich er gar kein eigentlicher Hafen ist, seine Bedeutung im Schiffs- und Güterverkehr des Landes trotz der Sperrung für Schwergüter seit September-Oktober aufrecht erhalten. Der Jaffaer Anteil an der Zahl der ankommenden Schiffe ist nur von 45 Proz. auf 44 Proz. gesunken. Das beweist wie nötig es wäre, daß die Regierung an den Bau des Jaffaer Hafens endlich heranginge. Bei einem Schiffsverkehr von 6 Millionen Tonnen und einem Güterumschlag von etwa 1,3 Millionen Tonnen schon im gegenwärtigen Zeitpunkt ist ein zweiter moderner Hafen neben Haifa durchaus erforderlich. Tel Awiw. Der japanischen Baumwoll- und Seidengewebeindustrie ist es gelungen, in den zwei Jahren zwischen 1931 bis 1933 ihre Einfuhr nach Palästina zu verzwölffachen. Die Leidtragenden sind in erster Reihe Aegypten und Syrien. Das Jahr 1934 dürfte ein weiteres Vordringen Japans gebracht haben, da der japanische Export nach Palästina von Lst. 350.000 im Jahre 1933 auf Lst. 308.000 schon im ersten Halbjahr 1934 gestiegen ist. Jerusalem. Die jetzt abgeschlossen vorliegenden Einwanderungsziffern für das Jahr 1934 ergeben, daß im ganzen 44143 Einwanderer registriert worden sind, darunter 1784 Nichtjuden. Dief Einwanderung von Kapitalisten und Angehörigen ist von 1933 auf 1934 von 6500 auf 10.000 Personen gestiegen, dagegen die Arbeitereinwanderung nur von 19.000 im Jahre 1933 auf 22.500 im Jahre 1934, stark gestiegen ist die Studenteneinwanderung von 503 auf 2000, sowie die Angehörigeneinwanderung von 3100 auf 7200. Das Kapital, das die Einwanderung ins Land gebracht hat, wird auf etwa 10 Millionen Pfund geschätzt. Haifa. Der polnische Export nach Palästina ist von 53/4 Millionen Zloty im Jahre 1933 auf über 9 Millionen Zloty im Jahre 1934 gestiegen. Jaffa. Die wesentlich bessere Getreideernte des Jahres 1934 gegenüber 1933 hat bewirkt, daß an Wei2en, Weizenmehl und Gerste im Juli bis September 1934 nur für 104.000 Lst. eingeführt werden mußte gegenüber Lst. 260.000 im Vorjahre. glück" haben, Juden zu sein. So gerne wir," heißt lichten Artikelreihe von Oberrabbiner Fischer) entziellen Erklärungen das Gegenteil behaupten möchten, sind wir im Namen der Gerechtigkeit und im Interesse der vergeblich um das primitive Recht auf Ausbildung kämpfenden jungen Aerzte gezwungen, immer wieder darauf hinzuweisen. Wir müssen aus Verantwortung auch darauf verweisen, in welcher katastrophalen materiellen und seelischen Verfassung sich diese jungen Menschen, voliKommen schuldlos, befinden, und es ist wahnlich keine Drohung, daß viele unter ihnen mit dem Gedanken des Selbstmordes angesichts ihres verpfuschten Lebens spielen.Solange es uns nicht gelingt, die Ausbildung von Kollegen in den Fonds-Spitälern zu ermöglichen, erwachsen die Sorge und die Pflicht, Ersatz zu schaffen, nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die dazu erforderliche materielle Basis." Ungarn. „Ein Danaer-Geschenk". Budapest, 16. Febr. Die unter diesem Titel im „Israelit" erschienene Artikelreihe von Rabbiner Fischer in Sarospatak ist der Schriftleitung des „Szombat" natürlich höchst unbequem. Da etwas Sachliches nicht zu erwidern ist, greift das Blatt in seiner neuesten Nummer zu persönlichen Invektiven auf den Autor. Dieser wird es gewiß unter seiner Würde halten, auf diese persönlichen Angriffe zu antworten. „Szombat" schmerzt es ganz besonders, daß Rabbiner Fischer nicht bei seiner „Gemoro" verblieben, sondern publizistisch tätig ist! Vielleicht gereicht es dem Artikelschreiber des „Szombat" zur Beruhigung, daß auch der GroQwardeiner Gaon, den der „Szombaf'-Redakteur zi Unrecht als seinen Lehrer zu zitieren pflegt, Rabbiner Fischer eben wegen seiner publizistischen Tätigkeit ganz besonders schätzte und verehrte. Um die neologen Landesstatuten. — Mazzos, — Prozeß Rakosi. Budapest, 10. Febr. Der Vorsitzende der neologen Landeskanzlei, Hofrat Stern, veröffentlicht in den jüdischen Wochenblättern der Hauptstadt eine Erklärung, worin die Behauptung, die orthodoxen Landesstatuten ermangelten der königlichen Bekräftigung, widerrufen und als irrig bezeichnet wird. Hofrat Stern betont bei dieser Gelegenheit, daß er ein weiteres freundschaftliches Einvernehmen mit der orthodoxen Landeskanzlei und die Kräftigung und Weiterentwicklung der Orthodoxie von Herzen wünsche. In orthodoxen Kreisen bemängelt man, daß Hofrat Stern bloß zu diesem einen Punkt der Kritik an den neologen Statuten und ihrem Motivenbericht Stellung nimmt, die übrigen aber mit Stillschweigen übergeht. „Zsido Ujsag" betont bei dieser Gelegenheit nochmals, daß die Regulierung des Verhältnisses der orthodoxen Betgenossenschaften zu den neologen Muttergemeinden "n den neuen Statuten nicht geeignet sei, die friedliche Atmosphäre zwischen Orthodoxen und Neologen :iu stärken. Das Blatt lehnt die Reziprozität in dieser Frage (ganz im Sinne der im „Israelit" veröffentlichten Artikelreihe von Oberrabbiner Fischer) entschieden ab. Außerdem vertritt die Orthodoxie den Standpunkt, daß es nicht angängig ist, die Gründung vollberechtigter orthodoxer Gemeinden von einer qualifizierten Mehrheit abhängig zu machen. Das ungarische Handelsministerium veröffentlicht unterm 28. Januar eine Verordnung, wonach Privat^ personen nur mit Bewilligung der zuständigen jüdischen Gemeinde Mazzos durch die Post befördern dürfen. Aus Anlaß einer Rede des Staatsanwaltes im Verlaufe des Rakosi-Prozesses, worin der Angeklagte, ein Volkskommissar aus. der Aera Khun, als rassenfremder Abenteurer bezeichnet wurde, stellt „Egyenlöseg" fest, daß während der Räteregierung in Ungarn 36 Juden aus politischen Gründen umgebracht worden sind, daß sie also doppelt so stark unter den Opfern des Bolschewismus figurieren, als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung überhaupt war. Der stärkste Feind und Verfolger der Kommunisten war der jüdische Staatsmann Wilhelm Vasonyi.

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