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Der Israelit · 1935-02-21 · Heft 8 (21.2.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 8 (21.2.1935)
Date
1935-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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21. Februar 1935 Der Israel i t Nr. 8 Seite 7 beiterorganisation wie die PAJ. gegenüber ihren mitunter hilflos dastehenden Mitgliedern übernimmt. Versagt hier PAJ. in ökonomischer Hinsicht, so ist ihre ganze Lebensexistenz in Frage gestellt. . Will man aber die Aguda-Idee im Lande verwirklichen, so ist PAJ. hierfür Voraussetzung. Die Aguda-Idee ist eine Idee mit einer totalen Lebensform. Würde diese Idee in ihrer absoluten Reinheit verwirfelicht werden, so wäre eine die Arbeiterinteressen vertretende Organisation überflüssig, da ein über den Menschen stehendes Gesetz die Beziehungen zueinander objektiv regelt. Das konkrete gesellschaftliche Leben ist jedoch, selbst in dem die Aguda-Idee verkörpernden Teil noch sehr weit von diesem Ideal entfernt. Insbesondere werden die thoragemäßen Pflichten der Menschen untereinander, zumal sie oft materielle Opfer fordern, von dem vermögenden Teil wissentlich oder unwissentlich umgangen. Es liegt jedoch in der Eigenart dieser totalen Ideej daß sie in ihrer Gänze" verwirklicht werden muß. Jeder Teilverwirklichung muß man entgegentreten, da eine' solche oft noch das? bereits Erreichte gefährdet. PAJ. ist deshalb zur Verwirklichung der Aguda-Idee in ihrer Ganzheit Voraussetzung.. Sich entwickeln und Einfluß gewinnen kann PAJ, nur dann, wenn sie ökonomische Positionen erobert. Inwieweit ist nun PAJ. diesen Forderungen nachgekommen, mit anderen Worten, was ist bis nun für die wirtschaftliche Einordnung der Mitglieder getan worden? Im Laufe der letzten zwei Jahre haben sich etliche Hundert Mitglieder in TelAwiw seßhaft gemacht und sich in der PAJ.,. Tel Awiw registriert. Hiervon waren etwa 50 Proz. Facharbeiter, welche zum Teil als Facharbeiter ins Land kamen Und zum; anderen Teil ihre Ausbildung im Lände genossen haben, die anldren 50 Proz. sind ungelernte Arbeiter. Bei der jetzt stattgefundenen Wähl hat es sich herausgestellt, daß ca. zweidrittel Chawerim anderen Arbeiterorganisationen beigetreten sind. (Die „Zweidrittel" dürften stark übertrieben sein. Red.) Zweifellos ist dieses auf das ökonomische Versagen der PAJ. zurückzuführen. Hierzu kommt noch, daß ein großer Teil der aktiven Chawerim aus wirtschaftlichen Gründen zugleich in der HistadrUth organisiert sind. Demnach ist ein gewisser Teil der Mitglieder vorläufig mit einem ständigen Arbeitsplatz versorgt. Es bleiben nun noch etwa 40 bis 50 Chawerim, zuJ meist ungelernte Arbeiter, die den Schritt in das fremde Lager nicht machen wollen und die nur darauf angewiesen sind, von der Machleket Awodah unserer Organisation, wenigstens einige Tage in der Woche Arbeit zu erhalten. Es ist leider Tatsache, daß jetzt nach stürmischem Drängen aller Chawerim durch den auf Veranlassung des Direktors des Keren Hajischuw in Polen, Herrn P. Levin, eingerichteten Merkas Awodah kaum 5 bis 6 Chawerim täglich Arbeit haben. Zu bemerken ist, daß es sich hierbei nicht um ständige Arbeitsplätze handelt, sondern lediglich wie mäh es hier nennt „um einen Tag Arbeit".- Diese Chawerim, z. T. Familienväter, be^jitzen, keinerlei Reserven und der ()Tag Arbeit" ist für sie die Frage des täglichen Brotes. i Wem. es daher Ernst um, die Entwicklung der Agüdas Jisroel im Lande ist; müssen solche Zustände ernste Sorge bereiten und er muß sich die Frage vorlegen, wie hier eine positive Aenderung herbeizuführen ist Es handelt sich hier darum, dem bisherigen Chaos, und der, Unplanmäßigkeitein Ende zu machen und mit einer systematischen Arbeit, beginnend noch in Cjhuz Laarez; .anzufangen. : . Um f,ür unsere Olim eine solche Vorbereitung zu schaffen, wie sie die tatsächlichen Verhältnisse im Lande erfordern, muß ein reger Gedankenaustausch zwischen den hier im Leben stehenden und erfahrenen Mitgliedern und1 denen, die ins Land wollen, entstehen. Hierfür * muß eine öffentliche Tribüne geschaffen werden! F-er * ner muß. die PAJ» im Lande 'genau und laufend; informiert werden über die Zusammensetzung der jeweils zur Alijah kommenden Chawerim bezüglich der Art ihres Berufes und ihrer beruflichen Ausbildung; damit die Möglichkeit ihrer Einordnung hoch vor ihrer Ankunft zu schaffen versucht wird. Gleichzeitig muß eine Registrierung der Mittelstandsalijah (Handwerker und Kapitalisten) erfolgen, um einerseits - dieser bei der Einordnung im Lande mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und andererseits zu versuchen, die dadurch neu geschaffenen Arbeitspositionen ■ mit unseren Arbeitern zu besetzen. Von besonderer Wichtigkeit für eine weitgehende ökonomische Verbesserung der Lage unserer Chawerim, muß man die Schaffung von Cooperativen in allen Branchen betrachten. Das hierzu notwendige Kapital muß zum größten Teil durch den Keren Hajischuw aufgebracht werden, was jetzt durch Forcierung der Adar-Aktion in allen Ländern leicht geschehen kann. Somit würde die Wirtschaftslage der Chawerim gebessert werden, was eine Verbesserung der Finanzlage der lokalen Organisation zur Folge haben würde, so daß es schließlich "möglich sein müßte, daß jede lokale Organisation ihre Unisosten für I den notwendigen Beamtenstab usw. aus eigenen Mitteln deckt. Hierdurch kann eine produktivere Anwendung der Keren Hajischuw-Gelder erreicht werden, ohne daß einerseits irgendjemand benachteiligt und andererseits der erste große Schritt zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der agudistischeh Olim getan wird, was ja überhaupt die Voraussetzung der Entwicklung der PAJ. im Lande ist. Selbstverständlich sind damit die Vorschläge zur Entwicklung unserer Organisation nicht erschöpft, zumal ich mich in meiner Darstellung nur auf die Verhältnisse in Tel Awiw beschränkt habe. Es bleibt noch übrig, über die Dinge in anderen Städten und Moschwoth zu sprechen, sowie die Frage der Kibbuzim und Hitjaschwuth im allgemeinen zu behandeln. Doch hierüber in einem darauffolgenden Artikel. (Ueber die Entwicklung der Kibbuzim von Kefar Saba und G e d e r a , wie auch aus Haifa liegen uns erfreuliche Nachrichten vor, doch müssen weit größere Geldmittel als bisher, insbesondere für den Ausbau von M a - chane Isroel, aufgebracht werden. Red.)." Korrespondenzen. Deutsches Reich. Ein Tag der jüdischen Jugend. ' Berlin, J9. Febr, i Herr Dr. Friedrich Brodnitz äußert sich im Rahmen eines Interviews mit einem ITA-Vertreter über den beabsichtigten „Tag der jüdischen Jugend" wie folgt: Am 10. und 11. März wird in Be lin vom R e i c h s a u s s c h u ß der jüdischen Jugendverbände ein „Tag der jüdischen Jugend" veranstaltet. Die Tagung soll der Stärkung, des organisatorischen Zusammenhangs zwischen dem Reichsausschuß und seinen Untergliederungen (Landesausschüsse und Qrtsringe), dem Ausbau der persönlichen Verbindungen zwischen den führenden Jugendlichen im Reiche Und der Aussprache über wichtige, die jüdische Jugend gemeinsam berührende Fragen dienen. An der Tagung werden Vertreter aller Landesausschüsse, der wichtigsten Ortsringe, sowie der Bundesleitungen der jüdischen Jugendbünde teilnehmen. Der „Tag der jüdischen Jugend" wird auf diese Weise die führenden Menschen aller dem # Reichsausschuß angeschlossenen Jugendbünde vereinen. Die agudisti sehen Bünde hab.en sich die endgültige Entscheidung über ihre Teilnahme .noch vorbehalten. Um ■:eine fruchtbare Aussprache auf der Tagung selbst sicher zu stellen, haben in den vorhergehenden Wochen, in' allen Landesausschüssen und Ortsringen Aussprachen stattgefunden, an denen meist Mitglieder des Führerrates des Reichsausschiiisses teilgenomt : - * ' ' f ■ men haben und in denen die auf der Tagung zu behandelnden Probleme eingehend erörtert wurden. Es soll auf diese Weise erreicht werden, daß die Teilnehmer aus dem Reiche durch örtliche Diskussionen zu den Erörterungen des „Tages der jüdischen Jugend" vorbereitet kommen. Die Tagung soll ,am Abend des 9. März durch eine Veranstaltung eröffnet werden, auf der Dr. Hans Friede rithal und Heinz Kell ermann sprer ch'en werden. Die Tagung selbst sieht folgende Re^- ferate vor: 1, „Bericht über die Arbeit des Reichsausschusses und Grundlinien zukünftiger Arbeit", .erstattet von dem' Geschäftsführer des Reichsausschusses, Dr. Bruno Sommerfeld. : 2. „Berufsfragen jüdischer Jugend" (Referent SeeW Orbäd'h). 3. „Das Freizeit-Problem der jüdischen. Jugend" (Bildungs- und Erziehungsfragen)', (Referent Dr. Paul Eppstein). 4. „Jüdische Jugend" und die Organisationen des deutschen Judentums" (Mitarbeit der jüdischen Jugend in den Gemeinden, Landesverbänden und zentralen Organisationen des deutschen Judentums). Re- . f erent Frtiz S c h w a r z Schild. 5. „Diaspora und Palästina", Referent- Dr. Friedrich Brodnitz. , Zum ersten Male seit der Gründung des Reichsausschusses werden jüdische Jugendführer aller Richtungen aus dem ganzen Reiche (sofern sich die Agudo-Jugend beteiligt. Red.) zu einer gemeinsamen Tagung zusammentreten. Der Gedanke der Einheit der jüdischen Jugend, die sich trotz aller Verschiedenheiten des Weges immer stärker als eine, durch Generationsgleichheit und Gemeinsamkeit des Schicksals zusammengeschlossene Gemeinschaft empfindet, soll im „Tag der jüdischen Jugend" einen sichtbaren Ausdruck erhalten. Durch das persönliche Sichkennenlernen von Menschen, die in den verschiedenen Teilen des Reiches an gleichen Aufgaben arbeiten, soll der Reichsausschuß für seine zukünftige Arbeit eine feste äußere und innere Basis erhalten. Darüber hinaus soll der Versuch gemacht werden, in gründlicher Aussprache eine einheitliche Meinungsbildung der jungen Generation zu den sie gemeinsam berührenden wichtigen Fragen herbeizuführen. (Der Reichsausschuß der jüdsichen Jugendverbände ist ursprünglich auf der Grundlage ausgesprochener Neutralität gegenüber allen Weltanschauungsfragen gegründet worden und sollte lediglich dem Staate gegenüber das wünschenswerte organisatorische Einheitsband für die Vielfalt der jüdischen Jugendbünde abgeben. Auf Grund dieser Voraussatzungen sind auch die agudistischen Jugendverbände dem Reichsausschuß beigetreten. Mit der Veranstaltung des jetzt in Aussicht genommenen „Tages der jüdischen Jugend" betritt der Reichsausschuß eine u. E. nicht ganz ungefährliche Bahn. Denn der Wunsch, einer solchen Tagung einen möglichst starken ideologischen Unterbau zu verleihen und aus der Einheit der äußeren Organisation eine Einheit der Gesinnung hervorwachsen zu lassen, verführt allzu leicht dazu, die gebotenen Grenzen der Gemeinsamkeit zu überschreiten und die religiösen Gegensätze zu bagatellisieren. Es erscheint daher fraglich, ob die „Agudo-Jugend" an diesem Jugendtag ohne starke Vorbehalte teilnehmen kann, und ob sie nicht besser daran tut, entweder ganz fern zu bleiben, oder aber lediglich an denjenigen Gegenständen _ der Tagesordnung mitzuarbeiten, die sich im Rahmen des ur; s p' r ü n g 1 i c h e»n Programms des Reichsa ü s s c h u s£ e s s halten, ^ed. id. Isrf).

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