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Der Israelit · 1935-02-21 · Heft 8 (21.2.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 8 (21.2.1935)
Date
1935-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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;? j":*i±* ir^f, -J*!'?*'V £-*: ^V" ^i.-V-V^^^ ^^^..^-vy.^-^^ -H^^C^.^ Seite 6 Nr. 8 D Israelit 21. Februar 1935 auch beim kritischen „Aber" nicht vergessen werden. Zum Ansatzpunkt der Kritik wählen wir die Einstellung der führenden Menschen des Jung- Misrachi zur „Deutschen Orthodoxie". Deren kraftvollster literarischer Wortführer in der Ge genwart wird im Referat von Königshöfer ein mal als dem eigenen Standpunkt „methodisch" nahestehend bezeichnet. Hieran wird eine kritische Bemerkung über kämpferische Haltung „um des dialektischen oder propagandistischen Erfolgs willen" geknüpft. Diese Bemerkung ist unsachlich, wie überhaupt die selbständige Or thodoxie in diesem Kreise oft unsachlich bespro chen wird; nicht selten begnügt man sich mit einer Ironisierung. An einer andern Stelle des Referates von Königshöfer wird es als „bekannt" vorausgesetzt, daß die deutsche Orthodoxie ,,in ihrer Mehrheit" sich über die Pflicht der Haarverhüllung bei der verheirateten Frau hinweggesetzt habe. Rudi Herz — mit dessen kultureller . Einstellung die von östlicher Jeschiwah berührten Ausführungen Königshöfers nicht identifiziert werden sollen —■ stellt der „konfessionellen Auflösung" durch den Liberalismus die „orthodoxe Erstarrung" gegenüber und behauptet an anderer Stelle, daß man aus der Unterstellung des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens unter die Kultur der Umwelt „schließlich noch eine Theorie" gemacht habe: Thora im Derech Erez, ,.d. h. sei europäischer Mensch unter Europäern und Jude unter Juden." Wer so wie diese beiden Referenten über die „Deutsche Orthodoxie" urteilt, zeigt, daß er sie eigentlich zu wenig kennt, um sie beurteilen zu dürfen. Wenn eine neue Bewegung an die Thoratreue Deutschlands anknüpfen will, so kommt nicht die Masse in Betracht, sondern die führenden Kreise, die das Ideal auch leben. Wenn die Masse idealfremd lebt, so ergibt sich das Problem, wie sie dem Ideal näher zu bringen ist, aber keine Kritik am Ideal. Die Idee der deutschen Orthodoxie war es aber, das ganze Leben G'tt darzubringen, den Alltag und die Wi rtschaft, Kunst und Wissenschaft als g'ttgeweihte Lebensgebiete zu begreifen. Eine wesentliche Erweiterung dieser Thora-im-Derech-Erez- I d e e ist aber Thora wa'Awodah auch nicht. Wenn Thora wa'Awodah aber an seinen Ursprung sich nicht anschließen will, so deshalb, weil es nicht die Quelle, sondern bloß ein Zerrbild dieser Quelle kennt. Man hat die Psyche der führenden, idealnäheren Kreise der deutschen Orthodoxie nicht begriffen. Denn diese Kultur enthält manche Werte, die in keinem andern thoratreuen Kulturkreise in gleicher Höhe ausgebildet sind. Hier gibt es echte, in höchstem Sinne naive Jüdischkeit, die nicht krampfhaft, sondern ganz und gar u rsprünglich ist. Hier gibt es Gestalten, die nur in Jüdischem denken, fühlen und leben, denen ihr Beruf ein Zweig ihrer Thora ist,, die also innerlich nicht assimiliert sind, sondern in urjüdisoher Tradition leben. Die Kritiker aber entstammen einem Milieu, dem das Thorajudentum nicht Urtatsache des! Lebens ist, dessen psychologischer Vorstellung' es ein thorafreies Menschentum gibt, denen ihr Judesein nur ein Attribut ihres Menschseins ist. -Dieses thorafreie Menschentum ist aber das des neuzeitlichen Europa. So sind diese Kreise in ihrem Tiefsten sehr stark von der Moderne ergriffen, viel tiefer als die Objekte der Kritik. Nun soll keineswegs der Wille zur Ueberwindung der eigenen seelischen Assimilation übersehen oder unterschätzt werden. Kann dieser Wille aber zu reinem Erfolg führen? Jedenfalls nur dann, wenn er als zu überwindender Schwächezustand angesehen würde, wenn man sich mit ihm nicht abfände. Man findet sich aber ab; nicht, daß man geistig ausruht, aber man zimmert sich ein Haus dort, wo man jetzt gerade ist. Dieses verfrühte Haltmachen zeigt sich einesteils in einer Theorie, die außerjüdische Elemente in die jüdische Weltanschauung bewußt einbaut, eine Theorie," die eine gewisse Assimilation als berechtigt anerkennt. Da diese Theorie zwar durch die Ausführungen von Herz hindurchschimmert, aber sonst zur Zeit nicht in höherem Maße vertreten wird, soll sie hier nicht genauer kritisiert werden. Aber eine andre Folge des verfrühten Haltmachens beherrscht das Referat von R. Herz. Thorajudentum enthält hiernach zwei Komponenten: ehrliche, individuelle Religiosität — in keinem verwaschenen Sinn -— und das Thoragesetz. Mancher Leser wird im Augenblick die Unvollständigkeit dieser Bestimmung nicht empfinden; denn es sind dies ohne Zweifel die tragenden Exponenten des Thorajudentums. Was hier noch fehlt, ist — das Nationale. Die Atmosphäre des Thorajudentums hat ihre eigene Ausprägung der Religiosität; das eigentliche Gäluthgefühl, das Wissen um die die Welt gründende Bedeutung des Lernens, das Wissen um die die Welt gründende Bedeutung jeder M i z w o h , und auch eines jeden Din, eine Fülle solcher Elemente sind schöpferische Kräfte des thorajüdischen Lebens. Der süddeutsche Baal Habajis, der nur Mazzoh sch'muroh genießt, der täglich, einige Kapitel aus Tehillim sagt und seinen Abschnitt aus der Mischna lernt, der sich freut über eine geistvolle Deutung des Schriftverses und jeden guten Drusch für den Sinn des .Verses hält, der in Freud und großem Leid zuerst stets an die Halacna denkt, der sich an die Sabbatentweihung eines Verwandten nicht gewöhnt — entgegen der Charakteristik von Herz — dieser Baal Habajis führt ein Leben der Thora, auch wenn Rechts- und Wirtschaftsleben, in die er eingeordnet ist, vom Wirtsvolk geprägt sind. Dieses Leben ist natürliches, jüdisches Leben, blutvolles jüdisches Leben. .Auf das Blut des jüdischen Lebens kommt es ah. ' ■ . (Schluß folgt.) 8 Die Lage des Orangen- Marktes und die Verkehrszerrüttung in Tel Awiw, 5. Febr. (Palnews.) Ende Januar stellten sich die Ergebnisse für Orangen mittlerer Größe auf etwa 8—9 sh. durchschnittlich. Kleinere Früchte erzielen bis zu 12 sh,, jedoch wird der höchste Preis nur für einen sehr kleinen Teil der Ernte erzielt. Große Früchte, bringen sogar nur 7—8 sh. Aus Spanien treffen unterdessen Nachrichten über Frostschäden in den letzten Janüärtagen ein. Das Ausmaß der Schäden läßt sich im einzelnen noch nicht übersehen, sie sollen aber, wie in späteren Telegrammen bestätigt wird, sehr ernst sein, t Es dürfte damit zu rechnen sein, daß durch den spanischen Frost, der den Orangenexport mehr oder weniger stark zu beeinträchtigen geeignet ist, der Markt eine Entlastung erfährt und sich demgemäß die Absatzmöglichkeiten und, wie zu hoffen ist, auch die Preise für palästinensische Orangen bessern. Im Vorjahr trat bekanntlich die gleiche Erscheinung spanischer Fröste ein, die dem anfänglich schwachen Markt eine Stütze gaben. Allerdings war das im letzten Jahr zu einem früheren Zeitpunkt der Fall. Jedenfalls sollte man — selbst wenn auf den den spanischen Frost hin eine wesentliche Preiserholung eintreten sollte — in Palästina die Signale des Marktes nicht überhören und die Pflanzungstätigkeit einstellen. Die Citrusexporteure haben von einem Beschluß, eine Verschiffungspause eintreten zu lassen, über die in der.letzten Woche berichtet wurde, abgesehen. Der Exportdruck würde nach Ablauf dieser Pause nur um so schärfer einsetzen. Im übrigen haben die Regengüsse vom 3. und 4 Februar bereits . eine Verschiffungspause zur Folge, da die, Verkehrswege zwischen der Orangenzone und dem Haifa er Hafen in katastropha 1 er Weise zerstört sind. Die Bahnlinie ist an vier Stellen unterspült, zwischen Petach-Tikwah — Ras el Ain steht die Strecke 2 km lang unter teilweise 2 Meter tiefem Wasser. .Besonders sind auch bei Tulkarem schwere Flutschäden eingetreten. Da zwischen Tel Awiw und Haifa keine Straßenverbindung besteht, ist es k a u m m ö glich, an die Orte der Zerstörung überhaupt heranzukommen, nach einem zwischen Haifa und, Lyddä entgleisten Zug muß per Flugzeug gefahndet werden. Der Jaffaer „Hafen" ist unterdessen durch stürmisches Wetter lahmgelegt. Die Stürme haben auch in den Pardessim Schäden angerichtet, und Fruchtabfall zur Folge gehabt — um so mehr als wegen der Verkehrsstockungen in den ganzen letzten Wochen die Ernte hinausgeschoben werden mußte. Es bleibt abzuwarten, welche Wetter-, Verkehrs- und Wirtschaftskatastrophen sich noch ereignen müssen, bis die zuständigen Regierungsinstanzen sich von der Notwendigkeit überzeugen, zwischen Haifa und Jaffa eine Straßenverbindung zu schaffen und in Jaffa einen Hafen anzulegen. Seit Wochen bereits ist die Warenversorgung des Landes schweren Stockungen unterworfen, und auch das Exportgeschäft kann nicht ordnungsgemäß abgewickelt werden. Die Regierung wahrt demgegenüber in überlegener Ruhe ihren Standpunkt, daß der chronisch verstopfte, überlastete Haifaer Hafen für das Land genügt und die Schaffung von Zufahrtswegen zu diesem Hafen überflüssig ist. ' Ein Wort zur Situation der Poale Agudath Israel in Tel Awiw. Von A. J. Kaufmann in Tel Awiw. Nur Klarheit und rücksichtslose Offenheit in der Beurteilung einer Situation, nur mit fanatischer Wahrheitsliebe betriebene Kritik ihrer negativen Seite, Erkenntnis ihrer Ursachen und entschlossener Wille, auf Grund ' dieser! Erkenntnis eine Aenderung herbeizuführen, verspricht Erfolg in der Arbeit. Selbsttäuschung ist der größte Feind für die Entwicklung, einer Bewegung, Diese Sätze mögen als Leitmotiv die Betrachtung der Lage der Poale. Agudath Israel im Lande gelten.' Poale Agudath Israel ist eine Arbeiterorganisation. Man muß sich darüber klar sein, was dieses zu bedeuten hat. Es gibt für den ins Land kommenden Arbeiter nur zwei Möglichkeiten,, sich einzuordnen und Arbeit zu finden. Entweder er besitzt persönliche Beziehungen, was nur zum geringen Teil der Fall ist, oder er ist darauf an-; gewiesen, von seiner Arbeiterorganisation ökonomisch eingeordnet zu werden, Hat nun eine solche Arbeiterorganisation wirtschaftliche Positionen, so ist diese in der Läge, weitgehendsten Einfluß auch auf die Gestaltung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens ihrer Mitglieder auszuübein. Dies erklärt die1 beherrschende Stellung der Histädrüth' Haowdim im Lande. ■ Ist es zweifellös richtig; daß dem Beitritt religiöser Arbeiter in die Histadruth' entgegenzutreten ist, so muß man sich andererseits darüber im klaren sein, was es für einen Arbeiter bedeüteti ohne die! Hilfe: der Histadruth sein Brot zu . finden und weichte' Verantwortung eine Ar-

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