Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1935)
- Date
- 1935-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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21. Februar 1935 Der Israelit Nr. 8 Seite 5 einen Schlag gegen die Zionistische Organisation darum, weil eine verhältnismäßig große Zahl von Zertifikaten^ im voraus an mit Namen genannte Personen gebunden wurde, die von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus angefordert würden, denen aber mindestens die geistige Hachscharah fehlt. Diese Menschen wurden durch rein subjektive persönliche Bemühungen ausgewählt. Die Erfahrung hatbewiesen, daß mehrere dieser Personen nicht einmal in ifgend einem Fach ausgebildet sind. Auf diese Weise werden fachlich und geistig gut qualifizierte zionistische Kandidaten, die ein glänzendes produktives Element in Palästina bilden würden, hinter Elementen zurückgesetzt, die mit Zionismus nichts zu tun haben, oft sogar als Gegner des Palästina- Aufbaus sich betätigen. Diese Fragen mit der Exekutive zu besprechen und erhöhte Möglichkeiten für verstärkte Älijah produktiver, zionistisch und chaluzisch vorgebilder Etemente zu schaffen, ist die Hauptaufgabe der Abordnung des zentralen Palästina- Amtes bei ihrem Besuch in Palästina. Wir zweifeln nicht, daß die Exekutive hierin a priori mit uns übereinstimmt. Andererseits aber wissen wir, daß in Palästina mit politischen und wirtschaftlichen Mitteln ein starker Druck auf die Exekutive geübt wird. Wir halten es darum für notwendig, dem Jischuw in Palästina unsere Erfahrungen mitzuteilen und die Schädlichkeit des neuen Verteilungssystems darzulegen." Diese Aeußerung zeigt deutlich den Geist an, von dem die von den Herren geplante Neuordnung der Alijah getragen sein soll. Die Aktion zielt in der Hauptsache darauf ab, die Eignung für Palästina nach der zionistischen Gesinnungstüchtigkeit zu bemessen, und sie will ferner den Bestrebungen der radikalen Arbeitergruppen, die_ Mittelstands-Alijah zu unterbinden und das gesetzliche Anforderungsrecht der Industrie und der Landwirtschaft zu vernichten, den nötigen Nachdruck verleihen. Wenn Herr Reiß im übrigen von einer notwendigen geistigen Hachschara spricht, so möge er doch auch an diejenigen aus den Kreisen der Poale- und Zeiire Agudas Jisro el denken, die auf Jeschiwa und orthodoxer Lehrfarm die beste, ja einziggegebene geistige — und f achliche — Hachschara erhielten und die in manchen Ländern bei der Zertifikateverteilung durch die Jewish Agency dennoch prozentual immer und immer wieder zu kurz kommen. Hierin soll und muß eine Aenderung nach Recht und Billigrannen sind, i Die Namen wie Lima, Lonza Lima, Pereira (= Birnbaum:}, Oliveira (— Olivenbaum) beweisen den jüdischen Ursprung. Diese Juden sind aber schon sehr assimiliert und vielleicht erst jetzt durch die große Emigration an ihr jüdisches Gewissen erinnert worden. Eine organisierte jüdische Gemeinde — im europäischen Sinne — gibt es hier nicht, nur Privatgemeinden (na^'i»), viele Bethäuser. Hierbei sei folgendes Erlebnis erwähnt. Kaum 5 Stunden war es, nachdem wir vom Schiff kamen, wir passierten voller Sorgen und in Gedanken versunken, die rua Sant Anna am Praca Onze de Junho (das „Grenadierstraße-Viertel"), als uns eine bekannte Melodie aufhorchen ließ. WS '3»l\ »tor. Wir wußten im ersten Moment wirklich nicht, wie. uns geschehen war. Ein g'ttliches Zeichen hat uns unser Konsulat finden lassen. Wir treten in das Beshamidrasch ein. Man stellte sich grade zum Minchagebet und gleich war -der Anschluß da. „Jiddisch", das jüdische Esperanto, 'verhalf uns gleich dazu, das „Portugiesisch" verstehen. „Hobt Ihr schoin gejantared, Senhor?" (o jantar ~ ■das Mittagessen, Senhor — Herr). „Ah, no Jekke, wos tit sech eppes wos?" Mit diesen Worten kommt ein protzender, angeblicher Talm:d Chochom auf mich zu. Im stillen denke ich mir, „warte nur Büfschchen, gleich werde ich dir einen Frankfurter Jekke zeigen!", gehe auf den mir vis-ä-vis stellenden Bücherschrank zu, hole einen Mischnajothband heraus — zufällig ist es j'TTruo — und ich lerne ihm die Mischna, die er mir x-feeliebig aufschlägt, vor. Er entschuldigt sich vielmals. „Woher seid Ihr?" fragt er staunend, „a Jekke kann lernen?'' Und seit Wochen lernt ein Frankfurter Jekke friedlich mit „a Jid aus Lodz" in Rio de Janeiro ä „Blättl Gemoro". B. keit in der Weise angestrebt werden, daß die Zertifikateversorgung der gesetzestreuen Olim von der Vormundschaft der zionistischen Instanzen befreit wird. Alle anderen Versuche, eine' gesunde Mittelstandseinwanderung den Gesichtspunkten engherziger Parteipolitik zu opfern, werden wir mit allen gebotenen Mitteln bekämpfen und sind gewiß, in diesem Kampfe alle Rechtdenkenden auf unserer Seite zu haben. Julius Streichers Organe und die deutsche Wissenschaft. Die von Gauleiter Julius Streicher herausgegebene Zeitschrift „Deutsche Volksgesundheit aus Blut und Boden" enthält in ihrer neuesten Nummer einen Aufsatz von Karl Holz, dem Stellvertreter des Gauleiters und Schriftleiter des „Stürmer", über die „Verschwörung wider das Blut". Es heißt in dem Artikel: „Wer den Juden kennt, der weiß, daß sein ganzes Sinnen und Trachten nicht nur auf Reichtum gerichtet ist, wie viele noch meinen, sondern darüber hinaus auf Beherrschung, Schädigung und Vernichtung aller Nichtjuden. Die jüdischen Gesetze, der Talmud und der Schulchan Aruch,'gebieten dem Juden nicht nur den Nichtjuden zu betrügen und zu berauben, sondern ihn zu töten, wo und wie er nur kann. So erfüllt der Jude nur sein Gesetz, 'und erwirbt sich das Wohlgefallen seines G'ttes, wenn er einen Ritualmord begeht. In gleicher Richtung ist der Jude ununterbrochen tätig, indem er versucht, die nichtjüdischen Völker dn Kriege gegeneinander zu hetzen, damit sie sich selbst gegenseitig ausrotten." Dagegen könne man sieh, so wird weiter ausgeführt, zur Wehr setzen, ganz gefährlich werde die Sache aber, wenn der Jude die medizinische Wissenschaft dazu benutze, um seine talmudischen Teufelsgesetze durchzuführen und die Gesundheit des deutschen Volkes zu vergiften. Das aber sei geschehen. Alle gegenwärtigen „Autoritäten" der Medizin müßten auf die Lehren einiger weniger „Ganz-Großen" schwören und auf ihnen aufbauen. „Diese wenigen „Ganz-Großen", heißt es dann wörtlich, sind: Rudolf Virchow, Robert Koch, Paul NuestraRaza, Monatsschrift, Madrid. Vor uns liegen die vier jüngsten Nummern dieser Wochenschrift, vom Verlag (Olivos 2, Madrid) in tadelloser Ausführung und mit reichem Bilderschmuck ausgestattet. Es ist das Ziel dieses Unternehmens, alles, was je in Spanien eine Heimstätte hatte oder mit Spaniens Geschichte verknüpft ist, mit einem geistigen Band zu umschlingen, das lateinische Amerika ebenso wie die muselmanische Welt und endlich auch die S e f a r d i m. Es ist staunenswert, wie liebevoll dieses Kapitel behandelt wird und das mag vielleicht dazu dienen, die jetzigen Einwohner Spaniens zu besserer Kenntnis des Wesens von Judenheit und Judentum zu bringen. Für jüdische Interessenten ist diese Monatsschrift sehr lesenswert. Wir greifen aus der Dezember-Nummer heraus: über die Pflege des Hebräischen in Argentinien, Lebensgewohnheiten der Sefardim in Palästina, eine historisch bedeutsame Studie über den Versuch, Curacao (auf holländisch Judenwerk-Judenland)1 im 17. Jahrhundert zu einer jüdischen Kolonie zu machen (wir Werden mit Erlaubnis der Redaktion eine Uebersetzung des Artikels bringen) eine ernste Würdigung des Barons Edmond de Rothschild s. A., fein nachempfundene Uebertragung eines Bialik'sch'en Gedichtes ins Spanische, Nekrolog auf den heimgegangenen Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Tetuan und schließlich eine Würdigung des 800. Geburtstages von "Maimonides in seiner Bedeutung für Spanien. In Cordova, dem Geburtsort, eben6o wie in Madrid, haben sich Komitees zur Begehung dieser Feier gebildet. Es sind Preisausschreiben erlassen über die Themata: Maimonides als Philosoph, Maimonides als Arzt, Bibliographie der Werke des Maimonides, eine Gesamtausgabe derWerke des Miamonides. Den Komitees gehören hervorragende Mitglieder der spani- Ehrlich, Emil von Behring, Neisser und Wassermann — fast ausnahmslos Juden (n u r Virchow war Nicbtjude, dafür aber Judenknecht). Robert Koch und Emil von Behring hätten Jüdinnen zur Frau und sind daher der jüdischen Rasse zuzuzählen. Das sind die Schöpfer und Beherrscher der modernen medizinischen Wissenschaft! Sie waren alle vom gleichen Geiste beseelt, nämlich vom jüdischen. Sie haben offenbar alle nach einem einheitlichen Plan zur Erfüllung ihres Talmud gearbeitet: denn alle ihre Lehren gipfeln darin, dem deutschen Blut irgend einen artfremden, giftigen Stoff durch Einspritzung usw. zuzuführen. Sie konnten ihre Verbrechen dadurch tarnen, daß sie die Methoden „exakt-wissenschaftlicher Beweisführung" schufen, nämlich die ner- und Reagenzglas-Experimente, welche in Beziehung auf den Menschen betrügerisch sind." Soweit "die „Deutsche Volksgesundheit". Hier liegt nun wirklich ein bemerkenswerter Fortschritt vor. Bisher sind die Herren vom „Stürmer" nur über die deutsche theologische Wissenschaft souverän hinweggeschritten, die jene —. zum Teil g'tteslästerlichen — Beschimpfungen des Talmuds und der jüdischen Religion, längst als Märchen und Verleumdungen erkannt und gekennzeichnet hatte. Jetzt wird nun die medizinische Wissenschaft Deutschlands Gegenstand bedenkenloser Angriffe. Wird sich das deutsche Volksbewußtsein, in dem denn doch der gerechte Stolz lebt auf die hier angeprangerten Koryphäen der Medizin, die den deutschen Namen in der ganzen Welt zu Ehren brachten, wird sich das deutsche Volksbewußtsein auch diese Beschimpfung seiner Besten als infame Mörder, als Bestien in Menschengestalt, gefallen lassen? Nicht wir allein werden auf die Beantwortung dieser Frage gespannt sein. sehen Gesellschaft an. Wir werden unsere Leser periodisch über den Inhalt dieser Monatsschrift auf dem Laufenden halten. P. K. fwnnnna, Von B. C. Bekannt, aber wenig verstanden ist die talmudische Vorschrift: ,-no« D'nn mm ">sk ]'»n rrma dito n^an v-tomt? im „Was man, um den bösen Schein zu meiden, zu unterlassen hat, das unterlasse man auch im Verborgenen, wo gar kein Anschein erweckt wird." — Für wen vermeidet man den Anschein im Verborgenen? Ein Vorkommnis, an das mich ein jüdischer Roman erinnert hat, gibt mir die Antwort. Ich sprach einmal mit einem streng gesetzestreuen, aber sehr ungelehrten Manne über Hochzeitsbräuche. Er behauptete, bei seiner Chuppa, die von einem bekannten gesetzestreuen Rabbiner vor Jahrzehnten stattgefunden hatte, sei ein Ringe-Tausch vorgenommen worden, wie er auch bei Andersgläubigen üblich ist. Als ich ihm nicht glauben wollte, zeigte er mir den Ehering an seinem Finger als „Beweis" dazu. — Der Brauch, als Mann einen Ehering zu tragen, hatte also diesen Mann in seinem eigenen Gedächtnisse zu einem solchen Irrtum gebracht. Man sieht daraus, daß es nötig ist, auch vor sich selber a Tin 'Tina Dinge zu meiden, die einen falschen Anschein erwecken können. Nach Jahren kann man selber zu der falschen Meinung gelangen, etwas getan zu haben, was in Wirklichkeit gesetzwidrig war. Man mag daraus ersehen, n-aan *tj*i D»^m nn> wie weise die Ueberlieferung ist, daß ein jüdischer Ehemann nicht den Ring trägt. Und ähnlich wird es sich in vielen Fällen verhalten. Die Thora wa'Awodah-Bewegung. Würdigung und Kritik. Von Abraham Wolf in Berlin. Ii. Die Auseinandersetzung darf sich nicht nach dem Schema „Zwar . . . Aber" vollziehen, dazu wiegt das Zwar zu schwer, als daß es vom Aber glatt aufgewogen würde. Man setzt sich mit der jüdisch-kulturellen Haltung eines Kreises auseinander, dem reines Thorawollen schlechthin zugestanden wird, und der Menschen dem Thorawollen näherzubringen verstand, in deren Gesichtskreis die selbständig organisierte Orthodoxie nicht so leicht getreten wäre. Hier liegt Wollen und Leistung vor. Diese Erkenntnis soll