Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1935)
- Date
- 1935-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450866--81075-2538927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Nr. 8 Der Israelit 2J. Februar 1935 > Schluß beruhende Einheit, die als eine Quasi-Staatsmacht mit den Rechten einer solchen Macht anerkannt ist. Unsere internationale . Stellung legt uns hohe Verantwortung auf." Diese Darstellung des Mandat-Sinnes und die Inthronisierung der zionistischen Organisation als einer „Quasi-Staatsmacht", als Vormünderin des jüdischen Volkes, widerspricht glücklicher-, weise der Rechtslage. Die zionistische Organisation ist lediglich als „eine jüdische Agentur für Palästina" und zwar unter gewissen einschränkenden Bedingungen und zu ganz bestimmten beratenden Zwecken völkerrechtlich anerkannt worden, keineswegs aber als Vertreterin des jüdischen Volkes schlechtweg nach außen und noch viel weniger nach innen. Die Balfour-Deklaration war an Lord Rothschild — einen ausgesprochenen Nichtzionisten — gerichtet, und nicht etwa die historische Verknüpfung des ganz und gar unhistorischen zionistischen Zweckverbandes mit' dem heiligen Lande ist in der Präambel zum Mandat anerkannt worden, sondern die des jüdischen Volkes selber, wie es in der Geschichte lebt. Dieses jüdische Volk aber besteht noch immer in der historischen Kontinuität und innigen Verbundenheit seiner großen Massen mit den Generationen der Vergangenheit, die den Namen G'ttes als flmp 'Ul W>Z70 rote geheiligt haben; diesem jüdischen Volke ist es nicht im Traume eingefallen, Abtrünnige zu seinen Vertretern einzusetzen, die mit der Vergangenheit gebrochen und ihr Denken und Wesen fremdem Volkstum assimiliert haben. x * Herr Berel Locker hat bei seiner Rede sich vielleicht nichts Böses gedacht; er wollte nur nach innen die Notwendigkeit des scharfen Kurses gegenüber dem Revisionismus mit außenpolitischen Erwägungen begründen — das überhebt aber nicht der Verpflichtung, seiner objektiv falschen Darstellung mit Rücksicht auf ihre jederzeit möglichen politischen und religiösen Konsequenzen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Jüdische Ärzte. Nach dem letzthin auch bei uns veröffentlichten neuen Erlaß des Reichs- und Preußischen Innenministeriums wird nunmehr die Zulassung zu den ärztlichen Prüfungen und die Erteilung der Approbationen von dem Nachweis der arischen Abstammung abhängig sein. Ausnahmen werden nur in besonderen Fällen gemacht werden können, Wenn dieser Erlaß nach der Praxis der letzten. Zeit im Grunde auch keine neue Sachlage schafft, so ist er doch als Schlußpunkt des durch das Rasseuprinzip bedingten Vorgehens gegen den jüdischen Anteil in der Aerzteschaft nicht ohne Interesse. De facto waren schon bis jetzt die Schwierigkeiten für die studierenden jüdischen Mediziner fast unüberwindlich. Die Pforten der öffentlichen Krankenanstalten zur Ableistung des vorgeschriebenen praktischen Jahres waren ihnen in den meisten deutschen Städten, so auch in Berlin, gänzlich verschlossen. Die wenigen Universiätskliniken und konfessionellen Anstalten, die vereinzelt jüdische Medizinalpraktikanten aufnahmen, reichten nicht aus, um den Ansturm der Praktikanten auf die jüdischen Krankenhäuser abflauen zu lassen. Diese aber sind in ihrer Aufnahmefähigkeit für Mediziner naturgemäß sehr begrenzt. Nach einer Aufstellung von Professor Dr. S e - J i g m a n n , dem Leiter des Gesundheitsamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde, in Berliner jüdischen Zeitungen, können die acht jüdischen Krankenanstalten in Deutschland insgesamt nur 38 Praktikanten, davon allein in Berlin 12, unterbringen. So gibt es denn bei aller erstrebten Gemeinschaftsarbeit der Anstalten noch eine große Anzahl von Kandidaten, die bereits im Jahre 1933 ihr. Staatsexamen beendet und noch keine Möglichkeit gefunden haben, die letzten Vorschriften und Voraussetzungen zur Erlangung der Approbation zu erfüllen. So weit bis jetzt. Da nunmehr die jüdischen Medizinstudenten, mit ganz wenigen Ausnahmen, zur Approbation und zu den ärztlichen Prüfungen gar nicht mehr zugelassen werden, so erledigt sich die Frage des Probejahres für die jungen jüdischen Aerzte in der Zukunft von selbst. Der ärztliche Nachwuchs der deutschen Juden ist in Frage gestellt, und damit findet ein historischer Prozeß seinen gewaltsamen tragischen Abschluß Der starke Anteil der Juden in der Aerzteschaft aller Länder hat gewiß seine historischen, mancherorts auch seine politischen Hintergründe. Die Neigung und das Talent des Juden zu heilen und zu helfen, hat ihn seit Maimonides bis zu den jüdischen medizinischen Kapazitäten der Gegenwart zu diesem gewiß nicht leichten und nicht wenig Opfer erfordernden Beruf geradezu gedrängt. Kommt noch hinzu, daß unter allen akademischen Berufen vorwiegend der ärztliche unabhängig von Staatsämtern, die den Juden verschlossen bleiben, dem Tüchtigen eine freie Bahn eröffnete. Aber es sollen hier keine wehmütigen Nachrufe auf den jüdischen Arzt, den es wahrscheinlich in der Zukunft in Deutschland nicht mehr geben wird, angestimmt werden, es soll hier nur die praktische, Auswirkung des Erlasses für einen Teil der jüdischen akademischen Jugend mit einigen Worten gestreift werden. Zum Teile versuchen jüdische Mediziner, im Auslande das Studium zu beenden. Ihr Weg istgewiß nicht mit Rosen bestreut, wenn man bedenkt, daß sie sich ganz neuen Verhältnissen anpassen und neue Prüfungen —r in jeglichem. Sinne — auf sich nehmen mußten und dazu noch als Fremde nur in ganz wenigen Fällen auf eine Berufsausübung im fremden Lande rechnen dürfen. Andere haben die ihnen gebotene Anregung, auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu verzichten, aufgegriffen, um, wie jeder Ausländer, den zur Ausübung einer Praxis nicht berechtigenden Doktorgrad ohne Approbation zu erlangen. Ausländer hier, Ausländer dort. Auf alle Fälle werden sich in den großen Umstellungsprozeß, der zur Zeit unter der deutschen Judenheit vor sich geht, jetzt neue Scharen einreihen, die jüdischen Medizinstudenten. Für die große Zahl der fertigen, aber nicht approbierter Mediziner, weil ihnen bisher der Hätz für das letzte Stadium der Berufsausübung fehlte, legt Professor Dr. Seligmann ein warmes Wort ein. Für diese Kategorie von Menschen, die ein materiell und psychologisch gleich schwieriges Problem darstellen, werden die jüdische Oeffentlichkeit und ärztliche Selbsthilfe, aber auch die jüdischen Krankenanstalten und ähnliche Institutionen eingreifen müssen, um begabten Menschen eine Zukunft offen zu lassen. Alijah-Auswahl. Wie aus Warschau berichtet wird, haben sich die Mitglieder des Präsidiums des zentralen, polnischen Palästina - Amtes nach Palästinabegeben, um mit den dortigen maßgebenden Stellen über Alijah-Probleme der pölnischen Juden zu beraten. Ing. A. R e i ß teilte dem ITA- Vertreter über den Zweck seiner Reise mit: „Obwohl die Zionistische Exekutive zuletzt von der Palästina-Regierung eine höhere Schedule bewilligt bekommen hat, hat sich die Verteilung nicht produktiv genug ausgewirkt. 1. In der Alijah der letzten Zeit kommt nicht mehr ein richtiges Verhältnis zwischen den produktiv arbeitenden Elementen und anderen Kategorien, von Einwanderern zum Ausdruck. Das Unternehmerelement, dessen produktiver Wert nicht immer ganz sicher ist — so z. B. befinden sich in ihm Leute, die an der gefährlichen Bodenspekulation teilhaben —, nimmt einen zu großen Platz ein, 2, Die letzte Schedule bedeutet auch Die Mischnah als Mussarbuch. Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. -ynbvn n'a j'pfi?n :k*b s"a ]op nsna Man darf ein trockenes Feld, bewässern am Chaul Hamaued, sowie auch im Schemittojahr (im 1. Fall, wegen des Verlustes, im 2. Fall des durch Unterlassung entstehenden Nachteils wegen). Eine für das religiöse Leben hieraus folgende Lehre dürfte diese sein: Der Mensch ist erfaßt von seinem Brotberuf, muß wohl den größten Teil der Zeit diesem widmen, läuft aber Gefahr, dadurch auszutrocknen, zu verweltlichen, deshalb muß er die besonders dazu gegebenen Zeiten verwenden, sich am lebenden Quell der Tauroh aufzufrischen rwaerm waa am Schabbos und Festtagen, auch Schabbos wird in Parschas Emaur zu den Mauadim gezählt, sowie das Schemittojahr in Erez Jisroel, dessen erzieherischer Zweck ja neben der Ruhe für das Land es ist, dem arbeitenden Menschen Muße zur geistigen Auffrischung zu gewähren. n^nnn fm i'yaa \>2 sei es von einer jetzt neugefundenen Quelle, sei es von einer schon länger laufenden, sowohl der jetzt erst beginnende Jünger als auch der schon über Inhalt verfügende kann und soll diese Zeiten einhalten, um nicht unter dem Joch der Arbeit ganz saft- und kraftlos zu werden. 2. Es ist üblich, bei einem Sijum einer Masechtoh, in der Gemoroh evtl. auch jedes .Perek, in einem Hadran einen Rückblick auf den Inhalt zu halten und Mussarworte anzuknüpfen. Einige Beispiele: Mas. Pesochim, 1. Perek l"nn *M9 n»3i«i» 11« i'w. Ein wichtiger Abschnitt im Leben des jüdischen Menschen ist der Bar-Mizwoh-Tag, der Vorabend zum 14. Jahre, wo besonders wir uns dem g'ttlichen Gesetzgeber zuzuwenden haben, ~\bv pnni und das Chomez des Jezer Horah beim Lichte der Tauroh suchen und entfernen sollen. 2. Perek. nsv bs "]bv ptn Für Teschuwoh ist es nie zu früh und nie zu spät. „Kehre um einen Tag vor deinem Tode, wann ist dies? das kann vn täglich sein. Daher nyp bi ibv pin- Wir wollen zu Dir zurück zu jeder Zeit. Allerdings gibt es eine Zeit, in der die Teschuwoh nicht mehr vollwertig ist, d. i-, wenn sich schon die Hitze der Sinnlichkeit gelegt, und es keiner besonderen Ueberwindung mehr bedarf, wie das bekannte Wort lautet oipn M"»» 'asa bevor das Alter kommt, sollst Du Dich erheben und ermannen, deshalb mahnt die Mischnah: Voi6 mTOü nSB bi> Kehret zurück, solange es Euch noch physisch freisteht zu genießen und die Verzichtleistung auf verbotene Früchte noch ein Opfer bedeutet. 3. Unter den /inn y>, den 13 Deutungsregeln der Boraitha des R-. Jischmoel, lautet eine:^M rrn» ~m bi Jeder Begriff, der in einer allgemeinen Regel eingeschlossen war und heraustritt, eine besondere Eigenschaft zu vertreten, irjya Kins? die dem Wesen des Keiall entspricht, Torrni» «in bpnb KS' ist damit herausgetreten, zur erleichternden Seite, und nicht zur erschwerenden, ist aber diese besondere Eigenschaft waw mbv nicht dem Wesen des Keiall entsprechend, 1'annVl bpnb tre> so ist die besondere Hervorhebung von erleichternder wie auch von erschwerender Wirkung. Seit dem segensreichen Auftreten des großen Rabb. Hirsch ^"XT haben sich in allen größeren Gemeinden. Deutschlands Austrittsgemeinden gebildet, um dem. Gewissenszwang und der Unterstützung gesetzeswidriger Institutionen aus dem Wege zu gehen. Aus ganz anderen Motiven — um der Steuerlast sich zu entziehen — haben allerdings — t-?,*nnV — im Laufe der Jahre auch andere Personen das Banner der Gemeinden verlassen. An ihrer Lebensführung; aber erkennen wir das unterscheidende Kriterium. , Vertreten die Personen nach ihrem Austritt aus dem Keiall der Gemeinde urws nwe? die gleiche Lebensanschauung wie die von ißhen verlassene Gemeinschaft, bpnb HS»' dann war ihr Austritt nur zum Zwecke einer ehrlosen Entlastung. Vertreten sie dagegen in Lehre und Leben wasra sto eine andere Weltanschauung als die verlassene Gemeinde, dann führt ihr Ausscheiden "vann^i bpnb nicht nur zu einer Entlastung einerseits, sondern durch die viel größeren. Anforderungen im kleinen Kreise an den Einzelnen zu einer wesentlich stärkeren Inanspruchnahme und Opferpflicht, Kleines Feuilleton- Brief aus Brasilien. Rio, 5. Januar. Vom brasilianischen Judentum wäre nicht viel zu erzählen. Wohl von den Juden Brasiliens, die in ihrer Mehrzahl Nachkommen der vertriebenen Ma-