Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1935)
- Date
- 1935-02-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit 21. Februar 1935 Reichsvertretung oberste Stelle der Aufbauu. Hilfsarbeit Berlin, 19. Februar. Die Reichsvertretung der deuts c li>e n Juden teilt mit: Am Sonntag, den 17. Februar, trat der Organisationsausschuß der Reichsvertretung der deutschen Juden erneut zu Beratungen zusammen und es gelang, die Vorarbeiten für die Eingliederung -des gesamten sozialen und wirtschaftlichen Hilfswerkes in die Reichsvertretung zu Abschluß zu bringen. Mit dem 1. April 1935 wird nunmehr das Hilfs- und Aufbauwerk des Zentralausschusses einen festen Bestandteil des Organismus der Reichsvertretung bilden. Im Einzelnen wurde folgendes beschlossen: Mit Wirkung vom 1. April 1935 ab werden die Tätigkeitsgebiete der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, der jüdischen Arbeitshilfe e. V. (Landwerk Neuendorf), der Berlin, 17. Februar. Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht im Rahmen einer Artikelserie, die sich mit der praktischen Arbeit des Nationalsozialismus in den letzten zwei Jahren beschäftigt, einen Aufsatz über die Umgestaltung des deutschen Rechtswesens. Bei dieser Umgestaltung, so heißt es in dem Aufsatz, habe sich gezeigt, daß sich der Nationalsozialismus mit einem System auseinander- London, 18. Februar. Wie bereits kurz gemeldet, wird am 10. März der dritte Appell zu Gunsten der notleidenden deutschen Emigranten in England der deutschjüdischen Institutionen und zu Gunsten des Erez Jisroel-Werkes für die deutschen Juden seinen Anfang nehmen. Bekanntlich hatten seit längerem Erwägungen innerhalb des Board of Deputies darüber geschwebt, ob diesesmal die $ammlung für die deutschen Juden verbunden werden solle mit einer solchen zu Gunsten der ökonomisch noch weit schwerer leidenden jüdischen Bevölkerung Polens. Das Ergebnis dieser Erwägungen ist nun, daß der sogenannte deutsche Appeal gesondert am 10. März stattfindet, daß jedoch am 2 9. M ä r z eine große Sammelaktion auch für Polen eröffnet wird. Diese letztere Sammlung wird veranstaltet vom Board of Deputies gemeinsam mit der Jewish Relief Federati o n, dem Verbände der polnischen Juden, der englischen Abteilung der 0 r t - Ose- Organisation und der englischen Abteilung des Keren Hathora in Verbindung mit der englischen Rabbiner-Vereinigung. Es ist bestimmt worden, daß ein Sechstel des Sammlungsergebnisses für die religiösen Erziehungsinstitutionen in Polen verwendet wird und im übrigen alle Arten aufbauender Hilfe, medizinischer Hilfe, Kreditgewährung, Waisenhilfe usw. berücksichtigt werden. Es darf gehofft werden, daß die an der Spitze der beiden Sammlungskampagnen stehenden angesehenen Persönlichkeiten auch diesesmal es verstehen werden, die Opferwilligkeit des englischen Publikums mit der genügenden Energie wachzurufen, damit beiden Sammlungen der gebührende Erfolg beschieden sei. In der Sitzung des Board of Deputies knüpfte sich an die Vorlage eine Aussprache, über die Folgendes berichtet wird: - Nachdem der Vorsitzende des Komitees das Abkommen begründet hatte, machte Rev, M. L, Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise, der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden e. "V. in die Reichsvertretung eingegliedert. Es werden damit die großen Arbeitsgebiete der Wohlfahrtspflege, der Wirtschaftshilfe, der Berufsumschichtung, der Kredithilfe, des Arbeitsnachweiswesens und der übrigen Wirtschaftshilfe sowie der Rückwanderung in -die Reichsvertretung eingefügt werden. Die noch außenstehenden Gebiete des Hilfs- und Aufbauwerkes werden ebenfalls organisch mit der Arbeit der Reichsvertretung verbunden werden. Die Geschäftsführer der eingegliederten^ Organisationen werden Sachbearbeiter bei der Reichsvertretung. Den «• Sachbearbeitern werden Ausschüsse beigegeben, denen je ein Mitglied des Präsidialausschusses als Vorsitzender angehört. setzen mußte, das zu einem Zwiespalt zwischen Recht und Moral geführt hatte. „Wie unnatürlich dieses System für deutsches Empfinden war" — heißt es weiter — wurde am schlagendsten dadurch bewiesen, daß es von jüdischen Geistern am besten verstanden und am besten gehandhabt werden konnte. Deshalb ging die erste Reinigungsmaßnahme im neuen Reich dahin, alles Jüdische aus diesem Bereich zu entfernen." Perlzweig im Namen der Exekutive der Sammlung für deutsche Juden Bedenken bezüglich 'des Zeitpunktes der Sammlungen für den polnischen Hilfsfonds geltend. Die Sammlungen für deutsche Juden würden bis zu diesem Tage nicht abgeschlossen sein. Er schlage vor, die Sammlung für Polen um eine Woche oder vierzehn Tage zu verchieben, damit jede gegenseitige Behinderung der beiden Sammlungen vermieden werde. Es sei auch zu bedenken, daß aus den Sammlungen für deutsche Juden 28.000 Pfund dem Keren Hajessod zufließen und somit in Palästina nicht nur deutschen, sondern auch polnischen Juden zugute kommen würden. Das Abkommen betreffend die Sammlungen für Polen möge ratifiziert werden, jedoch der Zeitpunkt des Beginns in weiteren freundschaftlichen Verhandlungen neu festgesetzt werden. Demgegenüber betonte H. A. Goodman die Schwierigkeiten einer weiteren Vertagung der Sammlung für die Juden Polens. Durch entsprechende Kooperation solle dafür Sorge getragen werden, daß es zu keiner Ueberschneidung der Arbeit kommt. Morris M y e r wies darauf hin, daß die Organisationen bereits Zeit geopfert hätten, um die Sammlungen für deutsche Juden zu ermöglichen. Nunmehr dürfe der Beginn der Sammlungen für Polen nicht mehr hinausgezögert werden. Der Redner sprach sodann dem Vorsitzenden des Komitees für Auslandssammlungen seinen Glückwunsch dazu au, daß der Board zum ersten Mal die moralische Verantwortung der Unterstützung einer Sammlung für allgemein jüdische . Zwecke auf sich genommen habe. Dies trage dazu bei, die Autorität des Board zu erhöhen. Das Schlußwort hielt der Präsident des Board of Deputies Neville L a s k i. Er erklärte, or werde, wenn das Abkommen über die Sammlung ratifiziert wird, dieses an die Organisationen rückverweisen und sich bemühen, d^ß bezüglich des Beginns der Sammlung etwas vereinbart werde. Der Bericht des Komitees wurde sodann angenommen. . =v Gleichberechtigung der palästinensisch-jüdischen religiösen Gerichte. J e r u s a 1 e m , 12. Februar. Die Palästinaregierung befaßt sich gegenwärtig mit dem Memorandum des Waad Leumi betreffend Gleichstellung der jüdischen religiösen. Gerichte in Palästina mit den moslemitischeir Gerichten in der Weise, daß auch die jüdischen Gerichte vom Lande subventioniert werden. Bekanntlich hat sich die Mandatskommission des- Völkerbundes auf einer ihrer letzten Tagungen, für eine solche Gleichstellung der jüdischen mit den moslemitischen Gerichten ausgesprochen. Wie die ITA. erfährt, ist die Regierung geneigt, dem Ansuchen des Waad Leumi, dem sich auch die „Agudas Jisroel" für ihre Geriehishöfe angeschlossen hat, zu entsprechen,, und gedenkt, den jüdischen Gerichten jährlich, eine Summe von 6000 Pfund zuzuwenden. Der Arbeitermangel in Palästina wächst. Jerusalem, 13. Februar. Der Mangel an jüdischen Arbeitern steigt im den palästinensischen Kolonien von Tag zu Tag.. Aus Pardeß Channah bei Chedera wird berichtete daß dort Bauarbeiten eingestellt werden mußten», weil alle Arbeiter zur Landarbeit herangezogen wurden. Auch aus anderen Kolonien wird der dringende Wunsch nach weiteren Arbeitern laut,, da die Verspätung der Arbeiten bei Bauten und in der Landwirtschaft infolge des Arbeitermangels große Verluste mit sich brin g. t._ Wie der jüdische Arbeiterverband Histadruth: mitteilt, sind zurzeit in jüdischen Orangenplantagen in Petach Tikwah, Rechoboth, Neß Ziona. und anderen Kolonien etwa 6000 arabische Arbeiter beschäftigt, die zum größten Teil aus dem Haur an stammen. Auch Araber aus. dem Irak und sogar aus Jemen wandern nach Palästina ein und finden hier Beschäftigung.. Maßnahmen zur Einschränkung des Pflanzungsbaues in Palästina geplant. Jerusalem, 17. Februar. Wie die ITA. erfährt, plant die Palästina- Regierung Maßnahmen, durch die die Anlage voa Pflanzungen mehrere Jahre lang eingeschränkt oder vollständig verhindert werden soll. Es verlautet, daß der High Comissioner die Pflanzungen so hoch besteuern will, daß für Privatunternehmungen die Rentabilität wegfällt. Die Jewish. Agency führt Beratungen mit Fachleuten im Hinblick auf die etwaigen Gefahren, die eine derartige Regelung für die jüdische Kolonisation mit sich bringen könnte. Die bekannten jüdischen Wirtschaftsführer Hoofien, Tolkowsky und Harry Viteies haben sich entschieden gegen die Pläneder Regierung ausgesprochen. Sie erklären, daß' es nicht Sache der Regierung sei, die Privatinitiative zu stören. Wahl eines jüdischen Abgeordnetem ins türkische Parlament. Istambul, 12. Februar. Die Wahlen in die XV. Nationalversammlung der Türkei, die mit einem großen Sieg der Volkspartei des Ghazi Kemal Pascha, der einzigen politischen Partei in der Türkei, endeten, haben u. a. zum Ergebnis gehabt, daß — dem Wunsche des Ghazi gemäß — auch Vertreter der nationalen Minderheiten, und zwar zwei Griechen, ein spaniolischer Jude und ein Armenier, in das Parlament einziehen. Deutsche Juden und deutsches Recht/ Neue Sammlungen in England,