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Der Israelit · 1935-02-14 · Heft 7 (14.2.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 7 (14.2.1935)
Date
1935-02-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 7 Der Israelit 14. Februar 1935 Spur von Mutterqualitäten haben und solche, die nur glücklich sind, wenn sie auf ihren Eiern sitzen und brüten. Schauen Sie einmal hier in den Korb hinein, aber bitte ganz leise, nicht stören, es ist eine hervorragende Kulturarbeit, die hier die Henne, breit auf ihren Eiern hockend, mit philosophischer Ruhe verrichtet . . . Und nun schauen Sie in die Kiste hinein. Diese frischen Eier sind das Resultat der letzten Woche. Sie kommen morgen auf den Markt in die Stadt Was halten Sie also von unserer Hühnerzucht, von dieser Brutstätte? Sie ist der Stolz unseres kleinen Reiches, und ich hätte nur den einen Wunsch, wir könnten dieses ganze zahlreiche Hühnervolk mitsamt Eiern und Kücheln als Chaluzim mit nach Palästina nehmen." (Fortsetzung folgt.) Professor Max Liebermann, Im Alter von fast 88 Jahren entschlief am Samstag nach kurzer Krankheit der bekannte Maler Prof. Dr. Max Liebermann. Max Liebermann war eine der Gestalten, die bereits der Geschichte angehörten. Als Genre- und Porträtmaler war er der bedeutendste deutsche Vertreter des Impressionismus. Seine große, allgemein anerkannte Kunst machte Liebermann zu einem jüdischen Künstler, gewiß nicht in erster Reihe, denn jüdische Motive sind in seinen Bildern nur selten verwandt. Wenn er aber zu bestimmten Zwecken solche jüdische Motive hervorkehrte, so geschah es, wie z. B. in der Radierung zum Kriegsgefallenen-Gedenkbuch des RjF. oder neuestens zu den vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten herausgegebenen „Kr iegsbriefen gefallener deutscher Juden" in schlichter, und deshalb um so wirksamerer Weise. Max Liebermann war von 1920 bis zum Umbruch des Jahres 1933 ' Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Im Jahre 1927 verlieh ihm Reichspräsident von Hindenburg den Adler - schild des Deutschen Reiches, die höchste Auszeichnung, die in Deutschland vergeben wird. Liebermann erhielt als erster Deutscher nach dem Kriege die Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion von Frankreich. Er war Ehrenmitglied der meisten Akademien des Festlandes, Ehrendoktor der Universität Berlin, Ehrenbürger der Stadt Berlin und Inhaber vieler Orden. Die neue Zeit stellte ihn abseits und er war verärgert. Vom positiven Judentum war er zu weit entfernt, um hier Trost zu suchen und zu finden. Die Bestattung fand auf dem alten Friedhof der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Schönhäuser Allee statt. Ein kleiner Kreis von Freunden und Männern aus dem Kunst- und Geistesleben der Hauptstadt umringte neben den nächsten Angehörigen die Bahre. Der Vorstand und die anderen Instanzen der Gemeinde waren offiziell vertreten. Die Trauerrede hielt Rabb. Dr. Warschauer auf Grund des Psalmwortes: „Es geht der Mensch hinaus zu seinem Schaffen und zu seinem Dienste bis zum Abend." Es trat dann Karl Scheffler, der bekannte Kunst - und Kulturkritiker, an die Bahre heran, um „im Namen der Kunst dem Toten zu danken". Offizielle Vertreter der Behörden waren anscheinend nicht anwesend. Ein Heim des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten in Gelsenkirchen, Bekanntlich hat der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten im Juli vorigen Jahres unweit des rheinisch-westfälischen Industriegebietes in schöner, landwirtschaftlicher Lage ein Erholungs- und Ferienheim, „Haus Berta", errichtet. Der Zweck dieses Hauses ist in erster Linie allen jüdischen Kindern, die in den Großstädten und besonders in den Industriegroßstädten ungesunde Luft zu atmen bekommen, Tage und Wochen der Erholung in reiner Luft zu ermöglichen. Urfd so war das Heim seit seinem Bestand in allen Schulferien "bis auf den letzten Platz belegt, zum Teil mußten sogar noch Schlafstätten außerhalb des Heimes gemietet werden, Insgesamt hat „Haus Berta" in der kurzen Zeit seines Bestehens bis heute über 5000 Tagesverpflegungen ausgegeben. Ganz besonders sei ncoh darauf hingewiesen, daß wir trotz der durch die streng rituelle Küchenführung herbeigeführten Teuerung Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre Verpflegung, ^Unterkunft, Bettwäsche und Versicherung RM. 1.60 pro Tag berechnen und der Höchstsatz für über 18 Jahre alte RM. 2.10 pro Tag beträgt. Daneben dient „Haus Berta" als der Versammr lungsort. fast aller jüdischen Organisationen des Niederrheines und Westfalens. Ferner wird in „Haus Berta" jungen Menschen, die landwirtschaftlich, gärtnerisch oder handwerklich sich betätigen wollen, unter fachkundiger Anleitung Gelegenheit geboten . Es soll auch nicht verschwiegen werden, däßr„Haus .Berta" durch seihe zentrale Lage jüdisches Zentrum für eine': Reihe es umgebender kleinerer Gemeinden geworden ist, von denen jede einzelne zu wenig-Mitglieder hat, um einen G'ttesdienst mit Minjan zu ver anstalten. Aber „Haus Berta" dient diesen Gemein den nicht nur als Ort gemeinschaftlichen Betens, sondern es ist für sie und noch viele aridere, die dorthin kommen, die Stätte jüdischer Be lehrung und Fortbildung. Es wird, und ganz beson ders bei den jugendlichen Besuchern, darauf gesehen, daß die Vorschriften des Schabbos, des täglichen Gebetes und dergl. mehr von ihnen befolgt werden, und so mancher Junge und so man ches Mädchen haben in diesem Hause erstmalig ihr Judesein voll erkannt und erlebt. Es kam sogar so weit, daß Kinder, die die Ferien im Hause verbracht haben, in ihren Elternhäusern darauf gedrungen ha ben, daß ein Freitagabend wieder gefeiert, daß jede Mahlzeit mit dem Tischgebet beschlossen werde. Das Kaschruth ist vollkommen einwand frei. Seit Gründung des Heimes stand ihm der all bekannte Dr. Max Meyer in Gelsenkirchen ratend und fördernd zur Seite. Seit Oktober 1934 übt Herr Bezirksrabbiner Dr. Auerbach aus Recklinghausen die Kaschruthaufsicht aus. Auch für die Gesundheit der Zöglinge ist bestens gesorgt. Zwei tüchtige Aerzte besuchen wöchentlich, im Bedarfsfalle täglich, das Heim. Die Nähe von Essen, Gelsenkirchen und Recklinghausen ermöglichen auch Behandlung durch Spezialärzte. Ein Jugendleiter nimmt sich besonders der anwesenden Schulkinder an. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der dieses Heim gegründet und es bisher aus eigenen Mitteln ausgebaut und geführt hat, ist zur Weiterführung und -erhaltung des Heimes auf die Unterstützung aller Kreise angewiesen, Man möge bedenken, daß „Haus Berta" nicht nur der körperlichen Erholung unserer Jugend dient, sondern auch eine richtige Hachschara ist, wo junge Menschen wieder zu ihrem Judentum im überlieferten Vätersinne zurückgeführt werden. Sachliches und Anekdotisches um Rambam. Das Buch „Moses ben Maimon (Maimonides), sein Leben und seine Werke" von Rabb'. Dr. J. Münz (jetzt in Tel Awiw) wird in zweiter veränderter Auflage im Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a.' M. in Kürze erscheinen und gleichzeitig ein Buch über den Rambam in hebräischer Sprache im Verlag „Omanut" Co. Ltd., Tel Awiw. * * Dr. E, B a n e t h führt in seinem Mischna-Kommentar einen in der Tauroh als Merkwort, das den Todestag Maimonides bezeichnet, an. Es heißt beim Tode von Moses: :np» ^3K ''DS '»"• mm (n Montag, 3 20. Tag, ■» — 10. Monat, Va« '33 — 65. Jahr des 50. Jahrhunderts.) Maimonides' Todestag war bekanntlich am 20. Tebet des Jahres 4695. B. * * Folgendes Erlebnis teilt uns ein Freund unseres Blattes aus Oberbaden mit: Durch die freundliche Aufforderung des Literaturvereins eines benachbarten Stätdchens wurde ich eingereiht in das große Aufgebot der Maimon-Redner. Nun ist es gerade heute, da eine Maimon-Welle von Vorträgen durch die Lande fegt, gar nicht so einfach, über Maimonides zu sprechen. Noch vor einem halben Jahre war das entschieden viel leichter. Auf der einen Seite ist es fast unmöglich, die ungeheure Weite und Tiefe dieses Geistesriesen im Verlauf einer Stunde auch nur einigermaßen auszuschöpfen. Andererseits aber ist gerade durch die Fülle der Publika^-' tionen — unsere Zeitungen sind ja schon seit Monaten voll mit diesem stolzen Namen — es fast genau so unmöglich, nun Originelles und Unbekanntes zu bringen, etwas, das den Reiz des Ursprünglichen in sich trägt. Man geniert sich ja beinahe, so Selbstverständliches zu bringen, wie daß er in Cordova geboren, in Tiberias begraben ist, daß die Mischne Thora die Darstellung des gesamten Lehrinhaltes des Judentums st und sein More Nebuchim der grandiose Versuch, die ew^ge Differenz von Glauben und Wissen zu versöhnen. Aus" klanglich-sprachlichen Gründen benutzte ich abwechselnd die verschiedenen Namen Maimon, Maimonides, Mosche ben Maimon, Rambam. Nach dem Vortrag kam ein Herr auf mich zu, Dr. phil., Dr. jiir. und auch sonst sicher sehr gebildet. Nach einigen anerkennenden Worten sagte er: „Eines aber hat' mich an Ihrem Vortrag doch sehr gestört. Nicht wahr, das Thema hieß doch Möses Maimonides. Warum sind sie eigentlich davon abgewichen und haben dazwischen immer wieder Geschiebten yöin Rambam gebracht?' ' '•. Ich war geknickt. Also doch noch zuviel vorausgesetzt! . . . , F. H. Der Segen des Rabbi. Nach dem Talmud von Isidor Landsberg ^''St zuletzt Lehrer in Hersfeld. Rabbi Jochanan ben Sakkai, ' Israels Leuchte* liegt im Sterben. An dem Schmerzenslager weinen Seines Geistes treue Erben. Ehrfurchtsvoll schau'n in des Meisters Antlitz, das von Glanz umwoben, Seine Schüler. Kaum bezwingen Sie des Trennungsschmerzes Toben. Und verwundert steh'n die Schüler: „Wie, du weinest, edler Meister, Weinest, da du Eingang findest In das Reich der reinen Geister? Teurer Rabbi! Großer Lehrer! Starke Säule! Mächt'ger Hammer! Dir selbst graut es vor -dem Tode, Vor des Allbezwingers Jammer?" „Meine Söhne!" spricht der Edle", „Würde ich nicht zitternd bangen, Wenn vor ird'schem Tribunale Ich den Richtspruch sollt' empfangen? W'o, selbst wenn der Tod mir winkte, Nicht wär's ewiges Verderben; Denn zu schönrem Sein erwachte Ich aus, Leidensnacht und Sterben. Doch nun Öommt der hochgelobte Heil'ge Richter aller Welten, Vor dem Reichtum nicht und Ehre, Weder Macht noch Wissen gelten, Dessen Kraft die Erde füllet, Dessen Wahrspruch ohne Wanken; — Seht, der Allgerechte fordert Mich vor des Gerichtes Schranken. Wenn Er strenges Urteil kündet, Kann kein Sterblicher bestehen, Wenn Sein Zornblitz sich entzündet, _ Muß der Menschensohn vergehen. Und nun seh' ich zwei der Wege*. Einer führt zu sel'gen Freuden, Doch der andre, düster-schaurig, Zur Verdammnis und ew'gen Leiden. In der unruhvollen Seele Wird der bange Zweifel rege Vor dem letzten, schweren Gange; War ich auf dem rechten Wege? Darum laßt mich, teure Kinder, Laßt mich zagen, laßt mich beben; Ach, auf vielverschlungnen Pfaden Strauchelt täglich unser Leben!" Tief ergriffen flehrn die Schüler; „Rabbi, schenk' uns deinen Segen, Daß wir stets das Böse, meiden, Wandeln auf den guten Wegen!" Draußen steigt die Morgehsäule Herrlich auf in rös'gem Schimmer, . Und schickt ihre gold'nen Grüße In das düstre Sterbeizimmer. Und der Meister, er streckt segnend Seine Hand, die leise bebet, Ueber seiner Schüler Häupter Und sein Aug' sich neu belebet: „Blickt ins Herz euch meine Teuren! Mög' der Herr euch Einsicht schenken; Denn' die -sitle Angst vor Menschen Läßt euch nicht des Schöpfers denken; Mög' die Ehrfurcht vor dem Höchsten Stets der Furcht, und Achtung gleichen, Die vor Menschen ihr empfindet! So nur könnt' ihr Heil erreichen." Während sich auf den Gesichtern Staunen und Bestürzung^, malen, . Sieht am Himmel hell und freudig Man den Sonnenball erstrahlen; ' Doch das müde Haupt ben. Säkkais .'" ■ Sinkt zurück nach,.diesen N^orten. Vor dercu. Stillverklärten ..; Oeffnen sich des Paradieses' Pforten.

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