Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1935)
- Date
- 1935-02-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
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Seite 10 Nr. 7 Der Israelit X 14, Februar 1935 Das Urteil hat um so mehr Verwunderung hervorgerufen, als derselbe Distriktsbeamte schon am 27. Dezember den Entscheid veröffentlichte, daß die jüdischen Arbeiter von Nahalal sich berechtigt auf dem jüdischen Boden befanden und ihn pflügten, daß sie somit gegenüber den angreifenden Arabern Notwehr übten. Wetterkatastrophe auch in Syrien. — Der Schaden in Palästina. Jerusalem, 6. Febr. Wie aus Beirut gemeldet wird, hat die Wetterkatastrophe der letzten Tage schwere Schäden auch in Syrien verursacht. Besonders arg waren die Verwüstungen im libanesischen Distrikt B i k a. Laut amtlicher Bekanntmachung wurde mit Rücksicht atif die Folgen der Wetterkatastrophe für die Stadt Nablus (Sichern) ein allgemeines Moratorium bis zum 20. Februar dewährt. Ueber den durch die Ueberschwemmungen in Palästina angerichteten Schaden - liegen verschiedene Schätzungen vor, die sich zwischen 50.000 und einigen 100.000 Pfund bewegen. Die Reuter-Agentur beziffert den Schaden mit 150.000 Pfund. (ITA.). Jerusalem, 8. Febr. Eine offizielle Erklärung, die über die Unwetter- Katastrophe veröffentlicht wird, stellt fest, daß der Schaden in Nablus sehr groß sei, und daß er gegenwärtig nicht geschätzt werden könne. Auch sei es nicht möglich, die Zahl der Unfälle bereits im Augenblick festzustellen. In der Erklärung heißt es weiter, daß die Regierung ihre Hilfe zur Verfügung stellen Werde, ZUmal Nablus an der allgemeinen Prosperity in Palästina nicht besonders teil habe. Wahl von Kommissionen in der Jerusalemer Stadtverwaltung. Jerusalem, 8. Febr. In der Jerusalemer Stadtverwaltung wurden acht städtische Kommissionen gewählt. In drei Kommissionen besteht eine arabische Mehrheit, fünf haben einen arabischen Vorsitzenden, während nur in drei Kommissionen ein Jude den Vorsitz führt. Der wichtigsten Kommission, der Beamtenkommission, präsidiert Bürgermeister Dr. Khalidi selbst, aber das. jüdisch-arabische Gleichgewicht in der Stimmenverteilung ist gewahrt. Ebenfalls ist das Verhältnis von Juden und Arabern in der Finanzkommission derart, daß ein Gleichgewicht hergestellt ist. In der Finanzkommission führt Vizebürgermeister Daniel Auster den Vorsitz, was als Auswirkung der letzten Verhandlungen anzusehen ist, bei denen Vizebürgermeister Auster erweiterte Befugnisse zugesichert worden sind. Ausbau des Haiens von Haifa. Haifa, 4. Febr. Der Hafen von Haifa soll in nächster Zeit bedeutend erweitert werden. Die Erweiterungspläne sind von der Palästinaregierung bereits genehmigt worden. Die Anlegestrecke soll auf das Doppelte verlängert werden^ so daß dann statt wie bisher vier an dem Hafenkai acht große Schiffe gleichzeitig beladen oder ausgeladen werden können. Die Mole soll nach dem Westen um rund 900 Meter verlängert werden. Die Kosten dieser Erweiterungsarbeiten werden mit 650.000 Pfund veranschlagt. Die endgültige Bestätigung der Erweiterungspläne durch das Kolonialamt in London wird, wie die ITA. erfährt, für die nächsten Tag« erwartet. Die Efweiterungsarbeiten sind auf das Drängen inländischer und ausländischer Kaufleute zurückzuführen, die in letzter Zeit wiederholt Klagen über die dem gestiegenen Verkehr nicht mehr genügenden Verladernöglichkeiten in Haifa vorgebracht haben. Ueber den Petroleum-Export von Haifa aus liegen die ersten offiziellen Ziffern vor. Im Dezember v. J. wurden 162.274 Tonnen Petroleum exportiert, hiervon waren der neuen Röhrenleitung 150.657 Tonnen entnommen. Im Haifaer Hafen sind zurzeit über zweitausend Lastträger beschäftigt. Unerhörte Sabbatentweihung auf dem Skopüs. Jerusalem, 10. Febr. Bei einer Veranstaltung in der Hebräischen Universität kam es zu unerhörten Sabbatentweihungen. Religiöse Juden, die zufällig dabei waren, erhoben scharfen Protest, der noch besonders von Jüngern der Jeschiwah ,Sfath Emeth" unterstützt wurde. Die Studenten aber fielen über die Bachurim her, von denen einige ernstlich mißhandelt wurden. Die herbeigerufene Polizei stellte sich auf Seiten der Studenten und verhaftete eins große Anzahl der Thorajünger. Erst nach energischer Intervention des Leiters der Jeschiwa, Rabbi Sienkewitsch, wurden die Verhafteten gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Es ist klar, daß die Universität durch solche Vorfälle nicht an Popularität gewinnt. Kleine Nachrichten aus Erez Jisroel. Jerusalem, 5. Febr. Diese Woche besuchten Rabbi Mosche Blau mit dem Generalsekretär der Agudas Jisroel, Mosche Glückman-Porusch, Mr. Edwin Samuel, den stellvertretenden Leiter der Einwanderungsabteilung, um über schwebende wichtige Einwanderungsangelegenheiten mit ihm Rücksprache zu nehmen. Insbesondere bildete die Frage der Rabbiner-Zertifikate Gegenstand der Unterhaltung. Auch wurden Anträge auf weitere Zertifikate für Jeschiwo-Bachurim begründet. Am gleichen Tage fand eine Sitzung des Rates der Agudas Jisroel statt, in der Rabbi Mosche Blau über seine Europa-Reise berichtete. In Haifa fand vergangene Woche eine . öffentliche Versammlung statt, die sich mit dem dringend notwendigen Bau einer dem gesteigerten Bedürfnis entsprechenden M i k w e beschäftigte. Es erregte allgemeine Entrüstung, daß die Haifaer Gemeinde für diesen Bau, der etwa Lst. 5000 kosten wird, sage und schreibe Lst. 200 bewilligt hat, während die gleiche Gemeinde immer Geld hat, wenn es sich um die Subventionierung von Institutionen handelt, die dem Kampfe gegen das Thoragesetz dienen. Insbesondere von agudistischer Seite wurde in der Versammlung mit energischen Worten die Gründung einer selbständigen religiösen Kehilla verlangt, da es unmöglich sei, innerhalb der bestehenden Gemeinde mit den religiösen Forderungen durchzudringen. Die Tätigkeit der Poale Agudas Jisroel in Haifa. Haifa, 5. Febr. Seit fast drei Monaten existiert in Haifa die Organisation S>int27> mute »VyiS/ deren aktive Mitgliederzahl durch energische und erfolgreiche Tätigkeit ihres Maskirs, Jakob K a t z aus Zloczow bereits auf über 100 angewachsen ist. Das ursprüngliche Lokal erwies sich bald als viel zu klein, weshalb größere Räume im Zentrum des Hadar-Hacarmel (Rechow BialikJ gemietet werden mußten. Das Arbeitsgebiet des Maskirs, sowie "des provisorischen Waads, der demnächst neu gewählt werden soll, umfaßt in der Hauptsache die Arbeitsbeschaffung. Natürlich werden die kulturellen Aufgaben ebenfalls gewissenhaft erledigt, doch bilden den Hauptinhalt des geistigen Programms die Schiurim. In den aktuellen Fragen, wie z. B. bezüglich des Abkommens mit den anderen Gewerkschaften, deren vitale Bedeutung alle Gemüter sehr beschäftigt, wartet man die Entscheidung des Rabbinischen Rates ab. Die Ausgestaltung der neuen Räume War durch den Opfersinn der Chawerim nicht schwer. Es wurde ein „Oraun hakaudesch" angeschafft und jeden Sabbat findet ein Minjan statt; das auch von den älteren agudistischen Baalebattim stark besucht wird. Die Freitagabende und rmyo vhv werden mit Lernen, r-iVT>»T und gemütlichem Beisammensein ausgenützt. Jeden Abend findet regelmäßig ein Gemoroschiur statt, an dem sich viele Mitglieder, obwohl sie von der Arbeit meistens sehr müde sind, mit regem Interesse beteiligen. Die erste große Zusammenkunft am 15. 038?/ zu deren Beteiligung alle Gleichgesinnten durch öffentlichen Plakatanschlag aufgefordert waren, war derart überfüllt, daß viele Besucher im Hausgang stehen bleiben mußten. Der Abend wurde durch Raw Sahnen Ja nkelewitz in iriajr eröffnet. Dann sperah, ebenfalls in flüssigem rinay» der Maskir des hiesigen Snif, Chawer Jakob Kätz, der die Ideor logie der A. J. mit dem 15. Schwat in hervorragender Weise in Verbindung brachte. Nachdem noch zwei Chawerim in feurigen Worten über Sinn und Zweck der A. J. gesprochen haben, erschien Raw Markus, Oberrabbiner von Haifa, der mit lebhaften Jechirufen empfangen wurde. In seiner kurzen, aber äußerst in-» teressanten und stark applaudierten Begrüßungsrede führte Raw Markus u. a. aus: Er freu sich, daß nun auch hier in Haifa ein Snif der Agudas Jisroel besteht, die von den Thoraautoritäten gegründet worden ist. Er fühle sich auch als Agudist und sei bereit, die Arbeit des hiesigen Snif mit allen Kräften zu unterstützen. Nach einer sehr temperamentvollen und mit großem Beifall belohnten Schlußrede des Chawer Raw Jankelewitz schloß der ernste Teil der Versammlung mit der Hymne O'TiK lxapfl/ die von den Anwesenden stehend und mit Begeisterung gesungen worden ist. Wein und Obst ließen den Ghamischoossor Bischwat (und auch die Gäste) auf seine Rechnung kommen. Die mitreißend gesungenen agudistischen Lieder forderten spontan zu chassidischeh Tänzlech auf und mit dem Gesang 123^ Intal ging es dann gegen Mitternacht hinunter auf die Straße, auf der die Tanzenden einen großen Kreis bildeten. In den Nachbarhäusern öffneten sich die Fenster und verschlafene Köpfe schauten hinunter, während die späten Spaziergänger verwundert auf der Straße stehen blieben, auf der die Simche inzwischen ihren Höhepunkt erreichte. Mit einem dreifachen 'Vjtis >nn b&iw miJR schloß die erste, imposant und eindrucksvoll verlaufene Veranstaltung der P. A. J. Snif Haifa, die als Markstein in der Geschichte der hiesigen A. J. zu betrachten ist. Im allgemeinen steht man der hiesigen P. A. J. sehr sympathisch gegenüber und ist mit ihren Poalim sehr zufrieden. Der erste große Arbeitsplatz war in Kfar Atta, wo an dem großen Fabrikbau der ,,Textilwerke Atta" eine große Anzahl von Poalim der A. J. bei den Fundamentierungsarbeiten beschäftigt waren. Da konnte man sehen, wie fest „die Jiden mit Bärten und Pei/es" mit Picke und Schaufel arbeiten konnten und selbst die schweren Betonarbeiten zur besten Zufriedenheit ausführten. Die Betonverschalungen sowie Betonmaschinenbedienung und Wasserleitungsarbeiten wurden von erstklassigen agudistischen Poalim erledigt. Einige der besten Poalim haben sich jetzt zu einer Betongruppe zusammengeschlossen und führen zur Zeit die weiteren Betonarbeiten aus. Außerdem wurde in Kfar Atta der Bau von 15 neuen Einfamilienhäusern begonnen, deren Fundamentierungsarbeiten ausschließlich von agudistischen Poalim hergestellt worden sind. Zur Zeit arbeitet eine Fachgruppe von Verputzern und Maurern auf dem Har-Hacarmel, wo sie diese Arbeiten bei einigen sich im Rohbau befindenden Häusern auf eigene Rechnung üebrnommen haben,- Durch die Regenperiode ist, wie alljährlich, der Arbeitsmarkt etwas geschwächt, doch hofft man, daß bereits in einigen Wochen die Baukonjunktur wieder anfängt und Übergenug Arbeit vorhanden sein wird. In der verhältnismäßig kurzen Zeit' ihres Bestehens hat die hiesige P. A. J. schon Enormes ..geleistet, wofür in allererster Linie der unermüdlichen Tätigkeit und dem bewundernswerten Fleiß des Maskir Chawer Jakob Katz zu danken ist, der seine; ganze bereits in Chuz laarez erprobte Kraft in die ersprießliche Arbeit der P. A. J. hineingelegt und den hiesigen Snif zu einem der musterhaftesten in E. J. ausgebaut hat. — Nun heißt es aber, nicht bei dem Geschaffenen stehen zu bleiben, sondern die weiteren, ihrer Erledigung harrenden Aufgaben mit aller Energie zu lösen. So ist beabsichtigt, die Facharbeitergruppen besser auszubilden, sowie die unbedingt notwendigen Institutionen wie Krankenkasse und Darlehenskasse, ferner auch Siedlungen für Poalim einzurichten. Man rechnet mit baldiger Verdopplung der Mitgliederzahl und hofft durch eifrige Werbung und Verbreitung der agudistischen Idee dem mw -Judentum in Haifa eine feste Stütze zu geben. M. G.