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Der Israelit · 1935-02-14 · Heft 7 (14.2.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 7 (14.2.1935)
Date
1935-02-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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14. Februar 1935 0 er 1 s r a e Ii ( Nr. 7 Seite 9 etwa zwei Jahren vom Herrn Simchoh Bunom Stern, einem Mitglieddes Tiferes Bachurim in Budapest, ergriffen. Die von jugendlicher Seite ausgegebene Parole übte einen nachhaltigen Einfluß auf die orthodoxe Jugend aus, so daß diese bereits mit einem gewissen Stolz auf das Getane zurückschauen kann. Noch ist vieles zu leisten, aber wer die speziellungarischen Verhältnisse kennt, wird der begeisterungsvollen Arbeit der Jugend, die zur Zeit von den Herren M. Stern und A. Frank in Budapest geleitet wird, seine Anerkennung nicht verweigern. Doch; lassen wir den Bericht sprechen. Als Ziel der Bewegung wird ein negatives und ein positives angegeben. Es soll verhütet werden, daß die nach Erez Jisroel strebende orthodoxe Jugend ihr Heil in den zionistischen Organisationen (einschl. Misrachi] suche. Zugleich soll aber Erez Jisroel durch die Alijah von Aulim charedim und B'ne Tauroh „jüdisch" gestaltet werden. In dem Kapitel „Beziehungen zu der Aguda" wird die Ideengemeinschaft mit der Agudas Jisroel-Weltorganisation betont, was die Leitung derselben mit Freude zur Kenntnis genommen hat. Alijas Tiferes betrachtet sich als ungarische Abteilung der Agudas Jisroel. Die nach Erez Jisroel ausgewanderten Mitglieder sind eifrige Agudisten. Es sollen in der Zukunft Schritte unternommen werden, namhafte agudistische Führer für Propagandavorträge in Ungarn zu gewinnen. Alijas-Tiferes hat bisher etwa 20 jungen Leuten die Alijah ermöglicht, teils durch wirtschaftliche Hilfe, teils durch Erteilung von Zertifikaten. Zur Erlangung des letzteren wird die Absolvierung der Tiferes-Hac'ischoro geforedrt. Diese befindet sich in den Räumlichkeiten des Budapester T. B. Die Aulim werden meistens in handwreklichen Fächern ausgebildet, Ein außergewöhnlich reiches Lernprogramm (sämtliche T. B.-Schiurim, Daf-Jaumi, Hilchaus-Hoorez, Mussar usw.,) sorgt für die geistige Fortbildung und zugleich Vorbereitung für die Pionierarbeit auf der Admas- Hakaudesch. Der hebräische Unterricht liegt in den bewährten Händen des Herrn Dr. L. Hausen. Nach Vorschrift der Alijas-Tiferes sollen die Aulim möglichst verheiratet nach Erez Jisroel gehen. Die Zahl der Hachscharisten wird demnächst von 15 aufs Doppelte erhöht; sie rekrutieren sich aus allen Teil an Ungarns. Die Einnahmen der Alijas-Tiferes betrugen bisher ca. 2000 Pengö. Der überwiegende Teil des Betrages wurde für Unterstützungen verwendet. Die Einnahmequellen sind: der „Pruto-Jaumis"-Beitrag (2 Heller für den Tag) und die Spenden in den Synagogen der T. B.-Vereine. Da die Agudoh-Instanzen mit dem Menschenmaterial der Alijas Tiferes in jeder Hinsicht sehr zufrieden sind, wurde in Aussicht gestellt, die bisherige geringe Zahl der Zertifikate in der Zukunft nach Möglichkeit zu erhöhen. England. Palästinafragen vor dem Unterhaus. London, 6. Febr. Im Unterhaus fragte am 6. Februar der Abgeordnete Colonel Josiah C. Wedgewood den Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe- L ist er, ob es richtig sei, daß in Jerusalem ein Araber zum Bürgermeister ernannt wurde, obwohl doch die Bevölkerungsmehrheit der Stadt jüdisch ist. Der Minister antwortete: „Zum Bürgermeister der Stadtverwaltung von Jerusalem wurde ein Araber,, Dr. Hussein Fakri. Effendi el Khalidi, ernannt. Das Gesetz gibt dem High Commissioner unbeschränkte Vollmacht zur Auswahl irgend eines Stadtverordneten für die Ernennung zum Bürgermeister, und ich habe vollkommenes Vertrauen zu seiner Beurteilung." Der Abgeordnete richtete weiter an den Minister die Frage, ob über den Vorschlag, Achi-Meir seine palästinensische Bürgerschaft abzuerkennen und ihn des Landes zu verweisen, bereits eine Entscheidung getroffen worden sei; falls dies geschehen sei, warum, und welchen Präzedenzfall es für ein solches Vorgehen in Großbritannien oder in den Kolonien gebe. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: „Ein solcher DlC WochC- Frankiurt a. M . Wie in Berlin wird jetzt ein Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene auch die medizinischen Fakultät der Universität in Frankfurt a. M. erhalten. Das Institut wird die Aufgabe haben, sich nicht nur der Forschung über Probleme der Rassenhygiene zu widmen, es soll auch in besonderem Maße der Verbreitung der rassenhygienischen Lehren dienen. Berlin. Zugunsten der Altersheime der Berliner Jüdischen Gemeinde fand im Berliner Kulturbund eine Festauf führung und Erstaufführung von „ Jaacobs " Traum" von Richard Beer-Hofmann statt. Die jüdische Presse Berlins äußert sich in anerkennender Weise über die Aufführung. — Die Amtsdauer des Direktoriums der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde nach ihrem Ablauf am 31. Dezember 1934 nicht verlängert. — Entgegen vielfachen Gerüchten in der deutschen Oeffentlichkeit, wonach die ITA. in Haifa infolge der Unwetterkatastrophe ihren Dienst eingestellt hätte, teilt die ITA. mit, daß eine jüdische Telegraphen-Agentur in Haifa überhaupt nicht besteht und daß kein Zweig des ITA.-Dienstes in Palästina eingestellt worden ist. Köln. Der „Westdeutsche Beobachter" teilt mit: „Kein Jude kann Mitglied einer NS-Organisation sein. Da die Deutsche Arbeitsfront eine Gliederung der NSDAP, ist, können Juden und Halbjuden keine Aufnahme in die D. A. F. finden." Diese Mitteilung sei, wie das Blatt betont, notwendig, weil sich vielfach jüdische oder nicht rein arische Bewerber zur Aufnahme meldeten. Nürnberg. Das Amtsgericht in Hammelburg verurteilte, wie die „Völkische Tageszeitung" in Nürnberg meldet, Siegfried Stern und seinen Gehilfen, den Metzger Zoll von Westheim, wegen Vergehens g e gen das Schächtgesetz zu je zwei Monaten Gefängnis, Zoll außerdem noch zu 1000 RM. Geldstrafe. Die beiden Angeklagten waren, wie der „Völkische Beobachter" am 23. Januar gemeldet hatte, in Schutzhaft genommen worden. Saarbrücken. Mit Rücksicht auf die sich gegenwärtig vollziehende Umstellung der Wirtschaft des Saargebietes wurde in Saarbrücken in Anlehnung an die Volksbank Iwria in Berlin ein ähnliches Institut für das Saargebiet gegründet. Danzig. Das Danziger Landgericht hat auf die Klage eines jüdischen' Arztes die Aufforderungen zum Boykott dieses Arztes von Seiten eines nichtjüdischen Arztes verboten. Paris. Mitglieder der antisemitischen nationalistischen Organisation „Action Franca i s e " haben in Nancy eine Versammlung jüdischer Studenten überfallen. Eine Studentin wurde verletzt. Brüssel. Zum Andenken an König Albert sammeln die Juden in Belgien für die Anlegung eines König Albert-Waldes in Palästina. Für die Kampagne, die vom N. F. geleitet wird, hat die Königin- Mutter von Belgien, Elisabeth, das Protektorat übernommen. London. Einer Meldung des „Daily Telegraph" zufolge werden bei den bevorstehenden Parlamentswahlen in der Türk e i zum ersten Male jüdische Abgeordnete in die türkische Volksvertretung einziehen. Für sie seien auf besondere Anordnung des Staatspräsidenten Mandate reserviert worden. Rom. Kronprinzessin Maria hat das jüdische Viertel von Rom besucht, wo sie von der Bevölkerung begeistert begrüßt wurde. — Der Leiter der jüdischen Abteilung der Marines c h u 1 e , die, wie berichtet, vor kurzem eröffnet wurde, Kapitän F u s c o , begibt sich im Frühjahr mit 25 jüdischen Schülern der Marineschule auf eine zweimonatige Mittelmeerreise, auf der die jüdischen jungen Leute ihre letzte Ausbildung als Kapitäne und Steuermänner erhallen. Jerusalem. Das Jahresbudget der Stadtgemeinde Jerusalem weist Einnahmen von 80.930 Pfund gegen Ausgaben von 78.847 Pfund auf. — Oberrabbiner Aronsohn von Tel Awiw ist schwer erkrankt. Oberrabbiner K u k hat angeordnet, daß in den Synagogen Gebete für seine Wiederherstellung gesprochen werden. Vorschlag wurde mir noch nicht zur Genehmigung vorgelegt. Bezüglich des dritten Teils der/ Frage möchte ich bemerken, daß in den Kolonien unter gewissen Umständen die Möglichkeit zur Einziehung von britischen Naturalisations-Ausweisen unter Vor- , aussetzung der Zustimmung des Kolonienministers besteht: z. B. in dem Fall, wenn der Inhaber des Naturalisations-Ausweises Abneigung oder Illoyalität gegenüber England bewiesen hat oder in den ersten fünf Jahren nach der Erteilung des Ausweises von irgend einem Gericht innerhalb des Dominions zu einer mindestens zwölfmonatigen Gefängnisstrafe, zu Strafarbeit oder zu einer Geldstrafe von mindestens 100 Pfund verurteilt worden ist." In einer weiteren Interpellation fragte Wedgewood den Außenminister, ob er auf den wachsenden Antisemitismus im Irak aufmerksam geworden sei, eine Erscheinung, die die Stellung Englands in Palästina berühre, und ob der Außenminister Vorstellungen mit dem Ziel, dieser antisemitischen Strömung Einhalt zu tun, erheben wolle. Sir John Simon gab zu, daß in den letzten Monaten ihm Berichte über die Entwicklung einer antijüdischen Strömung im Irak zugegangen seien. Es tue ihm leid, sagen zu müssen, daß diese Berichte durch seine eigenen Informationen in einem gewissen Umfange bestätigt werden. Er habe aber keinen Grund, anzunehmen, daß die Irak-Regierung irgend etwas getan habe, was geeignet wäre, die Stellung der Regierung in Palästina zu beeinträchtigen. Griechenland. v Zur Lage der Juden in Saloniki. Athen, 7. Febr. Ministerpräsident Panaghis Tsaldaris gab folgende Erklärung ab: „Ich habe der Wiedererrichtung der besonderen jüdischen Wahlkurie nicht zugestimmt und werde ihr auch nicht zustimmen. Wenn ich auch um den Frieden im Lande wiederherzustellen, auf gewisse Bedingungen der Oppositionsführer eingegangen bin, so bezog sich dies doch niemals auf die Wiederherstellung der jüdischen Wahlkurie. Für mich ist dies nicht eine Parteifrage, sondern eine nationale Frage; solange ich im Amte bin, wird niemand von einer jüdischen Wahlkurie reden können. Die Juden," — schloß der Ministerpräsident, — „müssen den übrigen Staatsbürgern gleichgestellt sein. Diesem Grundsatz entsprechend, müssen säe unter denselben Bedingungen und in gleicher Eigenschaft wie ihre christlichen Nachbarn das Wahlrecht ausüben." Der Generalgouverneur von Mazedonien, Minister Pericles R h a 11 i s , empfing den Oberrabbiner von Saloniki, Dr. Zwi Koretz, der ihn bat, die Einstellung des Straßenbaus auf dem Gebiet des Salonikier Jüdischen Friedhofs zu veranlassen. Darauf wurde die sofortige Einstellung der Arbeiten auf^dem Friedhofe verfügt. Der Generalgouverneur hat dem Oberrabbiner einen Betrag von 10.000 Drachmen übergeben, den er nach eigenem Ermessen zur Unterstützung jüdischer Armer verwenden soll. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Jüdischen Gemeinde Salonikis, daß ihr seitens des höchsten Repräsentanten der Staatsgewalt ein Betrag für jüdische Wohlfahrtszwecke zugeführt wird. Palästina. Gerichtliches Nachspiel des arabisch-jüdischen Zusammenstoßes bei Nahalal. Jerusalem, 6. Febr. Der Distriktsbeamte von Nazareth, Wadi Effendi I s s a w i, hat soeben das Urteil gegen 15 Araber und 15 Juden, die an dem Zusammenstoß am 20. Dezember beteiligt waren, gesprochen. Damals hatte eine Gruppe Araber jüdische Arbeiter, die Boden des Keren Kajemeth bei Nahalal pflügten, überfallen und mit Steinen beworfen. Von den 15 angeklagten Arabern wurden 11 zu je 600 Müs Geldstrafe, von den 15 angeklagten Juden wurden 5 zu je 600 Müs Geldstrafe verurteilt, die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.

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