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Der Israelit · 1935-02-14 · Heft 7 (14.2.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 7 (14.2.1935)
Date
1935-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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*^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^S^^^^^^^^^P| Seite 8 Nr. 7 e Ii t 14. Februar 1935 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Aus dem Hamburger Synagogenverband. Hambarg, 5. Febr. In der gestrigen Sitzung des Delegiertenkollegiums des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes wurde dem Vorstand für die Jahresrechnung 1934, die mit etwas über Mk. 100.000 balanciert, Entlastung erteilt. Der Haushaltsplan für 1935 zeigt ein von der Gemeinde zu deckendes Defizit von etwa Mk. 35.000. Der Etat wurde einstweilen für sechs Monate bewilligt, da man die darüber hinausliegende Entwicklung im voraus nicht überblicken kann. Der Etat sieht das Oberrabbinergehalt für 9 Monate vor in der Hoffnung, daß man zum 1. April den durch den Heimgang von Oberrabbiner Spitzer ^~xr verwaisten Posten wieder besetzt haben werde. Als Vorbereitung für diese Wiederbesetzung haben Vorstand und Delegiertenkollegium Kapitel 3 der Satzungen des Synagogenverbandes, das sich auf das Oberrabbinat bezieht, abgeändert. Die Abänderung besagt, daß aus besonderen Gründen von einer allgemeinen Wahl der sechs Mitglieder des Vorstandes, die außer den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung die Wahl des Oberrabbiners vorzunehmen haben, abgesehen werden und die Wahl dieser Mitglieder durch Vorstand und Delegiertenkollegium vorgenommen werden kann. Die Wahl der 6 Herren hat auch bereits stattgefunden. Es sind die Herren Rechtsanwalt David, Abraham Hrckscher, Willi Hirsch, W. Bialoglowski, Prof. Markon und Leo Neustadt. In den Vorstand, der zur Zeit aus den Herren Dr. Zuntz, Alexander Levi, Jacob Heckscher und Dr. Bodenheimer besteht, soll in geheimer Sitzung ein neues Mitglied zugewählt werden. Gauleiter Julius Streicher spricht über die Judenfrage. Nürnberg, 7. Febr. Auf einer Vreanstaltung der Ortsgruppe Nürnberg der „Nordischen Gesellschaft" sprach Gauleiter Julius Streicher Einführungsworte zu einem Vortrag von Professor Dr, M j ö e n , Oslo über „Nordisches Erbgut und Sippenkult". „Selbstverständlich beschäftigte sich Julius Streicher," so berichtet die „Fränkische Tageszeitung", ausführlich mit der Judenfrage, dem wichtigsten Teilgebiet, dem Kerngebiet aller rassenpolitischen Arbeit," Die „Fränkische Tageszeitung" zitiert sodann wörtlich einige Sätze aus der Rede von Julius Streicher. Danach sagte er u. a.: „Es gab zu allen Zeiten Seher unter den nordischen Völkern. Und je nach ihrer Art haben sie von der Zukunft gesprochen. Der eine sagte, es gebe eine gelbe Gefahr in der Zukunft, der andere wieder spricht von der schwarzen Gefahr, wieder ein anderer erkennt, daß es eine Judengefahr gibt, aus Jahrtausenden her, — kurzum, es gibt Seher, schauende Menschen, die da wissen, daß sich am Horizont Dinge abzeichnen, die zwangsläufig über uns hereinbrechen werden . . ," „Man muß mit den Augen des Rassenkenners schauen, damit wir nicht blind hineinmarschieren in die Zukunft, in der sich so ernste Dange entscheiden. Man muß. unterscheiden können, was ein Neger, Mongole, nordischer Mensch und ein Jude ist. Nur wer das kann, vermag jeder Rasse gerecht zu werden, selbst den Juden. Und ich glaube, es gibt keinen, der besser den Juden gerecht zu werden vermag als ich. Diese Gerechtigkeit kommt darin zum Ausdruck, daß ich die Oeffentlichkeit seit fünfzehn Jahren unablässig darüber aufkläre, wer der Jude ist . . ." „16 Millionen Juden leben aufgeteilt in allen Völkern und es ist' sonderbar, während alle anderen Völker ihre Kraft, ihr Glück darin finden, daß sie ein. Väterland besitzen, und auf einem Ackerboden, den sie geschaffen haben, leben, ist das Aufgeteiltsein in alle Völker beim Juden nach außen sein Unglück, in Wirklichkeit aber seine Macht. In dem Augenblick, wo wir das Sechzehnmillionerivolk der Juden zusammenholen, meinetwegen auf einer einsamen Insel, da kann der Jude nicht mehr Jude sein, er kann nicht mehr leben, eben so wie Ungeziefer nicht mehr leben kann, wenn man ihm seinen Boden, aus dem er sich als Parasit ernährt, entzieht!" „Glauben Sie mir, wenn einmal der ewige Jude zu Paaren getrieben ist in all den uns noch heute feindlichen Völkern, dann wird es nicht mehr schwer sein, die letzten Dinge aus dem Wege zu räumen, die uns bisher getrennt haben/" Anordnung über Hausverwalter, die Häuser nichtarischer Besitzer verwalten. Berlin, 8. Febr. Die Reichsbetriebsgemeinschaft 17 (Handel) in der Deutschen Arbeitsfront weist auf eine Entscheidung der Reichsleitung der NSDAP., hin, nach der ein Hausverwalter, der gleichzeitig Mitglied der NSDAP, ist und Häuser eines nichtarischen Eigentümers verwaltet, diesen vor Gericht vertreten kann, ohne daß ihm hieraus parteigerichtliche Schwierigkeiten entstehen. Tagung der Israelitischen Landesversammlung Württembergs. Stuttgart, 7. Febr. Die Württembergische Israelitische Landesversammlung hielt in Stuttgart eine Tagung ab, um für den ausscheidenden Präsidenten und rechtskundiges Mitglied des Israelitischen Oberrats, Ministerialrat a. D., Dr. Otto Hirsch, der als geschäftsführender Vorsitzender des Präsidialausschusses der Reichsvertretung der deutschen Juden seine Aemter mit Ablauf seines Urlaubs niedergelegt hat, Ersatzwahlen vorzunehmen. Es wurde jedoch beschlossen, aus triftigen Gründen von der Wahl eines Präsidenten Abstand zunehmen.. Der bisherige stellvertretende Präsident, Herr Leopold Levi, wurde mit der Weiterführung seines Amtes beauftragt. Zum rechtskundigen Mitglied wurde mit einer Amtsdauer bis zum 31. März 1938 Rechtsanwalt Dr. Siegfried Gumbel in Heilbronn gewählt. Zur Dekkung eines Defizits wurde eine Umlage festgelegt, die 5,5 Proz. auf Grund der Reichseinkommensteuer 1933 und der dreifachen Vermögenssteuer 1933 betragen soll. Der Israelitische Oberrat wurde ermächtigt, zusammen mit dem Präsidenten der Israelitischen Landesverammlung, dem Vorsitzenden des Finanzausschusses und einem Vertreter des Israelitischen Vorsteheramts in Stuttgart alle Maßnahmen zu treffen, die er auf dem Gebiete der Wirtschaft, der Finanzen, der Organisation und des Beamtenrechts für erforderlich hält. Zwei alte jüdische Gemeinden, Wachbach und Weikersheim wurden Infolge starken Sinkens der Zahl der jüdischen Einwohner aufgelöst. Schweiz. Für die Hungernden in Sowjet-Rußland. Genf, 8. Febr. Eine Kundgebung der Hilfsorganisationen, die in ihrer Arbeit für die in der Sowjetunion hungernden Menschen die. verschiedenen Kirchen und Konfessionen umfassen, enthält folgende Stellen: „Es ist unsere feste Ueberzeugung, die durch gegenteilige Berichte nicht erschüttert wird, daß große Teile des russischen Volkes vor einem neuen Höhepunkt der furchtbaren Hungerkatastrophe stehen. Zahllose direkte Nachrichten, unzweifelhafte Zeugnisse von Augenzeugen, haben seit zwei Jahren die große Not der Bevölkerung in bestimmten Gegenden der Sowjetunion sowie in gewissen Schichten des russischen Volkes dargetan. Heute läßt sich selbst aus russischen Aeußerungen feststellen, daß ein großer Teil der Bevölkerung in den Notgebieten von allen Vorräten, entblößt, unrettbar dem Hunger ausgeliefert ist. In den von der Dürre heimgesuchten Gebieten war nach dem Zeugnis von Ausländern, deren wohlwollende Einstellung zur Sowjetunion bekannt ist, die Ernte schwer b e e i n t r ä c h ti g t und der Ertrag zum Teil auf Null gesunken. Die Ernte selbst wurde, wie ein amerikanischer Augenzeuge berichtet, mit nie dagewesener Härte eingetrieben. Nur/ dadurch wurde es möglich die Abschaffung, der Brdtr; karten in den Städten vorzuaehmen." „Die unterzeichneten Organisationen haben schon, bisher den Standpunkt vertreten, _ daß Fragen; der Humanität und der Hilfeleistung unabhängig; von politischen und sozialen Interessen behandelt werden müssen. Sie betrachten es als eine Pflicht elementarster Menschlichkeit und reinster^ NächstehUebe,. angesichts dieser Verhältnisse nicht zu schweigen, sondern erneut die Stimme des' Gewissens zu erheben. Sie verlangen zugunsten hungernder und sterbender Menschen und zur Vermeidung einer Katastrophe wie die von 1933 eine volle Klär ung der Lage sowie Sicherung der notwendigen Hilfeleistung, Die Kundgebung ist unterzeichnet für das internationale Hilfskomitee Kardinal Df. Innitz:e r,. Wien; für die Europäische Zentralstelle. Prr»£. Dr~ Choisy und Prof, Dr, Keller Genf und für die Jüdische Rußlandhilfe Oberrabbiner Dr.. David Feuchtwang, Wien, Polen. Der Bendiner Raw V'^T- Warschau, 12. Febr. Aus Bendin kommt die Traueckunde vom Ableben; des bekannten Rabbi Zwi Chanoch Lewim,' dem bekannten „Bendiner Raw". Das polnische: Judentum, steht vor dem frischen Grabe eines seiner größten und bedeutenden Führer, der sowohl infolge seiner hohen Abstammung, wie auch wegen seines Eigenwertes, seiner tiefen Gelehrsamkeit, als Säule der Thora und des Chassidus verehrt wurde. Ein Enkel des Rabbi von Alexander und Schwiegersohn; des. alten Gerer Rebben, hatte er alle Eigenschaften dieser großen Väter in sich vereinigt und nutzte sie iwr die Thora und seine Gemeinschaft aus~ Allgemein wird die bmw Anns des heimgegangenen Rabbi gerühmt. Tausende fuhren zu ihm, um sich Rat und Hilfe in ihrer Not bei ihm zu holen. Eine große Reihe bedeutender Werke auf dem Gebiete von MlTOni min sind im Nachlasse vorhanden, die eine Bereicherung der chassidischen Literatur bedeuten werden. Der Rabbi selbst stand allen Bestrebungen der Agudas Jisroel mit warmem Interesse nahe, was natürlich auch die Energie und die Arbeitskraft_ des Sohnes, Rabbi J. M. Lewin in Warschau, der heute der prominenteste Führer des polnischen Agudismus ist, anfeuerte und anspornte. Bei der Bestattung in Bendin am Sonntag mittag zählten die Trauernden nach Zehntausenden, unter denen man die bedeutendsten Rabbiner von Polen sah.?"'T- * Von der Krankheit des RogatschowCr Gaon. D w i n s k , 10. Febr. Im Gesundheitszustand des Rogatschower Gaon Ist g'ttlob eine wesentliche Besserung eingetreten. Vom Verlaufe der Krankheit erzählt man sich in der Stadt allerlei charakteristische Dinge. Der Gaon ließ sich bei hohem Fieber nicht von den Aerzten ins Bett bringen und hielt keine Minute in seinem Talmudstudium inne. Die beste Medizin, sagte er, sei ein Blatt Gemoro , mit Kommentaren und eine Vertiefung in den „Jeruschalmi". Da half alles Zureden der Freunde und der Aerzte nichts. „Solange mir der Kopf klar ist für das Lernen, bin I :H gesund," beharrte er, und dabei blieb es. Er wünschte auch kategorisch, daß alle Besucher, die mit halachischen oder sonstigen Fragen zu ihm kamen, unbehindert wie sonst zu ihm zugelassen werden. Auch die herbeigerufenen Spezialisten aus Riga konnten hier nicht viel ausrichten und sagten, der eiserne Wille dieses Geistesriesen werde ihn schon wieder hoch bringen. Sie haben recht behalten, Ungarn. Orthodoxe Alijah aus Ungarn. - Budapest, 5, Febr. Die im Rahmen der Landesorganisation „Ti f er;e s Bachurim" wirkende A 1 i j ä s - T i f e r e s - B e - w e g u n g veröffentlichte unlängst ihren Tätigkeitsbericht, Die Idee der Bachurim-Alijah wurde* vor ä^ess^KSss; fsss^^ggasgiMag^

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