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Der Israelit · 1935-02-14 · Heft 7 (14.2.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 7 (14.2.1935)
Date
1935-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 7 Der Israelit 14. Februar 1935 althergebrachter Weise schreibt: das alles .wird mit der Entdeckerfreude eines Archäologen erzählt, der mitten in der Kulturwüste Berlin kostbare Funde ausgegraben und nun zum Staunen aller der Oeffentlichkeit zeigt. Wie werden die Herren aber staunen, wenn sie durch uns erfahren, daß jener Thoraschreiber keineswegs eine exotische Einzelerscheinung sei, daß selbst in Berlin wohl eine ganze Anzahl Sofrim ganz ähnlich wie der von dem Berichterstatter entdeckte Mann tagtäglich Thorarollen, Tefillin und Mesusoth schreiben, daß es in jeder größeren jüdischen Gemeinde, so in Frankfurt, Hamburg, Leipzig usw. solche sonderbaren Menschen gibt, die mit selbstgemachter Tinte und Gänsekiel nach Altväterart die großen und kleinen heiligen Pergamente anfertigen, für den Gebrauch in der Synagoge und auch „zum Zeichen an der Hand, zum Stirnschmuck zwischen den Augen und für die Pfosten des Hauses und an den Toren", wie eben die Vorschrift der in gleicher Art geschriebenen Thorarolle lautet . . . Bei dieser Gelegenheit darf daran erinnert werden, daß die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" seit langer Zeit redlich darum besorgt ist, daß „der Thoraschreiber von Berlin" nicht als letzter Mohikaner von dannen gehe und daß der Sofrimstand einen geeigneten Nachwuchs erhält. Erst auf der letzten Vorstandssitzung der F. V. wurde auf Anregung von Rabbiner Dr. Münk, Berlin beschlossen, mit einer Rundfrage festzustellen, wieviele Sofrim es zur Zeit in Deutschland gibt und wie viele unter ihnen mit der Autorisation eines orthodoxen Rabbiners ihren Beruf ausüben. Sobald die Feststellungen beendet sind, soll an die Sofrim herangetreten werden, daß sie junge Leute, insbesondere auch Lehrer, in die Kunst des Schreibens, der Anfertigung und Untersuchung von Tefillin und Mesusoth einführen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß viele Kollegen des „Thoraschreibers von Berlin" auf dieses Rundschreiben mit der Angabe ihrer Adresse und auch der Bereitwilligkeit, ihrem Stande einen Nachwuchs zu sichern, reagieren werden. Erdöl fließt nach Haifa---- Mit entsprechenden Feierlichkeiten wurden im Irak, in Syrien, Transjordanien und Palästina die Erdölleitungen von Mossul nach Haifa und nach Tripoli eröffnet. Man macht sich einen Begriff von dem grandiosen Kulturwerke, das hier zu Ende geführt ist, wenn man bedenkt, daß die Röhren auf beiden Strecken über 1200 englische Meilen umfassen und bis jetzt unbewohnte, . fast unentdeckte Wüstengebiete, ohne Wasser, ohne Wege und ohne Lebensmittelstationen, mit den zu ihren, beiden Seiten angelegten guten Asphaltstraßen, einem ausgedehnten Telegräphennetz und allen anderen Notwendigkeiten einer zivilisierten Menschheit in hervorragenden Kulturboden verwandeln. Kein Wunder, daß bei den Feierlichkeiten in Kirkuk, Amman und Haifa dieses Werk als eine grandiose Errungenschaft des menschlichen Geistes und als der Anbeginn einer neuen Epoche im nahen Orient mit großen Worten gerühmt wurde. Eines blieb in den Festreden unbeachtet und unerwähnt: der jüdische Anteil an diesem Wunder der Technik, und auch der Lohn, den die Juden Palästinas für diesen Anteil bereits erhalten und noch zu erwarten haben. Der Anteil; abgesehen von dem nicht zu unterschätzenden jüdischen Aktienkapital in England, das bei der Durchführung der Röhrenlegung mitgewirkt hat, kann nicht übersehen werden, daß ohne den jüdischen Jischuw, der Palästina erst zum Abnahmegebiet für den Oelreichtum gemacht, Haifa zur Stadt der Zukunft und bis zum gewissen Sinne auch schon der Gegenwart gestaltet hat, daß ohne das neue Leben im Zeichen des Aufbaus und Aufblühens weder der Hafenbau in Haifa noch die Röhrenlegung überhaupt je in Frage gekommen wäre. Großindustrielle von reicher Initiative, geniale Architekten und Ingenieure haben das Werk mit all den Bauten und Brücken und Straßen und Telegraphendgähten zu Ende geführt, den Boden und die Voraussetzungen für diese Arbeit haben aber die Juden des neuen Jischuw geschaffen. Und der Lohn? Der direkte Nutzen kam bis jetzt ausschließlich den Arabern zugute. Unter den 15 000 Arbeitern, die mehrere Jahre auf der Riesenstrecke von Mossul bis Haifa bei relativ hohen Löhnen beschäftigt waren, werden sich kaum Juden in nennenswerter Zahl befunden haben. In den weiten Wüstengebieten gewiß kein einziger Jude, aber auch bei den Arbeiten auf dem Boden Palästinas war der jüdische Prozentsatz kaum sichtbar. Im gewaltigen Heere der größeren und kleineren Beamten konnte auf die fachmännische jüdische Mitarbeit nicht ganz verzichtet werden aber auch hier kann von einer gerechten proportionellen Verteilung der Arbeit nicht die Rede sein. Man möchte nicht kleinlich denken bei einem Werke, das auf Jahrhunderte berechnet ist und sich automatisch zum wirtschaftlichen Segen für Stadt und Land, somit auch für den jüdischen Aufbau auswirken muß, kämen nicht?flie Kleinlichkeiten von der anderen Seite hinzu, die uns die reine Freude am Erfolge verderben. Und in die Serie dieser Kleinlichkeiten gehört das Vorgehen der irakischen Regierung gegen den.. Londoner Großindustriellen, Sir Robert Cohen. Cohen kam als Großaktionär der Petroleum Company auf Einladung der Palästinaregierung nach Jerusalem zu den Eröffnungsfeierlichkeiten, mit der Absicht, sich von dort zum gleichen Zwecke nach dem Irak zu begeben.. Ob er damit, wie Zeitungen berichten, eine Intervention für1 die Besserung der jüdischen Lage im _ Irak verbinden wollte, wissen wir nicht. Diu Irakregierung verweigerte ihm aber das Visum. Die Sache nahm einen tragischen Ausgang, als die Eheleute Cohen, zum längeren Aufenthalte in Palästina gezwungen, einen Autouhf all hatten, bei dem Frau Cohen ums Leben kam. Erst dadurch wurde die Aufmerksamkeit Englands und der Welt auf das Vorgehen der Bagdader Regierung gelenkt, das schließlich auch zu einer Interpellation und Aussprache im englischen Un t e r h a u s e führte. Ein tragisches Geschick für die betrof-. fene Familie und auch ein Schmerz für die Judenheit Palästinas, die bei der Gelegenheit erfährt, daß vom Irak aus mit dem kostbaren Oet noch andere, gifthaltige Stoffe durch die Wüste nach Palästina geleitet werden sollen. Aber es kommt nicht auf die Feierlichkeiten an, auch nicht darauf, ob man in Bagdad Juden dabei haben will oder nicht. Es kommt auf die Vorteile an, die die Oelleitung Palästina und sedner nördlichen Hafenstadt, die jüdischer Fleiß und jüdische Arbeit zur neuen Blüte geweckt haben, bringen wird, und den wird der jüdische Aufbau zu nützen wissen. Ausbürgerungen in Palästina. Wie aus Jerusalem gemeldet wird,: wurde auch dem früheren Administrator der revisionistischen Zeitschrift „Chasith Haam", Dr. Joschua-. Lichter, der ebenfalls im Prozeß gegen „Brith\ Habirjonim" verurteilt worden war, vom Einwanderungs-Department der Regierung mitgeteilt, daß ein Verfahren eingeleitet wurde mit: dem Ziele, ihm die Bürgerrechte abzusprechen, und daß ihm zur Erreichung; einer begründeten Berufung eine einmonatige Frist gestellt wird. Wie bekannt, wurden Acht M e i r und Je vin bereits ausgebürgert. Auf Initiative von Rabbi Usiel fand aber eine Beratung von Persönlichkeiten des Jischuw Sidra-Bemerkungen. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. 1. Die ganze Sidroh mxn weist den Namen nsra nicht auf, wie im Estherbuche, das in einem gewöhnlichen Jahre zu gleicher Zeit zur Vorlesung kommt, wir nicht den Namen G'ttes finden. Und doch steht über allem handelnd, wirkend und zum Ziele führend, hier der Herr und dort der Lehrer und Führer des Volkes. Megillas Esther, Israels kleine Bibel, will uns die bedeutsame Lehre einschärfen, daß auch dann, wenn wir als einzelne oder als Gesamtheit uns der Fürsorge G'ttes entrückt wähnen, seine unendliche Liebe doch am Webstuhl der Geschehnisse wirksam ist und ewig wahr bleibt: /Vk-w ibw )v*> sbi dw *b mn „Siehe, nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Israels!" Und unsere Sidra läßt, trotzdem der Name Möschens nicht erwähnt wird, gerade durch die un-* mittelbare Anrede anpn nnKi ,7wsn nnxv Und d u „verpflichte", „und d u lasse herantreten zu dir deinen Bruder Ahron" Mosche als Repräsentanten des Volkes, als seinen Vertreter einführen, wo es gilt, den ]H3 als den von G'tt Geheiligten gleichzeitig als den von der Nation Berufenen und für die Nation Geweihten zu begreifen, dessen Aufgabe es ist, im heiligen Dienste für des Volkes Gesamtheit zu wirken und zu opfern.. Das Volk muß das Oel dem Priester reichen, damit er es entzünden kann, und es ist des Volkes Kleid, in dem der höchste Diener des Herrn an den Altar ins Heiligtum tritt. Das mag wohl auch der Midrasch ins rechte Licht setzen wollen, wenn er das Prophetenwort anführt und deutet: rinnen nv? isnn irr iann rras uan- Von ihm der Grundstein, von ihm der Pflock, von ihm der Bogen des Krieges" /Dirne? nna o.TK'aj am on-ans ona von ihnen (von Israels Kindern) stammen ihre Priester, von ihnen ihre Propheten, von ihnen ihre Fürsten. Das Volk in seiner Gesamtheit ist die Grundlage und das Rückgrat des Heiligtums und des heiligen Dienstes. Das Heilige ist nur so lange gewährleistet, als es von der Gesamtheit getragen wird und diese opferwillig macht. 2. Jirmejahu, der das jüdische Volk in seinem furchtbaren Abstieg und Zufall sah, sprach das bedeutsame Wort: >"\nvf "\ mp isn -na ns* psn nn „Saftiger Oelbaum, frucht- und gestaltschön hat der Herr deinen Namen gerufen." 'iria *?mw bwaV ">n-p nm na „Warum hat wohl der Prophet Israel mit der Olive verglichen?" fragen die Weisen, und sie zeigen Israels Aufgabe und Bestimmung und Israels Schicksal im Bilde der Olive, die das Oel für das Licht am Leuchter des Heiligtums spendet. Israel soll der Lichtträger, der Künder der Heilslehre inmitten der Menschheit sein. Nicht selten muß es wie die Olive gepreßt und gedrückt werden, um an seine Bestimmung gemahnt zu werden. Israel hat die Aufgabe, sich zu erhalten und zu wahren in seiner Eigen Wertigkeit, es darf keine Verbindung eingehen, um wesensrein zu bleiben. Das Oel geht ja keine stoffliche Verbindung ein mit anderen Flüssigkeiten, es scheidet und sondert sich leicht. Das ist für unsere Gesamtheit eine bedeutsame bleibende Mahnung, die wir beherzigen sollen, damit wir unser Erbe nicht schnöde preisgeben und der Liebe und Gnade G'ttes uns würdig erhalten. Wir bleiben nur dann wie das Oel oben, wenn wir uns unserer Bestimmung nicht entziehen. Licht zu schauen im Lichte des Herrn, das erhebt uns über alles Leid und jede Sorge und das ist der Garant für unsere Dauer und Ewigkeit ... nnnwa ram ns oi^awn, Wenn der Adar einzieht.« dann soll Freude herrschen in Israel, mm «hs nnaw fK/ Freude und Beseligung wird Israels Teil, wenn der Born der heiligen Lehre in unserer Mitte segenspendend quillt . > . Beherzigen wir aller Orten diese Lehre, dann ist das die schönste Adarweihe ... Kleines Feuilleton. Aus der Bücherei des Schocken Verlags, (M. 1.25 ord.). Unter den Januarausgaben befinden sich folgende Bücher: Hermann Cohen: Der Nächste. Vier Abhandlungen über das Verhalten t von Mensch zu Mensch nach der Lehre des Juden- , tums. Mit einer Vorbemerkung von Martin Bub er, , Martin Buber: Des Baal-Schern - T ö"w. Unterweisung im Umgang mit G'tt.. R e jte Pomeranzen.- Gesammelte Schriften von Franz Kafka. Zwei Bände.

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