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Der Israelit · 1935-02-07 · Heft 6 (7.2.1935) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 6 (7.2.1935)
Date
1935-02-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Der Israelit Nr. 6 Seite 11 tigen Verhältnisse im Bankwesen zu überprüfen und Vorschläge betreffend eine etwa notwendige Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen für die Gründung und den Betrieb von Bankinstituten zu erstatten, hat ihre Arbeiten' abgeschlossen. Es wird nunmehr em Bericht ausgearbeitet und man erwartet, daß in diesem besonders auf die Gefahr des Bestehens einer übergroßen .Zahl kleiner Bankgeschäfte hingewiesen werden wird. Unter den augenblicklichen günstigen Wirtschafts Verhältnissen ist es Banken, die nur kleine Reserven haben, möglich, Geschäfte abzuwickeln, ohne daß auch nur das im allgemeinen ungenügende Betriebskapital voll eingezahlt ist. Wenn auch häufig hinter den kleinen Unternehmungen größere Banken stehen und ihnen ihren Kredit zur Verfügung stellen, so biete doch nach Ansicht der Körnmission das geltende Gesetz die Möglichkeit der Gründung von Banken, ohne daß für die erforderliche Sicherheit vorgesorgt wäre. In Bänkkreisen wird erwartet, daß die Kommission für Bankinstitute ein Mindestkapital von 25.000 Pfund, das binnen einem Jahr nach der Registrierung voll eingezahlt sein muß, vorschlagen wird. Ferner soll die Vornahme geschäftlicher Transaktionen erst gestattet werden, sobald das Grundkapital eingezahlt ist. Für Niederlassungen ausländischer Banken soil ein weit höheres Mindestkapital, vermutlich 100.000 Pfund, vorgeschrieben werden. Die Banken sollen verpflichtet werden, auf Briefbogen, Drucksorten usw. nicht nur das bewilligte, sondern auch das tatsächlich eingezahlte Kapital anzugeben. Wahrscheinlich ist ferner eine einschränkende Bestimmung über die Zulässigkeit von Worten wie „Royal" oder „National" in der Firmenbezeichnung. Kooperative Kreditgesellschaften werden vermutlich einheimischen Banken gleichgestellt sein, wobei die „eigenen Mittel" als Kapital betrachtet werden. Voraussichtlich wird den bestehenden Banken, deren Kapital niedriger ist als das vorgesehene Mindestkapital, eine angemessene Frist zur Aufbringung der Kapitalsdifferenz gewährt werden. Wird dies« Frist nicht eingehalten, so soll das betreffende Unternehmen liquidiert werden. Es sollen qualifizierte Rechnungsprüfer bestellt werden, die für Nachlässigkeiten gerichtlich belangt werden und im Fall der Feststellung eines Verschuldens das Recht zur weiteren Ausübung ihres Berufes verlieren sollen. Dänemark. Palästinaexport nach Dänemark. Kopenhagen, 30. Jan. Nach einer kürzlich veröffentlichten Handelsstatistik wurden aus Palästina nach Dänemark im ersten Halbjahr 1934 Waren im Werte von 37.000 LP, von Dänemark nach Palästina für 48.000 LP exportiert. Offizielle Zahlen für das ganze Jahr 1934 liegen noch nicht vor. Dänische Importeure schätzen die Einfuhr aus Palästina auf etwas über eine Million dänische Kronen; davon wurden für rund eine Million Kronen Orangen eingeführt. Im laufenden Jahre ist mit einer bedeutenden Verminderung der Orangen- Einfuhr zu rechnen, da durch scharfe Valutarestriktionen der im Vorjahre für Orangen-Import aus Palästina bewilligte Betrag vom dänischen Valuta-Amt etwa um die Hälfte herabgesetzt worden ist. In Dänemark besteht keine offizielle Handelsvertretung Palästinas, was auf die Handelsbeziehungen zwischen Tjeiden Ländern sich auswirkt. Griechenland. Entwicklung der jüdischen Mittelmeer-Schiffahrt erweckt Besorgnisse in Griechenland, Athen, 31. Jan. Die Entwicklung der jüdischen Schiffahrt im Mittelländischen Meer wird von der griechischen Presse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, wobei mitunter die Befürchtung zum Ausdruck gebracht wird, daß Griechenland unter dieser Entwicklung iniol^e Zurückdrängung seiner eigenen, für seine Wirtschaft ungemein wichtigen Mittelmeerschiffahrt geschädigt werden könnte. So hat z. B. die große Athener Tageszeitung „Typos" einen Leitartikel veröffentlicht, in dem sie darüber Klage führt, daß die jüdische Seeschiffahrt dank ihrer außerordentlichen Initiative im Begriffe stehe, den Verkehr im Mittelländischen Meer zu monopolisieren. (?) Die interessierten Kreise Griechenlands und die. griechische Regierung werden aufgefordert, angesichts der neuen Lage wachsam zu sein und die. notwendigen Schritte zum Schutz der griechischen Interessen zu tun. „Typos" berichtet in diesem Zusammenhäng, daß folgende durch jüdische Initiative geschaffene Gesellschaften bereits tätig sind: Der Palestine Lloyd mit den Schiffen „Mount Car- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Jerusalem. Wie man hört, hat die Palästina-Regierung die Absicht, in einiger Zeit eine neue Anleihe aufzunehmen, die auch in Palästina selbst zur Zeichnung aufgelegt werden soll. Der Ertrag soll vermutlich für öffentliche Arbeiten Verwendung finden. Tel Awiw. Die Regierung plant einen starken Ausbau des Haifaer Hafens, damit dann gleichzeitig 8—9 Dampfer anlegen können. Bei Tel Awiw in der Gegend von Mikwe Jisr'ael soll ein Zentralbahnhof errichtet werden. Beide Projekte werden eine Kapitalanlage von einer Million Pfund erfordern. . Ka i r o. In der ägyptischen Presse wird die Forderung erhöhter Schutzzölle auf Baumwollwaren gegen die japanische Konkurrenz erhoben. Tel Awiw. In der Schweiz wird der Pflege der Wirtschaftsbeziehungen zu Palästina in der letzten Zeit große Aufmerksamkeit geschenkt. Der Gesamtexport wird sich für 1934 auf Lst. 150.000 stellen, das Vierfache der Ziffer für 1392. Die Hauptgüter, die die Schweiz nach Palästina exportiert, sind Uhren, Maschinen, elektrische Apparate, Aluminium, Chemikalien, Textilien, Käse, Schokolade. Eine Anzahl bedeutender Industrieunternehmungen haben sich mit dem Sitz in Zürich zu einer Exportorganisation zusammengeschlossen, die auch Mittel zur Unterhaltung eines ständigen Ausstellungs- und Lagerraumes in Tel Awiw zur Verfügung stellt. Angesichts dieser Entwicklung wird mit Recht darauf hingewiesen, daß die palästinensischen Citrusfrüchte, die in der Schweiz keinem höheren Einfuhrzoll wie die italienischen oder spanischen unterliegen, in höherem Maße als bisher in die Schweiz eingeführt werden können. Tel Awiw. Ein Artikel der Berliner Börsenzeitung in der Ausgabe vom 11. Januar, der dem palästinensischen Wirtschaftsaufbau einen vernichtenden Krisensturm prophezeit, hat in palästinensischen Wirtschaftskreisen viel böses Blut gemacht. Man erblickt in dem Artikel mehr den Ausfluß einer wenig wohlwollenden Stimmung, als vernünftige .Wirtschaftskritik. Die Behauptung, daß auch die englischen Wirtschaftskreise Palästina kritisch gegenüberständen, wird damit widerlegt, daß die City im Laufe des letzten Halbjahres nahezu 5 Millionen Pfund in Anleihen und Kapitalerhöhungen palästinensischer Wirtschaftsunternehmungen investiert hat. Jaffa. Auf dem Orangenmarkt sind in den beiden letzten Wochen Preisrückgänge bis zu 1—1% Schilling zu verzeichnen. Wie mitgeteilt wirdi werden die Exporteure dieser Tage in Jaffa über die Frage einer Verschiffungspause beraten. Es sind vom Beginn der Saison bis 20. Januar 2l/> Millionen Kisten versandt worden gegen etwa 2 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Tel Awiw. In das französisch-deutsche Zahlungsabkommen, das bis zum 31, März 1935 vorläufig verlängert wurde, ist Syrien einbegriffen worden, während das englischdeutsche Zahlunsgabkommen auf den palästinensisch-deutschen Warenaustausch keine Anwendung gefunden hat. mel" und „Mourit Zion", der die Linie Konstanza- Istambul-Rhodos-Palästina-Alexandrien betreibt; eine andere Gesellschaft mit dem Sitz in Haifa bediene die Linie Palästina-Aegypteh-Syrien; eine dritte Gesellschaft, die 800 Tonnen-Motorboote für Fluß- und Seeschiffahrt besitzt, habe den direkten Dienst Budäpest-Piräüs-Haifa aufgenommen; ferner wird behauptet, daß die Reederei Arnold Bernstein, von der Red Star-Line die .16.000 Tonnen-Dampfer „Finnland" und „Westerland" für eine Linie New York—Palästina gekauft halbe; schließlich stehe eine andere jüdische Gruppe in Unterhandlungen betreffend den Ankauf von Schiffen für eine Linie Haifa-Jaffa-Saloniki und eine Linie Haifa-Jaffa-Genua-Marseille. Personalien. Frankfurt a. M„ 4. Febr. Am nächsten Sonntag (7 .Adar) jährt sich. der Tag, an dem der jüdischen Welt eine ihrer vorbildlichen Persönlichkeiten, ein rrm p'is im wahrsten Sinne des Wortes, entrissen wurde: Dr. Lipman Schlesinger *?*3T aus Hamburg. Den zahlreichen Schülern und Verehrern des Heimgegangenen in allen Teilen der Welt wird es willkommen sein, durch diese Notiz an den Jahrzeitstag erinnert zu werden, um sein Andenken durch waern naV ehren zu können. Rees a, Rh., 4, Febr. In der Nacht zum Freitag starb plötzlich der langjährige Lehrer der alten jüdischen Gemeinde Rees, Meier Levisohn aus Spangenberg, Bez. Kassel, im 70. "Lebensjahre. Ungefähr die Hälfte seines Lebens wirkte er hier in treuer Hingabe und Arbeitsfreude für die religiösen Interessen des überlieferten Judentums in Gemeinde, Schule und Haus an der Seite der trefflichen gleichgesinnten Gattin Emilie geb. Winter aus Kempen. Das Haus, eine Stätte der G'ttesverehrung und Erfüllung der «ISO' bildete den Mittelpunkt der klein und kleiner werdenden Gemeinde, die nun verwaist ist und nicht mehr in der Lage sein wird, die Institutionen asu eigener Kraft aufrecht zu erhalten, was schon bisher sehr schwierig war. — Die Beerdigung bekundete nochmals die Verehrung, Liebe und Dankbarr keit, die der Verstorbene in der Gemeinde und dar rüber hinaus in allen Bürgerkreisen der Stadt und Umgebung sich erworben hatte. Der langjährige Freund des Hauses, Rabbiner Dr. Wolf, Köln gab in knappen und erhebenden Worten der Größe des Verlustes Ausdruck. Möge '"»n die Witwe und die Kinder trösten und das Vorbild des Entschlafenen an religiöser Pflichterfüllung und Hilfsbereitschaft lebendig erhalten in den.Herzen der um ihn trauernden Gemeinde! rrasan N. Echzell (Oberhessen), 5. Febr. Tiefer Schmerz erfüllte alle Freunde und Bekannte, welchen die Nachricht von dem Ableben des Lehrers Joseph Stern zu Ohren kam. Eine der einprägsamsten Persönlichkeiten unseres Ortes und unseres Kreises wurde uns genommen. Mit Joseph Stern sinkt ein Stück Geschichte unserer Gemeinde und unseres Kreises ins Grab, und wir wissen, was seinem engsten Kreise genommen wurde, dem Sohn, der Tochter und den Verwandten. Ganz besonders seiner Gemeinde, der er über 40 Jahre als geistiger Führer bevorstand, war er ein Seelsorger im wahren Sinne des Wortes. Für jeden wußte er das passende Wort, zur gegebenen Stunde. Allen konnte er mit Rat und Tat belehrend und aufklärend zur Seite stehen. Er war das eiserne Band, das seine Gemeinde zusammenhielt und vor dem Verfall bewahrte. Es ist ein gewaltiger Riß, der in unser aller Sein gerissen wurde. Joseph Stern, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, wirkte lange Jahrzehnte als Lehrer und Kultusbeamter in Echzell. — Die Trauerfeier fand unter großer Beteiligung in der Synagoge statt. Nach der Rede des Herrn Selig sprachen ergreifende Worte Herr Lehrer Klein, Gießen als Jugendfreund und Schulkollege und die Vorsteher der Gemeinden, rrasan Maßbach (Ufr.), 3. Febr. Lehrer David Cegla ist in Erfüllung eines langgehegten Wunsches Anfang des Monats nach Erez Israel übergesiedelt, wo bereits zwei seiner Söhne wohnen. C. war wegen seines freundlichen und zuvorkommenden Wesens sowie durch seine Hilfsbereitschaft allgemein geschätzt. Besondere Hochachtung genoß er wegen seiner Frömmigkeit und seines bedeutenden talmudischen Wissens, weshalb er von dem verstorbenen Kissinger Raw mit dem "I3n-Titel ausgezeichnet wurde. In einer ergreifenden Abschiedsrede verabschiedete er sich von seiner Gemeinde, die ihm Dank für seine segensreiche Tätigkeit aussprach. Bödigheim i. Bad., 31. Jan. Herr Julius Bravmann wurde zum Verwalter unseres Bezirksfriedhofes ernannt. Hardheim i. Bad., 31. Jan. Für ihren gefallenen Sohn Anselm Wertheimer ließ die Gemeinde in Dankbarkeit und Treue, eine Gedenktafel in der Synagoge anbringen. Tel Awiw, 10. Jan. Einfach, bescheiden, selbstlos und gütig, und diese Eigenschaften mit einer als Selbstverständlichkeit geübten treuen, klaren Lebenserfüllung im Thoraideale ihrer Vorfahren — so zeichnet sich der Persönlichkeitswert der im Alter von 73 Jahren abberufenen Frau Sarah P i n k u s geb. Riegler. In den Gefahren der Großstadt Wien hat sie in ihrer Schlichtheit und Klugheit ihre elf Kinder zu Menschen großgezogen, die wieder ihre Kinder nach der Thora zu erziehen streben. In der Gegenwart ist ein solches Können selten geworden; um so mehr adelt es die Frau, die es meisterte. S. G.

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