Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1935)
- Date
- 1935-02-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 6 Der Israelit 7.. Februar. i935: Ungarn. Die neue Verfassung der Neologie. Budapest, 1, Febr, Am 4. März tritt in Ungarn der Landeskongreß der neologen Gemeinden zusammen. Aus diesem Anlaß gibt die Zentralbehörde dieser Organisation, die „Israelitische Landeskanzlei", einen stattlichen Band heraus, der die zu schaffenden neuen Statuten und deren ausführliche Motivierung enthält. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder, daß die ungarische Neologie an ihrer Tradition festhält und auch weiterhin bestrebt ist, die Organisation der Orthodoxie zu unterminieren. Die Begründung will an nicht weniger als drei Stellen die ergänzenden Bestimmungen zum orthodoxen Landesstatut vom Jahre 1905 als etwas Beispielloses, ohne vorherige Genehmigung des Königs Entstandenes, vom juridischen Standpunkt Anfechtbares und Minderwertiges darstellen. Die orthodoxe israelitische Landeskanzlei veröffentlicht daher eine ausführliche Erklärung, worin die Argumentation der neologen Zentralbehörde als unrichtig festgenagelt wird. Vor allem wird festgestellt, daß die neologe Darstellung geflissentlich es verschweigt, daß die orthodoxen Statuten nachträglich — und zwar in kürzester Frist, die bezügliche Ministerialverordnung ist nämlich am 9. Januar 1906 erschienen und König Franz Joseph hat sie bereits am 17. Februar selber genehmigt — die königliche Genehmigung erhalten haben. Zweitens ist die Statutenänderung nicht durch das Ministerium, also nicht von der Aufsichtsbehörde der Konfession vorgenommen worden, sondern sie entspringt aus der Autonomie der Orthodoxie. Das Ministerium hat ihr lediglich die formelle Geltung verliehen. Sie ist daher vom juridischen Standpunkte nicht schwächer und nicht unvollkommener als die übrigen auf das konfessionelle Leben der Juden Bezug habenden Rechtsnormen. Die Beziehungen zwischen der ungarischen Neologie und Orthodoxie lassen übrigens in der letzten Zeit viel zu wünschen übrig. „Zsido Ujsag" veröffentlicht diesbezüglich eine Unterredung mit Oberrabbiner Strasser, Debrezin, welche u. a. folgende Aeußerungen enthält: Die friedlichen Verhandlungen haben keinen Erfolg gezeitigt. Es wäre zwar erwünscht, daß das seit Jahrzehnten bestehende gute Einvernehmen mit den Neologen auch weiterhin erhalten wird, aber viel wichtiger sind die religiösen Interessen der Orthodoxie. Demzufolge erwarten ,die orthodoxen Juden Ungarns, daß die Zentralkanzlei ihre religiösen Interessen unter allen Umständen verteidige. Auch „Zsido Elet" enthält ein Interview vom amtsführenden Vorsitzenden der orthodoxen Zentralkanzlei, Ludwig Hartstein, welche erklärt, daß das neue Statut der Neologen den früheren Gravamina neue zufügt: Es schafft neue Einrichtungen, die irreführend israelitische Landesinstitutionen genannt werden, macht die Neugründung von orthodoxen Gemeinden von Zweidrittelmajorität abhängig und möchte die orthodoxen Tempelvereine unter Aufsicht der neologen Seelsorger stellen. „Wir möchten Harmonie mit den Neologen" — schließt Präsident Hartstein seine Ausführungen, — „aber wir sind sehr weit von einer Vereinbarung. Allerdings werden wir die gerechten Interessen der Orthodoxie wahren!" Frankreich^ Jüdische Kolonisation in Ecuador? Paris, 30. Jan. In einem Kreis führender Persönlichkeiten der jüdischen Emigrationsbewegung berichteten die Herren Dr. Frei und B o n i im Namen ein-sr privaten Gruppe, die sich um die Ermöglichung einer großzügigen jüdischen Siedlung in Ecuador bemüht, daß es einer nach Ecuador entsandten Kommission soeben gelungen sei, mit der ' dortigen Regierung ein Abkommen zu treffen, demzufolge der Gruppe eine Konzession auf ein Gebiet von 485.000 Hektar zweclts landwirtschaftlicher und industrieller Siedlung erteilt wird. Die Erwerbung der Staatsangehörigkeit von Ecuador durch die Siedler soll den allgemeinen Bestimmungen unterliegen, doch sind Begünstigungen für Personen, die sich auf wissenschaftlichem, künstlerischem oder sozialem Gebiet hervorgetan haben, sowie für aus politischen Gründen staatenlos Gewor-' derie vorgesehen. — Da seitens offizieller Stellen in Ecuador bisher noch keine Bestätigung über das angebliche Abkommen vorliegt,, ist dem Bericht' des Komitees gegenüber Reserve am Platze. Die Initiatoren des Siedlungsprojektes haben versprochen, einer demnächst einzuberufenden Versammlung jüdischer Verbände nähere Einzelheiten, vorzulegen. Palästina. Waffenruhe im Kampfe um den Sabbat. TeL Awiw, 31. Jan. Die allgemeine Entrüstung ob der Sabbatentweihungen hat doch dazu geführt, daß von der Irijah an der Westfront der großen Synagoge Warnungstafeln aufgestellt wurden, die den Autoverkehr am Sabbat an diesen Stellen strengstens, verbieten. Leider sind die Straßen auf der Ost- und Südseite der Synagoge von diesen Maßnahmen, noch nicht erfaßt, so daß von dieser Richtung der G'ttesdienst noch -oft genug vom Rattern und Tuten der Autos gestört wird. Auch auf dem Platze um die große Synagoge des „Altenheimes" ist noch nicht genügend für. Ruhe gesorgt. Unter den Gesetzestreuen Tel Awiws ist erfreulicherweise neues Leben, zu konstatieren; Die. Beratungen unter den Agudamitgliedern über die Organisierung einer eigenen orthodoxen, Gemeinde nach dem Muster der Jerusalemer dauern fort. An den Menschen für diese Gründung dürfte es gewiß nicht fehlen, nach der starken Einwanderung; von thoratreuen Juden aus Deutschland und Ungarn,, die von Haus aus nicht gewöhnt sind, sich, liberalnationalen Gemeindeorganisationen; auf Gnade, und Ungnade auszuliefern. In einer Agüdaversammlung kam es nun zur Bildung eines aus allen; Landsmannschaften zusammengesetzten O r g a n i s a t i o n: s - komitees, das die Pläne, zur Gründung der Gemeinde bereits ausgearbeitet hat und nur noch auf die Rückkehr von Rabbi Mosche Blau wartet, umdiese Pläne zur Durchführung zu bringen. Man kann: sich nicht verhehlen, daß es noch, ein langer, schwieriger Weg bis zum Enderfolge ist, er wird aber bei' gutem Willen und ungebrochener Energie erzielt werden. Es ist kein Geheimnis^ daß die Agud'a noch keinen festen Resonnanzhod'en in der jüdischem Stadt: hat. Ist aber einmal die Gemeinde da, da wäre auch die Plattform gegeben, auf der sich ein echtes Agudaleben entwickeln: könnte. Die Arbeit der Aguda im Tel Awiw ist durch die Heterogenität in ihrer Zusammensetzung wesentlich erschwert, da die Gesinnungsgenossen aus Polen, Deutschland, Litauen und Ungarn ihre eigene Mentalität und ihre eigenen Traditionen haben. Es wäre heiligste Aufgabe der Hachscharoth in der Golah, bei der Vorbereitung der jungen Menschen für Palästina sie auch für den jüdischen Einheitsgedanken auf, der Basis der Thora zu erziehen, daß sie in Erez Jisroel über alle Gegensätze hinweg sich im Grundgedanken und in der gemeinsamen Arbeit für Thora und Land finden, M. G. P. Jüdische und arabische Arbeiter in den Pflanzungen Palästinas, Tel Awiw, 31, Jan; Anläßlich der Eröffnung der Jahreskonferenz des Verbandes der jüdischen Landwirte Palästinas hielt der Vorsitzende der „Histadruth Haikarim", Mosche Smiliansky, eine Ansprache, in der er sich hauptsächlich mit dem Problem der Verteilung jüdischer und arabischer Arbeitskräfte in den jüdischen Pflanzungsbetrieben beschäftigte. Er nahm die Pflanzer gegen den Vorwurf ungenügender Beschäftigung jüdischer Arbeiter in Schutz. Es müsse als ein befriedigender Zustand bezeichnet werden, wenn bis vor kurzem in den jüdischen Betrieben auch eine angemessene Zahl nichtjüdischer palästinensischer Arbeiter Beschäftigung gefunden haben. Nunmehr aber habe sich die Lage infolge der Einwanderung ungeigneter nichtjüdischer Arbeiter geändert. Die Kolonisten dürften für die Zurückdrängung der jüdischen Arbeit, in den Pflanzungen nicht allein verantwortlich gemacht werden. Schuld daran trage auch die Abwanderung, jüdischer- Arbeiter in die Stadt, wo sie" doppelt so höhe Löhne erhalten, können: wie im Dorf,. . . j;) Smiliansky betonte des weiteren die Notwendigkeit für die Kolonisten, die für die Landwirtschaft bestimmten 400 Zertifikate so auszunutzen, daß die Kolonistendieselben direkt auslief. Ha n d der Regierung bekommen und. nicht erstdurch. Vermittlung der jüdisch-nationalen Instanzen. Es sei denn, daß an. die Spitze dieser Instanzen neue, Män^ ner. gestellt werden, zu denen die Kolonisten, volles; Vertrauen haben können, . 223 Jemeniten in Jaffa eingetroffen, Jerusalem., 30, Jan, Im Hafen von Jaffa ist ein Transport, von. 223; Juden aus dem Jemen, eingetroffen, die auf Grund, von. 10Q .ihnen von der. Exekutive der Jewish-Agency zugeteilten Zertifikaten, nack Palästina gekommen: sind. Es ist dies innerhalb., der letzten Monate die dritte, größere Jemeniten-Gruppe,, die nach Palästina kommt, die Einwanderer, die. im Hafen von einer Abordnung des Sephardim-Verbandes in Jerusalem empfangen wurden, berichteten eingehend über den, außerordentlichen Druck,, dem. die jüdische. Bevölkerung im Jemen unter, der Regierung des Imams: Jachja ausgesetzt ist: Reorganisation der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde. Jerusalem, 31. Jan. Wie die ITA, erfährt, hat der Waad Leumi Schritte unternommen, um eine durchgreifende Reorganisation, der Jüdischen Gemeinde von Jerusalem dürchzuführen. Ein Finanzkomitee, bestehend aus den Herren Chaim Solomon, Braudel und! Dr. Senator, wurde eingesetzt und mitu der Ausarbeitung entsprechender Plane beauftragt. Ferner wurde der ehemalige juristische Berater der- Gemeiitde in Frankfurt a. MT.„ Dr. Eugen Ma y e r, der sich, seit etwer eihsm Jähre in Jerusalem niedergelassen:, hat, vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde und veran Waad Leumi mit der Ausarbeitung eines Planes für den Neuaufbau der Germeinde und ihrer Einrichtungen beauftragt Der Ärbeitermangel in PalästSna, J e r u s a l"e~m!, 22. Jan; Unterdem außeroardent&chen Mangel an jüdischen. Arbeitskräften haben sämtliche Teile der jüdischen Bevölkerung Palästinas schwer zu leiden. Der Notschrei: Gebt uns mehr Arbeiter! wird in gleicher Weise von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an dia Leitung der jüdischen Kolonisatibnsarbeit gerichtet.. Es wiret darauf hingewiesen, daff zahlreiche begonnene Arbeiten nicht zu Ende geführt und neu geplante Unternehmungen nicht in Angriff genommen werden können, weil es an Arbeitern fehlt. Besonders die Pflanzungsbetriebe befinden siefe infolge des Arbeitermangels in schwieriger Lage, Die Errichtung neuer Industriebetriebe ist unmöglich», ja selbst die Erhaltung der bestehenden in Frage gestellt, wenn nicht sofort neue Arbeitskräfte ins: Land gebracht werden. Die Verbände der Landwirte, der Industriellen und der Arbeiter haben sich darum an die Jewish Agency mit der Forderung gewandt, sofort eine nachhaltige Aktion zur Behebung dieser Mißstände einzuleiten. Bis zum 13- JanuaT 1935 wurden vom Beginn dar Exportsaison an 2.045.122 Kisten Citrusfrüchte aus Palästina ausgeführt. In der vorhergegangenen Saison betrug der Export bis zum gleichen Datum 1.849.069 Kisten. Dem steigenden Bedarf an frischen Früchten außer Citrusfrüchten konnte der palästinensische - Obstbau nicht etnsprechen. Im ersten Halbjahr 1934 wurden nach Palästina für 43.058 Pfund Aepfel und für 30,726 Pfund Birnen, Pflaumen und andere Obstsorten eingeführt. 1931 betrugt die Gesamteinfuhr an frischem Obst nach Palästina nu r36.784 Pfund. -Maßnahmen gegen eine Hypertrophie des Bankwesens in Palästina. — Voraussichtliche Vorschläge der Bankenkontroll-Kommission der Regierung. Jerusalem, 30, Jan. Die von der Regierung eingesetzte Barikenkontroll-Kommission, die beauftragt war,; die<-gegenwär^.