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Der Israelit · 1935-02-07 · Heft 6 (7.2.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 6 (7.2.1935)
Date
1935-02-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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7. Februar 1935 Der Israelit Nr. 6 Seite 9 glaubt, die Lasten der Gemeinde getrost von ande ren tragen lassen zu können, ... der beleidigt die Gemeinschaft und treibt Sabotage an ihr. Wir, Vorstand und Rat, werden ihn hinfort ohne Ansehen der Person und des Standes der Kritik der Gemeindeöffentlichkeit übergeben . . ." (ITA-}. Schweiz. Delegiertentag. der schweizerischen Landesorganisation der Agudas Jisroel. Z ü r i c h , 4. Febr. Gestern fand in Zürich ein Delegiertentag der schweizerischen Landesorganisation der Agudas Jis roel. statt, der aus allen Gruppen gut besucht war und, nachdem die Gegenstände der Tagesordnung durch eine vorher stattgehabte Vorbesprechung vorzüglich vorbereitet wären, in einer recht konzentrierten Aussprache zu praktischen Ergebnissen führte. Die Leitung der Landesorganisation wird von Zürich nach L u z e r n verlegt. Sie wird unter dem Präsidium von Dr. med. Robert G u g g e n h e i m-Luzern stehen und in starkem Maße auf die Mitwirkung jüngerer Gesinnungsgenossen gestützt sein. Der Landesleitung gehören ex officio auch der Präsident des schweizerischen Keren Hajischuw und des schweizerischen Keren Hathora an. In das erstere Amt wurde Herr Fritz Mannes- Zürich, in das letztere Herr Max Meyer- Basel berufen. Die in Zürich wohnenden Mitglieder der bisherigen Landesleitung werden, unterstützt von neuen Kräften, ihre Aufmerksamkeit vor allem der Aktivierung und Vergrößerung der Züricher Ortsgruppe zuwenden. Am Vorabend, des Delegiertentages fand eine auch aus nichtagudistischen Kreisen stark besuchte Propagandaversammlung in Zürich statt, zu der als Redner die Herren Jacob Rosenheim, Frankfurt am Main und Dr. De.utschländer, Wien gewonnen worden waren. Beide Redner entwickelten im Rahmen des Vortragsthemas: „Das Judentum und die Krise der Gegenwart" die ideologische, politische und praktisch-wirtschaftliche Bedeutung der agudistischen Arbeit auf allen Gebieten des jüdischen Lebens und fanden den aufmerksamen Beifall der Versammlung. Oesterreich. Gleichberechtigung der Juden oder antijüdische Gesetzgebung in Oesterreich? Wien, 30. Jan. Vizekanzler Starhemberg soll, nach Zeitungsnachrichten, in einem Interview erklärt haben: „Selbstverständlich besteht eine Judenfrage, es wäre töricht, über sie hinweggehen zu wollen.. Eine Lösung kann nur logisch vor sich gehen. Das neue Oesterreich wird sich jene Gesetze schaffen, die für die Wohlfahrt seiner Bevölkerung und für die Entwicklung des. Staates Voraussetzung sind, die -dem Charakter der Bevölkerung entsprechen müssen. Diesen Gesetzen werden sich die Juden entweder unterordnen und damit den Empfindungen der übergroßen Mehrheit des Volkes Rechnung tragen, dann ist für diesen Teil der Juden das Problem gelöst. Diejenigen Juden, die mit den Gesetzen in Konflikt kommen, die sich nicht in die innere Entwicklung des Landes fügen wollen, müssen eben die Konsequenzen tragen oder sie hören auf, Mitglieder der staatlichen Gemeinschaft zu bleiben." Es muß abgewartet werden, ob nicht, wie schon so oft, eine Richtigstellung dieser angeblichen Aeußerung des Vizekanzlers erfolgen wird. J?Qleii> Unerfreuliches aus dem Warschauer Schlachthaus. Warschau, 5. Febr. In einer Sondersitzung von Kehilla und Rabbinat wurde feierlicher Protest gegen die Schlachthausdirektion eingelegt, die vom Rabbinate als ungeeignet erklärte Winkelscbächter zur Ausübung des Schach- Die Woche. Berlin. Zum Leiter der gynäkologischen Poliklinik im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist Dr. Kurt F1 e i - scher gewählt worden. Magdeburg. Der jüdische Rechtsanwalt und Notar Dr. Willi Spanier, gegen den nach fünf Jahren von einem früheren Lehrling schwere Anklagen wegen angeblicher sittlicher Verfehlungen erhoben wurden und gegen den der Staatsanwalt fünf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust beantragt hatte, wurde vom Schwurgericht in Magdeburg freigesprochen und aus der Haft entlassen. Hamburg. Am 26. Januar verließ der Dampfer „Hohenstein" der Arnold Bernstein-Reederei, der unter dem Namen „Tel Awiw" und unter der Flagge der „Palestine Shippmg Co." von Genua die Fahrt nach Haifa antreten wird, mit 100 Passagieren an Bord den Hamburger Hafen. Unter den Fahrgästen befindet sich auch der Altonaer Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach. Münster. In Gütersloh (Westfalen) sind Schilder angebracht worden mit der Aufschrift: „Juden sind in dieser Stadt nicht erwünsch t." Amsterdam. Der frühere Herausgeber der antisemitischen holländischen Zeitung „De Stornier", C. A. P r o n k , wurde wegen Beschimpfung der Juden in seiner Zeitung vom Amsterdamer Polizeirichter in contumaciam zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. — Der Friedensrichter im Haag verurteilte einen 23jährigen jungen Mann wegen eines Schmährufes gegen einen Juden zu zwei Wochen Gefängnis. Der Richter erklärte, solches Benehmen widerspreche den holländischen Ueberlieferungen und dem Gefühl für die Einigkeit aller Mitglieder der holländischen Gemeinschaft. Danzig. Die Jüdische Gemeinde Danzig hatte i. J. 1932 einen Geburtenüberschuß von 25 Seelen zu verzeichnen. 70 Geburten standen nur 45 Todesfälle gegenüber. 1933 gab es in der Danziger jüdischen Gemeinde 76 Todesfälle und 65 Geburten, Seit dem Jahre 1929, das einen Geburtenüberschuß von 31 Seelen hatte, gab es in Danzig nicht mehr einen so hohen natürlichen Zuwachs der jüdischen Bevölkerung wie im vergangenen Jahre. Riga . Der Leiter der Judenmission in Lettland, Pastor S m o 1 i a r , erklärte anläßlich des Jubiläums seiner zehnjährigen , Tätigkeit in Lettland, es . sei ihm während dieser Zeit gelungen, fünfzehn Juden zu taufen. Ob nicht diese Fünfzehn in einem vollen Jahrzehnte auch ohne seine Mühewaltung, den Weg zum Heile gefunden hätten? — Im Befinden des Rogatschower G a o n Ist eine wesentliche Besserung eingetreten. Paris. Das Pariser Jüdische Konsistorium hat in seiner letzten Sitzung anstelle des verstorbenen Barons Edmond de Rothschild zu seinem Vorsitzenden Baron Robert de Rothschild gewählt. Rom. Die Päpstliche Wissenschaftliche Akademie „Pontificia Accademia delle Scienze Nuovi Lincei" hat ein Preisausschreiben für die Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit über die „Nützlichkeit geophysischer Forschungen" veranstaltet, an dem sich Gelehrte ohne Unterschied der Abstammung oder des Bekenntnisses beteiligen. Für das beste Werk ist ein „Papst Pius XL-Preis" im Betrage von 10.000 Lire ausgesetzt. Tel Awiw. Bürgermeister Meir Dizengoff hat sich von seiner letzten Krankheit fast vollkommen erholt, so daß er am 29. Januar der Er Öffnung einer Ausstellung in Tel Awiw beiwohnen konnte. Jerusalem. Im Dezember 1934 kamen 4120 Juden in Palästina an, dazu gehören 267 Touristen, denen die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung erteilt wurde. 295 Einwanderer waren im Besitze von mindestens tausend Pfund. — In einer Konferenz des Waad Leumi mit anderen jüdischen Institutionen wurde beschlossen, zur Jubiläumsfeier von Maimonides eine Delegation nach Kordova zu schicken, eine Maimonides-Anthologie für die Schulen herauszugeben und Wallfahrten nach dem Grabe des Maimonides in Tiberias zu organisieren. — Auf einem dem Nationalfond gehörenden Terrain bei Horathia kam es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Polizei und Beduinen, die den Juden den Boden streitig machen und Bauarbeiten stören wollten. In der Notwehr machte: die Polizei von der Waffe Gebrauch und tötete einen Beduinen. tens heranzieht, um damit -die offiziellen Schochtim zu verdrängen und die Gemeindekasse zu schädigen. Sowohl Präses M a s u r wie mehrere Rabbiner setzten auseinander, welche Schmach und welcher Schaden damit von einer städtischen Stelle der Gemeinde und ihren berufenen Funktionären zugefügt werden. Es wurde beschlossen, zu einer zweiten demnächst stattfindenden Sitzung auch Vertreter der Schlachthausdirektion einzuladen. Inzwischen wurde bekannt, daß mit Hilfe jener Winkelschächter trefa Fleisch vom städtischen Schlachthaus als koscher ausgegeben wurde, so daß das Rabbinat mit einer dringenden Warnung hervortreten mußte. Die Palästinawanderung aus Polen. Warschau, 31. Jan. Laut der offiziellen Statistik sind i. J, 1934 aus Polen 42.593 Personen, gegen etwa 35.000 i. J. 1933, emigriert. Nach Palästina wanderten i. J. 1934 12.6S5 Personen, gegen 10.344 i. J. 1933 und 2879 i. J. 1932, aus. Doch handelt es sich hier um Ziffern registrierter Auswanderung. Man schätzt die Palästina-Wanderung aus Polen i. J. 1934, Touristen, die nachträglich im Lande seßhaft wurden, inbegriffen, auf rund 20.000 Personen. Im laufenden akademischen Jahr begaben sich rund 600 jüdische Studenten aus Polen nach Palästina, um ihre Studien an der Jerusalemer Universität, am Haifaer Technikum und an den verschiedenen Landwirtschaftsschulen fortzusetzen. Audienz eines Agudavertreters im Bildungsministerium. — Die agudistischen Cooperativen. Warschau, 1. Febr. Der Präses der Lodzer Gemeinde, Sejm-Abg M i n z b e r g , ist in längerer Audienz im Bildungsministerium empfangen worden. Herr Minzberg besprach mit dem Minister eine Reihe von Fragen, insbesondere die der Elementarschulen füi jüdische Kinder, die nach den neuesten Verordnungen liquidiert werden sollen. Es kam auch das neue Statut für die jüdischen Gemeinden in O b e r- Schlesien zur Sprache, in dem die Orthodoxie eine Gefahr für den jüdischen Charakter jener ^Gemeinden erblickt. Der Minister hörte mit größtem Interesse die Ausführungen Minzbergs an und versprach, die Angelegenheit gründlich zu studieren. Der Verband der agudistischen Cooperativgenossenschaften hielt unter zahlreicher Beteiligung eine Konferenz ab, die wichtige Beschlüsse faßte. Herr I. M. L e w i n, der Präses des Verbandes, besprach in seiner Eröffnungsrede die auf der Tagesordnung stehenden Postulate im Einzelnen, worauf der Verbandsdirektor. Herr Eckermann, einen mit statistischen Zahlen reich versehenen Tätigkeitsbericht erstattete. In der Diskussion kam der einheitliche Wille zum Ausdruck, die Selbständigkeit des Verbandes unter allen Umständen zu erhalten. Dem „Jüdischen Togblatt" wurde der Dank für seine lebhafte Mitarbeit ausgedrückt. Die Konferenz schloß mit der Aufstellung des Budget für das neue Jahr und die Zuwahl neuer Mitglieder für das Präsidium und die verschiedenen Kommissionen. Der neue Kehillarat in Lemberg. Lemberg, 31. Jan. Der neu nominierte Rat der jüdischen Kehilla setzt sich aus 14 Personen zusammen, das Präsidium zählt drei Mitglieder. Die Aguda ist im Rate nur mit einem Sitz vertreten. Die Majorität haben die Zionisten aller Art. Ein Mitglied ist unparteiisch. Die Entrüstung innerhalb der Gemeinde ist groß und berechtigt, denn mit dieser Zusammensetzung wurde der Kehilla eine Führung aufgezwungen, die in ihrer liberalen und nationalen Einstellung nicht im mindesten geeignet und berechtigt ist, eine religiöse Gemeinde zu führen. Man hofft aber, daß demnächst durch Ausschreibung von Wahlen diesem unerträglichen Zustand ein rasches Ende gemacht wird. Uno düng! # ia Benzin 31 flg. pro Liter # la oei 80 Pig. an & Auto-Zuftehör » Garagen Konsiaüler, FranKfurt a. m„ GeioeHirscfisir, 9 )

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