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Der Israelit · 1935-02-07 · Heft 6 (7.2.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 6 (7.2.1935)
Date
1935-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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April 1933 wurden nach ausdrücklicher Bestimmung der Palästinaregierung 33 Proz. aller Zertifikate, ungeachtet des starken Auswanderungsdrangs in anderen Ländern, insbesondere Polen, nach Deutschland geschickt. Die in letzter Zeit etwas geringer gewordene Zuteilung wird vermutlich demnächst mit Rücksicht darauf, daß zahlreiche Anwärter ihre Hachscharah beendet haben werden, wieder steigen. Von den bis zum 31. Oktober 1934 für deutsche Juden außerhalb Deutschlands gesammelten fünf Millionen Dollar wurden 60 Proz. für unmittelbare Unterstützung an Ort und Stelle verbraucht, 20 Proz. wurden dem Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau übergeben und 20 Proz. entfielen auf Palästina. Für die Stelle zur Ansiedlung deutscher Juden wurden aber bisher nur 125.000 Pfund zur Verfügung gestellt; der Verwendungszweck von mehr als der Hälfte dieser Summe war von den Spendern festgelegt, so daß die Ansiedlungsstelle bis zum 30. September 1934 nur über 65.000 Pfund frei bestimmen konnte; aber auch hiervon hat sie bisher erst 30-000 Pfund bar erhalten. Im zweiten Etatsjahr werden voraussichtlich aus den amerikanischen Geldern 100.000 Pfund zur freien Verfügung stehen. Von den bisher eingewanderten 20.000 deutschen Juden haben sich 8000 auf dem Lande und etwa 12.000 in den Städten niedergelassen, was eine verhältnismäßig außerordentlich günstige Verteilung bedeutet. Von der Gründung neuer selbständiger Kolonien für deutsche Einwanderer wurde mit Rücksicht auf deren Mangel an Erfahrung abgesehen. Um bestehende Kolonien für die Aufnahme neuer Einwanderer fähig zu machen, hat die Ansiedlungsstelle ihnen Gelder zur Intensivierung der Wirtschaft zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise wurden 1000 zusätzliche Siedlerstellen geschaffen, ebensoviele sollen im neuen Etatsjahr entstehen. Von Einwanderern mit Kapital sind bisher acht selbständige Punkte, deren Kern von deutschen Akademikern gebildet wird, auf Boden des Keren Kajemeth und der PI CA gegründet worden. Hier hat die Ansiedlungsstelle durch Entsendung von Instrukteuren und die Gründung der Siedlungsgesellschaft Rasco, die Vorschüsse für die Schaffung der für die gesamte Siedlung erforderlichen sozialen und technischen Einrichtungen ermöglicht, geholfen. Zur Vollendung und Verbesserung der Berufsausbildung wurden in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk Hachschnrah-Stellen geschaffen. In diesem Winter wird die Ausbildung von etwa 4000 Menschen, vorwiegend landwirtschaftlichen Arbeitern, beendet sein. Um der Landflucht entgegenzuwirken, hat die Ansiedlungsstelle bisher fehlende Unterkunftsmöglichkeiten in den «Kolonien geschaffen und die handwerkliche Ausbildung in 12 Lehrbetrieben auf das Land verlegt. Durch Aussetzen von Stipendien hat die Ansiedlungsstelle in mehreren Fällen das Verbleiben besonders hervorragender geistiger Arbeiter in ihrem Fach ermöglicht. Die Jugendaliah wird in Palästina besonders freudig begrüßt. Für Jugendliche bis zu 18 Jahren wurden bisher 800 zusätzliche Zertifikate erlangt. Die Zulassung von Devisenberatern. Berlin, 28. Jan. Durch einen Erlaß des Leiters der Reichsstelle für Dewisenbewirtschaftung sind die Voraussetzungen klargestellt worden, unter denen eine Zulassung als Devisenberater und Vertreter in Devisensachen erfolgt. Danach findet das Gesetz über Zulassung V3n Steuerberatern, das Ni.chtarier ausschließt,. auf die Zulassung von Devisenberatern keine Anwendung. Als Bevollmächtigte, Vertreter und Beistände in Devisensachen werden grundsätzlich Rechtsanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, allgemein zugelassene Steuerberater und solche Personen zugelassen, die sich bereits vor dem 1. April 1933 geschäfts- oder berufsmäßig mit Devisensachen befaßt haben. Bei besonderem Bedürfnis oder aus besonderen Gründen können auch andere Personen zugelassen werden, wenn sie die Voraussetzungen hierzu nach Vorbildung, persönlicher Eignung und sachgemäßer Beratung haben. Zur Vertretung von Angehörigen kann jede Person zugelassen werden. Ein Unterschied zwischen Ariern und Nichtariern wird nach den Bestimmungen des neuen Runderlasses nicht gemacht. Bemerkenswert ist, daß u. a. erklärt wird, es könnten auch solche Nichtarier zugelassen werden, die sich vor dem 1. April 1933 noch nicht geschäfts- oder berufsmäßig mit Devisensachen befaßt hätten und die z. B. früher Beamte oder Rechtsanwälte gewesen seien. Wenn ein besonderes Bedürfnis vorliegt oder besondere Gründe für die Zulassung sprechen und die allgemeinen Vorbedingungen erfüllt seien, könne eine Zulassung erfolgen. Als Beispiel wird dabei die Beratung und Vertretung jüdischer Auswanderer erwähnt. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Sachsen. Dresden, 1. Febr. Die Auswertung der Ergebnisse der Volkszählung vom 16. Juni 1933 für das Land Sachsen zeigt für die jüdische Bevölkerung, die innerhalb dieses Landes wohnt, nach den Berechnungen der Statistischen Abteilung der Reichsvertretung der deutschen Juden ein nur unwesentlich abweichendes Bild, wie es sich für die übrigen Länder aus den von der ITA. fortlaufend veröffentlichten Zahlen ergab. Während am 16. Juni 1925 23.252 Juden in Sachsen wohnten, waren es am 16. Juni 1933 nur noch 20.584 Seelen. Die Abnahme der jüdischen Bevölkerung betrug somit 2668 Personen oder 11,47 Proz. Der Anteil ^n der Gesamtbevölkerung verminderte sich in dem gleichen Zeitraum von 0,46 Proz. auf 0,40 Proz. Von 100 deutschen Juden lebten 1933 in Sachsen 4,12. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Sachsen an der Gesamtbevölkerung liegt somit unter dem jüdischen Bevölkerungsanteil im gesamten deutschen Reiche, der sich 1933 auf 0,77 belief. Bemerkenswert ist die Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf Groß- und Kleinstädte. In Gemeinden unter 10.000 lebten 1933 in Sachsen 872 Juden oder 4,23 Proz. der gesamten jüdischen Bevölkerung Sachsens. In Kommunen von 10.000 bis 100.000 Ein-» wohnern befanden sich nur 845 Juden oder 4,11 Proz. der jüdischen Bevölkerung Sachsens, während in Großstädten über 100.000 Seelen 18.867 Juden oder 91,66 Proz. lebten. Es zeigt sich also, daß die Konzentration der Juden in die Großstädte schon bis zum Jahre 1933 in Sachsen eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat. Auf das gesamte Deutsche Reich bezogen, lebten nur 70,86 Proz. der deutschen Juden in Städten über 100.000 Einwohner. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung, die in den Großstädten Sachsens wohnt, ist somit höher als die entsprechende Ziffer für das ganze Deutsche Reich. Im Jahre 1925 betrug sie für Sachsen 90,80 Proz. Die jüdische Bevölkerungsbewegung in dem Zeitraum zwischen 1925 und 1933 zeigt in Sachsen ein uneinheitliches Bild. In 11 Städten bezw. Amtshautpmannschaften ist eine Zunahme der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen, die allerdings nicht hoch ist. Auf der anderen Seite betrug die Abnahme der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Städten und Amtshauptmannschaften bis zu 65 Proz. Am stärksten war die Bevölkerungsverminderung der Juden in der Stadt Mittweida mit 64,71 Proz. Es folgt die Amtshauptmannschaft Borna mit 60,61 Proz., Plauen mit 60 Proz. und Marienberg mit 53,33 Proz. Am geringsten war die Abnahme in Zwickau mit 2,49 Proz. Weshalb sind nichtarische Firmen im Kölner Verkehrsverein? Köln, 1. Febr. Die Leitung des Kölner Verkehrsvereins hatte seit einiger Zeit Anfragen erhalten, weshalb d«r Verein, der eine halbamtliche Stelle sei und unter nationalsozialistischer Führung stehe, nichtarische Firmen als Mitglieder aufnehme. Bürgermeister Ebel beantwortete in der Hauptversammlung des Kölner Verkehrsvereins diese Anfrage, indem er erklärte, daß diese Angelegenheit in den Kreisen der für den heutigen Fremdenverkehr verantwortlichen Männer eingehend erörtert worden sei. Man sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß" es ein Uhrecht bedeuten würde, wenn man nichtarische Firmen in den Kölner Verkehrsverein nicht aufnehmen würde. Falls. man die Aufnahme ablehnen würde, würden auch nichtarische Firmen aus der Arbeit des Kölner Vereins Nutzen ziehen. Die nichtarischen Firmen würden alle Vorteile genießen, ohne zu den Kosten herangezogen zuwerden, Wie die „Frankfurter Zeitung" bemerkt, ist die Frage der Aufnahme nichtarischer Firmen in den Bund deutscher Verkehrsverbände und Bäder von dem Präsidenten des Bundes, Staatsminister Esser, i. J. 1933 bejahend beantwortet worden. Aus einer Rede des Reichsstatthalters Gauleiter Sprenger. Worms, 30. Jan. Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger sprach in Worms auf einem Appell der politischen Leiter des Kreises Worms. Nach dem Bericht der „Wormser Zeitung" machte er in seiner Ansprache folgende Ausführungen über die Judenfrage: „Darum sei dies Kapitel hier berührt: der Verkehr mit Fremden, das Verhältnis zum Judentum in Deutschland. Haltet euch frei von ihm, nehmt Abstand! Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich will Dir sagen, wer Du bist! Wenn Du glaubst, mit Juden verkehren zu müssen, dann bleibe von uns weg. (Lebhafter Beifall.) Das ist keine Frage des Gesetzes und der Verfassung, sondern der freien Entscheidung. Verkehrst Du mit dem Juden, kaufst Du von ihm, leihst Du Geld von ihm, wir raten Dir: halte Dich rein und sauber, und Du bist bewahrt vorm Untergang. Da muß sich noch vieles ändern. Wenn Du vom Juden kaufst, unterstützest Du den schärfsten Gegner Deines Volkes. In diesem Punkte muß vollste Klarheit herrschen. Ihr habt die Verpflichtung, diese Klarheit vorbildlich ins ganze Volk hineinzutragen, wodurch diese Frage ganz von selbst und ohne Haß gelöst wird, indem das Volk aus seiner Erkenntnis heraus diesen Weg geht. Wir wollen weiter nichts, als uns selber zu regieren, ohne uns von Fremden dreinreden zu lassen. (Beifallsrufe.) Ihr müßt diese Erkenntnis in Eurem Auftreten offenbaren und ein lebendiges Vorbild, des Nationalsozialismus sein." Wer sich unsozial verhält, wird der Kritik der Gemeindeöffentlichkeit übergeben. Bremen, 31. Jan. Die Israelitische Gemeinde in Bremen beruht auf dem Prinzip der freiwilligen Mitgliedschaft. Daher sind nicht alle der 1200 in Bremen ansässigen Juden Mitglieder der Gemeinde. An sie wendet sich vornehmlich ein Aufruf des Vorstandes und Rates der Israelitischen Gemeinde Bremen, in dem an das Gemeindegewissen der jüdischen Menschen appelliert wird. In dem Aufruf heißt es: „Vorstand und Rat der Gemeinde erklären hiermit feierlich und mit ernstem Nachdruck: Die jüdische Gemeinde einer Stadt ist für alle in ihr lebenden Juden der heilige Bezirk ihrer geschichtsgemeinschaftlichen Verankerung und der Mittelpunkt alles jüdisch-religiösen, sozialen und menschlichen Geschehens. Die jüdische Gemeinde einer Stadt ist in Leid und Freud, in Glück und Unglück, von der ersten bis zur letzten Stunde des Lebens die Mutter aller . . . Wer heute glaubt, seiner jüdischen Gemeinschaft fern bleiben zu können, lädt schwerste Schuld auf sich, denn er handelt treulos. Mangelndes Verantwortungsbewußtsein gerade in einer Zeit, welche die Treue zur Gemeinschaft und die Verantwortung ihr gegenüber mit zu den höchsten aller Gebote menschlicher Sittlichkeit erhoben hat, bedeutet Verrat an sich selbst und Verrat an der Gemeinshcaft. .Wer heut« noch glaubt, seine jüdische Gemeinschaft nicht nötig zu haben, der hat sich in Selbstüberhebung selber um die Be- " glückung gebracht, die schon das Bewußtsein verleiht, ihr angehören zudürfen.' ■;;We^/:heujt? .nochi,'

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