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Der Israelit · 1935-02-07 · Heft 6 (7.2.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 6 (7.2.1935)
Date
1935-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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jgMjtgipt93%$$g9ag!^ Der I s .r a e 1 i t jjimter denen aber kaum etwas? wie eine Gemeinde stehen dürfte. Und Breuer beweist, daß die Gemeindeorthodoxie etwas .ist, was sich logisch nicht rechtfertigen läßt und ich muß sagen, daß seine Argumentation zwingend ist. Eine jüdische. Gemeinde soll; die ' jüdische( Wahrheit konkret verwirklichen und es kann nur eine Wahrheit existieren und darum ist die sogenannte E i n h e i t s gemeinde — nach dem Prinzip lucus a non lucendo— die! so uneinheitlich wie nur möglich ist, logisch ein Unding. Er weist an zahlreichen Beispielen nach, daß selbst beim besten Willen der Gemeindeorthodoxie und ihrer Vertreter doch immer wieder Verhältnisse eintreten, in denen sie intellektuelle und Gewissensopfer bringen müssen, zu denen sie nicht berechtigt sein können. Rein h a 1 a C h i S C h hat die Austrittsfrage mein verehrter Freund, Herr Rabbiner Dr. K1 e i n , Nürnberg behandelt und viele unserer Freunde und Gesinnungsgenossen sind der Ansicht, daß sie nur so behandelt werden dürfe. Auch Rabbiner Dr. E. Münk, Berlin hat in seiner Tischrede anläßlich der letzten Generalversammlung des traditionell - gesetzestreuen Rabbinerverbandes gerade die halachische Seite der Frage ganz besonders hervorgehoben. Ich halte. mich für verpflichtet, dies besonders zu betonen, weil in der Berichterstattung über die Leipziger Tagung der Sinn dieser Rede und ihre Tendenz genau in ihr Gegenteil verkehrt wurden, Der Vorredner, Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona meinte, daß die Zusammenkunft und der freundschaftliche Meinungsaustausch der den verschiedenen Richtungen innerhalb1 der Gesetzestreuen angehörenden Rabbinen dazu beitragen werde, die Gegensätze endgültig aus der ' Welt zu schaffen. Er apostrophierte hierbei Herrn Rabbiner Dr. Münk. Dr. Münk sa|te hierauf in seiner Erwiderung, daß die Gegensätze, da sie doch halachischer Natur sind, nicht verschwinden werden, und dies wäre der Sinn der Mischnah, wpnnb nsio epaiy da?*? kth? rip'iVnb daß eine Differenz, deren Ursprung D'ötP D&b ist, wie bei den Meinungsverschiedenheiten eines Hillel und Schammai, diese Differenz bestehen bleibe, da man ja über einen JVf nicht hinwegkönne. Die Formen der npl^flö sind je' nach Temperament und je nach den sie bestimmenden äußeren Verhältnissen und Anlässen verschieden, aber die Meinungsverschiedenheit als solche bleibt von diesen äußeren Erscheinungsformen unberührt. Dies war der Sinn der Rede, und ich hebe dies deshalb besonders hervor, ' weil von gewisser Seite geflissentlich verbreitet wird, daß man auch in den Kreisen der unabhängigen Orthodoxie endlich dieses Kampfes müde sei und daß man gerne die Hirschische Austrittspolitik revidieren möchte. Die äußeren Verhältnisse der Austrittsörthodoxie sind gewiß momentan nicht die günstigsten, aber ich muß sagen, daß gerade die Ereignisse der letzten Monate der Orthodoxie leider nur allzusehr I recht gegeben haben, denn die' Orthodoxie sah es -schon lange/vorher, daß die Ässimilatio'nsbestrebungen der '.Liberalen unbedingt' zur KatastrÖp'he1 fuhren müssen. Die Liberalen und , die Reform Ratten keine Achtung und keinen Respekt vor' dem Judentum, und wie konnten sie Achtung und Respekt von den Anderen erwarten!-< Und es ist recht beschämend für uns alle, daß wir es zugeben, daß auch heute noch dieselben Herren die Wortführer des Judentums sind, deren Politik so kläglich Schiffbruch gelitten hat und die auch aus der Katastrophe nichts gelernt haben. Mehr denn je hat die unabhängige Orthodoxie die Pflicht, auf Hirsch zurückzugreifen/ der ein Einsamer war, aber auch als Einsamer niemals! an 'dem endlichen Sieg der jüdischen Wahrheit verzweifelte, wenn auch nur ein einziger Kreis existiert, in dem G'ttes Thora Königin und Fürstin und G'ttes Wort Lebensgesetz ist: Die äußeren Verhälthisse, in denen das Judentum gegenwärtig; iebt,: verbieten von selbst innere Parteikämpfe. Die Austragung der Gegensätze, muß auf Zeiten verschoben werden, in denen es uns gegönnt sein wird, wieder etwas ruhiger und zuversichtlicher in die Zukunft zu sehen, aber die nun einmal vorhandenen)Gegensätze sollen nicht verwischt, wer den und „als Juden wollen wir ihn lesen", ihn, der uns gelehrt hat, auf unser Ju-1 deritum stolz zu sein und der es nie begriffen hat, daß man um äußerer Vorteile willen auch nur ein Jota von etwas preisgibt, was einem gar nicht gehört. Ueber G'ttes Thora hat nur G'tt?Nr. 6 Seite 7 ) zu, verfügen und der läßt sich von'seiher ganzen Thora nichts abhandelnd Die ganze Thora allein ist fn'tPO' sie allein bringt die in die Irre gegangenen Seelen heim, für i sie müssen wir ' unsere Gemeinden erhalten, die nichts')anderes sein wollen als die Verwirklichung der ganzen Thora, die uns tragen und halten wird, bis all ^ihre Söhne zu ihr heimfinden werden, zur stolzen Mutter stolzer und aufrechter Söhne ihres Volkes und ihres G'ttes. Cypern, Griechen und die jüdische Einwanderung. Von Dr. Karl Kindermann in Berlin. Das große Interesse, welches jetzt allenthalben der deutsch - jüdischen Einwanderung auf Cypern entgegengebracht wird, wurde nicht allein in Cypern selbst, sondern auch darüber hinaus in Griechenland lebhaft von der Presse kommentiert. Die Veröffentlichung der athenischen Zeitung „Ergasia", welche voller Anerkennung die jüdische Leistung auf Cypern unterstreicht, enthält aber bezeichnenderweise eine Spitze, zu der hier einmal im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung Cyperns Stellung genommen werden muß. Als einer der ersten Initiatoren, welche die jüdische Niederlassung auf Cypern befürworteten, da die Schwierigkeiten, welche in anderen Ländern bestehen, hier nicht vorhanden sind, bin ich nach längerem Aufenthalt auf der Insel in der Lage, über die Haltung der griechischen Bevölkerung gegenüber den einwandernden Juden mich objektiv zu äußern. In; zahlreichen Gesprächen mit den prominentesten Vertretern der griechischen Bevölkerung ist mir von allen' Seiten immer wieder, betont worden, welch g r o ß e B e d e u t u n g eine bemessene jüdische Niederlassung für die wirtschaftliche Entwicklung Cyperns besitzt. Die griechischen Kaufleute sehen voll Erwartung und Hoffnung dem Augenblick entgegen, WO sie zusammen mit jüdischen Kaufleuten die Vergrößerung des Exportes beginnen können. Es gibt heute schon eine ganze Reihe von jüdischen Unternehmungen auf Cypern oder auch in Palästina, an denen griechische Kaufleute atis Cypern beteiligt sind. Die ärmere ■. Bevölkerung Cyperns, die Menge der Kleinbauern und landwirtschaftlichen Arbeiter, ist ebenfalls durch die Aussichten, welche die jüdische Einwanderung mit sich bringt, sehr erfreut und bekundet das in einem anhänglichen und dankbaren Benehmen gegenüber den- Einwanderern. Endlich sei nur kurz darauf hingewiesen, daß die englische Koloriialbehörde selbstverständlich alles begünstigt, was. der Wirtschaftsentwicklung Cyperns dien-, lieh ist. Auf Cypern gibt es daher keine Judenfrage und keinen Antis e m i t 'i s m u s! in Athen:, wo man in gewissen nationalistischen Kreisen sieh gern mit den internen Verhältnissen der englischen Kolonie Cypern befaßt, weil die Insel zu 5/o.von Griechen bewohnt wird, ist man sich selbstredend auch darüber klär, daß nur durch die jüdische Einwanderung eine wirtschaftliche Blüte des von Natur und Himmel so begünstigten Landes erfolgen wird. Darum betont man in den Kreisen der nationalistischen griechischen Presse ohne Zögern die segensreiche Wirkung der j ü d is.chen L an d- Wirtschaft U n d In du s tri e. Man fordert daher die deutschen Juden in der Presse ausdrücklich auf, sich auf Cypern als Unternehmer niederzulassen und sichert ihnen allgemeine Sympathie zu." i '' Es geht aber entschieden zu weit und ist schön eine Bevormundung der cyprischen Bevölkerung, .wenn man sich in Athen in einem kleinen Blatt zum Sprachrohr cyprischer Belange machen will. Ohne Zweifel ist die allgemeine Meinung der Cyprioten maßgebender als die von bestimmten politischen Tendenzen, auf die ich nicht näher eingehen will, geleitete Mutmaßung der „Ergasia" über eine mögliche „Verdrängung" der Griechen durch die Juden. Man ahnt, daß Athen die Spannungen zwischen Juden und Arabern in Palästina im Sinne hat, aber in Cypern ist eine solche Differenz aus folgenden Gründen ausgeschlossen: 1. Die Griechen Cyperns sind an der jüdischen Einwanderung außerordentlich interessiert. 2. Es ist allgemein bekannt und von mir wiederholt betont worden, daß Cypern kein Masseneinwanderungsland wie Palästina ist, sondern nur einer bemessenen Zahl von Einwanderern offen steht. Eine zahlenmäßige Angabe für die künftige Einwanderung läßt sich natürlich nicht machen. Die Niederlassung richtet sich nach den allgemeinen Verhältnissen. 3. Die Einwanderung deutscher' Juden hat zu einer spürbaren Belebung des Wirtschaftslebens der Insel geführt. Die englische Kolonialverwaltung legt großen Wert auf diese weitere günstige Wirtschaftsentwicklung und weiß sich darin mit den cyprischen Griechen einig. 4. Die A n s i ed 1 u n g jüdischer Mensch e na u f Cypern ist ohne die Errichtung jüdischer Industrien und Agrarbetriebe gar nicht denkbar. Es wäre eine lächerliche Forderung, wenn man nur Geld ins Land bringen sollte, ohne damit nicht allein den Einheimischen, sondern auch den Juden zu helfen. Unter diesen Umständen kann man den übereifrigen, allzu nationalistischen Journalisten der „Ergasia" in Athen nur raten, nicht inkonsequent zu werden. Diese Gefahr würde bestehen, wenn man die jüdische Niederlassung mit Freuden bejaht und zugleich dagegen schreibt. Kein Jude denkt daran, Spannungen zwischen der Bevölkerung und den Einwanderern zu schaffen. Das herzliche Verhältnis, das die Griechen Cyperns und die dort ansässigen deutschen Juden miteinander verbindet, ist das schönste Zeichen dafür, daß wir wirklich voll Vertrauen in die Zukunft blicken können! (Weiterer Artikel folgt.) <L Korrespondenzen, Deutsches Reich. Dr. Georg Landauer über die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. B e r 1 i n , 28, Jan, In einer Pressekonferenz machte der Leiter der Stelle zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, Dr. Georg Landauer, Mitteilungen über Umfang und Entwicklung der Kolonisation von Juden aus Deutschland. In den letzten anderthalb Jahren sind rund 20.000 Olim aus Deutschland gekommen, von denen etwa die Hälfte mittellos war. Die Nachfrage nach Zerti-

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