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Der Israelit · 1935-01-31 · Heft 5 (31.1.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 5 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr, 5 Der Israelit 31. Januar 1935 Kolonisationsarbeit der „Poale Agudas Jisroel". Tel Awiw, 22. Jan. Ueber den Stand der agudistischen Arbeiterorganisation „Poale Agudas Jisroel" und deren Kolonisationsarbeit in Palästina liegen jetzt genaue zahlenmäßige Angaben vor. Ihre Gründung ging von einer kleinen Gruppe gesetzestreuer Arbeiter in Petach Tikwah im Jahre 1933 aus, die sich als Poalim Charedim (orthodoxe Arbeiter} zusammengefunden hatten. Die Bewegung erstarkte in den letzten zwei Jahren besonders dadurch, daß die Aguda durch \hr Abkommen mit der Jewish Agency an Landwirte und Handwerker Zertifikate der Kategorie C abgeben kann, und durch die dadurch entwickelte Hachschara- Bewegung in fast alUn Landesorganisationen der Agudas Jisroel, ganz besonders in Polen, Deutschland, Rumänien, Slowakei und Litauen. Charakteristisch für die agudistische Arbeiterbewegung ist es, daß die meisten Poalim neben ihrer physischen Hachschara vor der Alijah auch eine religiöse Ausbildung auf dem Gebiete der Thorawissenschaft erhalten. Besuch einer Jeschiwah vor der Alijah ist bei der Zertifikateerteilung durch die Agudas Jisroel neuerdings Bedingung. Die hauptsächlich vom Keren Hajischuw finanzierten Snifim .und Kibbuzim der Agudas Jisroel sind sämtlich im Laufe von nicht ganz zwei Jahren entstanden. Das erste Kibbuz wurde in Kfar Saba errichtet, wo 20 Dunam Boden erworben worden waren und für 12 Poalim ein Snif mit Gemeinschaftsküche, Wohn- und Schlafräumen erstellt wurde; der Kibbuz war als Vorstufe für die Besiedlungvon Machane Jisroel gedacht. Die Chawuarth Chofez Chajim war ursprünglich in Rechoboth stationiert. Dieser ausschließlich aus deutschen Poalim bestehende Kibbuz hat größtenteils den Ort wieder verlassen, da der Boden an den ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden mußte. Heute sind noch 6 Poalim in Rechoboth beschäftigt, während die übrigen nach Gedera zogen. Diese Gruppe, die auf dem Boden eines Agudisten Lohnarbeit leistet, umfaßt 33 Arbeiter. Eine dritte Gruppe wurde in Nathania auf dem Boden der Hanotea-Pflanzungsgesellschaft in der Pardessim-Pflege beschäftigt. Wegen der Klimaverhältnisse und einiger leichterer Malaria-Erkrankungen übersiedelten aber 15 Poalim von Nathania nach Machane Jisroel. Dieses im Emek Jezreel gelegene Areal von etwa 4200 Dunam liegt dicht neben der Kolonie Balfouria und Tel Adaschim. Die Arbeiter wohnen vorläufig noch in Balfouria. Bis jetzt wurden ca. 1700 Dunam mit Hilfe eines vom Keren Hajischuw gekauften Traktors bearbeitet. Auf der höchstgelegenen Stelle von Machane Jisroel wurde mit dem Bau eines Gemeinschaftshauses begonnen, das später als Synagoge und Schulhaus dienen soll. Eine weitere Gruppe wurde in letzter Zeit in Kfar Ata gegründet. 20 bis 25 Poalim sind dort mit Bauarbeiten beschäftigt. In Haifa selbst gibt es mehr als 100 Mitglieder, die hauptsächlich mit Außenarbeit beschäftigt sind. Im Mittelpunkt der Stadt wurde ein Lokal gemietet, in dem Vorträge und Schümm, vor allem aber Sabbat-Zusammenkünfte abgehalten werden. Die zahlenmäßig größte, aus 350 bis 400 Mitgliedern bestehende Gruppe hat Tel Awiw, wo auch die Zentrale der Organisation mit ihrem Sekretariat im „Weißen Haus" in der Allenbystraße ihren Sitz hat. Den Mitgliedern stehen Lese- und Versammlungsräume zur Verfügung; sie, haben ein eigenes Minian, eine eigene Krankenkasse und eine Kupath Milwe TJarlehenskasse, zentral für alle Gruppen). In Tel \wiw wird ebenso wie in Haifa die Gründung von kooperativen für Facharbeiter wie Schmiede, Schlosier, Tischler usw. angestrebt. In allerjüngster Zeit verden in Tel Awiw eigene Wohnquartiere (Schechuloth) errichtet, die den städtischen Ersatz für den Cibbuz der Kolonie darstellen. Eine aus 90 Poalim >estehende Gruppe in Bne Brak ist hauptsächlich mit Sauarbeiten beschäftigt. Etwa 100 landwirtschaftlich ind baugewerblich tätige Mitglieder zählt die Gruppe n Petach Tikwah, wo jetzt ein Arbeiterheim gebaut vird. Auch hier besteht eine eigene Krankenkasse. )ie Jerusalemer Gruppe mit 80 Mitgliedern, zu denen mch Angehörige des alten Jischuw zählen, besitzt in eigenes Lokal. Die Notwendigkeit der Gründung on handwerklichen Kooperativen ist hier ebenfalls esonders dringend. Ein kleiner Kibbuz besteht auch l Tiberias. Nach der Ueberschwemmung wurde hier mit Arbeiten für den modernen Aufbau der Stadt begonnen. Amerika« Biro-Bidschan-Siedlung und „Agro-Jid" New York, 24. Jan. Im Zusammenhang mit der vor kurzem durch die Warschauer Gesellschaft Ozet zur Frage der Einwanderung ausländischer Juden nach Biro-Bidschan teilt der Leiter des Agro-Joint, Joseph Ä. Rosen, der ITA. mit, daß die Weigerung der Sowjetbehörden, in Verhandlungen mit der Gesellschaft Agro-Jid einzutreten, nicht dahin aufzufassen sei, daß Juden aus Polen zur Niederlassung in Biro-Bidschan überhaupt nicht zugelassen werden sollen. Die Sowjetregierung, erklärte Direktor Rosen, werde die Einwanderung von Juden aus Polen bestimmt gestatten, wenn die Ansiedlungsarbeit durch Organisationen durchgeführt wird, die über genügende Mittel und Erfahrungen verfügen. Es verlautet, daß der Verband Agro-Jid von sich aus Verhandlungen in der Frage der Ansiedlung ausländischer Juden in Biro-Bidschan aufnehmen wird. (I. T. A.). Personalien. Rabbiner Dr. Wreschner 70 Jahre alt, Bad Homburg, 28. Jan. Der ehrwürdige Rabbiner von Bad Homburg, Dr. Leopold Wreschner, konnte in diesen Tagen seinen siebzigsten Geburtstag feiern. Feiern nicht im wörtlichen Sinne, denn er ging an diesem Tage durch Abwesenheit von seiner Gemeinde allen Ehrungen aus dem Wege. So wollen auch wir uns nur auf die Wünsche für weitere segensvolle Gelehrtenarbeit beschränken. Herr Rabb. Dr. Wreschner, aus dem Hildesheimer'schen Rabbinerseminar in Berlin hervorgegangen und als hervorragender tm bekannt, amtierte einige Jahrzehnte in der damals noch blühenden Gemeinde S a m t e r in der Provinz Posen, wo er sich größter Beliebtheit sowohl bei den Behörden wie auch bei der gesamten gemischten Bevölkerung über seine Gemeinde hinaus erfreute. Nach Abtrennung der Provinz Posen vom Reiche wirkte er vorübergehend auch als Dozent am Berliner Rabbinerseminar und kam dann nach Bad Homburg, wo er seitdem seine rabbinische Wirksamkeit zum Segen der Gemeinde ausübte und auch jetzt noch, obwohl offiziell im Ruhestande lebend, ausübt. Herr Rabb. Dr. Wreschner hat sich auch literarisch auf verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft mit gutem Erfolge betätigt. Eine populäre Biographie von Rabbi Akiba E g e r , im Jüdischen Volksschriften-Verlag erschienen, erschließt das Leben dieses großen Meisters in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in all seiner. Größe und auch in all seiner menschlichen Bedeutung und wird von Jung und Alt gern gelesen. Als vor kurzem das Homburger Rabbinerhaus durch plötzlichen Heimgang eines vielverheißenden Sohnes so hart betroffen wurde, war die Teilnahme mit der allverehrten Rabbinerfamilie allgemein. Möge es Herrn Rabb. Dr. Wreschner vergönnt sein, noch weiter in geistiger Frische und Gesundheit bei der Arbeit für ruinxi min zu bleiben, •m» b^wjji n«» Karlsruhe, 29. Jan. Am letzten Sonntag wurde hier Rabbi Josef Heller zu Grabe getragen. Der Heimgegangene war ein Nachkomme von Rabbi J. L. Heller, Verfasser des ü*">in, und hatte sich als Thoragelehrter und Mann der Tat sehr verdient in seinem Kreise gemacht. Am Grabe rühmte Herr Rabb. Dr. Michalski die Eigenschaften des Heimgegangenen, worauf Rabbi Herz Steinmetz in einer tief zu Herzen gehenden Hespedrede ein umfassendes Bild Rabbi- Hellers entwarf und den gewaltigen Verlust besonders für die östliche Kolonie der badischen Hauptstadt schilderte. War er doch einer der ersten Gründer der hier segensreich wirkenden Talmud Thora-Schule und ging doch sein höchstes Streben dahin, im Rahmen dieser Schule die Jugend zur Thora und G'ttesfurcht zu erziehen. Von seiner chassidischen Begeisterung übertrug er auf seine Umgebung, und kann ohne Uebertreibung festgestellt werden, daß es seinem Verdienste zuzuschreiben ist, wenn, im Gegensatze zu anderen Städten, die östliche Jugend in Karlsruhe im Ganzen noch treu zur Thora hält. Rabbi Josef Heller wird bei uns in gesegnetem Andenken, bleiben. .rraxjn 60. Geburtstag vom Prof. Dr. I. Markon Hamburg, 28. Jan. Prof. Dr. Isaak Markon, der Hamburger jüdische Oberbibliothekar und bekannte Gelehrte, wurde .zu seinem 60. Geburtstag außerordentlich geehrt. Aus der ganzen Welt liefen nahezu 500 Glückwunschadressen seitens der bedeutendsten Wissenschaftler und' jüdischen Institute ein. Vor allem. ist zu erwähnen, daß ihm der Morenu-Titel, den er seit seinem 22.' Lebensjahre von vielen Gedaulim besitzt, mehrfach ehrenhalber erneuert wurde. Am Abend des Jubiläumstages fand im Hause von Frau Mainz, der Gattin unseres unvergeßlichen Herrn Hugo Mainz ^"sr. der; . dem Jubilar in besonderer Freundschaft stets verbunden war, eine Feier statt, an der die Herren Rabbiner von Hamburg und Umgebung, die Vorsteher der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ünd des Deutsch- Israelitischen SynagogenrVerbandes der Beerdigungsbrüderschaft, der Bogen usw. teilnahmen. In vielen v Ansprachen wurde der Jubilar von allen Seiten gefeiert und ..seine wissenschaftlichen Leistungen, seine Verdienste um das Hamburger Gemeindeleben und seine persönliche Beliebtheit hervorgehoben. Gedern, 27. Jan. Sonntag, 25. November und. Sonntag, den 9. Dezember waren für unsere Gemeinde Tage schwerer Trauer. Am 25. Nov. trug man die Gattin unseres hochverehrten Vorstehers, Herrn Leopold Vöhl, zu Grabe. Welch große Verehrung ■ die Entschlafene bei allen Einwohnern des Ortes' genoß, davon zeugte auchdie große Anteilnahme der nichtjüdischen Bevölkerung Das große Ansehen gründete sich auf ein jüdisches und eine jüdische, im Boden der Tauroh wurzelnde Gesinnung. Wo es galt, Not zu lindern, wo Karnkheiten waren, fand man sie mit Rat und Tat. Herr Leirer Bauer rühmte in seiner Traueransprache die großen Verdienste und vielen guten Eigenschaften der Heimgegangenen. — Am 9. Dez., 14 Tage später, zog erneut Trauer in das Vöhl'sche Haus, Nach kurzem, schweren Krankenlager war Frau Betti Vöhl, die Mutter des Herrn Leopold Vöhl, im hohen Alter von 80 Jahren gestorben. Unter großer Beteiligung wurcfe sie zu Grabe getragen. Mit ihr ist eine gute, jüdische Frau dahingegangen. Ihr inniges G'ttvertrauen hielt sie in allen Lagen des Lebens hoch. Am Grabe mußte wegen asm jede Klage unterbleiben. Nur in kurzen, liebevollen Worten nahm Herr Lehrer Bauer Abschied von .der edlen Frau. Möge das nwi der Entschlafenen den Hinterbliebenen beistehen und ihnen zum Tröste sein. Unteraltertheim b. 'Würzburg, 25. Jan. Einen unersetzlichen Verlust hat unsere kleine Gemeinde durch das nach kurzem Krankniager erfolgte Ableben ihres Vorstehers. Hirsch Bravmann erlitten. Ein unheilbares Leiden hat seinem inhaltsreichen Leben im 65. Lebensjahre ein rasches Ende gesetzt. Mit seinem Heimgange verliert die Gemeinde ihren Führer und gleichzeitigen Seelsorger, insofern er auch Jahrzehnte hindurch als uns rn^er sich in den Dienst derselben stellte und für deren Belange jederzeit seine vollen Kräfte einsetzte. Wie als treusorgender Gatte und Vater seiner Familie, war er auch quasi als Vater seiner kleinen Gemeinde bestellt. — Wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, .treuer Arbeitssinn, felsenfestes G'ttvertrauen, selbstloseste Einfachheit und Bescheidenheit, Korrektheit und Rechtschaffenheit in Handel und Wandel waren ihm eigen. Vor dem ' Hause ergriff vor dem großen Trauergefolge zunächst! der Bruder des Verstorbenen, Lehrer Bravmann aus Karlstadt a. M., das Wort und zeichnete in markanten Zügen ein vortreffliches Charakterbild des Dahingegangenen.' Alsdann gab der Schwager des Entschlafenen, Lehrer Sulzbacher aus Hanau a. M., in bewegten, ergreifenden Worten seinem . Schmerze Ausdruck. Herr Albrecht, Unteraltertheim, beklagte aufs tiefste namens der kleinen Gemeinde den herben Verlust, von dem sie betroffen worden. Nachdem Lehrer Fuchs aus Würzburg auch kurze Abschiedsworte seinem Schwager zugerufen, widmete noch Lehrer Grünebaum aus Wenkheim, wohin das nn überführt wurde, dem Verklärten einen längeren Nachruf. n"3X3n Bad Ems, 29. Jan. Die Lehrerin, Frl. Recha C h a m b r e , Frankfurt a. MM Hegelstr. 10, die 12 Jahre an der Israelitischen Volksschule und am Lyzeum der Samson Raphael Hirsch-Schule gewirkt hat, feiert am- 6. Februar ihren 70. Geburtstag. Bratislava, 27. Jan. Dani Rosen bäum n*»» der vor einigen Wochen im Hause seiner einzigen Tochter, Frau J, Lieben in Prag, aus dem Leben geschieden ist, hat es verdient, daß seiner über die Grenzen der Heimat hinaus ehrend gedacht werde. Der Sproß einer uralten Familie, die ihren ...Stamm*-, baum bis auf den „Hohen Rabbi Löb von Prag;" zurückführt, Sohn und Enkel hervorragender Talmudgelehrter, war Dani R. in einem Hause aufgewachsen, in welchem hingebungsvolle Arbeit für den Klal geheiligte Tradition war. Von diesem man ivot aber;, das gerade den nasn üv oytw zur Seite steht, wurd« er begünstigt und konnte so Jahrzehnte hindurch de:r Preßburger orthodoxen Kehillo auf den verschieden sten Gebieten unschätzbare Dienste leisten; ganz besonders in der Schulkommission, deren Präses er war. Er hatte das Glück, sein Ideal einer Erziehung by ..> ntn-m rnwi »a^a an seinen eigenen Kindern verwirk•/ liehen zu können. Beide Söhne, deren einer das Ge schäft des Vaters fortführt, deren anderer den Bemf des Rechtsanwaltes ausübt, gehören zu den Stutzern der Preßburger Kehillo. rrastjn -i SSmmSSSSSSSBSSSSSSSSS^ "■ ■ Ernst Wolff unternimmt nicht, wie irrtümlich . in der Konzert-Anzeige stand, eine Konzertreise mit Prof. Bruno Walter, sondern, ist auf Veranlassung von Prof. Bruno Walter zu Konzerten nach Wien im Februar engagiert worden.

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