Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1935)
- Date
- 1935-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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31. Januar 1935 Der Israelit Nr. 5 Seite 7 sie' für den Fall, daß ihnen binnen einer Woche ihr Recht nicht werde* sie in der Zahl von ,1000 Personen noch einmal anmarschiert kämen, um sämtliche Räume der Gemeindekanzlei zu besetzen, bis AV liilfe geschaffen sei.; Mit einer schrillen Abschiedskatzenmusik, zog die Prozession der Krüppel ab, die natürlich eine unübersehbare Menge von Neugierigen nach sich zog. ' ■ Die „Affäre Reiswasser" hält neben vielen anderen zur Zeit die Warschauer in Atem. Ein Greis namens , Stanislav Reiswasser übermachte all seine .Besitztümer an die Gemeinde. Es handelt sich um Objekte im Werte von eineinhalb Millionen. Zloty. Die Gemeinde verpflichtete sich neben einem geringen Kaufpreis, Reiswasser eine lebenslängliche Rente zu zahlen, ihm nach seinem Tode ein würdiges Grab und eine ehrenvolle Bestattung zu gewähren und auch von Gemeindewegen durch einen Thoragelehrten für ihn im Trauerjahre Kaddisch sagen zu lassen. Der einzige Sohn des Testators ist «in Renegat, und so wollte Vater Reiswasser rechtzeitig dafür sorgen, daß sein Vermögen nicht später in die Hand des unwürdigen Sohnes kommt* Dieser aber setzt nun Himmel und Hölle in Bewegung, das Testament außer Kraft zu bringen%und führt Klage sowohl gegen seinen Vater wie gegen die . Gemeindeverwaltung, der er vorwirft, sie habe den Alten überrumpelt, um ihn, den Sohn, um d,as Erbe zu bringen. Die Gerichte beschäftigen sich, mit der Angelegenheit und man kann auf den Ausgang gespannt sein. Bis jetzt konnte bei der Untersuchung die Gemeindeverwaltung nachweisen,-daß der Kauf und die Stiftung in voller Ordnung vor sich gingen. Die Warschauer Kehilla gegen Sabbat- 4 entweihungen in Tel Awiw. Warschau, 27. Jan. In der letzten Sitzung der Kehillaverwaltung trat der Ratmann Ephraim" R u n d a mit einer scharfen Rede gegen die unerhörten Fälle von Sabbatentweihungen und andere Verstöße gegen die Religion in E. J. hervor. Erez Israel sei eine Angelegenheit der ganzen jüdischen Welt und Warschau, die größte jüdische Gemeinde Europas, habe die Pflicht, einen Protest zu erheben. Der Vizepräses L ern e r und Ratmann K amin er unterstützen den Antrag, während Fdnkelstein sich auf die Gewissensfreiheit beruft. Der Antrag Ründas wird aber angenommen, so daß ein' scharfes Protesttelegramm gegen die Sabbatentweihungen und andere religiösen Verstöße sowohl an den Magistrat in Tel Awiw wie an, die Jewish Agency beschlossen wird. Aus den weiteren Verhandlungen interessiert, ein Bericht, des Präses Masur, aus dem hervorgeht, daß 90.000 jüdische Seelen in Warschau diesen Winter von der Kohlenaktion erfaßt werden konnten. Transsylvanien, Eine Aguda-Konferenz in"! Tränssyivähien, , Cl'uj',14. Jan. •.. Zu der( Agudakonferenz in ClüjJ über die wir bereits in jüngster Nummer bericüteten, ist noch' er?; -.. ••>■ t ';;';;> ' (t*' .• •, i £ gänzend mitzuteilen, daß sich die Beratungen 'in deflP Hauptsache darauf bezogen, einen Weg für die "engere,^ Zusammenarbeit, der transsylvariischeh Orthodoxie mit der Agudas Jisroel zu finden. Ueber "'dieses Thema, hielt Dr. Israel Nor'marid ein, sehr instruktives'I^e? ferat, in dem er. auch umfassend die. Erziehürigsfrage in Transsylvanien.", besprach. *'_"-' Demnächst wird eine transsyIvanische R a b b i - nerkonferenz tagen, die die Anträge und Beschlüsse der heutigen Konferenz als Material benutzt; Mittwoch Vormittag fand eine öffentliche Massenversammlung der Äguda's'Jisroel statt, in der dei£ Wischnitzer Dajan, Rabbi. David S c h n e e b a 1 g , die: Frage der Erziehung und Erez Israei-Pröbieme behandelte und mit seinem Appell, an den Aufgaben. der Agudas Jisroel mitzuarbeiten, die Versammlung begeisterte. Man darf hoffen, daß. die Agudasarbeit in Transsylvanien mit., dieser Versammlung einen' neuen Auftrieb erhielt, ".' Palästina. Die Session des neuen Stadtrats von Jerusalem eröffnet Jerusalem, 24. Jan. Nach, dreimonatigen Kämpfen um die Rechtmäßig-, keit der letzten Stadtratswahlen in Jerusalem und nach Ueberwindung einer im letzten Augenblick um die Besetzung der Stelle des ersten Vize-Bürgermeisters ausgebrochenen Krise hat am 24. Januar die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats un- Die Wocne. Berlin. Der 60. Geburtstag des Rechtsanwalts Dr. Alfred Klee wurde in den zahlreichen Organisationen, in denen er seit Jahrzehnten tätig ist, zum Anlaß viele^jj Ehrungen und Huldigungen für den Jubilar^, gemacht. — Wie der deutsche Landesver,- : band des Hechaluz mitteilt, traten am 29.. Januar 350 Chaluzim und Chaluzoth aus Deutschland in Triest die Ueberfahrt nach Palästina an. Es ist dies die größte Gruppe" von Chaluzim, die bisher aus Deutschland nach Palästina gesandt wurde. An dem Transport nimmt auch eine Gruppe von 20 Mitgliedern des Brith. Chaluzim Da-, t i i m teil. Würzburg. Wie der „Völkische Beobachter" meldet, wurde in Hammelburg (Bayern ein Gastwirt und Metzger in Schutz haft genommen, der eines Vergehens der Beihilfe zur jüdischen Schächtuhg überführt worden sein soll. Genf. Prof. Max Jakob Askanazy, der seit 1905 als Professor der anatomischen Pathologie und der allgemeinen Pathologie an der Genfer Universität lehrt, wurde wegen seiner Ver- . dienste um die Wissenschaft und um die Genfer Universität zum Ehrenbürger des Kantdns Genf gewählt. Lodz. Wegen eines Zusammenstoßes im Lodzer Stadtrat forderte der zionistische Vertreter Dr. K r a u ß den Agudadeputierten M i n z - b e r g zum Duell auf. Selbstverständlich lehnte Minzberg das Duell aus religiösen Gründen ab und schlug vor, den Konflikt durch ein Ehrengericht erledigen zu lassen. Riga. Der Gaon von Rogatschow ist an einer Lungenentzündung schwer erkrankt, die zu Besorgnissen Anlaß gibt. Es wird in Lettland und Litauen um die Genesung des Gaon gebetet. Wilna. Hier ist der ehemalige Senator Dr. Zemach Zzabad, ein Vorkämpfer der jiddischen Kulturbewegung und hervorragender Mitarbeiter der Gesellschaften Ort und Ose, im 71. Lebensjahre g e s t o r b e n. Lemberg. Der Rat der Jüdischen Gemeinde Lemberg ' wurde mit der Begründung, daß seine Mandatszeit abgelaufen sei, behördlich aufge- 1 ö s t. Es wurde ein Regierungskommissar zur Leitung der Gemeinde eingesetzt, dem ein . aus fünf Zionisten und elf Vertretern ■ der -assimilatorischen Richtung und der Kaufleute bestehender Beirät. zur Seite ge-' stellt wurde. Die Orthodoxie ist im Rate nicht vertreten. Jerusalem. Israel Lachmann und seine Frau Malka wurden in Ramath Gan überfallen, wobei Lachmann getötet und seine Frau schwer verwundet würde. Drei Araber, von denen man "annimmt, daß sie den Mord aus Rache bef", j gingen, wurden verhaftet. —■ Rabbi Meiei>j \ B ö r 1 i n , der den Vorsitz .in der,:Misrachir;j j exekutive niedergelegt hatte, hafc.isichji wfe1' ' zu erwarten war, idazti entschlossen, ■•seiifcej'f | Demission z* u r ü c k z u z'i e h e nji :> — $t'; Jerusalem 'fand -eine : :n eur.ol o g;i:S che > \ Tagung 'statt,' än;der 31 Fachärzte aus - Jerusalem,. Tel Awiw, Haifa und 'Tiberijas ' teilnahmen und die: zur' Gründung einer- Neurologischen und Psychiatri - sehen Gesellschaft führte. — Der ehemalige Generaldirektor der Great Western Railway, Sir Felix Pole, Mitglied des Colonial Development Advisory Com- 'inittee, der von der Palästinaregierung zur Erstattung eines Gutachtens aufgefordert rwurde; hat die Verlegung des Eisenbahn-Knotenpunktes von Lydda nach Tel Awiw empfohlen. Rom. In' Vecchia wurde die erste jüdische Mar r ine s chule eröffnet, in der sich junge Juden für die Schiffahrt ausbilden können. Die ersten Vertreter von Staat und Stadt; wohnten der Eröffnungsfeier bei. ter der Leitung des Bürgermeisters Dr. Hussein Fakri el Khaldi und im Beisein des Distriktskommissars Campbellstattgefunden. Zum ersten Mal seit fünf Jahren nahmen wieder jüdische Stadträte an einer Sitzung des Jerusalemer Stadtrats teil. Bürgermeister Dr. Khaldi erklärte in seiner Eröffnungsansprache, die neue Stadtvertretung werde kein Tummelplatz der Politik, sondern eine Stätte konstruktiver Arbeit iür das Wohl Jerusalems sein. — Vertreter der Presse waren zu der Eröffnungssitzung des Stadtrats nicht zugelassen worden. Der erste Vize-Bürgermeister Daniel Auster, ein Mann von etwas über 40 Jahren, war als österreichischer Offizier während des Krieges nach Palästina gekommen und übernahm nach der Demobilisierung gemeinsam mit dem Tel Awiwer Rechtsanwalt Dr. Dunkelblum die Abteilung der Zionist Commission für die Verwaltung des jüdischen Friedensgerichts. Einige Zeit später errichteten er und Dr. Dunkelblum eine der ersten Rechtsanwalts-Kanzleien in Jerusalem. Eines der ersten drei Häuser, in dem jetzt stark ausgebauten Jerusalemer jüdischen Vorort Rechawia wurde von Daniel Auster errichtet, der heute auch Vorsitzender des Rates von Rechawia ist. Gesinnungsgemäß gehört Auster den Allgemeinen Zionisten an. Der Kamp! um den Bodenbesitz auf dem Berg Kanaan vor dem Obersten Gerichtshof. Jerusalem, 27. Jan. Im Namen des mohammedanischen Religionsfonds (Wakf) in Safed hat d as Mitglied der arabischen Exekutive, Auni Bey Abdul Hadi, beim Obersten Gerichtshof in Jerusalem gegen die Entscheidung des Safeder Administrativen Gerichts in der Frage des arabischen Anspruchs auf den jüdischen Bodenbesitz auf dem Berg Kanaan Berufung eingelegt. Bekanntlich hatte der stellvertretende Distriktskommissar für den Nord-Distrikt vor kurzem den größten Teil des strittigen Gebietes aus dem Verfahren ausgeschieden und endgültig den jüdischen Besitzern zugesprochen, während die Entscheidung über einen kleineren Teil noch getroffen werden sollte. Waad Leumi übernimmt Fürsorge für Neueinwanderer. Tel Awiw, 10. Jan. In einer Sitzung des Waad Leumi wurde einstimmig beschlossen, daß die Einwanderungskommission dieser Körperschaft die Fürsorge für neue Einwanderer unmittelbar nach ihrem Eintreffen übernehmen soll. Dr. Greenbaum erstattete einen Bericht über die Arbeit der Kommission. Es folgte, eine Ausspräche, die noch in der nächsten Sitzung des Waad Leumi fortgesetzt werden soll. Auf die Notwendigkeit, den Neueinwanderern die entsprechende Fürsorge zuzuwenden und ihnen bei der Niederlassung behilflich zu sein, war besonders von Miß Szold hingewiesen worden. Ihre. diesbezüglichen Vorschlage fanden die Zustimmung der nachfolgenden Redner. Die( Mitglieder der neuen Einwanderunsgkommission sollen in . der nächsten Sitzung bestimmt werden. v. * W, V!;. •: ■: ■ m , Ueberschwemmungsschäden in Wadi, Hawarith und Tel Awiw. : : . . r - , :; .. (; >;..,T^l Awiw, 27. Jan. Heftige; Regengüsse; haben Jn^ den letzten Tagen Hochwasser im Eskadron-Bach^ , und eine Ueberschwemmung verursacht* Die Verbindungswege zwischen Chadera und dem Emek Hefer (Wadi Hawarith) wurden unpassierbar. Auch die Bahnverbindung war unterbrochen. Waggons mit Lebensmitteln und Baumaterial für die durch die letzten großen Ueberschwemmungen zu Schaden gekommenen Siedler in Wadi Hawarith mußten zurückdirigiert werden. Der Verkehr in Maawaroth, Kfar Chajim-und Mischmar Hascharon mußte durch Kähne aufrecht erhalten werden. Auch die Arbeiten, zum Ausbau des Stadions in Tel Awiw, auf dem die leichtathletischen Wettkämpfe der zweiten Makkabiah vor sich gehen sollen, wurden durch die jüngsten Unwetter-Katastrophen aufs empfindlichste geschädigt. j : «itife #: la oei 80^