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Der Israelit · 1935-01-31 · Heft 5 (31.1.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 5 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 5 Der Israelit 31; Januar 1935 •dem Gauleiter Julius Streicher dazu gedient, in einer Rede in Nürnberg uns Juden zu diffamieren. Er tat dies mit folgenden Worten; „Der Jude Matz Braun war Beauftragter der jüdischen Rasse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterland zurückkehre. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeßt nie: Ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors' stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbahken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das Unglück bringen zu können, daß hunderttausende Deutsche für immer dem deutschen Volk genommen werden. Jawohl, wollen wir nie vergessen :Ein Jude stand an der Spitze der Schande, die wir erlebten." Demgegenüber erklären wir: Dies ist nicht wahr und stellen fest: Max Braun ist weder Jude, noch jüdischer Abstammung. In derselben Rede hat der Gäuleiter Streicher Dr Walter Rathenau die Worte in den Mund gelegt: „300 Männer, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren die Geschicke der Welt." Demgegenüber stellen wir fest: Die Aeußerung Rathenaus (in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit", Berlin 1912, Seite 206) lautet: „300 Männer, von denen jeder jeden kennt, lei ten die Wirtschaftsgeschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung." Die Worte „durch das Blut verbunden" hat -Rä thenau nicht gebraucht. Wann endlich werden solche, uns tief verletzenden Ausstreuungen ein Ende nehmen?! Zur Wahrung unserer Ehre bleibt uns nichts als feierlicher Protest! ., Das Schreiben unterzeichnen für die , Reichsvertretung der deutschen Juden Baeck und Hirsch. Noch schlimmer als die hier gekennzeichneten Unwahrheiten ist die folgende Veröffentlichung des genannten Blattes: Unter der Ueberschrift „Zeitgemäße Anzeigen des Stürmers" veröffentlicht der „Stürmer" in seiner vorletzten Nummer neben anderen Beschimpfungen auch die folgende: „Geweihter Synagogenwein, garantiert noch nie vom Goi berührt, (also kein nesech)1, mit Menschenblut leicht gefärbt, soweit Vorrat, billig abzugeben. Off. u. „Diskretion". Es wird zu prüfen sein, ob uns auch gegen diese unerhörte Beschimpfung nichts als der Protest übrig bleibt und ob sich nicht ein rechtlicher Weg ergibt, gegenüber solcher Form der Verunglimpfung zur Wahrung unsrer Ehre etwas zu unternehmen. würden, die ihn als Sonderfall darstellen wollten. Im Volksaufbau gebe es keine Sonderfälle. , Gegen Milderung der Ariergesetzgebung. Berlin, 27. Jan. Im Rahmen von Betrachtungen über Rassefragen im Zentralorgan des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen hat der Sachverständige für Rasseforschung beim Reichsinnenministerium, Dr. Achim Gercke, Gründsätze der Arterhalfcung als Ziel der Ariergesetzgebung aufgestellt. Dr. Gercke erklärt, Unterbrechung der artgemäßen Entwicklung sei die Sünde wiäer das Blut, äie^ die ■ heute leberide uhc| auch noch die nächste ' Generation mit besondere^' :Schärfe auszutragen'haben werde. Unter der ari-r sehen Abstammung sei die Entwicklung in den Gren-. 'zen des stammverwandten Blutes zu verstehen. Einj Blutseinscliläg undeutscher Herkunft müsse wenig* stens einem - verwandten Volkstum ' entstammen;':-Die-f ses verwandte Volkstum sei bei den europäischen Völkern anzutreffen, insbesondere bei denen, die seit geschichtlicher Zeit unvermischt in geschlossener Volkstumssiedlung in Europa ihre Heimat hätten. „Das heimatlose' Judentum und die vagabundierenden Zigeuner gehörten diesem Kreis nahestehender Völker mit ähnlicher rassischer Herkunft nicht an." Die Hoffnung auf Milderung der Bestimmungen über die' Rassenscheidung und der Versuch, Ausnahmen zu erreichen, gingen von der Absicht aus, die klare Scheidung von Art, und Art zu verwischen, und gingen völlig fehl in der Annahme, daß die Zwischenformen... jemals als eine glückliche Lösung beträchtet werden könnten. Verwischung und Vermischung störten die Absichten einer sauberen Rassenpolitik. -Die^Beurteilungen seien1' falsch, die vom einzelnen*'aus:'getroffen Oesterreich» Minoritätenschutz in Oesterreich, Wien, 25. Jan. Die Blätter geben eine Meldung des „Illustrowany Kurjer Codzienny" wieder, wonach der österreichische Bundeskanzler, Dr. Kurt Schuschnigg, in einem Gespräch mit dem Vertreter des genannten polnischen Blattes Erklärungen über die Stellung Oesterreichs zu den internationalen Fragen abgab. Zur Minoritätenfrage erklärte der Kanzler: „Die ganz geringfügigen Minoritäten, die im Gebiete des heutigen Oesterreich siedeln, werden selbstverständlich als vollkommen gleichberechtigt Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel A w i w. Deutschland hat in einem handelspolitischen Zusatzabbkommen mit Spanien diesem zugesagt, so viel Devisen zur Verfügung zu stellen, daß der spanische Südfruchtabsatz auf dem deutschen Markt am. Rahmen des Durchschnittes der letzten Jahre finanziert werden kann. Dagegen müssen die palästinensischen Orangenexporteure durch Unterbringung deutscher Exporte in Asien und Afrika sich Devisen suchen. Für die Zukunft der palästinensij sehen Orangenwirtschaft können diese und [ andere Erfolge Spaniens auf handelspolitischem Gebiete verhängnisvoll sein. Auch die Verhandlungen Spaniens mit Frankreich und England wegen des Citrusexportes verdienen in Palästina aufmerksamste Beachtung. Tel A w i w. Gegen die Pfandbriefkonversion der palästinensischen Pfandbriefbank werden aus Bankenkreisen auch juristische Bedenken geltend gemacht. Der Pfandbriefbank steht an sich ein Kündigungsrecht überhaupt nicht zu, und sie hat sich daher zur Durchführung der Konversion einer rechtlich sehr fragwürdigen Deutung ihres Auslosungsrechtes bedient. Auch hat die hinter der Pfandbriefbank stehende, Anglo-Palestine- Bank noch vor wenigen Wochen die 7prozentigen Pfandbriefe als Anlagepapier zu 103 Proz. plaziert. Jerusalem. Der Budgetüberschuß der palästinensischen Regierung beläuft sich am 30. November 1934 auf Lst. 3.800.000. Jaffa. Dfe aus Japan neuerdings eingeführten Eichen- und Eschensperrplatten unterbieten die bisher impor-- tierten Sperrplatten aus Osteuropa um 30 bis 40 Proz. Haifa, In Nablus wird von arabischer Seite eine Streichholzfabrik mit einem Kapital von 10.000 Lst. ins Leben, gerufen. J a f f a. i Die Leistungsfähigkeit der palästinensischen Bahnen und Häfen gegen-: über dem Verkehrsansturm versagt.. Esu fehlt an Lokomotiven und geschlossenen. Waggons. Die Häfen sind teilweise. verJ stopft, so daß zum Teil auch die Lebensmit-' telversorgung berührt wird. Die Schlacht-; viehtransporte von- Haifa nach Tel, /Wiw; L stoßen jaüf Schwierigkeiten. In Haifa reichen?' r die .Lagerhäuser; nicht zur - Lagerung der':; i Orangenkisten aus.i T e 1 A yt i w. In Haköweschubei Kfar Saba ist auf,,Grund von, > Bohrungen in 155 . Meter Tieferem zwei-/ : t er, Grün dw as';s erhorizont erschlos-v •■ seil! worden,' der die jahrelangen Schwierigkeiten 'der Wasserversorgung j.an diesem'' Platze beseitigt. Der Fund kann für die ganze Küstenebene von großer Bedeutung sein. Tel Awiw. Die Ashraibank hat eine Spezialabteilung für palästinensische und internationale Wertpapiere eingerichtet. Da in den '/palästinensischen .- Banken, etwa 15 Millionen Pfund liquid, zu haltender Kapitalien brach liegen, wäre'die Schaffung eines breiten Marktes für gut; verzinsliche jederzeit anzubringende internationale Wertpapiere von größter Bedeutung. Tel Awiw. Die österreichisch-palästinensische1 Handelskammer studiert die Möglichkeit einer direkten Zugverbindung von Palästina: nach Mitteleuropa, um in vier Tagen Gemüsetransporte in den Wintermonaten nach; Europa zu bringend - Ja f»f a. Die Citrus^; Verschickungen stellen sich bis zum 6. Ja- , nuar auf 1,631,000, Kisten gegen 1,603,000 •;Kisten in gleichem Zeiträume des Vorjähr es. behandelt und sollen auch weiterhin in Oesterreich durch vorbildlichen Minoriätenschutz in ihren Rechten geschützt sein." Polen. Die Zeürei Agudas Jisroel Polens und Erez JisröeL Warschau, 17. Jan. Die .Hauptleitung der Zeüirei Agudas Jisroel in Polen richtete ein Begrüßungsschreiben an die neu geschaffene Z. A, J.-Organisation in Tel Awiw. Mit herzlichen Worten der Begrüßung ist die Bitte verbünden, das Netz der Organisation über das ganze Land auszubreiten und sich insbesondere die Vermittlung von Arbeitsmöglichkeiten für die Chawerim angelegen sein zu lassen. In weiteren Beschlüssen fordert die Zentralleitung; der Z. A. J, die Exekutive der Agudas Jisroel auf, die. Zeiireibewegung in Erez Jisroel nach-Möglichkeit zu unterstützen — und baldmöglichst an die Schaffung einer agudistischen'Gewerkschaft für alle Professionen .heranzugehen, da der Anschluß von Mitgliedern der Z. A. J. an die „Histadruth" nicht in Betracht kommt. (Diese Gewerkschaft ist bereits vorhanden. Red.).; Ferner wird beschlossen, selbständige Hachscharapunkte der Z. A. J. zu schaffen. 'Alle Mitglieder, denen zur Erlangung eines Zertifikates verholten wird, verpflichten sich schriftlich, treu in den Reihen der Z. A. J. zu bleiben. Die Auslese der jungen Menschen für die Hachscharoth soll fortan peinlicher vor sich gehen. Der achtstündige Arbeitstag. ist überall in den Hachscharoth streng einzuhalten. Berücksichtigt und bevorzugt bei den Zertifikaten werden diejenigen, die Verdienste in der agudistischen Bewegung aufweisen und die Gewähr bieten, auch in E. J. für eine der agudistischen Organisationen wirksam zu arbeiten. Die Olim sind auch in Bezug auf ihre Thorakenntnis und jüdische Gesinnung einer Prüfung zu unterziehen. Die agudistischen Organisationen haben das bestmögliche Menschenmaterial für den Aufbau von E. J. zu stellen. Mit der Agudadelegation, die sich demnächst nach E. J. begibt, werden auch berufene Vertreter der Agudajugend ins Land kommen, um die Voraussetzungen für die Arbeit der Z. A. J. an Ort und Stelle zu studieren. Einen Kampf mit den Poale Agudas Jisroel zu führen, beabsichtigen die Zeiirim keineswegs. Dagegen sind sie entschlossen, ihre .Existenz: und ihre, Positionen, die Frucht zwanzigjähriger aufopfernder Arbeit, vor Bevormundung und Zersplitterung zu schützen. Die Zentralleitürig verurteilt die kleinlichen Plänkeleien zwischen Poalim und Zeiirim in einigen Städten Polens und "betont die Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit Ein sonderbares Straßenkonzert in Warschau, : Warschau, 27. Jan.; - Ein Hungermarsch, wie ihn, das:-jüdische Warschau vielleicht nach nie gesehen hatte, bewegte sich am. Freitag vormittag nach der Gemeindestubei Es waren: über. i00 Krüppel, Greise, Frauen und Kinder, die: mit verschiedenen Instrurijienten ausgestattet, vom. Leierkasten bis zur 'Mundnarmönäai/du^E't^e- Straßen zogen, und um . Brot und Unterstützung schrieen,, pfiffen und musizierten., Der Präses M*ästrr war if>. '.. n< , ,r ' ■• .. .;?./•. gezwungen, eine Delegation des j^rmenzüges' zu empfangen. Diese erklärte den Yorstehern der''Gemeinde, daß die "große Schar von jüdischen Älmos'enempf ändern infolge der neuen polizeilichen Maßnahmen gegen Betteln^ Hausieren und Musizieren, in den Höfen: buchstäblich dem Hungertode preisgegeben sei.. Ihrer viele sind wegen leichter Uebertretung der Vorschriften/ins Gefängnis oder-Arbeitshaus geschickt worden. Sie verlangen von der Kehilläh eine Intervention bei der Macht für ihre althergebrachten Rechte öder''eine wöchentlicheSubvention, von Gememdewegen. Mindestens müsse ihnen das Monopol der Spendeheins'ammlung auf dem Friedhofe gesichert bleiben. Herr Mas'ur ' konnte den Herren leider nur mit der Mitteilung dienen, daß die Polizei; neuerdings auch d a's ( Betteln a u f d e in Friedh.of strengstens verbiete. Darauf gerieten die Delegierten an den Krücken in namenlose^ Wut' mktaerklärten,' <daß sie fü> den,} Fall, däßj - ■■■>•■■> ■ - ' "• H

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