Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1935)
- Date
- 1935-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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31. Januar 1935 ,D e r Israelit Nr. 5 Seite-5 greifen und vor allem eine genetische Darstellung der Vorfälle versuchen. In Nr. 44 des neologen Organes „Egyenlöseg" veröffentlichte der Oberfiskal der Pester Kongreßgemeinde, Dr. Ernst M u n k a e s i , einen hochinteressanten Artikel unter dem Titel „D i e Sistierung der Gegensätze zwischen N e o 1 o g e n und Orthodox e n Es wird in diesem Artikel darauf hingewiesen, daß nach Monate hindurch währenden Verhandlungen mit den berufensten amtlichen Vertretern der Orthodoxie, nunmehr erwünschte Resultate gezeitigt worden sind- Diese Vereinbarungen kulminieren in Folgendem: Die neologe' Landeszentrale hat nichts dagegen einzuwenden, wenn in Ortschaften, wo es nur eine einheitliche Kongreßgememde gibt, im Rahmen dieser Gemeinde selber, solche Glaubensgenossen, " die den Sabbat aufs strengste halten, sich eigene separate Gebetgenossenschafteri gründen. Doch bleiben die Mitglieder der Betgenossenschaft auch weiterhin Mitglieder der einheitlichen Kongreßgememde und erhalten von derselben bloß eine Subvention zur Erhaltung ihrer separaten Gebetsgenossenschaft. Hingegen aber erwartet die neologe Landeszentrale als Gegenleistung für diese ihre (angebliche „Zuvorkommenheit'1, daß hinwiederum in solchen Ortschaften, wo es nur eine auf Ba- -sis der orthodoxen Landesstatuten gegründete Emheitsgememde gibt, es seitens der orthodoxen Einheitsgemeinde gestattet wird, daß in ihrem Rahmen auch eine Betgenossenschaft zwecks Unterhaltung eines „fortschrittlichen" G'ttesdientes gegründet werde. Die Wichtigkeit und Folgenschwere dieser Sätze ließ der Artikelschreiber genügend hervortreten, indem er sie mit fetten Lettern und in engeren Zeilen setzen ließ. Und in der Tat bildet dieser Punkt die Achse, um die sich alles dreht, den hauptsächlichsten Schwer- und Streitpunkt in all den Streitigkeiten zwischen Orthodoxie und Neologie im Laufe der hingegangenen Jahrzehnte. Denn hinter der scheinbar unschuldigen Maske dieser Sätze lauert die amtliche und autoritative Anerkennung der thoragesetzlichen Legalität der Neologie seitens der Orthodoxie! Es handelt sich hier um nichts Geringeres, als um die prinzipielle Anerkennung der Neologie alsjüdischrlegalen Bestandteil oder Fortbildung des traditionellen Judentums! Auf diesen Artikel reflektierte in Nr. 43/44 des orthodoxen Organes „Zsido Ujsag" (vom 23. Nov. 1934) der Rechtskonsulent der orthodoxen Zentralkanzlei, Dr. J. Reiner, in einem ausführlichen Artikel, worin wohl aufs allerklarste und allerbündigste auf die finanziellen Lasten -hingewiesen wird, welche eine wie oben gewünschte Regelung des Verhältnisses zwischen der orthodoxen Minorität (orthodoxem Bethausverein) und der neologen Kultusgemeinde für die Mitglieder des orthodoxen Bethauses mit sich brächte, indem die letzteren weiterhin die Steuern an die eigentliche Gemeinde zu entrichten hätten und nur einen kleinen Bruchteil derselben als Beitrag zu den Kosten ihrer eigenen Institutionen zurückerhalten möchten. Daher wird auf eine möglichst größere Berücksichtigung dieses Umstandes bei der Besteuerung dieser orthodoxen Gemeindemitglieder plädiert. Auch wird noch anderer, den orthodoxen Interessen schädlichen Momente in jenen geplanten Ergänzungen zu den neologen Kongreßstatuten in diesem, im großen Ganzen juristisch präzisen und ausgezeichneten Artikel des Dr. Reiner Erwähnung getan, über die wir vielleicht später ebenfalls referieren wollen. Doch wird in einer und zwar, nach unserem Dafürhalten, in der hochwichtigsten Beziehung, ein rätselhaftes Schweigen gegenüber Dr. Munkacsis Artikel bewahrt. Auf die mit Fettdruck hervorgehobene Erwartung nämlich, daß auch die orthodoxen Einheitsgemeinden ihren „fortschrittlich" gesinnten Mitgliedern einen besonderen Bethausverein zur Unterhaltung eines „fortschrittlichen" G'ttesdienstes konzessionieren werden, wird von Dr. Reiner mit keiner Sterbenssilbe reagiert. Auch ist das in der folgenden Nr. (45/46) des „Zsido Ujsay" veröffentlichte Rexerat über den Verlauf der am 27. November 1934 abgehaltenen Sitzung der orthodoxen Zentralkommission allzuknapp, um daraus auf eine Stellungnahme inbezug auf diese „Erwartung" seitens des neologen Leitung in bejahendem oder verneinendem Sinne schließen zu lassen. Es bliebe uns daher nur das in diesem Falle recht ominöse ■«»»*? mniw npnv übrig! Doch kommt da zum Glücke "der Redakteur des Organes „Szombad" uns zur Hilfe und lüftet — scheinbar von allen Seiten, informiert —etwas den Schleier, indem er in Nr. 27, 1934 wörtlich wie folgt schreibt: „Von nun ab wird man gegen die Gründung von orthodoxen Bethausvereinen (innerhalb neologer Einheitsgemeinden) keine Hemmnisse wälzen, so nur die nötigen Formalitäten eingehalten werden. Diesem Umstände gegenüber bezeugte auch die Orthodoxie Zuvorkommenheit. Von nun ab wird man auch auf dem Gebiete orthodoxer Kultusgemeinden die Zusffmmenschließung von Gemeindemitgliedern mit neologer Gefühlsrichtung erlauben. Der die Dinge und Verhältnisse in Ungarn kennt, wird festzustellen wissen, daß diese Konzession der Orthodoxie eigentlich nur eine s c h ö n e Geste ist. Denn wovon kann eigentlich die Rede sein? Allerhöchstens davon, daß im ganzen Lande allerbestenfalls innerhalb zwei oder drei größerer orthodoxer Kultusgemeinden sich eine kleine neologe Insel bilden wird. In Miskolc, Balassagyarmat, Kleinwardein, evtl. auch in Papa möchte ein Haufe Intellektueller sich zusammenstellen und einen G'ttesdienst veranlassen, wobei ein gehörig gebildeter, aus einem Rabbinerseminar hervorgegangener Rabbiner Predigten in ungarischer Sprache abhalten möchte. Doch möchte solches außer an den hohen Feiertagen wohl kaum einige Male im Jahre geschehen. Doch ist es kaum glaubhaft, daß innerhalb der großen orthodoxen Gemeinden solche neologen Bethausvereine tatsächlich entstehen würden Und eben deshalb werden innerhalb orthodoxer Gemeinden wohnhafte neologe Rechtsanwälte, Aerzte, Beamten keine ernstlichen Opfer bringen, damit sie die Saisonware einer Festpredigt besser genießen können. Bei Orthodoxen ist es natürlich ganz anders. Wenn solche einen besonderen Bethausverein gründen wollen, dann ist bei ihnen von einem täglich bestehenden Seelenbedürfnisse und von ihrer Lebensform die Rede und hierfür können sie auch Opfer bringen." Zum Schlüsse führt erwähnter Redakteur noch aus, daß die neologen Führer wohl dessen bewußt sind, daß die seitens der Orthodoxie gewährte Konzession bloß ein „Papierfetzen" ist, während, die Liberalen, tatsächliche, ins Leben übertragbare Konzessionen dafür in Tausch gaben. Doch genügten ihnen prinzipielle Konzessionen, da sie sich von Loyalität und Wunsch nach Eintracht führen lassen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die Ehre der deutschen Juden. Berlin, 27. Jan. Die Reichs Vertretung der deutschen Juden übergibt uns folgende Erklärung:' „Auch das überwältigende Ergebnis der Saar- Abstimmung hat zu unserem schmerzlichen Bedauern Schweiße deines Angesichts .sollst du Brot essen!" Dieses Wort bedeutet aber nicht mehr, als um das Tägliche zu sorgen. Es bedeutet aber nicht, sich, einen Turm seiner Macht zu bauen, daß er auch noch den Enkeln Macht gebe. So kettet man sich an die Thora der Arbeit, kehrt gleichsam nach Mizrajim zurück, — und unsere Väter waren aus Mizrajim ausgezogen, damit sie und ihre Nachkommen G'tt dienen. Wer das materielle Ziel zur Hauptsache macht, die dann ganz von selbst die ethischen Ziele immer weiter zurückdrängt, der . zählt nicht mehr die Tage, denn er blickt auf die Jahre. Jedes Jahr soll ihm die Möglichkeiten des Lebensgenusses und der Lebensmacht erhöhen. In solcher Gedankenrichtung kommt — wenn nicht bei ihm, so bei seihen Kindern — der Sabbat in Gefahr, daß er nicht mehr die sechs Wochentage krönt, da er der Jahresbildung weichen muß. Die Tage der Woche, die wir bis zum Sabbat zählen, stellen an jeden Juden, der der Thora die. Treue wahren will, die Frage, ob er noch in ihrem Geist seine Tage zu zählen weiß. Kleines Feuilleton. ♦jyti o^aaw Zu unserem Artikel über rrn o^naw teilt uns ein Hamburger Freund unseres Blattes mit, daß im großen Hamburger bezw. Altonaer "Vi?n» riebst anderen Gründen folgende Begründung für rrn csaw angegeben wird: n^jM-jn ivrawan D»»anp D'aimpn im» nsnn 'oa wia^n aro M9i Q'Winn pVi •mapnn-.ibK napn pbi ..-viasrn nava wmaw :V,stiV an bin oyb lpyaen brnw bv pam yna» maian mnv hsnsa niniV «na vb nt djnjbw aroi .ibw sVi la-vi ■ns,> was Di pi own ba pVi mnw nsns ia rmpb -na Vtri n-rpi» siapn nsnQ •snawn nwnD ima »b Es wären somit Gebete um Erhaltung des Nachwuchses, der Zukunft des jüdischen Volkes. Gute Worte. Zweimal kommt in der Thora ibwi vor. Einmal In M. II r>l\>'>pa idWi. und vorher in M. I iMib imm tw- Solange die roVij? die Stürme, die Wetterwolken das jüdische Volk umdräuen, sucht man die Stadt, die Heimstätte auf Zion zu bauen. Kaum aber ibwi m^ipn lassen die Donnerstimme nach und mildere Luft weht, -psn maab ibwv so vergißt man bald Zions und hört auf, an der „Stadt" zu bauen, (rinn)- Eins der Mittel zur Erlösung aus Mizrajim war nach Midrasch das Festhalten an der alten jüdischen Tracht. Ein chassidisches Werk findet Andeutung dafür im Schriftworte onibnipa nnns oniiNe?»: Ihr Verbleiben, ihre ewige Dauer (Dimxp» von ist?) ist verbürgt Imnns) durch ihre Gewänder (tmi^nwa). mb nurn nnayn na ist nach der Haggada die Frage des jren. Mit welcher Begründung? An den anderen drei Stellen heißt es "jiw, dein Sohn wird f r a g ej),' hier aber mir '131 nnir ^a ">nv Der abgefallene Sohn fragt nicht, er sagt (ttoic)i er. will nicht wissen und erfahren, sondern den Vater belehren. Um sich mehr Mut zu verschaffen, spricht er nicht im eigenen Namen, sondern in dem eines ganzen Kreises (nnm »a) es sei der Geist der Zeit. Ton und Fassung verraten die Sprache des J?m- Zwei Teilhaber eines Geschäftes baten den Rabbi um seinen Segen für ihr Unternehmen. Er nannte lakonisch die ersten vier Buchstaben des Olefbeth •#Y 'a '3 'S Auf ihre Bitte, ihnen diese sonderbare Brocho zu erklären, sagte er, die Buchstaben bedeuten: •jvfin p>n na^ nnns Herrscht bei Euch, naw», gegenseitiges Vertrauen, dann ist na-ia vorhanden, ginge aber ein Teil auf nbm (Veruntreuung) aus, dann wäre nibit Verarmung unausbleiblich. Wochenkalender. Vom 2. — 9. Febr. 1935 / Vom 29. Schebat bis 6. Adar I 5695 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Febr 'Ol' JJT Knpsna a» a* ty n? 19 17 ny DP pnnn panan D'oswa Mauled: Sonntag nachm. 5 Uhr 4l/9 Min. Vtt\ W8TT/K ©in wert 'a