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Der Israelit · 1935-01-31 · Heft 5 (31.1.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 5 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 5 D 1 i t Auswirkungen des „Protokolle"-Märchens in Polen. Lodz, 27. Jan. Das Bezirksgericht in Lodz hat in einem Prozeß gegen 19 Mitglieder der antisemitischen Nationaldemokratischen Partei in Lodz, die wegen antistaatlicher Agitation und Vorbereitung zu gewaltsamem Sturz der Regierung angeklagt waren, das Urteil gefällt. Sieben Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von 10 Monaten bis zu 2l/2 Jahren verm-teilt, zwölf Angeklagte wurden freigesprochen, In dem Prozeß, der wegen seines politischen Hintergrundes in ganz Polen mit größter Spannung verfolgt wurde, kam auch die gefährliche judenhetzerische Tätigkeit der Natiönaldemokraten zur Sprache. Die acht Verteidiger der Angeklagten, führende nationaldemokratische Advokaten, hielten judenhetzerische Reden und. bemühten sich, nachzuweisen, daß judenhetzerische Tätigkeit im Interesse des polnischen Staates liege. Der Führer der Verteidigung, S z w e i d 1 e r , behauptete in seinem Plädoyer, der ganze Prozeß werde im Auftrage Her „anonymen jüdischen Regierung" geführt. Die J[ugend wisse es nun, daß jedes Unglück, das über Polen kommt, von Juden herrührt. So sei es nicht zu verwundern, daß es oft zu antisemitischen Ausschreitungen komme. -Die „Protokolle der Weisen von Zion" hätten den Bestand einer /(internationalen anonymen jüdischen . Regierung" erwiesen; diese Judenweltregierung habe es besonders auf Polen abgesehen und will es verderben. Der Verteidiger St ip ü 1 k o wsk i entwickelte das Programm der Nationaldemokraten, das auf vollkommene Entrechtung der Juden ausgeht, und fragte, ob die Angeklagten deswegen bestraft werden sollen. Hingegen betonte der Generalstaatsanwalt, daß die Nationaldemokraten in der Maske judenhetzerischer Tätigkeit den Staat unterminieren wollen. Der Generalstaatsanwalt Kozlowski zählte eine große/Reihe von Fällen auf, wo Juden von Nationaldemokraten angegriffen wurden, und überreichte ein Verzeichnis von einigen hundert Mitgliedern der Nationaldemokratischen Parteii die wegen . antijüdischer Exzesse verurteilt wurden. Neuer Landesvorstand der A. J* in Deutschland. Frankfurt a. M., 28. Januar. In Frankfurt a. M. fand die Konstituierung des neuen Landesvorstandes der Agudas Jisroel statt. Zum Vorsitzenden wurde Rabbiner Jos. Horov i t z , Frankfurt a. M. gewählt, die übrigen Mitglieder des Vorstandes sind: R.-A. Dr. S. Auf einer nationalsozialistischen Kundgebung in Bensheim an der Bergstraße sprach Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger. Ueber die Judenfrage sagte er nach einem Bericht des „Frankfurter Volksblattes": „Das Volkswort: ,Wer vom Juden frißt, stirbt daran!' ist lebenswahr. Leider wird es von vielen unter uns noch nicht erkannt, Goldschmidt, stellvertretender Vorsitzender, Dozent Ehrentreu, Josef Rosenbaum, S. Schachnowitz, David U 11 - mann, Hugo Z u n t z. Außerdem besteht ein erweiterter Vorstand, dem in verschiedenen Städten Deutschlands ansässige Persönlichkeiten angehören. daß er bei jedem Einkauf bei einem Juden den Kampf gegen das eigene Vaterland und die nationalsozialistische Bewegung unterstützt! Wer zum Juden geht, stellt sich außerhalb <ler deutschen Volksgemeinschaft, denn er hält es mit denen, die das Vaterland bekämpfen." 31. Januar 1935 i i ..... f irnvr r-1 t"MM~;-* ■ —■-- ungeheure kulturelle Bedeutung der nationalsozialistischen Erneuerung unserer Tage. Denn sie ist vielleicht der letztmögliche Versuch, die nordrassisohe Kultur Europas vor dem Verderb durch Fremdtum zu bewahren und sie zu erneuern. -='1 Was für die Geschichte gesagt ist, ist entsprechend "für Deutsch, Kunsiunte-rricht und au c'h Singen anzuwenden. Vornehmlich diese Fächer haben sich der Gestaltung germanisch-deutschen;1 Wesens einzuordnen, sowohl in wertender, Ruckschau wie in vorausschauendem Aufbauwillen." Das Ausland zur Judenfrage, In der Düsseldorfer „Volksparole" wirft Dr. Johann von Leer in einem ausgiebigen Artikel die Frage auf „Schadet uns unser e Judengegnerschaft?" Die Parole, daß die scharfe Ablehnung des Judentums als Grundvoraussetzung des Nationalismus dem deutschen Volke im Auslande außerordentlich geschadet habe, komme, tiach Dr. Johann von Leer, „selbstverständlich in erster Linie von den altgedienten Freimaurern, Judenfreunden und Judenkechten", daneben aber auch, in nicht geringem Maße vom einfachen Menschen, die persönlich übervorsichtig, außerdem auch noch schlecht unterrichtet sind." Der Verfasser verbreitet sich dann über die Stellung der Juden in den verschiedenen Ländern und die Stellung dieser Länder zu der Judenfrage. Von allen Ländern der Welt sei England unzweifelhaft für die Judengegnerschaft am schwersten zu gewinnen. Das komme daher, daß es von aite'rsher nur wenig Juden in England gab» So hätte der Durchschnittsengländer die Judenfrage noch nicht begriffen und sei daran gewöhnt, aus seinem streng biblischen Denken heraus in den Juden „G'ttes auserwähltes Volk" zu sehen.. Manche erblickten sogar in den Engländern selbst die verlorenen „zehn Stämme Israels". Es sei auch nicht zu leugnen, daß England unter der Führung des jüdischen Lords Baeconsfield (Disraeli) starke Erfolge in der Politik zu verzeichnen hatte. Kein Wunder, daß hier viel weniger Verständnis für die Judenfrage im nationalistischen Sinne anzutreffen sei. Anders aber lägen die Dinge in Frankreich, wo schon zu Ausgang des vorigen Jahrhundetrs unter Führung von Edouard Drum on,t,eine judengegnerische Bewegung gab, die* heute durch den Skandal Stavisky neu aufgelebt sei. (Stavisky war nachgewiesenermaßen kein Jude, Red. d. „Israelit".). Die Pariser Presse* die in jüdischen Händen sei, gäbe ein vollkommen: falsches Bild von der wirklichen Volksstimmung. Die Maßnahmen gegen die Juden im Deutschen Reich seien im schaffenden Volke Frankreichs^ soweit dieses sich ein eigenes Urteil bewahrt hat, durchaus nicht auf Ablehnung gestoßen. Im weiteren weist Johann ,yon Leer .nach, welch .günstigen Boden; die jjüdengegnerisehe Einstellung des Nationalsozialismus in' den östlich e n sowie westund1 südslavischen Ländern, besonders in Polen, Tschechoslovakei,. 'Bulgarien^ Rumänien, Urigarn und Jugöslavie!^,'findet. Die einzige judenfreie Großmacht der Erde, J a p a n , habe sich sehr eingehend mit der Judenfrage beschäftigt, seitdem es das Judentum als Träger der Hochfinanz auf der einen und des Kommunismus auf der anderen Seiteerkannt habe. Erstere habe Japan nach dem Friedensschluß mit Rußland 1905 um die: Kriegsentschädigung betrogen, der letztere bedrohe seine Machtstellung in der Welt. So erkläre sich, daß die japanische Presse, mit Ausnahme einer einzigen sehr liberalen Zeitung, gar nicht daran gedacht hätte, die Maßnahmen Deutschlands; gegen , das Judentum zu kritisieren, „vielmehifJ ihnendas weitgehendste; Verständnis:,entgegenbrachte. Alles in allem sei es irrig, von einer „Schädigung Deutschlands durch seine Judengegnerschaft" zu sprechen. Einschränkung bei Veranstaltungen und deren Ankündigungen. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung hat sich an die Schriftleitungen und Verlage der jüdischen Zeitungen, Zeitschriften und Gemeindeblätter gewandt und hat ihnen eine Reihe von Vorschlägen betreffend die Ankündigung und Berichterstattung über Veranstaltungen gemacht. Es soll in Zukunft nur noch über künstlerisch, geistig oder organisatorisch bedeutsame Veranstaltungen berichtet werden. ./ Gleichzeitig ist die Reichsvertretung an die Vorstände der Organisationen sowie an die Verwaltungen der Gemeinden herangetreten und hat sie ersucht, sich in der Planung eigener Veranstaltungen größtmögliche Zurückhaltung aufzuerlegen. Zahl, Form und Inhalt der jüdischen Veranstaltungen muß durch die Rücksicht auf die G e s am theit des deutschen Judentums bestimmt werden. Die jüdischen Veranstaltungen müssen ein Spiegelbild der Lage und Haltung der deutschen Juden sein., Richtlinien für die rassenpolitische Erziehungsarbeit in den Schulen, Berlin, 27. Januar. Die Richtlinien für die Zielsetzung des Unterrichts auf den Gebieten der Vererbungslehre und Rassenkunde sind nun vom Reichsminister Rust veröffentlicht worden. Als Ziel der neuen Verordnung wird angegeben, im Unterricht aller Schularten die neuen Erkenntnisse zu vermitteln, aus ihnen die Folgerungen für alle Fach- und Lebensgebiete zu ziehen und dadurch nationalsozialistische Gesinnung zu wecken. Es wird im Erlasse betont, daß aus dem eigenen Rassenstolz ebenso die Achtung vor der Eigenart der andersrassigen Volker folge und daß der Grund der Ausschaltung: fremdrassige£ Gruppen nicht etwa die Ueberzeugung von ihrer besonderen Schlechtigkeit, sondern lediglich die Feststellung ihrer unabänderlichen Andersartigkeit ist. Ueber die rassische Geschichtsbetrachtung heißt es dann wörtlich: „Die Weltgeschichte ist als Geschichte rassisch bestimm er Volkstümer darzustellen. Die auf den wissenschaftlichen Ergebnissen der Erblehre und Biologie aufgebaute rassische Geschichtsbetrachtung widerlegt Auffassungen^ wie sie etwa in der liberalen Fortschrittslehre zum Ausdruck kommen. Aus dem Rassengedanken ist weiterhin die Ablehnung der Demokratie oder anderer Gleichhjeitsbestrebungen (Paneuropa, tenschheitskiiltiit)abzuleitenij jukL tfer{ Sinn für n Führerge;dankeh zu starken.' "!!.'' Bei diesenlle^ensgeschidlltiichen' Art der Ge-;; - $: -.;; ■ ■ , - * J L i f j'.»-. j": i;: - *j * *?.....; - schichtsbetrachtüng erweist sich aber auch die Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger über die Judenfrage

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